Die Kundgaben der Neuoffenbarung (NO) über die Evangelisten und deren Evangelien


Inhaltsübersicht:


Waren die Evangelienschreiber direkte Augen- und Ohrzeugen Jesu?

Die Neuoffenbarung gibt nicht nur Aufschluß über den richtigen Text und den Sinn der Botschaft Jesu, sondern sie macht auch Angaben über die Evangelisten. Bezüglich der Verfasser der einzelnen Evangelien gehen die Meinungen der Forscher weit auseinander. Die evangelischen Theologen sind fast alle der Auffassung, daß keiner der Evangelisten ein Augen- und Ohrenzeuge gewesen ist. Die katholische Kirche hält dagegen den Evangelisten Johannes für den Lieblingsjünger Jesu. Diese Auffassung wird durch die Neuoffenbarung bestätigt.

War der Verfasser des Johannes-Evangeliums ein Ohrenzeuge Jesu?

Während manche Autoren dem Johannesevangelium jede Bedeutung absprechen 10", wird in der NO gerade dieses Evangelium als das zuverlässigste bezeichnet. Klemens von Alexandrien (3. Jh.) hat richtig geurteilt, wenn er das Johannesevangelium "das geistige Evangelium", "das Kernstück, den Höhepunkt, das Allerheiligste des Neuen Testamentes" 11 nennt. Johannes berichtet über die verschwiegenen Gespräche Jesu mit Nikodemus und macht genaue örtliche Angaben, die nur ein Augenzeuge wissen kann.
Wegen der wenigen einleitenden Sätze, die etwas philosophischen Charakter haben, sind manche Kritiker dem Irrtum erlegen, Johannes sei ein Hellenist. Wie aus der NO hervorgeht, stammen diese Sätze des Evangeliums Johannes aus dem Munde von Jesus. Im übrigen sind diese wenigen Verse kein Grund, den philosophischen Charakter des Johannesevangeliums überzubetonen.

Hand nach rechts s. auch Das Evangelium nach Johannes

Wer war der Evangelist Johannes?

In der Literatur werden zuweilen bezüglich der Person des Evangelisten Johannes die abwegigsten und abenteuerlichsten Thesen aufgestellt. Der katholische Autor Paillard meint: "Der Vater des Johannes leitete ein Fischereiunternehmen und beschäftigte mehrere Tagelöhner. Die Familie war anscheinend recht vermögend und hatte Verbindungen zu den höchsten Kreisen Jerusalems." 12 Aus der NO erfahren wir dagegen, daß Johannes der Sohn ganz armer Leute war, die ihre Kinderschar fast nicht zu ernähren vermochten. Im einzelnen wird hierzu gesagt: "Josephs Kinder, sowohl die eigenen als auch die aufgenommenen, befanden sich in der größten Armut und sind Mir zumeist nachgefolgt. Darunter war eben auch Johannes, der sich viel im Hause des Josephs aufhielt und ein Lehrling in diesem Hause war. Denn sein Vater war noch bedürftiger als Joseph selbst und gab daher seinen Sohn dahin, damit er die Kunst Josephs erlernen möchte. Er erlernte sie auch und war ein recht geschickter Zimmermann und Schreiner zugleich, und wußte auch mit dem Drechseln umzugehen. Zudem hatte er die Maria, wie Mich und das ganze Haus Josephs ungemein lieb, und Maria konnte (später) keinen besseren und getreueren Händen anvertraut werden als eben diesem Sohn des Zebedäus." (jl.schr.032,04)

Welche Lehren und Taten sollte Johannes mitschreiben?

Obwohl Johannes während der Lehrtätigkeit Jesu über alle Vorgänge und Reden Jesu genau im Bilde war, hat er nur weniges aufgezeichnet. Es wurde ihm (von Jesus) ausdrücklich gesagt, daß er nur das Wichtigste niederschreiben solle: "Da schrieben denn auch Johannes und Matthäus das Evangelium nieder, aber nur die Hauptpunkte unter Hinweglassung der meisten Nebenumstände." (jl.ev06.148,20) Johannes fragte zuweilen, ob er das gerade Gehörte notieren dürfe, worauf er einmal die Antwort erhielt: "Laß das gut sein. In jener Zeit (d. h. zur Zeit Lorbers, d. Vf.) werde Ich, so es notwendig sein wird, solche Dinge durch den Mund neuerweckter Knechte, Seher und Propheten den Menschen, die eines guten Willens sind, offenbaren lassen." "Du wirst neben dem Wichtigsten Meines Lehramtes auf dieser Erde in dem von dir geschriebenen Evangelium noch bezüglich der außerordentlichen Lehren und Taten anführen, daß Ich gar vieles gelehrt und getan habe, was nicht in diesen Büchern geschrieben steht; und wurde man solches auch in Büchern aufschreiben, so würde die Welt d. h. die Menschen, es nicht fassen." (jl.ev10.157,02 f.)

