Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 109

Erlösung, Wiedergeburt und Offenbarung.

01] Auf diese Erklärung war aus leicht begreiflichen Gründen wohl niemand gefaßt, und es ging da ein Staunen und Verwundern durch alle Anwesenden, das ebenso wie Meine Erklärung nichts Ähnliches hatte.
02] Viele schlugen sich auf die Brust und schrieen überlaut: »Herr, Herr, Herr, töte uns, denn wir stehen als zu große und grobe Sündenklötze vor Dir; und das alles durch unsere höchst eigene bewußte und unbewußte Schuld! Du allein bist gut und heilig; alles andere aber, was da trägt eine materielle Umhüllung, ist schlecht und in sich fluchwürdig. O Herr, wie lange werden wir in unserer eigenen Materie wandeln? Wann werden wir vom alten Fluche erlöst werden?«
03] Sage Ich: »Eben jetzt, da Ich Selbst alle Materie dadurch segne, daß Ich Mich Selbst in euren alten Fluch hineingeschoben und ihm dadurch den Segen gebracht habe! Alle alte Ordnung der alten Himmel samt den Himmeln hört auf, und es wird nun auf die Grundlage der nun durch Mich gesegneten Materie eine neue Ordnung und ein neuer Himmel gemacht, und die ganze Schöpfung, wie auch diese Erde, muß eine neue Einrichtung bekommen.
04] Nach der alten Ordnung konnte niemand in die Himmel kommen, der einmal in der Materie gesteckt ist; von nun an aber wird niemand wahrhaft zu Mir in den höchsten und reinsten Himmel kommen können, der nicht gleich Mir den Weg der Materie und des Fleisches durchgemacht hat.
05] Wer immer von nun an in Meinem Namen getauft wird mit dem lebendigen Wasser Meiner Liebe und mit dem Geiste Meiner Lehre und in Meinem Namen der Kraft und Tat nach, von dem ist die alte Erbsünde für ewig abgewischt, und sein Leib wird dadurch nicht mehr sein eine alte Mördergrube der Sünde, sondern ein Tempel des Heiligen Geistes.
06] Aber ein jeglicher gebe da acht, daß er ihn nicht von neuem verunreinige durch das alte, giftige Unkraut der Eigenliebe! Hütet euch nur vor der, dann werdet ihr heiligen auch euer Fleisch und Blut; und wenn der reine Geist in euch zur Alleinherrschaft gelangen wird, so wird dann in ihm und durch ihn nicht nur zum vollendeten, ewigen Leben auferstehen die Seele, sondern auch des Leibes Fleisch und Blut samt Haut und Haaren!
07] Sehet, welch ein Unterschied da ist zwischen früher und jetzt! Wie es aber nun eingerichtet wird, so wird es auch bleiben in Ewigkeit.
08] Die Sonne, die ehedem voll Fluches war, wird von nun an voll Segens, und ebenso alles, was im endlosen Raume ein wie immer geartetes Dasein hat! Denn wie Ich's euch gesagt habe, so mache Ich nun alles neu, (2ÿpetr.03,13) und alle alten Verhältnisse müssen umgewandelt werden, dieweil Ich Mich Selbst umgewandelt habe dadurch, daß Ich Selbst die Materie angezogen habe.
09] Aber das setze Ich hinzu und sage: Wer da nicht glaubt und getauft wird aus dem Wasser und aus dem Geiste in und auf Meinen Namen und auf Mein Wort, für den wird es bleiben beim alten! Solche werden nicht kommen in Mein Reich und nicht zu Meiner Anschauung jenseits, sondern werden bleiben an den äußersten Grenzen Meines Reiches, allda es viel Dunkelnis und Nacht geben wird und viel Heulens und Zähneknirschens. Und es wird der Himmel reinstes Lebenslicht nicht anders zu ihnen dringen, als da dringt das Licht eines kleinen Fixsternes auf diese Erde, und sie werden vollends von Meinen wahren Lebenshimmeln geradesoviel wissen, als wie die Menschen hier nun wissen, wie dort aussehen die Fixsterne, und was in ihnen ist. Und die Menschen mögen Tag und Nacht tausendmal tausend Jahrhunderte hindurch stets nachdenken, was dort oben diese glänzenden Punkte sind, so werden sie auch nach dieser langen Periode der Zeit ebensoviel wissen, wie sie jetzt wissen. Wohl werden mit der Weile Menschen aufstehen, die da Augenwaffen erfinden, um ferne Gegenstände ganz so zu sehen, als ständen sie in der vollen Nähe; aber mit den Fixsternen werden sie dennoch nie etwas ausrichten, weil diese viel zu weit von der Erde abstehen.
10] Und ebenso werden im Jenseits die Heiden, die nicht glaubten und getauft worden sind, in ihrer besten Sphäre also gestellt sein und werden von weitester Ferne Meine Himmel schauen und über sie urteilen, wie nun die Menschen schauen den irdisch gestirnten Himmel, und welche Urteile sie darüber schöpfen. Sie werden nach einem Jahrtausend wohl etwas mehreres wissen denn jetzt und werden allenfalls herausfinden, daß dies lauter Sonnen sind; aber was eine Sonne ist, wie sie leuchtet, wie groß und wie weit entfernt sie ist, wie viele Planeten um sie kreisen, und wie diese beschaffen sind, welche Bewohner sie tragen, welche Sitten, Sprachen und Gebräuche dort vorhanden sind, - das werden sie mit ihrem Verstande nicht herausbringen!
11] Und so ihr, die ihr nun viel wisset, es ihnen möglicherweise sagen würdet, so würden sie es euch doch nicht glauben; denn ein reiner Weltverstand, wie er nun bei vielen Heiden so recht kernfest zu Hause ist, glaubt an nichts, was er nicht sehen und mit Händen greifen kann.
12] Ja, Ich werde in jenen künftigen Zeiten wohl auch hie und da unter den wahren Bekennern Meines Namens Männer und Mägde erwecken, denen alle Geheimnisse der Himmel und der Welten von Mir aus eröffnet werden durch ihr liebevolles Herz (Apostelgeschichte.02,17 f; Joel.03,01); aber es werden wenige sein, die das als etwas wie überzeugend Wahres annehmen werden!
13] Denen es aber geoffenbaret wird, die werden im Schauen sein, und werden eine große Freude haben, und werden loben und preisen den Namen Dessen, der ihnen solche Dinge als für sie vollüberzeugend wahr geoffenbart hat, zu denen sonst keines Menschen Sinn je dringen kann.
14] Ja es wird auf dieser Erde dereinst noch Menschen geben, vor deren Sehe die ganze Schöpfung wie eine geheime Schrift Gottes offen aufgerollt sein wird; aber niemandem, der zuvor nicht geglaubt hat an Meinen Namen und getauft ward in selbem, wird solch eine Gnade erteilt werden!«


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