Das Geheimnis der Erlösung durch den Kreuzestod Jesu


Inhaltsübersicht:


Hat Jesus den Jüngern die Art seines Todes vorangekündigt? Wie reagierten sie?

Die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes und den Kreuzestod des Gottmenschen Jesus ist das für die meisten Menschen am schwersten zu begreifende Mysterium. Jesus hat - ganz im Gegensatz zur Meinung mancher Autoren 43 - den Jüngern mehrfach, und zwar bereits im ersten Jahre seiner Lehrtätigkeit, seinen gewaltsamen Tod und seine Auferstehung am dritten Tag vorausgesagt.
"Von diesen Zeiten an", wird in der Neuoffenbarung gesagt, "fing Ich an, ernstlich mit Meinen Jüngern davon zu reden, daß Ich nach des Vaters Willen wohl werde nach Jerusalem gehen und dort viel leiden müssen von den Ältesten, Hohenpriestem und Schriftgelehrten, werde von ihnen getötet werden, aber am dritten Tage wieder vom Tode auferstehen ( mt.16,21). Als ein Sieger über allen Tod und über alle Feinde des Lebens werde Ich dastehen dann für ewig, wovon Ich schon auf dem Berge des Markus Erwähnung tat."
"Da erschrak Petrus und sagte zu Mir, Mich beiseite ziehend, in einem gewissen gebieterisch-mahnenden Tone: Herr, das geschehe Dir ja nicht und Du bist uns und allen Menschen gegenüber verpflichtet, Deiner zu schonen!... (mt.16,22)
"Aber Ich wandte Mich schnell um und sagte auch in einem ganz ernsten Tone: 'Hebe dich, Satan, von Mir! Du bist Mir ärgerlich; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern nur, was da ganz gemein weltmenschlich ist!... (mt.16,23) (jl.ev05.170,05-06)

Wie ist Jesu Kritik an Petrus, aus ihm spreche Satan, zu verstehen?

Diese Stelle des Evangeliums ist manchen Kritikern ein Stein des Anstoßes. Der Bericht, daß Jesus einerseits dem Petrus die 'Schlüssel des Himmels übergeben und auf ihn seine Kirche bauen will' und ihn andererseits kurz darauf einen Satan nennt, vermögen sie in keinen sinnvollen Zusammenhang zu bringen und werten deshalb das ganze Evangelium als ungereimtes und unzuverlässiges Gemeindegut ab.
Die äußerst komprimierte Darstellung des Evangeliums laßt eine schnelle und oberflächliche Kritik gar nicht zu. Die ausführlichen Erörterungen der Neuoffenbarung erhellen auch in diesem Fall den Sachverhalt in logischer Weise.
In der NO heißt es nämlich hierzu:
"Hier erschrak Petrus ganz gewaltig, fiel vor Mir nieder, bat Mich um Vergebung und setzte weinend hinzu: Herr, als wir auf eben diesem Meere dahin steuerten, wo wir uns nun mehrere Tage aufhielten, sagtest Du zu mir wegen meines Glaubens: Simon Juda, du bist Petrus, ein Fels, auf dem Ich Meine Kirche bauen werde, und alle Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen! Dir will Ich geben des Himmelreiches Schlüssel. Was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein, und was du binden wirst auf Erden, das wird auch gebunden sein im Himmel!' Das, o Herr, waren buchstäblich Deine heiligen Worte aus Deinem heiligsten Munde, an mich armen Sünder gerichtet. Ich aber habe mich darum dennoch nie erhoben, sondern mich stets nur für den Geringsten unter uns gehalten - und wegen einer freilich nur menschlichen, aber dennoch nur aus meiner großen Liebe zu Dir erkeimenden Warnung hast Du mich zum Fürsten der Hölle gemacht! Herr, sei doch gnädig und barmherzig dem armseligen Fischer Petrus, der zuerst sein Netz ins Meer warf, Weib und Kinder verließ und Dir nachfolgte!... (jl.ev05.170,07-08)
"Da wandte Ich mich wieder freundlich zu Petrus und sagte: Darum habe Ich dich nicht im geringsten herabgesetzt, so Ich dir in der scharfen Anrede dein Menschliches gezeigt habe! Alles, was Diesweltlich-Menschliches am Menschen ist - als sein Fleisch und dessen verschiedenartige Bedürfnisse aus puren diesirdischen Rücksichten -, ist im Gerichte, darum Hölle und Satan, der da ist ein Inbegriff alles Gerichtes, alles Todes, aller Nacht und alles Truges; denn alles scheinbare Leben der Materie ist nur ein Trugleben, und all ihr Wert ist soviel wie gar keiner. Welch ein Mensch immer in einen Sinn der Materie zurückfällt, ist insoweit dann auch Satan, inwieweit er irgendein Heil in der Materie und in ihrem Scheinleben vertritt.
Will aber jemand des Satans noch in seinem Fleische ledig werden, so muß er das Kreuz, das Ich schon jetzt im Geiste trage, auf seine Schulter nehmen und Mir nachfolgen! (mt.16,24) Denn Ich sage es euch: Wer sein (irdisch) Leben erhalten will, der wird es (das geistige) verlieren; wer aber sein (irdisch) Leben um Meinetwillen verlieren wird, der wird es (das geistige) finden! ( mt.16,25)
Was hülfe es denn einem Menschen, so er gewönne die ganze Welt mit allen ihren Schätzen, litte aber dabei Schaden an seiner Seele?" (jl.ev05.171,01-04)
"Und du, Mein Petnis, wirst nun hoffentlich auch im klaren sein darüber, warum Ich ehedem zu dir gesagt habe: Hebe dich von Mir, Satan!..." (jl.ev05.170,09)