Warum sollten die Evangelisten nicht alle Lehren Jesu niederschreiben?

Bemerkenswert ist der aufschlußreiche Nachsatz, in dem klargestellt wird, daß die Menschen den Inhalt nicht begreifen wurden. Der verstümmelte und deshalb sonderbare Text des uns vorliegenden Johannesevangeliums (joh.21,25), der besagt, daß die Welt die Bücher (räumlich) nicht fassen könnte, erfährt durch die NO eine sinnvolle Ergänzung und Erklärung. An anderer Stelle der NO ist die Verständlichmachung dieser Textstelle durch Hinzufügung des Wortes 'noch' abgerundet worden. Der vollständige und sehr sinnvolle Text lautet somit dahingehend, daß die Menschen der damaligen Zeit das, was Jesus seinen Jüngern an Geheimwissen mitgeteilt hatte, nicht zu fassen vermocht hätten. "In jetziger Zeit aber ... ist die Kulturstufe der Menschen und ihr Verstandesleben ein ganz anderes als einst in jener Zeit." (gm.pred.003,15) "Meine Jünger waren noch wie unmündige Kinder, die anfangs von Mir und Meinem Reich nicht die hohen Begriffe fassen konnten, wie später nach dem Überkommen Meines Geistes." "Wenn nun Meine Jünger noch so fragen konnten, so könnt ihr euch denken, wie erst die anderen, minder Eingeweihten dachten." (gm.pred.047,03)

Wann und wo verfasste Johannes sein Evangelium und seine Offenbarung?

Johannes verfaßte auf der Insel Patmos auch die "Geheime Offenbarung". Er war damals schon über hundert Jahre alt und wurde von einem Freund, der seinen griechischen Namen abgelegt hatte und sich auch Johannes nannte, im Schreiben unterstützt (jl.ev11.264,01)
Johannes schloß nach Angaben der NO sein Evangelium ab "nahe gerade um die Zeit als Jerusalem von den Römern zerstört wurde" (70 n. Chr., d. Vf.). Johannes, der schon über hundert Jahre alt war, schrieb dann "seine Gesichte unter dem Titel 'Offenbarung des Johannes' aufs Pergament" (jl.ev11.263,04). Hand nach rechts s. auch Offenbarung des Johannes - kurze, und re. Hand sehr umfassende Auslegung

Aus welchen Quellen schöpfte vermutlich das heutige Matthäus-Evangelium?

Bezüglich des Matthäus-Evangeliums rätseln die Forscher, wer die Person des Verfassers gewesen ist. Man hat erkannt, daß das Matthäus-Evangelium in seiner jetzigen Fassung aus älteren Elementen zusammengefügt ist und zwar nehmen viele an, daß dem Verfasser dieses Evangeliums das Markus- Evangelium und daneben eine unbekannte Quelle, die allgemein als Q bezeichnet wird, vorgelegen haben. Diese These nennt man die Zweiquellen-Theorie. Die Meinungen über diese Theorie gehen auseinander. Manche Autoren behaupten, sie sei herrschende Meinung, andere treten aber dieser Auffassung entgegen. Nach der Darstellung von Paillard sind sich die modernen Forscher darüber einig, daß die Zweiquellentheorie "gar zu einfach ist." 13.

Hand nach rechts s. auch: Evangelium nach Matthäus

Wer verfasste das Ur-Matthäus-Evangelium lt. Neuoffenbarung?

