Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 239

Die zweite Schöpfung Gottes.

   01] (Der Herr:) »Alle die Höllengeister verstehen sich überaus gut aufs Verstellen. Sie erscheinen oft äußerlich den Engeln gleich und innerlich sind und bleiben sie gleich den reißenden Tieren. Ihre Verstellungskunst geht so weit, daß sie sogar die Engel verführen könnten, und Ich bin hauptsächlich darum im Fleische auf diese Erde gekommen, um der Hölle für ewig einen Damm zu setzen, den sie in alle Ewigkeit nimmer wird überwältigen können.
   02] Ich, als Gott von Ewigkeit, könnte freilich wohl mit Meinem Willen die Hölle, aber mit ihr auch die ganze Schöpfung zunichte machen. Was aber dann? Etwa eine neue Schöpfung beginnen? Ja, ja, das ginge schon; aber eine neue Schöpfung von materiellen Welten ist in keiner andern Ordnung denkbar, als die gegenwärtige da ist, weil die Materie das gefestete und notwendig gerichtete Medium ist, durch das ein Mir in allem ähnlich werden sollendes Wesen, von Mir ganz abgelöst, die Willensfreiheitsprobe durchmachen muß, um zur wahren Lebensselbständigkeit zu gelangen.
   03] Es ist darum besser, alles bestehen zu lassen, aber in einer wohl gesonderten Ordnung. Diese aber konnte von Mir nur dadurch bewerkstelligt werden, daß Ich Selbst Mensch geworden bin, Selbst alle Materie durchdrungen und somit allen ihren noch so alten, gerichteten geistigen Inhalt zur Beseligung fähig gemacht habe.
   04] Und das ist eben die zweite Schöpfung, die Ich schon von Ewigkeit her vorgesehen habe, ohne die nie ein Mensch dieser oder auch einer andern Erde vollkommen selig hätte werden können; denn vor dieser Meiner Darniederkunft war Ich ewighin ein unschaubarer Gott, wie es auch im Moses heißt, daß niemand Gott sehen kann und leben. Von nun an aber bin Ich für jedermann ein schaubarer Gott, und jeder, der Mich sieht, lebt und wird ewig leben.
   05] Die Erlösung aber besteht erstens in Meiner Lehre, und zweitens in dieser Meiner Menschwerdung, durch welche die so überwiegende Macht der alten Hölle gänzlich gebrochen und besiegt ist.
   06] Solches hat schon der Prophet Jesajas angezeigt, als er im 63. Kapitel Vers 1-9, sagte: »Wer ist Der, so von Edom kommt, besprengt das Gewand aus Bozra, ehrenwert in Seiner Kleidung, einherschreitend in der Größe Seiner Kraft? -
   07] Ich, der Ich rede in der Gerechtigkeit, groß zum Retten!
   08] Warum bist Du rötlich in Deinem Gewand und Dein Gewand wie das des Treters einer Kelter?
   09] Die Kelter trat Ich allein und vom Volke kein Mann mit Mir! Deshalb zertrat Ich jene (die Hölle) in Meinem Zorn (Gerechtigkeit) und zerstampfte sie in Meinem Grimme (die höchste Ordnung der göttlichen Weisheit). Darum ist gespritzt der Sieg auf Mein Gewand (der Lehre und des Glaubens Wahres); denn der Tag der Rache ist in Meinem Herzen, und das Jahr Meiner Erlösten ist gekommen. Heil brachte Mir Mein Arm (das Menschliche des Herrn); zur Erde niedersteigend machte Ich ihre (der Hölle) Besiegung. Er sprach: Siehe, Mein Volk sind jene Kinder (von der Hölle verführt), darum ward Ich ihnen zum Erlöser, ob Meiner Liebe und ob Meiner Milde habe Ich sie erlöst.«
   10] Und weiter findet ihr bei demselben in seinem 59. Kapitel: (Jesaja.59,01 ff.) »Er sah, daß niemand da war (d.h. keine Liebe und keine Wahrheit) und staunte, daß kein Vertreter da wäre; darum brachte Ihm Heil Sein Arm (das Menschliche des Herrn), und Gerechtigkeit richtete Ihn auf (die göttliche Ordnung im Menschlichen des Herrn). Darum zog Er die Gerechtigkeit an wie einen Panzer und den Helm des Heils über Sein Haupt und legte an das Gewand der Rache (die Wahrheit) und deckte Sich mit Eifer wie mit einem Mantel. Da kam für Zion ein Erlöser!«
   11] Im Jeremias leset ihr (Kapitel 46): (Jeremia.46) »Sie sind verzagt; denn ihre (der Hölle) Helden sind zerschlagen. In die Flucht flohen sie und blickten nicht rückwärts. Jener Tag (zur Ehre und zum Lobe) dem Herrn Jehova Zebaoth, ein Tag der Rächung, an dem Er Rache nehme an Seinen Feinden und Sein Schwert fresse und sich sättige.«
   12] Und in dem 45. Psalm, vom 4.-8. Verse, leset ihr folgende gar treffliche Stelle, die also lautet: (ps.045,04-08) »Gürte das Schwert (auch das Menschliche des Herrn) um die Lenden, Mächtiger! Deine Pfeile (die Wahrheit) sind gespitzt. Völker (der Hölle) werden fallen unter Dir, die aus dem Herzen Feinde des Königs (des Guten und Wahren) sind. Dein Thron (die Kirche des Herrn) für die Folgezeit und Ewigkeit! Du liebtest die Gerechtigkeit; darum hat Dich Gott gesalbt,«
   13] Dergleichen Stellen gibt es noch eine Menge, in denen dargetan ist, daß Ich hauptsächlich nur darum im Fleische in diese Welt gekommen bin, um den zu gewaltigen Übergriffen der Hölle für ewig Einhalt zu tun.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers