Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 114. Kapitel: Begegnung Jesu mit Grieche Philopold.

   01] Als wir Kana verließen, da fehlte noch eine und eine halbe Stunde Zeit vom Mittage, und wir gelangten mittels unserer dann- und wannigen Schnellreise gerade bis zum Mittag an das Galiläische Meer, und zwar unfern von der großen Maut, bei der unser Matthäus ehedem als ein Schreiber im Dienste der Römer stand. Von da aus war es denn auch nicht mehr fern bis nach Kis, wo, wie bekannt, auch eine Großmaut sich befand.
   02] Als wir an das Meer kamen, da ließen wir uns nieder, ruhten eine Zeit von einer Stunde aus und betrachteten die starkgehenden Wellen und Wogen, und es wandelte die Jünger die Lust zu fischen an.
   03] Und Petrus sagte: »Schade, daß wir nun keine Netze bei uns haben. Da könnten wir bald einen guten Fang machen!«
   04] Sagte Ich: »Gedenkst du denn heute des Sabbats nicht? Wen es hungert, der mag auch an einem Sabbat fischen, so er sich an dem Vorsabbat keinen Vorrat hat verschaffen können; doch ohne Not soll ein jeder Jude beim alten Gesetze bleiben, auf daß an ihm die Kleinen sich nicht ärgern!
   05] Gutes tun auch an einem Sabbat ist Meine Lehre und Mein Wille; aber ohne Not an einem Sabbat aus dem Meere Fische fangen, ist weder recht nach dem Gesetz noch nach Meiner Lehre; darum lasset euch die Lust zum Fischen vergehen! Ich aber habe euch zu a Menschenfischern gemacht, und so eure Zeit bald kommen wird, da werdet ihr schon auch an den Sabbaten arbeiten können.« (a Matthäus.04,19*; = Markus.01,17)
   06] Als Ich also redete, da kamen etliche Griechen und betrachteten uns von einiger Ferne. Unter sich aber rieten sie, wer wir wären.
   07] Einige sagten: »Das sind Fischerjuden, die heute ihren Sabbat feiern!«
   08] Einige aber sagten: »Es können das auch Griechen sein; denn wir sehen ja auch Griechen unter ihnen, die den Sabbat der Juden nicht zu feiern nötig haben, so sie das nicht frei wollen.«
   09] Auf das faßten sie Mut und gingen auf uns zu.
   10] Als sie vollends zu uns kamen, fragte uns sogleich einer von ihnen, sagend: »Was machet ihr denn hier an einem Sabbat, an welchem Tage doch die meisten Juden in irgendeiner Synagoge sich zu versammeln pflegen? Oder seid ihr denn Griechen? Warum tragen denn mehrere von euch Judenkleider?«
   11] Sagte Ich: »Alles das geht euch nichts an; denn ihr seid noch nicht reif, von Mir Worte des Lebens zu vernehmen, und so werde Ich auch nicht vieles mit euch reden!
   12] Ihr aber seid Diener des Kisjona (Von hier an schreibt Lorber immer "Kisjona", und nicht mehr wie bisher "Kisjonah") zu Kis; daher gehet vor uns hin nach Kis, und saget es dem Kisjona, daß der Herr mit Seinen Jüngern zu ihm kommen werde! Kisjona wird es euch dann schon sagen, wer wir sind. Und nun gehet und störet uns nicht fürder in unserer Ruhe und Betrachtung!«
   13] Auf das wandelte diese Griechen eine Furcht an, und sie verließen uns schnell und eilten ihres Weges vorwärts.
   14] Als sie uns aus dem Gesichte kamen, da erhoben wir uns denn auch und zogen längs des Ufers vorwärts. In etwa zwei Stunden kamen wir dem Orte Kis in die Nähe. Wir betraten nun, das Ufer verlassend, den breiten Fahrweg, auf dem in einiger Ferne vor uns ein Mann, wie in tiefe Gedanken versunken, langsamen Schrittes wandelte. Er merkte gar nicht, daß wir uns ihm genaht hatten und ging seines Weges vorwärts. Als Ich ganz in seine volle Nähe kam, da erst sah er sich um und erschrak ordentlich, als er uns viele in seiner Nähe bemerkte.
   15] Ich aber redete ihn an und sagte: »Philopold! Erkennst du Mich denn nun nicht, - und hast doch schon von heute frühmorgens an nichts denn nur an Mich gedacht in deinem Herzen!«
   16] Hier sah Mich unser Philopold ganz erstaunt an und fiel Mir vor Freuden um den Hals. Anfangs konnte er kaum reden; aber Meine Liebe und Freundlichkeit gab ihm bald den rechten Mut, und wir redeten über vieles bei einer Stunde lang miteinander, worüber auch Meine Jünger eine große Freude hatten und Mir auf Befragen des nun ganz seligen Philopold über manches von Mir dem Philopold Erzählte ein treues Zeugnis gaben.
   17] Wir blieben an der Stelle, wo Ich den Philopold aus seinem Traume weckte, wohl über eine Stunde Zeit stehen, und unser Philopold kam Mir stets mit neuen Fragen, die Ich ihm gern beantwortete; und wir wären noch länger an der erwähnten Stelle auf dem Wege stehengeblieben, so da nicht der Freund Kisjona, durch die gewissen Griechen von Meiner Ankunft Kunde erhaltend, Mir mit ein paar seiner Freunde mit offenen Armen entgegengeeilt wäre.