Es sollen die verschiedenen Ansichten hier nicht weiter besprochen werden, weil uns die NO in diesem Fall die erschöpfende Auskunft gibt. Sie besagt, daß Matthäus ehedem an einer Großzollstelle am Galiläischen Meer "als ein Schreiber im Dienste der Römer stand" (jl.ev09.114,01). (Dieser Matthäus, der nur ein unselbständiger Schreiber an einer Zollstelle war und nebenbei ein Gasthaus betrieb, ist nicht zu verwechseln mit dem selbständigen Steuereinnehmer [Zöllner) Matthäus.) "Er ist dann von Mir aufgenommen worden, als Ich ihn bei Meiner Reise nach Kis in einer Mittelstation zwischen Kapernaum und Kis antraf, weshalb Mir auch der Vorwurf gemacht wurde, Ich gehe mit Zöllnern und Sündern umher." "Da aber dieser Matthäus gut bei der Feder war und sich von Mir nicht trennen wollte, so ward er von Mir als Schreiber aufgenommen, aber nur mehr für die Tatsachen, während Mein Johannes das Wort, d. h. was Ich lehrte, aufzuzeichnen hatte, und Matthäus mitunter weniger geistige Teile Meiner Lehre und Predigten für sich aufzeichnete, dieselben jedoch allezeit bei Gelegenheiten von Johannes korrigieren ließ; denn Matthäus hatte für Tatsachen ein gutes Gedächtnis, aber für die Lehre ein schwaches.
Von Meinem Familienverhältnis wußte er, solange er mit Mir umherging, sehr wenig, und was er wußte, teilten ihm bei Gelegenheit Jakobus, Simon und Johannes mit, was er sich jedoch nicht auf der Stelle aufzeichnete, sondern erst einige Jahre nach Meiner Auferstehung, als er statt des Judas Ischariot zum Apostel gewählt wurde.
Dieser Apostel Matthäus selbst, als der Evangelist, hatte sein Evangelium ganz ordentlich und richtig zusammengestellt und machte dann damit seine Reise in die südöstlichen Gegenden Asiens.
Es haben sich aber dann in Jerusalem, in Galiläa, in Samaria, dann in Tyrus und Sidon 5 Matthäusse hervorgetan, und es schrieb ein jeder ein Evangelium Matthäi, darunter das zu Sidon erschienene unstreitig noch das annehmbarste war. Die andern vier wurden bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, als mit diesem gar nicht wie auch untereinander nicht übereinstimmend, als apokryph verworfen, und das Sidonische als möglichst echt erhalten. Und so ist auch dieses teilweise apokryph, obschon der Schreiber sich alle erdenkliche Muhe gab, die Sache so wahr als möglich darzustellen.
Er selbst schrieb eigentlich - statt diesem einen - vierzehn Evangelien, je nachdem ihm irgend die Sache von angeblichen Augenzeugen bekanntgegeben wurde. Aus diesen vierzehn schrieb er dann ein fünfzehntes, das nach der Beurteilung vieler Sachkundiger als das wichtigste und wahrste erklärt wurde; und dieser Pseudo-Matthäus, der eigentlich l'Rabbas hieß, ist der Schöpfen des heutigen Matthäus-Evangeliums. Das wirkliche aber befindet sich heutzutage noch in einer großen Bücher- und Schriftensammlung einer bedeutenden Bergstadt Hinterindiens." (jl.ev11.241,01-242,04)
Jesus hatte dem Apostel Matthäus folgendes vorausgesagt: ein anderer, der in deinem Namen schreiben wird, wird dich ersetzen und seine Schrift wird bleiben." (jl.ev10.157,06) Uns liegt also das Evangelium des Pseudo-Matthäus, der l'Rabbas hieß und unter dem Pseudonym 'Matthäus' schrieb, vor.

Wer war l'Rabbas, der Verfasser des heutigen Matthäus-Evangeliums?

