Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 129. Kapitel: Das jenseitige Wirkungsfeld der Apostel und der Kinder Gottes.

   01] Wir ruhten in den Zelten alle recht gut, und der Morgen des werdenden Tages war ein heiterer. Ich und Petrus, Johannes und Jakobus machten uns schon eine gute halbe Stunde vor dem Aufgange der Sonne auf die Beine und machten unsere Betrachtungen über die aus ihrem Schlafe erwachende Natur. Die Vögel waren schon sehr geschäftig und begrüßten mit ihrem mannigfaltigen Gesange die bald aufgehende Sonne; im Osten prangten rosige, mit Goldrändern verbrämte Wölkchen; die Spitzen der Hochgebirge glühten, und im Jordantale lagen weiße Nebel, die sich nach und nach zu erheben begannen. Auch ein ganz wohlgeordneter Zug von Kranichen kam von Galiläa her, bog aber bald nach Westen um; denn der Geruch vom Toten Meere, das noch sehr gewaltig dampfte, zwang die sehr scharfsinnigen Lufttiere, sich nach Westen dem Meere zuzuwenden. Und so gab es noch mehrere, einen schönen Herbstmorgen begleitende Szenen und Erscheinungen, von denen die Längerschläfer nichts sahen, da dergleichen gewöhnlich nur der aufgehenden Sonne voranzugehen pflegt.
   02] Johannes sagte, ganz entzückt über den herrlichen Morgen: »Herr, wird es dereinst in Deinen Himmeln auch solche herrliche Morgen geben?«
   03] Sagte Ich: »Solche eben wohl nicht, aber noch unaussprechlich herrlichere und dauerndere; denn diesen Morgen kannst du nicht verlängern, - der himmlische aber kann und wird ein ewiger sein. Denn Ich sage es euch, was Ich euch schon oft gesagt habe: Kein fleischlich Auge hat es je geschaut und kein Herz empfunden, was Gott denen, die Ihn lieben, alles für Seligkeiten bereitet hat. Ihr würdet in diesem eurem irdischen Zustande auch nicht eine kleinste zu ertragen vermögend sein; aber wenn einmal Mein Geist euch ganz durchdrungen haben wird, dann werdet ihr schon vermögend sein, auch den Morgen Meiner Himmel mit überschwenglicher Wonne zu ertragen!«
   04] Sagte Johannes: »Herr, werden wir auch im Himmel diese Erde zu sehen bekommen?«
   05] Sagte Ich: »Nicht nur diese, sondern endlos viele andere auch noch; denn ihr als Meine Kinder und dem Fleische nach Brüder werdet die ganze, unendliche Schöpfung mit Mir zu regieren überkommen und werdet das offenbar sehen müssen, was ihr regieren werdet!«
   06] Sagte noch Johannes: »Herr, was für Geister, als von Dir aus beordert, regieren denn jetzt die Unendlichkeit Deiner Schöpfungen? Der Haupt- und Urregent bist offenbar Du; aber an Deiner Seite stehen gleich unserem Raphael zahllose Legionen mächtigster Engel. Sind diese es, die Dir in der Besorgung Deiner endlosen Schöpfungen dienen nach Deinem Willen, oder gibt es noch endlos viele andere? Was werden die dann machen, so dereinst wir die Gnade haben werden, an Deiner Seite die unendliche Schöpfung mit zu besorgen?«
   07] Sagte Ich: »O du Mein liebster Johannes, du bist noch schwach und so recht kindisch in den Dingen des Reiches Gottes! Ist denn nicht der Geist Meines Vaters, der in Mir ist, der Regent der Unendlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Alle die Engel sind erfüllt von diesem Geiste, der überall alles in allem ist und sein muß! So ihr vollendet sein werdet, werdet ihr etwa durch einen andern als nur durch Meinen Geist vollendet werden können?!
   08] Seht, es gibt wohl eine endlose Menge der geschaffenen Seelen; aber alle vollendeten Seelen durchdringt nur ein Geist, und sie haben durch ihn das ewige Leben, die Weisheit, die Liebe, die Macht und die Kraft, durch die sie dann gleich wie Ich wirken in den Himmeln, wie als Mitleiter der Welten und ihrer Geschöpfe in den materiellen und endlosen Raumgebieten.
   09] Doch das alles und noch endlos vieles andere wirst du erst dann einsehen und klar begreifen, wenn du vollendet sein wirst, was bald nach dem geschehen wird, wenn Ich von dieser Welt aufgefahren sein werde in Mein völlig Göttliches und auch in euer Göttliches oder zu und in Meinen Gott und zu und in euren Gott.
   10] Denn Ich Selbst muß zuvor völlig in Mir als in Gott, als dem Vater von Ewigkeit sein, damit Ich euch dann Meinen Geist senden und geben kann. Wenn der kommen wird, so wird er euch erst in alle für euch jetzt noch unbegreiflichen Wahrheiten leiten, und ihr werdet dann das und noch Größeres tun, als was Ich Selbst nun tue. Wie aber das möglich sein wird, das wird euch eben Mein Geist, der eure Seelen verklären wird, lehren.
   11] Nun aber fangen auch die andern hier Anwesenden an, sich zu regen und werden sich auch bald auf die Beine machen, und die Sonne taucht soeben über den Horizont herauf; darum verhalten wir uns nun ein wenig in der Ruhe und betrachten die Erscheinungen, die sich bei Gelegenheit der aufgehenden Sonne zwar oftmals zu ereignen pflegen, aber dabei doch den Charakter der Neu- und Seltenheiten in sich tragen wie kaum eine andere Erscheinung in der Natur dieser Erde!
   12] Da von unten herauf kommen auch schon die drei Magier, die in der Nacht, als wir uns zur nötigen Ruhe begeben hatten, sich dennoch hinab zu den Ihrigen in die Stadt begeben und ihnen noch ein paar Stunden lang von dem erzählt haben, was sie hier alles gesehen, erfahren und gehört haben. Die drei Menschen werden uns heute gegen etliche blinde Pharisäer, die heute nachmittag als ungeladene Gäste von Jerusalem nach Emmaus kommen werden, noch ganz gute Dienste leisten und werden mit dem vollkommenen Menschen aus dem tiefen Hinterägypten ganz gute Freunde werden. Doch nun eine kleine Ruhe!«
   13] Wir verhielten uns nun ganz ruhig, und die anderen Gäste wurden immer wacher und unruhiger.


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