War Jesu Leiden und Sterben nötig und wichtig?

Petrus dachte in der Folge immer wieder über den von Jesus prophezeiten Opfertod nach, aber er suchte vergeblich nach dem Sinn des bevorstehenden Leidens. Nach einiger Zeit wandte er sich erneut an Jesus mit den Worten: "Herr und Meister, da wäre noch so manches zu besprechen, was von Deinem Munde kommt, aber selbst der gesundesten Menschenvernunft nicht so rechtswichtig und lichtkräftig einleuchten will. Und da steht eben im Hintergrunde, wie ein Ungeheuer grinsend, die strikte und unabweisbare Notwendigkeit der dem Menschensohne bevorstehenden Leiden, und ich getraue es mir, fest zu behaupten, daß solch eine Notwendigkeit nie eines noch so gesunden und guten Menschen Vernunft ganz klar einsehen wird!
Es mag solch ein Akt noch so nötig sein zur Erreichung eines von Dir schon von Ewigkeiten hergestellten Hauptzweckes; aber es nutzt das alles wenig oder nichts zur beruhigenden Aufhellung der menschlichen Vernunft und sie wird zu allen Zeiten die Frage stellen und sagen: Warum mußte denn der Allmächtige also von seinen Geschöpfen zugerichtet werden, um ihnen die Seligkeit und das ewige Leben geben zu können? Genügte die reinste Lehre und sein rein nur Gott mögliches Wundertun nicht? Bessert das die Menschen nicht, wie wird sie dann sein Leiden und Sterben bessern?! Ich als einer Deiner getreuesten Anhänger sage es da ganz offen: Dein Leiden wird vielen guten Menschen zum Steine des Anstoßes werden, und sie werden wankend werden in ihrem Glauben. Darum frage ich Dich auch jetzt schon um ein rechtes Licht darüber, auf daß wir dann zur rechten Zeit den fragenden Menschen auch eine rechte Aufklärung zu geben imstande sind zu ihrer Beruhigung." (jl.ev05.247,01-03)
Auf seine Frage erhielt Petrus folgende Antwort: "Du fragst hier nun um eine ganz gute und gerechte Sache, die du, so Ich sie dir auch ganz recht erkläre, dennoch immerhin nie als pur Mensch ganz recht und richtig begreifen wirst; erst nach Meiner Auferstehung, wenn du wiedergeboren wirst im Geiste, wirst du auch ganz rein und klar das große Warum einsehen.
Ich als der alleinige Träger alles Seins und Lebens muß nun auch das, was von Ewigkeiten her durch die Festigkeit Meines Willens dem Gerichte und dem Tode verfallen war, erlösen und muß eben durch das Gericht und durch den Tod Meines Fleisches und Blutes in das alte Gericht und in den alten Tod eindringen, um so Meinem eigenen Gotteswillen jene Bande insoweit zu lockern und zu lösen, wegen der in sich reif gewordenen Materie der Dinge, auf daß darauf alle Kreatur aus dem ewigen Tode zum freien und selbständigen Leben übergehen kann. Und es ist darum des Menschen Sohn in diese Welt gekommen, um das, was gewisserart von Ewigkeit her verloren war, aufzusuchen, es zu erlösen und also für die Seligkeit fähig zu machen. (mt.18,11)
Was dünkt euch: Wenn irgend ein Mensch 100 Schafe hätte und eines derselben sich verirrte irgendwo im Walde, läßt er nicht die 99 stehen auf dem Berge und geht hin und sucht das verlorene?! ( mt.18,12) Und so es sich dann begibt, daß er es findet, wahrlich sage Ich euch: Wird er da nicht mehr Freude haben über das wiedergefundene denn über die 99, die nie verloren waren?!" (mt.18,13) (jl.ev05.247,04-07) "Ich kam ja hauptsachlich eben darum als nun selbst materiell in diese Welt, um dies verlorene Schaf zu suchen und es der seligen Bestimmung zuzuführen.
Gottes Geist und Wille wird nun in diesem Meinem Leibe, also in der Materie, gesänftet und gleichsam beugsam und lösbar gemacht. Ist das geschehen, dann muß diese Meine Materie in der möglich größten Erniedrigung und Demütigung gebrochen und zuerst gelöst werden, und der Geist Gottes, der in aller seiner Fülle in Mir wohnt und eins ist mit Meiner Seele, muß diese gebrochene Materie, als durch sein Liebefeuer geläutert, erwecken und beleben, und sie wird dann auferstehen als ein Sieger über alles Gericht und über allen Tod.
Daß ihr es nun noch nicht ganz klar einsehen werdet, wie und warum dieses also geschehen muß und auch wird, das habe Ich euch zum voraus gesagt; aber das könnet ihr nun schon daraus schließen, daß solch ein Akt - so abschreckend er auch für ein pures Menschenauge aussehen mag, - doch notwendig ist, um alle Kreatur mit der gerechten Länge der Zeiten zum freien, unabhängigen und reinen Gottleben zurückzuführen.
Und so Ich da euch solches für euer Verständnis genügend enthüllt habe, so werdet ihr daraus innerlich - so ihr nun sehet, wer da so ganz eigentlich die Kleinen sind - auch einsehen, wie es nun des Vaters Wille also ist, daß auch nicht selbst der Allerkleinste und Geringste von ihnen je verlorengehe." (mt.18,14) (jl.ev05.247,09-12)
"Nach der alten Ordnung konnte niemand in den Himmel kommen, der einmal in der Materie gesteckt war." (jl.ev04.109,04) Die neue Ordnung besteht nun darin, daß Ich selbst Mensch geworden bin, selbst alle Materie durchdrungen und somit allen ihren noch so alten, gerichteten geistigen Inhalt zur Beseligung fähig gemacht habe. Und das ist eben die zweite Schöpfung, die Ich schon von Ewigkeit her vorgesehen habe, ohne die nie ein Mensch dieser oder einer anderen Erde vollkommen selig hätte werden können."
"Die Erlösung aber besteht erstens in Meiner Lehre und zweitens in dieser Meiner Menschwerdung, durch welche die so überwiegende Macht der alten Hölle gebrochen und besiegt ist." (jl.ev06.239,03-05)

Besteht ein Zusammenhang zwischen Jesu Leiden und Sterben und Adams Sündenfall?