Von ihm wird in der NO folgendes gesagt: "Der Pseudo-Evangelist Matthäus war zwar ein vollkommen ehrlicher, die Wahrheit suchender Mann, und er war höchst eifrig im Forschen nach der Wahrheit dessen, was da geschah, ungefähr zwanzig Jahre lang, bis er sein Evangelium zusammenzustellen und zu schreiben anfing. In dieser Zeit war im Judenland kein Apostel von Mir anzutreffen, obschon es an anderen Zeugen für diese Zeit nicht sonderlich fehlte. Wie es aber bei solchen Gelegenheiten schon zu gehen pflegt, so wußten gar viele Menschen aus all den vielen Orten, die Ich besuchte, Verschiedenes von Mir zu erzählen; gewöhnlich aber nur das, was sie selbst in ihren Orten von Mir gehört und erlebt haben. Und so ist es denn auch begreiflich, daß es einem l'Rabbas, wie auch vielen anderen Evangelisten, selbst beim redlichsten Willen unmöglich war, über alles von Mir Getane, Gelehrte und an Mir Vollbrachte vollkommen ins klare zu kommen."
"Man wird hier fragen: Warum Ich denn nicht selbst solche Menschen heller erleuchtet habe, damit sie dann imstande gewesen wären, nur die vollkommen reine Wahrheit auf das Pergament zu bringen? Ich sage, daß Ich bei ganz ehrlichen Menschen, die dieses Bestreben hatten, es an dem auch nie habe fehlen lassen. Was aber später die schon selbstsüchtig gewordene Welt aus solchen ehrlichen Überlieferungen gemacht hat, dafür kann Ich nicht, da jeder Mensch seinen vollkommen freien Willen hat. Daß Ich es nie an Sichtungen habe fehlen lassen, zeigen euch seit sozusagen Meiner Zeit all die großen Versammlungen, denen durch Meinen Geist die Aufgabe gestellt war, die eingeschlichene Lüge von der Wahrheit zu scheiden und sie zu verwerfen vor der ganzen Gemeinde. Da das Unkraut aber allerorten unter dem Weizen wucherte, gelang es ihnen nicht, dasselbe völlig zu vertilgen." "Und so geschehen auch in dieser Zeit (Lorbers, d. Vf.) wie hier - und auch anderenorts - gar gewaltige Sichtungen, und der Feind der Wahrheit wird gegen sie nichts mehr auszurichten imstande sein. Ich baue nun großartige Dämme gegen jede Flut der Lüge und stelle den wahren Felsen Petri auf, den die Pforten der Hölle nicht überwinden werden." (jl.ev11.262,03-263,01)

Wer verfasste das heutige Lukas-Evangelium?

Über Lukas und sein Evangelium erfahren wir aus der NO ebenfalls viele interessante Einzelheiten. "Was sein Evangelium anbelangt, so ist es eine Tatensammlung, die durch sein Forschen sowohl in als auch um Jerusalem über Mich und Meine Taten und Lehren durch verschiedene Menschen zustande gekommen ist. Er selbst hat sie hernach in seiner Art und Weise geordnet und in Kapitel und Verse eingekleidet, wobei er sich ganz natürlicherweise nicht an die Zahl der Kapitel und Verse eines andern Evangeliums hat binden können; daher bei ihm so manches in einem ganz andern Kapitel und in anderen Versen vorkommt, als bei den andern Evangelisten, was ein jeder von euch beim Vergleich der angezeigten Parallelstellen erfahren kann.

Hand nach rechts s. auch Evangelium und Apostelgeschichte des Lukas

Wie und wann kam das Lukas-Evangelium zustande?

Was seine Persönlichkeit betrifft, so war er ein Formenmaler und Zeichner (Designer), mit welchen Produkten seiner Hand er die Weber-, Tuch- und Teppichmacher versehen konnte; auch die Zeichnungen der jüdischen Schals und Vorhänge rührten häufig von seiner Hand her. Daneben war er auch ein Schriftmaler und auch Schreiber (Calligraph), besonders so jemand etwas vollkommen schön und regelmäßig geschrieben haben wollte, verstand und sprach Griechisch, Lateinisch und Hebräisch und konnte zur Not auch in den anderen Sprachen, die um Juda herum gang und gäbe waren, sich mitteilen und verständlich machen.
Zudem war er, wie es dergleichen mehr Menschen gibt und gegeben hat, ein erpichter Neuigkeitskrämer und erkundigte sich daher um alles, was besonders zu Meiner Zeit geschah und unter den Menschen viel Redens und Aufhebens machte. Er hatte seine Freude daran, den vielen neugierigen Menschen, mit denen er im Verkehr stand, etwas außerordentlich Neues erzählen zu können, wobei er durchaus keinen Eklektiker (strengen Prüfer) machte, sondern ihm war das nächste Beste recht, wenn es nur den Schein des Außerordentlichen hatte.
In der ersten Zeit ist bei seinem Erzählen auch vieles, besonders in Ermangelung wirklicher Daten, auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsen. Erst in der Zeit, als der Apostel Paulus Mein Wort in Griechenland hie und da gepredigt hatte, ward er von seinem Freunde Theophilus, der auch in Griechenland wohnte, ernstlich aufgefordert, über Mich verläßliche Erkundigungen einzuziehen, sie aufzuzeichnen und sie ihm dann zu übersenden. Er, Theophilus, habe über den gewissen Nazaräer sowohl von seiten der Juden als auch von Griechen so Verschiedenartiges gehört, daß er daraus nicht klarwerden könne, was so ganz Eigentliches an diesem Menschen sei. Es frage sich aber, ob er entweder ein überirdisches Wesen oder gleich nur ein in mannigfacher Weisheit aus den Büchern wohlerfahrener Mensch sei.
Als Lukas dieses Schreiben in Jerusalem in seine Hände bekam, nahm er sich der Sache erst ernstlicher an und erkundigte sich über alles, was besonders Meine Person und Lehre betraf, bekam aber das, was er aufschrieb, nicht leichtlich aus dem Munde Meiner wirklichen Jünger in Erfahrung, sondern zumeist von andern auf mich und Meine Lehre haltenden Menschen, die Mich zum Teil persönlich gekannt, zum größten Teil aber von Meinen Jüngern Kunde über Mich erhalten hatten. Denn zwischen Meinem Dasein als Mensch dieser Erde und der Vollendung des Evangeliums Lukas verstrichen füfunddreißig Jahre (Niederschrift also anno 68), nach welcher Zeit er dasselbe erst an seinen Freund Theophilus nach Griechenland absenden konnte; welches Evangelium dann dieser Theophilus mit seinen Aufzeichnungen verglich.

