Die Ablehnung der Propheten durch die Priester


Inhaltsübersicht:


Was macht Propheten und Seher beim Klerus so unbeliebt? Womit legitimieren sich echte Propheten?

Als "Feind der Propheten" bezeichnet der evangelische Theologe Prof. Walter Nigg den Priester.161 Mit innerer Konsequenz, so erklärt Nigg, komme es von alters her zwangsläufig zwischen dem Priester und dem Propheten zu heftigen Auseinandersetzungen. Nigg sieht den Grund des Zusammenstoßes in "der Machtsucht, die den Priester in allen Klassen der Hierarchie auszeichnet".
Propheten, Seher und Warner üben stets Kritik an den bestehenden Zuständen, auf Grund eines Auftrages, dem fast immer ein ganz konkreter außergewöhnlicher Anruf vorausgeht. So wie Jakob Lorber die Stimme hörte, die ihm befahl: "Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!" - so hörte die hl. Birgitta die Worte: "Du sollst mein Sprachrohr sein, selbst geistliche und himmlische Dinge hören und sehen. Ich rede aber nicht um deinetwillen, sondern zum Heile aller Christen." 162 Einen ähnlichen Auftrag erhielt Swedenborg in einer Vision, auf den er sich stets mit den Worten "ich habe den Befehl vom Herrn" berief.

Warum sind ehemalige und neue Propheten dem Klerus ein Dorn im Auge?

Schon die Propheten des Alten Testamentes gerieten in Konflikt mit dem damaligen Klerus. Der Grund ist nicht schwer zu erraten, wenn der Prophet Amos bei den Tempelfeierlichkeiten zu Bethel donnerte: "So spricht Jahwe: Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Tue weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Psalterspiel nicht hören. 163 Das erregte damals genauso den Zorn der jüdischen Priesterschaft, wie heute die in der Neuoffenbarung zu findenden Anklagen wegen des derzeitigen "äußeren zeremoniellen Parade- und Prunkwerkes" (jl.ev11.333), der bezahlten Seelenmessen, der alle Jahrhunderte hindurch geübten Unduldsamkeit, des Zwanges und der Herrschsucht den Unmut der christlichen Hierarchie erregen wird. Die Propheten haben zu allen Zeiten stärksten Widerstand gefunden, und zwar am meisten von denen, an die die Botschaften in erster Linie gerichtet waren.

Wie behandelte der christliche Klerus die christl. Mystiker und ihre Schriften?

Nicht nur die alttestamentlichen Propheten wurden verfolgt und manche sogar umgebracht, auch die Seher und Mystiker der Christenheit waren den Kirchenmännern ein Ärgernis, und sie behandelten sie entsprechend. Selbst die Heiligen der katholischen Kirche zitterten vor der Inquisition, die gerade den sogenannten 'Alumbrados', den Erleuchteten, mit einem wahren Fanatismus und mit unerbittlicher Strenge nachspürten. Prof. Alois Mager S. J. berichtet in der Schrift 'Mystik als Lehre und Leben' 164, daß schon im Jahr 1754 Klarheit bestand, daß die vom hl. Johannes vom Kreuz hinterlassenen Schriften bzw. Abschriften verstümmelt und entstellt seien, so daß sie nicht als vom Heiligen verfaßt angesehen werden können. Bei seiner Verfolgung vernichtete der Heilige viele Manuskripte, und auch die einer Nonne übergebenen zahlreichen Hefte mußte diese schließlich verbrennen, als die Inquisition auch auf diese Spur gekommen war.
Otto Karrer berichtet in der Schrift 'Die große Glut', daß die Echtheit fast aller Schriften der hl. Hildegard von Bingen von mittelalterlichen Mönchen so sehr verändert und erweitert worden sind, daß man nicht wisse, was sie in ihren Gesichten wirklich gesehen und in ihren Schriften niedergelegt habe.165 Was die Mystiker wirklich gesehen und gehört hatten, durfte grundsätzlich nicht veröffentlicht werden, wenn es mit den Vorstellungen und Behauptungen der Kirchenmänner nicht übereinstimmte.
Der von religiöser Glut erfüllte Meister Eckehart von Köln wurde durch die Intrigen des Klerus von Papst Johannes XXII. als Häretiker verurteilt, weil er, ohne nach Maßgabe des Glaubens sich einfach zu bescheiden, mehr wissen wollte und sein Gehör von der Wahrheit abgewandt und sich Fabeleien zugewandt hat".166 Eckehart starb, bevor die Nachricht seiner Verurteilung in Köln angekommen war, und entging deshalb wahrscheinlich dem schlimmen Schicksal, das den Mönch und Seher Savonarola in Italien zur Zeit des berüchtigten Papstes Alexander VI. ereilte. Savonarola trat der Abweichung vom Geist des Evangeliums u. a. mit den Worten entgegen: "Zeremonien ohne Reinheit des Herzens haben keinen Wert, und das christliche Leben besteht in ganz anderem als in Äußerlichkeiten."167 Um ihn zum Schweigen zu bringen, bot ihm Alexander Vl. den Kardinalshut an, was Savonarola ablehnte. Sodann wurden alle Register gezogen und alle Intrigen angewandt, um ihn unschädlich zu machen. Schließlich wurde er allen Folterqualen unterworfen und zum Tode des Verbrennens verurteilt, obwohl er keinerlei häretische Ansichten geäußert hatte.168 Savonarola hatte Dinge richtig vorausgesagt, die ihm kein Mensch abnahm und die dennoch bald eintrafen.
Der Mystiker Jakob Böhme wurde auf Veranlassung des evangelischen Pastors seiner Gemeinde mittellos aus der Stadt Görlitz vertrieben, nur weil seine Schriften dem Pastor ein Ärgernis waren. Swedenborg, der auf dem Sterbebett versicherte, daß alle seine Offenbarungen wahr seien und vom Herrn stammten 169, wurde verfolgt, ja sein Leben war bedroht. Auf dem Reichstag von 1769 versuchten einige Mitglieder des geistlichen Standes, ihn vor Gericht zu stellen, weil ihnen seine Lehren zuwider waren. Andere wollten ihn ins Irrenhaus bringen.170 Swedenborg schrieb an Prälat Christoph Oetinger in Murrhardt in Württemberg, diese Leiden der Verfolgung gehörten nun einmal zum Schicksal eines Zeugen der Wahrheit.171