Die Erlösung steht in ursächlichem Zusammenhang mit dem Fall Adams, der als der 'geistige Tod' bezeichnet wird. (jl.ev09.083,05) "Der ganze Mensch wurde kraftlos und verlor die Herrschaft über alle Dinge in der Naturwelt und ward dann genötigt, mit Hilfe des matten Schimmers seines Gehirnverstandes sich im Schweiße seines Angesichts sein Nährbrot physisch und noch mehr geistig zu erwerben."
"Und siehe, so haben sich nun die Menschen bis auf diese Zeit von Gott und somit auch vom wahren inneren Leben so weit entfernt, daß sie beinahe an keinen Gott mehr glauben und somit auch an kein Fortleben der Seele nach dem Abfall des Leibes." (jl.ev09.083,05-06) "Und so nun Gott selbst zu den Menschen in aller Fülle seiner ewigen Macht und Kraft und mit all seiner Liebe und Weisheit körperlich gekommen ist, so erkennen sie das nicht und halten das in ihrer großen Blindheit für unmöglich, während bei Gott doch alle Dinge möglich sind." (jl.ev09.083,07)
"Die ganze Erde ist mit dem losesten Menschengeschlecht eine vollkommene Hölle." "Die Welt und die Hölle sind geradeso eins, wie da eins sind Leib und Seele." (jl.ev06.240,05-06)

Könnten die Menschen ohne Jesu Tod ihre höchste Lebensvollendung erreichen?

"Den Grad der allerhöchsten Lebensvollendung hätte vor Meiner Menschwerdung wohl niemand erreichen können, und Ich bin darum auf diese Erde gekommen, um durch die Wiedergeburt eures Geistes in eure Seele hinein euch zu Meinen wahren Kindern zu machen." (jl.ev04.218,01)

Welche Bedeutung hatte Jesu Tod für die bis dahin verstorbenen Menschen?

"Bis jetzt (d. h. bis zur Auferstehung Jesu, d. Vf.) ist noch keine Seele, die den Leib verließ, der Erde entrückt worden. Zahllos viele, von Adam angefangen bis zur Stunde, schmachten sie alle in der Nacht der Erde. Aber von nun an erst werden sie frei. Und wenn Ich in die Höhe fahren werde, werde Ich allen den Weg von der Erde in die Himmel öffnen, und sie werden alle eingehen auf diesem Weg zum ewigen Leben. Siehe, das ist das zu vollbringende Werk des Messias." (jl.ev01.062,09-10)

Warum erleichterte die Menschwerdung Gottes in Jesus den Erwerb der Gotteskindschaft?

"Ich wollte für alle künftigen Zeiten und Ewigkeiten Mir wahre und wirkliche, Mir völlig ähnliche Kinder nicht nur wie gewöhnlich erschaffen, sondern durch Meine väterliche Liebe wahrhaft zeihen (heranbilden, d. Vf.), damit sie dann mit Mir beherrscheten die ganze Unendlichkeit. Um aber das zu erzielen, nahm Ich, der unendliche, ewige Gott, für das Hauptlebenszentrum Meines göttlichen Seins Fleisch an, um Mich euch, Meinen Kindern, als schau- und fühlbarer Vater zu präsentieren und euch selbst aus Meinem höchst eigenen Munde und Herzen zu lehren die wahre, göttliche Liebe, Weisheit und Kraft, durch die ihr dann Mir gleich beherrschen sollet und werdet nicht nur alle die Wesen dieser gegenwärtigen Schöpfungsperiode, sondern auch die vorangegangenen und alle die noch künftig folgenden." (jl.ev06.255,03-04)

Wenn Jesus wirklich Gott war, hat er dann überhaupt wie ein Mensch gelitten?

"Was Mein Leiden betrifft, so habe Ich also gelitten an Meinem Leibe wie ein jeder andere Mensch, und zwar in derselben Ordnung wie ihr es leset in den Evangelien. Weil aber das menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche, und das innere, göttliche.
Worin das äußere Leiden bestand, wisset ihr - aber worin das göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. Damit ihr euch davon einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das heißen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode sich aus seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog und in dem Herzen des leidenden 'Sohnes' seine Wohnung nahm." (jl.him1.327,08-09)

Inwiefern übernahm Jesus jene erlösende Brückenbau-Aufgabe zwischen materiellem und geistigem Leben, die eigentlich Adam hätte bereits erfüllen können bzw. sollen?