Wie kam die Apostelgeschichte durch Lukas zustande?

Wie es aber mit seinem Evangelium steht, so steht es noch mehr mit seiner Apostelgeschichte, die er ebenfalls auf Aufforderung seines Freundes Theophilus aufs Pergament brachte, und zwar erst in seiner letzten Lebenszeit also in einer Zeit, in der sich nicht einer Meiner ersten Apostel und Jünger mehr in Jerusalem befand. Auch diese Apostelgeschichte bekam in den Händen seines Freundes so manche Abänderung und selbst die von ihm im Judenlande zusammengebrachten Daten waren vielseitig Dichtungen solcher Jünger und Ausbreiter meines Wortes, die häufig ohne innere Berufung sich als solche den Menschen vorstellten, und ein jeder aus ihnen das Bessere wissen wollte.

Wie zuverlässig und authentisch sind die Niederschriften des Lukas bzw. Theophilus?

So geschah es denn auch, daß sowohl in dem Evangelium des Lukas, wie noch mehr in seiner nachträglichen Apostelgeschichte, Dichtungen und Übertreibungen vorkamen, von denen Meine wirklichen Apostel und Jünger selbst wenig oder nichts wußten; denn sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf und hatten ihr Wesen mehr in Galiläa, Samaria und in den andern, von Jerusalem weiter entlegenen Landschaften. (jl.ev11.272,06)

Welche Teile des Lukas-Evangeliums sind unrichtig?

