Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Supplemente S. 278

   01] Beim Matthäus sehen wir a Jesum in einem ordentlichen Hause zur Welt kommen, der b von den Hirten nicht begrüßt wird, dafür aber c von den drei Weisen aus dem Morgenlande - von denen dem Lukas in seinem Evangelio nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts d von der Flucht nach Herodem und auch e nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galiläa unter dem f Könige Archelaus -; dafür aber hatte der Matthäus von der Beschneidung Jesu im Tempel nach acht Tagen, und von so manchem andern, was da vor sich gegangen ist, nichts geträumt, und so habt ihr nach den Schriften dieser beiden Evangelisten einen beschnittenen Juden-Christus und einen unbeschnittenen Heiden-Christus! (a Lukas.02,07; Matthäus.02,11; b Lukas.02,15-17; c Matthäus.02,01-12; d Matthäus.02,13-23; e Matthäus.02,22; f Lukas.02,12-39)
   02] Mit (nach, d. Hrsg.) dem a zwölften Lebenalter Jesu fangen die beiden Evangelisten wieder an einstimmig zu werden, bis auf einige minder bedeutende Nebenumstände. (a Lukas.02,41-52)
   03] Nun frage sich ein jeder: Welcher aus den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit geblieben? Und die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner! denn ein jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem getraute sich niemand aus Frucht vor der Strafe von der übermäßigen Grausamkeit des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus, im damaligen Cölesyrien, aber haßte man Herodem mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeit nicht, wie auch die Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte.
   04] In gleichem Maße würdet ihr bei genauer vergleichender Durchlesung der beiden Evangelien noch auf so manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber dennoch eher in einem gewissen Grade ausgleichen und berichtigen lassen als der jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus.
   05] Darum muß aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue Unsinn in allem Mir Widersprechenden aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden, und sogar Ich selbst mit ihm, auf daß das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein vollstes Licht trete.
   06] Denn ein jeder wird es leicht verstehen und begreifen, daß Ich unter dem Gesichtspunkte dieser vier nun bestehenden Evangelien, auch so mancher Briefe Pauli und der andern Apostel - für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darinnen ein jeder vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt Selbst zum Widerspruche macht - gleich also, wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden andern Christus einer andern Sekte kreuz und quer zu verdammen.


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