"Es ist bereits früher oft auseinandergesetzt worden, daß Adam als erster Mensch dieser Erde - in dem Sinne der völligen Geistesfreiheit - dazu erschaffen worden war, eine Form zu bilden, aus der heraus die Materie wieder zum freien Geistesleben zurückgeführt werden könnte. Dazu gehörte aber vor allen Dingen die Überwindung der Materie selbst d. h. es mußte durch freien Entschluß ein Zustand geschaffen werden, der nach der einen Seite hin die Besiegung aller niederen, als irdische Lüste, Begierden und Neigungen bekannten, Eigenschaften aufwies, um nach der anderen Seite ein freies Aufsteigen zum reinsten Geistesleben zu ermöglichen.
Es ist schon oft genug gesagt worden, daß die menschliche Seele aus kleinsten Anfängen besteht, welche, wachsend und zu immer höheren Bewußtseinssphären sich entwickelnd, schließlich im Menschen wieder diejenige Form erlangt, welche eben als irdische Form nicht weiter mehr entwicklungsfähig ist, wohl aber in ihrer seelischen. Deswegen begegnen sich im Menschen zwei Prinzipien: das Ende des materiellen Lebens als höchst ausgeprägtes Selbstbewußtsein und der Anfang eines seelischen, unwandelbaren Lebens in der höchsten errungenen Formenvollendung. Deswegen kann der Mensch auf dieser Messerschneide des irdischen Lebens sich dem Bewußtsein, daß er lebt, wohl nicht verschließen - denn dessen ist er sich selbst Beweis -, aber dennoch gar keine Ahnung davon haben, daß er an der Schwelle eines geistigen Lebens angelangt ist, welches nun in der unwandelbar bleibenden Menschenform seinen Anfang nimmt - mit anderen Worten: nachdem er viele Leibeswandlungen, welche die Menschengestalt als Ziel sich setzten, durchgemacht hat, bleibt diese jetzt in ihrer allgemeinen Gestaltung unberührt; wohl aber beginnt jetzt eine seelische Wandlung, die das Ziel hat, sich immer mehr dem Gottgeiste selbst zu nähern und mit diesem in eine Gemeinschaft zu treten.
Wer nun zu denken vermag, der denke! Was kann geschehen, wenn nicht dieser Übergang vermittelt wird? Denn hier stehen sich Materie und Geist schroff gegenüber, die sich wohl gegenseitig immer mehr verfeinern, nie aber - als Polaritäten - ganz berühren können. Es muß doch jedenfalls hier ein Weg gezeigt, eine Brücke geschlagen werden, über welche es möglich ist, von der Materie zum Geiste zu gelangen! Dieser Weg muß ein Beispiel sein, dem jedermann nachzufolgen imstande ist. Würde dieser Weg nicht gefunden, das heißt also, würde nicht ein Mensch denselben betreten, so würde der Austritt aus der Materie, um in ein freigeistiges Leben hinüberzukommen, unmöglich werden.