Wenn ihr nun dieses wisset, so werdet ihr wohl einsehen, daß das gewisse Erdbeben und die Finsternis bei Meinem Kreuzestode, die eröffneten Gräber im Tale Josaphat, Meine Himmelfahrt auf zwei sich widersprechenden Bergen, wie auch die gewisse Sendung des Heiligen Geistes zum allergrößten Teile ein Werk der damaligen Phantasie Meiner verschiedenartigen Anhänger und Verehrer sind, und auch sogar sein müssen, indem der verläßlichste aller Evangelisten (Johannes), der noch bei jeder wichtigsten Gelegenheit zugegen sein mußte, von alledem keine Erwähnung tut. Auch gibt Lukas nicht kund, ob er selbst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes zugegen war oder nicht.
Sein Evangelium und seine Apostelgeschichte waren bei der großen Kirchenversammlung in Nicäa auch ganz nahe daran, als apokryph erklärt zu werden. Aber die abendländischen Bischöfe sträubten sich dagegen, und somit war auch alles vom Lukas Geschriebene als authentisch erklärt, und dieser Lukas besteht denn heutigentags noch unter der Zahl der glaubwürdigsten Evangelisten, und wird von ihm bis zur Stunde noch mehr Aufhebens gemacht als von Johannes." (jl.ev11.272,07-273)
"Warum hätte Ich denn sollen bei Meinem Tode die Sonne gänzlich finster machen, und das volle drei Stunden hindurch? Und wäre das der Fall gewesen, so müßte in jener Zeit die Sonne auch in anderen Ländern nicht geleuchtet haben, was die Schriftkundigen jener Völker sicher aufgezeichnet hätten. So aber wissen sich sogar die römischen Geschichtsschreiber einer solchen Begebenheit nicht zu erinnern. Es müßte die Sache demnach nur in Jerusalem ihre Geltung haben, daß durch Meine Zulassung selbst alle anwesenden Menschen auf drei Stunden lang blind geworden sind, und es müßte Johannes allein sehend geblieben sein, weil er von solch einer Sonnenverfinsterung keine Kunde gibt.
Wie es sich aber mit der Sonnenverfinsterung verhält, so verhält es sich auch mit Meiner in dieser Welt erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte denn wohl dieser Himmel sein, in den Ich aufgefahren bin?! Oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den Menschen dadurch anzuzeigen, wo Er eigentlich zu Hause ist?!
Ich meine aber, daß Ich in der ganzen Unendlichkeit überall gleich zu Hause sein werde, da Ich in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip bin und ohne Mich nirgends etwas ist und besteht!" (jl.ev11.273,04/274)
Wie aus dem Zitat aus dem Kapitel "Der Erdenweg Jesu" hervorgeht, löste sich der Körper von Jesus in seine Atome auf und war plötzlich nicht mehr sichtbar. Er kam, wie es im jl.ev07.129,09 heißt "in Sein völlig Göttliches".
"Wollet darum euch nicht ärgern über diesen Mann ob mehrerer Unrichtigkeiten, die in seinen Schriften vorkommen, denn fürs erste war nicht er von allem der eigentliche Schöpfer, sondern vielmehr seine nachträglichen Korrektoren, von denen Ich euch mehr als ein ganzes Dutzend anführen könnte. Und fürs zweite war er besonders in seinen späteren Zeiten voll guten Willens und voll Ernstes, der Nachwelt möglichst die volle Reinheit in seinen Schriften zu hinterlassen. Allein dafür kann er nicht, was die späteren habsüchtigen Gemeindevorsteher aus dem Evangelium gemacht haben. Sie haben Unkraut in seinen Weizen gesät, welches mit dem Weizen aufging." (jl.ev11.274,05)

Woher bezogen Markus, Lukas und Matthäus ihre Textquellen?

"Ich will deswegen weder Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit zum wenigsten die Mühe gegeben, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen. Aber was die materiellen Fakta anbelangt, da haben zum Teil sie selbst gedichtet und zum größten Teile mußten sie dann doch am Ende aus dem etwas nehmen, was sie aus dem Munde solcher Menschen vernommen haben, die da oft genug dreist vorgaben, daß sie von diesem und jenem Augen und Ohrenzeugen waren. Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig.

Hand nach rechts s. auch Evangelium des Markus

Welche Veränderungen erfolgten nachträglich an den Evangelien?

Wenn es mit diesen Evangelien noch bei dem geblieben wäre, so wäre es allerdings noch um vieles besser, als es jetzt ist; denn in diesen Evangelien stand viel zuwenig des Wunderbaren, des Grausamen und des Schrecklichen für die Menschheit, daher man es später für notwendig befunden hat - besonders zum Teil unter den Judenchristen, Griechen und Römern, schon hundert Jahre vor der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, - viele Beisätze zu machen, besonders jene, die stark nach Wundern riechen, und die ein stark strafgerichtliches Gesicht haben, um Mich als den Beglücker der Menschen, der den Menschen nichts so teuer ans Herz gelegt hat als die Liebe und Wahrheit, gerade zum Gegenteile zu machen." (jl.ev11.275 f.)

Wann und wie wurde in den Evangelien aus dem barmherzigen und liebevollen Jesus ein unerbittlicher Richter?

"Das Meiste und Schaudererregendste aber ist erst nach der großen Kirchenversammlung zu Nicäa sowohl von seiten der griechischen, noch mehr aber der römischen Oberbischöfe geschehen; denn sie haben sich alle Mühe gegeben, zum Teil aus dem heidnischen Tartarus und zum Teil aus dem alten jüdischen Scheol, dem jüngsten Gerichte, dem Fegefeuer und der Hölle die lebhaftesten Farben zu verleihen und haben aus Mir in einer Person den euch bekannten Äakus, Minos und Rhadamantus, die das jenseitige Richteramt über die Seelen der Verstorbenen führten, gemacht. Ich mußte demnach allerunerbittlichst und unbarmherzig alles richten, verdammen und auf ewig in die Hölle verfluchen, was sich nicht den Anordnungen und Befehlen des sogenannten 'heiligen Vaters' in Rom fügt.
Ich meine, euch hiermit zur Genüge gesagt zu haben, daß weder Ich noch irgendeiner Meiner echten Evangelisten die Erfinder und Lehrer alles dessen sind und sein können. Denn Ich kann doch von Mir nicht selbst behaupten, daß Ich die höchste Liebe und Erbarmung bin und morgen die höchste Rachgier, unerbittlichste Unbarmherzigkeit und ewige Straf- und Martersucht gegen Meine Kinder wegen ihrer Vergehen, an denen sie grundursächlich oft nicht den hundertsten Teil der eigentlichen Schuld tragen. Ich bin ja nicht gekommen, um das, was verloren war, noch mehr verloren zu machen, sondern es in aller Liebe aufzusuchen und wieder an das Licht zu bringen, damit es nicht verloren gehe." (jl.ev11.246,01 f.)