   18] Es versteht sich aber von selbst, welch eine übergroße Freude Ich durch diesen unerwarteten Besuch dem Kisjona gemacht habe, und es ist daher denn nun auch gar nicht nötig, darüber eine weitläufige Beschreibung zu machen. Kurz, wir verließen nun die Stelle und zogen gar guten und seligen Mutes in das große Wohnhaus des Freundes noch gut eine Stunde vor dem Untergange, und Kisjona gab seinen Leuten sogleich die Weisung, für ein allerbestes Abendmahl zu sorgen.
   19] Es wohnte aber in dieser Zeit auch Meines Leibes Mutter Maria mit dem Joel, einem Sohne Josephs, in Kis, aber in einem ihr von Kisjona eingeräumten Hause; und es fragte Mich Kisjona, ob er sie von Meiner Gegenwart benachrichtigen solle.
   20] Ich aber sagte zu ihm: »Laß das nun noch; denn Ich Selbst werde mit dir, mit Johannes und Jakobus am Abend zu ihr gehen und sie hierher zum Abendmahle bringen samt ihren Freundinnen. Jetzt aber laß uns vorderhand etwas Brot und Wein geben, da Meine Jünger schon hungrig und durstig sind!«
   21] Dies geschah denn auch sogleich, und wir labten uns, und Ich erzählte manches von Meinen Reisen und von deren Wirkungen.
   22] Kisjona und seine Freunde und auch seine Kinder konnten sich nicht genug verwundern über die Wirkungen Meiner Reisen.
   23] Und unser Philopold sagte immer: »Ja, groß ist der Herr, der Löwe von Juda, und voll Herrlichkeit ist Sein Name! Solches zu bewirken ist nur dem Herrn allein möglich! Die Wahrheit der Himmel, gepredigt den Menschen aus Deinem Munde und bezeugt durch Taten, die nur Gott allein möglich sind, muß ja Steine bekehren und sehend machen!«
   24] Alle lobten das Wort des Philopold, und Kisjona sagte zu Meinen Jüngern, die das Wort des Philopold auch sehr lobten: »Ja, liebe Freunde, Philopold ist unser aller Lehrer! Er hat uns so manches aufgeklärt, was uns bei all dem, was wir selbst gehört und gesehen haben, wie ein Rätsel vorkam; darum ist er aber auch unser aller geliebter und hochgeachteter Freund und wird als solcher auch verbleiben für immerdar.«
   25] Sagte Ich: »Darum habe Ich ihn euch denn auch gegeben und erleuchtet, und ihr tut wohl daran, den Weisen aus Kane in Samaria zu behalten in Meinem Namen; in der Folge wird er noch Größeres zu wirken imstande sein, als er bisher gewirkt hat.«
   26] Im Verlaufe solcher Gespräche sagte zu Mir Petrus: »Herr, als wir heute Kana verließen, da hast Du zuvor die Perser gesegnet und so auch mit Wort und Tat den Wirt und sein ganzes Haus; aber die vier Indojuden scheinst Du wenigstens dem Äußern nach denn doch vergessen zu haben. Sie sind Dir zuliebe doch so weit hergereist!«
   27] Sagte Ich: »Was geht dich das an? Als wir abzogen, da waren sie nicht gegenwärtig, indem sie sich die Synagoge ansehen gegangen waren. Ich aber habe dennoch bestens für sie gesorgt. Sie sind aber nach dem Mittagsmahl heute dennoch von Kana wieder abgereist und werden in einer Stunde Zeit hier eintreffen, und da wird sich das von dir vermeintlich Versäumte etwa wohl auch noch einbringen lassen, und du kannst darum nun ganz ruhig sein. Zudem sind sie vom Wirte und von den Persern für ihre Heimreise zur Übergenüge reichlich ausgestattet worden, und das alles durch Meine geheime Fürsorge, und das ist mehr wert als ein äußerer Abschiedsgruß!«
   28] Mit dem war Petrus zufrieden, und es freuten sich alle darauf, diese Familie auch in Kis zu sehen, zu sprechen und bestens zu bewirten.
   29] Kisjona hatte ihnen sogar sogleich Boten entgegengesandt und bat Mich um die Beschreibung ihres Aussehens. Und Ich gab sie ihm auch mit dem Bemerken, daß sie auf vier Saumrossen daherkommen würden, die ihnen von dem Wirte für die bequemere Heimreise geschenkt wurden.
   30] Mit dieser Beschreibung sandte nun Kisjona ihnen auf der Straße, die Ich ihm auch anzeigte, zwei Boten entgegen mit der Weisung, sich von dieser Familie keinen Zollpfennig bezahlen zu lassen. Und die Boten gingen sogleich den vieren auf der angezeigten Straße entgegen, die nach einer Stunde Zeit auch ganz wohlbehalten in Kis bei uns anlangten, worüber Kisjona, Philopold, Meine Jünger und auch alle andern Freunde des Kisjona eine große Freude hatten.


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