Es muß also das Bestreben der Gottheit selbst sein, ihre Geschöpfe, welche sie aus Liebe und zu ihrer Rettung in den Materiegang einzwängte - nachdem diese die Grenze erreicht haben, von der aus der geistige Weg möglich ist -, auch zu sich heranzuziehen und so in das Verhältnis des Vaters zum Kinde zu führen. Adam sollte diese Brücke in sich bauen und hatte es eigentlich sehr leicht, indem die Anreizungen der Materie sehr gering waren im Vergleich zu jetzt. Es bedurfte bei ihm nur der Selbstbesiegung, des Gehorsams, so war die Brücke geschlagen, und in ihm konnte das geistige Leben blühend erwachen, da Gehorsam gegen Gott bei einem Menschen, der sonst frei von jedweder Sünde ist, das einzige Prüfungsmittel ist. Erst aus dem Ungehorsame folgen alle anderen Vergehen von selbst, wie jeder bei Kindern leicht beobachten kann. Nun fiel Adam, und damit war ein Zurücktreten in die Materie, d. h. in diejenige Polarität geschehen, welche sich ebensoweit von Gott entfernen kann, als zu Gott selbst zu immer höheren Seligkeiten aufzusteigen vermag.
Mit diesem Falle aber war die Sünde deswegen in die Welt getreten, weil Gott nie ein Werk schafft, um es etwa wieder zu zerstören, sondern der einmal geschaffene Weg wird weiterverfolgt, sozusagen korrigiert, weil die göttliche Weisheit von vornherein die Folgen eines Mißlingens berücksichtigt. Soll es aber heißen, freie Geschöpfe zu schaffen, keine Geistmaschinen, so ist der Weg der Selbstentwicklung im Menschen überhaupt nur der Weg hierzu. Mit dem Entstehen des Menschengeschlechtes als Völker aber war die Folge der sämtlichen Sünden, die in langer Reihe als nun immer tieferer Fall bestehen, gegeben, da deren Anfang als Ungehorsam nun einmal bestand. Das heißt, wäre Adam nicht ungehorsam gewesen, so hätte auch keiner seiner Nachkommen ungehorsam sein können, weil er in sich sodann einen Keim vernichtet hätte, der dann nicht mehr fortgeerbt werden konnte. So aber befruchtete er diesen Keim, und in seinen Nachkommen wuchs er zu dem Baume aus, der das Licht der Sonne durch sein starres Blätterdach kaum mehr hindurchscheinen läßt." (jl.ev11.075,02-18)
"Gott hatte Adam ein Gebot gegeben: unbedingten Gehorsam. Er mißachtete es und fiel. Der Mensch Jesus gab sich aus Liebe zu Gott freiwillig dieses Gebot, nichts ohne des Vaters Willen zu tun, und ward dadurch das leuchtende Vorbild zur Nachfolge. Er errang also in sich die Stufe, die Adam nicht errungen hatte, und versöhnte also in sich die Gottheit, die in ihrer Heiligkeit durch das mißachtete Gebot verletzt war. Die Weisheit gab das Gebot; der Wille, die Kraft verlangte die Erfüllung; die Liebe fand den Weg, in dem Menschen Jesus die Bedingungen zu erfüllen, welche notwendig waren, um den früheren Seligkeitszustand für alle Geschöpfe zurückzubringen. Darin aber, daß nun dieser Weg, der direkt zu Gott führt, eröffnet ist und darin, daß dieser Weg von dem Menschensohne Jesus, der dadurch zum Gottessohne ward, erfüllt wurde, liegt die Erlösung. Das Sterben Jesu ist die Besiegelung des unbedingten Gehorsams." (jl.ev11.075,19) "Der Baum der Sünde wurde und konnte also nur durch Jesus gebrochen werden, weil er in sich eben den Gottesgeist umschloß, der bereits Adam das Gebot gegeben hatte, ohne daß dieser es erfüllte.