Warum verhinderte Gott die Evangelienverfälschungen nicht?

Es drängt sich hier die Frage auf, weshalb Gott die Verfälschungen nicht verhindert hat. Diese Frage wird auch in der NO aufgeworfen und wie folgt beantwortet: "Warum habe Ich als allwissender und allmächtiger Gott und Herr es denn zugelassen, daß Mein reines, zu den Aposteln und sogar vielen anderen Menschen gebrachtes Wort von diesen und so vielen Evangelisten nicht selten auf die widersprechendste Art überliefert wurde, und daß von Mir gar wenig Wahrnehmbares dem entgegen unternommen wird?" "Diese Frage ist ebenso, als ob man Mich fragte, warum Ich auf dieser Erde nicht lauter Weizen, Korn und Gerste und edle Obst- und Fruchtbäume (und kein Unkraut) aus dem Boden der Erde wachsen lasse." (jl.ev11.251,05)
"Wie es sich hier verhält, daß also alles seinen Nutzen und Zweck hat, so haben auch die vielen irr- und abergläubigen Menschen auf dieser Erde Nutz und Zweck, denn wären alle, wie sie auf die Welt kommen, schon einem Erzengel Raphael gleich erleuchtet, aber noch mit ihren trägen Leibern behaftet, so wurde auch kein Mensch sich rühren, über etwas nachzudenken und bemüht sein, die reine Wahrheit zu suchen und zu finden. Es träte da bald eine allgemeine Lethargie ein, da kein Mensch dem andern etwas nützen oder schaden könnte. So aber werden die mit einem helleren Verstande begabten Menschen erst durch die Dummen recht mit in den Eifer gesetzt, der Dummheit und der Finsternis, je mehr sich diese auszubreiten drohen, desto eifriger und energischer entgegenzutreten und haben dann eine große Freude daran, so sie durch ihren Eifer eine Menge Blinder auf den Weg des Lichtes gebracht haben. Und dazu taugen dann auch die sich im materiellen oder Buchstabensinne widersprechenden Evangelien; den reinen Geist enthalten sie dennoch, den ein jeder von Mir nur ein wenig Erleuchtete schon herausfinden kann. (jl.ev11.252,01)

Was aber die sogenannte gemeine Menschheit betrifft, die in ihrer blinden Einfalt den Kindern gleich auch einen messingnen Tantes für einen vollen Dukaten annimmt, so schadet ihr das nicht; denn ihr wisset ja, daß es in Meines Vaters Hause gar viele Wohnungen und Schulen gibt, in denen solche hier geistig verarmte Seelen zu einem rechten Lichte gelangen können und auch werden. Und darin liegt auch der Grund, warum Ich mit den sogenannten verstand-, vernunft- und sinnlosen Statthalterschaften Gottes auf dieser Erde Geduld habe und trage. Aber es hat hier dennoch alles seine Zeit und Dauer." (jl.ev11.252,03)

Wie erklären sich die Unterschiede zwischen den Evangelien von Lukas und Matthäus?

