Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 170

Petrus will Jesus von erneutem Besuch Jerusalems abhalten. Jesu strenger Verweis dafür.

01] a Als wir aber schon weit draußen auf dem Meere uns befanden, sagte Ich abermals zu den Jüngern: b »Wohin wir nun auch kommen mögen, da schweiget und verratet Mich nicht, daß Ich Jesus, der Christ, sei!« (a Mt.16,20; b Mt.17,09; Mk.08,30; Lk.09,21)
02] Und Petrus trat zu Mir und fragte Mich, ob Ich noch nicht wüßte, wohin uns das Schiff bringen werde; denn er führte das Steuerruder und hätte gerne erfahren, wohin er lossteuern solle.
03] Ich aber sagte: »Laß es gehen, wohin es geht; der Vater weiß es schon, wohin wir diesmal zu kommen haben! Nun sind wir noch auf dem Lehrwege, und unsere Fahrt geht in die untere große Bucht, wo man der Stadt Cäsarea Philippi in den Rücken kommt, und dort werden wir uns einige Ruhe gönnen. Aber in ein paar Jahren werden wir auf diesem Schiffe gen Jerusalem hinauffahren, und da wird es sich um ganz etwas anderes handeln. - Nun aber kommen wir in einen Ort ganz nahe der vorbenannten Stadt, allda trotz unseres mehrtägigen Aufenthalts auf der Gegenseite der benannten Stadt dennoch kein Mensch von uns etwas vernommen hat. Selbst der große Brand der Stadt hat die Bewohner dieses Ortes nicht aus ihrer Fassung zu bringen vermocht. Aber es mußte das also sein, damit ihr bei dieser Gelegenheit wieder eine andere Art Offenbarung erfahret.«
04] Petrus aber trat zu Mir und sagte: »Herr, um was wohl wird es sich handeln in Jerusalem, im Orte des großen Verderbens? Denn von dort aus ist noch nie etwas Gutes und die Menschheit Beglückendes gekommen, und noch nie hat ein Ehrlicher in dieser Stadt etwas Tröstliches erfahren. Hochmut und Verfolgung sind darin stets vor allem zu Hause. Daher meine ich, es wäre besser gewesen, Du, o Herr, hättest Jerusalem also gezüchtiget wie diese kleine Stadt, die freilich die Strafe schon lange wohl verdient hatte. Vor acht Monaten ungefähr waren wir ohnehin in Jerusalem und haben uns überzeugt, daß mit seinen Bewohnern rein nichts zu machen ist bis auf ein paar Menschen, die aber als einzelne Schwalben auch noch lange keinen Sommer ausmachen. Daher wäre meine Meinung, wir sollen mit jener stolzen Greuelstadt, in der Johannes vor kurzem erst enthauptet ward, nicht viel Aufhebens machen und sie für alle Zeiten meiden. Denn solch eine Stadt ist ja doch ewig nicht würdig, daß Du sie betrittst mit Deinen heiligen Füßen. Das ist freilich nur so meine Meinung; gib mir auch die Deine kund!«

  • Mt.16,21] a Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und b am dritten Tage auferstehen. (a = Mk.08,31; = Lk.09,22; Mt.17,22; b Mt.12,40; Joh.02,19 jl.ev05.170,05*; jl.ev03.266,06 ff.)
    05] a Von dieser Zeit an fing Ich an, ernstlicher mit Meinen Jüngern davon zu reden, daß Ich nach des Vaters Willen wohl werde nach Jerusalem gehen müssen und werde dort viel leiden von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten, werde von ihnen getötet werden, aber am dritten Tage wieder vom Tode auferstehen. Als ein Sieger über allen Tod und über alle Feinde des Lebens werde Ich dastehen dann für ewig, wie Ich schon auf dem Berge des Markus davon Erwähnung tat. (a Mt.16,21*; =Mk.08,31; = Lk.09,22; Mt.17,22; b Mt.12,40; Joh.02,19; jl.ev03.266,06 ff.)

  • Mt.16,22] a Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: »Herr, verschone dich selbst! Das widerfahre dir nur nicht!« (a = Mk.08,32; jl.ev05.170,06*; jl.ev03.266,06 ff.)
    06] Da erschrak Petrus förmlich und a sagte zu Mir, Mich beiseite ziehend, in einem gewissen gebieterisch-mahnenden Tone: »Herr, das geschehe Dir ja nicht, und Du bist uns und allen Menschen gegenüber verpflichtet, Deiner zu schonen!« (a Mt.16,22*; =Mk.08,32; jl.ev03.266,06 ff.)

  • Mt.16,23] a Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: »Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ein ärgerlich; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.« (a = Mk.08,33; jl.ev05.170,07*; jl.ev03.266,06 ff.)
    07] a Aber Ich wandte Mich schnell um und sagte auch in einem ganz ernsten Ton: »Hebe dich, Satan, von Mir! Du bist Mir ärgerlich; denn du meinst nicht, was da göttlich, sondern nur, was da ganz gemein weltmenschlich ist!« (a Mt.16,23*; =Mk.08,33; jl.ev03.266,06 ff.)
    08] Hier erschrak Petrus ganz gewaltig, fiel vor Mir nieder, bat Mich um Vergebung und setzte weinend hinzu: »Herr, als wir auf eben diesem Meere dahin steuerten, wo wir uns nun mehrere Tage aufhielten, a sagtest Du zu mir ob meines Glaubens: 'Simon Juda, du bist Petrus, ein Fels, auf dem Ich Meine Kirche bauen werde, und alle Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen! b Dir will Ich geben des Himmelreiches Schlüssel. Was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein, und was du binden wirst auf Erden, das wird auch gebunden sein im Himmel!' Das, o Herr, waren buchstäblich Deine heiligen Worte aus Deinem heiligsten Munde, an mich armen Sünder gerichtet. Ich aber habe mich darum dennoch nie erhoben und mich stets nur für den Geringsten unter uns gehalten, - und wegen einer freilich nur menschlichen, aber dennoch nur aus meiner großen Liebe zu Dir erkeimenden Warnung hast Du mich zum Fürsten der Hölle gemacht! Herr, sei doch gnädig und barmherzig dem armseligen Fischer Petrus, der zuerst sein Netz ins Meer warf, Weib und Kinder verließ und Dir nachfolgte!« (a Mt.16,18; b Mt.16,19)


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