Inwiefern unterscheiden sich Jesu Lehren, Leben und Tod von anderen Religionsstiftern und geistigen Lehrern?

(jl.ev11.075,23 ff.:) Man wird nun sagen: Wo liegt denn nun aber der Beweis, daß es sich so verhält, daß nicht die früheren Lehrer dasselbe vollbrachten? Denn was hier gesagt ist, entzieht sich dem Menschenauge, ist ein innerer Vorgang, über den ein anderer als eben Jesus selbst nicht berichten kann, wahrend der äußere Vorgang, das Auftreten eines vortrefflichen Lehrers, dessen Wandel und gute Lehren, auch das Sterben, sich schon öfter gezeigt hat! Wieso ist nun hier der Sündenbaum wirklich gebrochen und dort nur das Blätterdach durchbrechen? Die äußere Wirkung in der Welt ist wenig zu spüren, denn die Sünde blüht zur Stunde wie noch nie - und andere als äußere Merkmale kann die Menschheit doch nicht beurteilen!
Ja, das scheint schon auf den ersten Blick so zu sein, aber näher betrachtet doch nicht!
Jeder, der den inneren Weg beschreitet, wird bald gewahr werden, wie er in Wahrheit beschaffen ist. Der äußere Anschein besagt da gar nichts; denn dieser ist eine hohle Nuß. Wer aber den inneren Weg nicht gehen will, der ist ebensowenig zu überzeugen, oder ihm ist ebensowenig nur ein Bild von diesem Wege zu geben, als es unmöglich ist, einem Blinden einen Begriff von den Farben zu geben. Hier entscheidet der Erfolg. Der Weg ist da, betretet ihn - dann urteilet!
Ohne Mich kann niemand zum Vater gelangen, und ohne den Glauben an Jesus hat auch noch kein Weiser jemals das allgewaltige Gottwesen als den Urquell aller Liebe, die sich persönlich darstellen kann, empfunden. Das Unschaubare wird zum Schaubaren nur in Jesus, und diese Vereinigung beider in der Menschenform ermöglicht das Herantreten des Geschöpfes an den Schöpfer, das Aufgehen der Materie in den Geist, die Rückführung der entstandenen Sündenfolge aufwärts über die Scheidewand von Materie und Geist als sonst sich unmöglich berühren könnende Punkte, hinweg. Brücke ist das Leben Jesu.

Seit wann können Verstorbene Gott persönlich schauen?

"Es entsteht also nun die Frage: Wie weit konnten denn nun vor dem Tode des Menschensohnes die abgeschiedenen Seelen gelangen? Sie konnten natürlich, je nachdem sie eine gegebene Lehre der vielen schon früher aufgetretenen Lehrer befolgten, zur Erkenntnis und auch zur Seligkeit in sich gelangen, aber nicht zur Anschauung der personifizierten Gottheit.
Das geschah aber nun in der Zeit erstmalig, als der Leib Jesu im Grabe lag. Der rein irdische Leib lag da, während die Seele mit dem innewohnenden Gottgeiste hinüberging und dort allen sich zeigte als der, der Er ist und war." (jl.ev11.075,27 f.)

Wissen Menschen auf Gestirnen um die Menschwerdung Gottes auf der Erde?

"Auf allen Weltkörpern, die irgend von vernünftigen Wesen unter menschlicher Gestalt bewohnt werden, ist die volle Menschwerdung des Herrn im Fleische bekanntgemacht worden..." (jl.ev01.215,04)

Ist Gottes Menschwerdung auch wichtig und gültig für Planetenmenschen und für alle Zeiten?

"So Gott etwas tut, dann gilt das nicht nur für uns hier auf diesem Fleck, ebenso auch nicht nur für dieses Land oder für die ganze weite Erde, sondern das gilt gleich unter einem für die ganze Unendlichkeit und Ewigkeit. Daher heißt es das alles wohl fassen in seiner tiefsten Tiefe." (jl.ev03.080,10)

Warum stoßen sich so viele Menschen und Theologen an Jesu Leiden und Tod und leugnen seine Gottheit?

Oben wurde die Aussage des Apostels Petrus zitiert, daß das Leiden Jesu "vielen Menschen zum Stein des Anstoßes werden wird". Petrus hat recht behalten.
Das begann mit Arius im 4. Jahrhundert, als dieser Bischof die Gottheit Christi leugnete und sich nicht vorstellen konnte, daß Gott solches über sich als Mensch ergehen läßt. Nach Arius sollte Jesus nur ein Übermensch sein, und gegen Ende des 4. Jahrhunderts sah es so aus, als würde die Hälfte der Christen in das Lager dieses Irrlehrers abwandern. Doch es schien nur so, eine unsichtbare Hand lenkte die Entwicklung anders. Heute kennen die wenigsten Christen den Namen dieses Häretikers.
Seit dem Aufkommen der bibelkritischen Forschungen der liberalen protestantischen Theologen wurde die Göttlichkeit Jesu bis in unsere Zeit in zunehmendem Maße geleugnet. Sie gipfelt in dem Ausspruch des Theologen Rudolf Bultmann: "Welch primitive Mythologie, daß ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt." 44
Den gleichen Tenor finden wir bei Heinz Zahrnt. Bei Jesus handele es sich "nicht um etwas Übernatürliches", "Gott handelt und spricht eben in einem Menschen"45. Und was führt Zahrnt als Beleg für diese These an? Man höre und staune: er beruft sich auf den Ausspruch des Pilatus: "Sehet den Menschen!" 46 Das Zeugnis des Evangelisten Johannes: "Ja, Ich bin es" vor dem Synedrium, wo es um Leben und Tod ging, übergeht Zahrnt schlicht.
Alles, was in die Vorstellungswelt des rationalen Kalküls nicht paßt, das ist ohne weiteres widersprüchliches, unlogisches und phantastisches 'Gemeindegut'.