"Lukas, wie auch der Pseudo-Evangelist Matthäus (l'Rabbas), haben ihre Evangelien eben nicht gar sehr viele Jahre nach Mir aufzuzeichnen angefangen, und sich aber dennoch in manchem derart verstiegen, daß am Ende unter ihnen selbst in so manchen ganz wichtigen Dingen der größte Widerspruch ans Tageslicht kommen mußte.
Vom Prüfen war in jener Zeit ohnedies keine Rede; denn ein jeder Evangelist hatte seine gewissen Leser und Zuhörer und hat sich um einen andern Evangelisten wenig bekümmert und die Evangelisten selbst hielten sich auch nur an das, was sie niedergeschrieben hatten. Sie hatten sogar mitunter eine rechte Freude an dem, was der eine oder andere in seinem Evangelium (allein) besaß.
So kümmerte sich denn auch l'Rabbas (Matthäus) wenig oder gar nicht um den nach dem achten Tage der Geburt im Tempel beschnittenen Jesus, und so auch nicht um die drei Weisen aus dem Morgenlande, um die Flucht nach Ägypten und den grausamen Kindermord durch Herodes in Bethlehem. L'Rabbas (Pseudo-Matthäus) hat solche Kunde zu Tyrus und Sidon erhalten und in seiner Art auch aufgezeichnet. Aber da er selbst, wenigstens ehedem, mehr Heide als Jude war, so kümmerte er sich auch wenig um die Beschneidung des Kindes Jesu, und so weisen diese beiden Evangelisten einen der merkwürdigsten Widersprüche unter sich auf, während sie in vielen anderen Stücken bis auf die Orts- und Zeitangabe miteinander harmonieren.
Nach Lukas besteht sodann ein allen jüdischen Gesetzen und Gebräuchen vollkommen entsprechend beschnittener Jesus, der zu Bethlehem in einem Schafstalle geboren und nur von den Hirten begrüßt wurde, den Besuch von den drei Weisen aus dem Morgenlande gar nicht erhielt, und es nicht nötig hatte, nach Ägypten zu fliehen, sondern dafür ganz gemütlich nach Nazareth zurückzukehren, daselbst ganz ruhig sein zwölftes Jahr ohne irgendwelche Verfolgung von seiten des Herodes abzuwarten und dann mit seinen Eltern nach Jerusalem eine Wanderung zu machen.
Bei Matthäus sehen wir Jesus in einem ordentlichen Hause zur Welt kommen, der von den Hirten nicht begrüßt wird, dafür aber von den drei Weisen aus dem Morgenland (von denen dem Lukas in seinem Evangelium nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts von der Flucht nach Ägypten, nichts von dem grausamen Kindermord zu Bethlehem durch Herodes, und auch nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galilaa unter dem Könige Archelaus)." (jl.ev11.277,05 ff.)

Wie unabhängig voneinander schrieben die Evangelisten?

Aus dem Hinweis, daß jeder Evangelist sich nur an das hielt, was er erfahren hatte, und sich um das, was andere geschrieben hatten, wenig kümmerte, laßt sich nun erkennen, daß dem Gelehrtenstreit, wer von wem abgeschrieben hat, die Grundlage entfällt. Die Evangelisten haben nicht voneinander abgeschrieben, wohl sind sie in dem einen oder andern Fall an dieselben Gewährsleute geraten, so daß gewisse Berichte sich demzufolge ähneln müssen. Das beweist, wie schnell Spekulationen auf Abwege führen.

Welche Evangelien kommen der Wahrheit am nächsten?

"Nun frage sich ein jeder: Welcher aus den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit geblieben? Die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner, denn ein jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem getraute sich niemand, aus Furcht vor der Strafe, von der übermäßigen Grausamkeit des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus, im damaligen Cölesyrien, aber haßte man Herodes mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeit nicht, wie auch die Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte.
In gleichem Maße würdet ihr bei genauer vergleichender Lesung der beiden Evangelien noch auf so manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber dennoch eher in einem gewissen Grade ausgleichen und berichtigen lassen als der jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus. (jl.ev11.278,03)

Warum ist die Johannes-Evangeliums-Neuoffenbarung durch Lorber wichtig?

Darum muß aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue Unsinn in allem Mir Widersprechenden aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden, und sogar Ich selbst mit ihm, auf daß das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein vollstes Licht trete.
Denn ein jeder wird es leicht verstehen und begreifen, daß Ich unter dem Gesichtspunkte dieser vier nun bestehenden Evangelien, auch so mancher Briefe des Paulus und der andern Apostel - für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darinnen ein jeder vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt selbst zum Widerspruche macht - gleich also, wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden andern Christus einer andern Sekte kreuz und quer zu verdammen." (jl.ev11.278,05-06)

Warum sind trotz Leitung durch den Hl. Geist Fehler möglich?

"Obschon die Evangelisten alles unter Leitung Meines Geistes geschrieben haben, so war aber ihr Wille dennoch ganz frei und so auch ihr Urteil und ihre Annahme darnach." (jl.ev11.296,01)

re. Hand ausführlichere, differenziertere und mit zahlreichen Originaltexten versehene Literatur


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