Können Menschen die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu überhaupt je voll begreifen?

Als Jesus den Jüngern im Beisein seiner Mutter sein Leiden voraussagte, erschrak Maria und wurde sehr besorgt. Als sie in ihren Sohn zu dringen versuchte, gab er ihr die Antwort: "Das sind Dinge, die nur Ich verstehe, darum redet nicht weiteres mehr darüber." (jl.ev10.005,05)
Dieses Wort und auch das folgende, das Lorber in die Feder diktiert wurde, läßt alle Kritik verblassen.
"Es liegt noch Unendliches darin (im Kreuzestod Jesu, d. Vf.) verborgen, daran ihr Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das immer Größeres und Unendlicheres." (jl.him1.329,15)

Welche Folgen hat der Unglaube an die Gottheit Jesu und an die Unsterblichkeit der Seele?

Wir haben die Aussagen Bultmanns und Zahrnts pars pro toto angeführt. Die Behauptung, daß Jesus nicht Gottessohn und Erlöser, sondern ein Sprecher Gottes, also ein Prophet, ein idealer Lehrer, ein sittlicher Mensch, und wie man neuerdings lesen kann, "ein interessanter Mensch" sei, zieht sich wie ein roter Faden durch die moderne theologische Literatur. Alle, die am Zerstörungswerk des Christentums schriftstellerisch beteiligt waren, hatten oft großen Erfolg und ernteten Beifall. Der angerichtete Schaden in den Seelen ist nicht zu ermessen. Zuerst wurde die gebildete Schicht von dem Auflösungsprozeß und im Zeitalter der Massenmedien wurde auch die breite Masse erfaßt. Die meisten Leser oder Zuhörer sind außerstande, sich ein eigenes fundiertes Urteil über die vorgetragenen Theorien zu bilden. Das Mißtrauen, das die Kirchen mit dem oft bedenklichen Umgang mit der Wahrheit gesät haben, begünstigt die Verunsicherung der ratlos gewordenen Menschen.
Ausgangspunkt und Ursprung dieser Entwicklung ist die Beseitigung alles Metaphysischen. "Vorbei ist es mit dem alten Schema von beiden Welten", schreibt Zahrnt",... vorbei mit der Aufspaltung der einen Wirklichkeit in ein Diesseits und ein Jenseits."47 Die Leugnung der Gottheit Jesu und des ewigen Lebens der Seele in einer jenseitigen Welt bedeutet die Vernichtung des Mittelpunktes des christlichen Glaubens. Parallel dazu verläuft die Ausbreitung des Positivismus und Materialismus in den naturwissenschaftlichen Disziplinen der Wissenschaft. "In dieser Entwicklung", sagt mit Recht Dietrich von Hildebrand, "haben wir eine wahrhaft geistig-moralische Krankheit unseres Jahrhunderts zu erblicken."48
Aber das Transzendente existiert, auch wenn es heute noch so oft geleugnet wird. Das Goethe-Wort behält seine Geltung: "Die Geisterwelt ist nicht verschlossen. Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot." Die tiefsten religiösen Wahrheiten sind, wie Walter Nigg treffend sagt, nicht auf dem Weg des gedanklichen Studiums erfaßbar.49
Wenn jeder Sinn für das Mysterium verlorengegangen ist, wird der Intellekt stets der Versuchung unterliegen, alles, was der menschlichen Logik nicht einleuchtet, zu leugnen und aufzulösen. Der anmaßende Rationalismus setzt sich über die Erkenntnis hinweg: 'Finitum non capax infiniti', d. h. das Endliche ist nicht fassungsfähig für das Unendliche. Deshalb heißt es in Sirach 1, 1-6: "Die Wurzel der Weisheit, wer kann sie ergründen, und ihre Geheimnisse, wer hat sie erkannt?"


Homepage  |  Zurück zum Buch-Inhaltsverzeichnis K. Eggenstein: 'Der Prophet Jakob Lorber verkündet bevorstehende Katastrophen und das wahre Christentum'

© Copyright by Kurt Eggenstein