Warum entging Lorber kirchlichen Nachstellungen und wie wurde sein Originalwerk gerettet?

Jakob Lorber entging persönlichen Verfolgungen nur deshalb, weil seine Schriften zum überwiegenden Teil nach seinem Tode und zudem nicht in Österreich gedruckt wurden. Aber schon der Verdacht genügte, daß Lorber etwas geschrieben habe, was die kath. Kirche mißbilligen werde, daß der Ortspfarrer die Beerdigung Lorbers in Frage stellte. Trotz aller finanziellen und sonstigen Schwierigkeiten wurden dennoch sämtliche Schriften im Laufe der Zeit gedruckt, nachdem sie jahrzehntelang an einem sicheren Ort verborgen gewesen waren. Auch im Dritten Reich wachte eine unsichtbare Hand über dem Werk. Als die Gestapo den Verleger Zluhan ins Konzentrationslager abführte und die Verlagsräume durchsuchte, konnten die Originalhandschriften Jakob Lorbers durch einen Hinweis von dritter Seite rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. So ist es heute und in Zukunft möglich, jedermann davon zu überzeugen, daß die in dieser Schrift erwähnten Kundgaben über die Atome und Elementarteilchen, den Kosmos, die Vormenschen, die Zerstörung des ökologischen Systems unserer Erde usw. tatsächlich Mitte des vorigen Jahrhunderts niedergeschrieben wurden. Zudem existieren aber auch noch die Druckschriften, die lange Zeit vor dem Bekanntwerden der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse verlegt wurden.

Welche Offenbarungen akzeptiert die kath. Kirche? Wie stuft sie ihre Verbindlichkeit ein und geht mit ihnen um?

'Privatoffenbarungen' werden von der kath. Kirche nur akzeptiert, wenn sie in jeder Hinsicht - auch wenn es sich nicht um ein Dogma handelt - mit den Lehren und Ansichten der Kirche übereinstimmen, sonst werden sie je nach Sachlage umgebogen, verketzert oder totgeschwiegen. Die kath. Kirche hat es vorgezogen, die Neuoffenbarung totzuschweigen. Von einer Anerkennung als echte Prophetie war nie die Rede und wird wahrscheinlich auch in Zukunft nicht die Rede sein.
Dagegen sprechen auch die Prophezeiungen Jakob Lorbers. Es ist bemerkenswert, daß Lorber voraussagt, daß die Umwälzungen in der kath. Kirche erstmals deutlich nach einem Konzil in Erscheinung treten werden. Religion kann eben auf die Dauer nicht gedeihen, wenn Zeremonientum, Dinglichkeit und Gesetzlichkeit überhandnehmen. Es soll hier nicht verhehlt werden, daß in der Neuoffenbarung über die in der kath. Kirche herrschenden Verhältnisse strenge Worte zu finden sind. "Niemals", schreibt Walter Nigg, "sind die Propheten bereit und gewillt, einen Kultus hinzunehmen, der zur Beschwichtigung der unhaltbaren Zustände dient."172

Wurden Lorber und andere Propheten für die Endzeit vorangekündigt?

"In gar später Zeit" (nahezu an die 2000 Jahre!), heißt es in der Neuoffenbarung, "werden abermals knapp vor einem großen Gericht Seher erweckt und zugelassen werden, welche die kurze, schwere Mühe haben, die unrein gewordene Lehre zu reinigen". (jl.ev06.076,10).

Ist die allgemeine Offenbarung Gottes mit dem Neuen Testament abgeschlossen worden? Warum behaupten Theologen dies?

Mit dem Standpunkt, die allgemeine Offenbarung Gottes sei mit dem Neuen Testament abgeschlossen, was auch das 2. Vatikanische Konzil bestätigte, hat die kath. Kirche, wie Viktor Mohr schreibt, "die letzte Chance vertan, dem heiligen Geist zu dienen, der oft vielen theologischen Staub hinweggewirbelt hat". 173. Die sonderbare Ansicht, Gott habe nach dem Tode Jesu die Offenbarungen an die Menschheit eingestellt, haben nach Ansicht von Prof. Nigg lediglich die Theologen vertreten, die die begreifliche Furcht hegten, durch die prophetische Wirksamkeit könnten die Paragraphen ihrer Dogmatik durcheinandergeraten".174
"Bringen die Offenbarungen eine neue Lehre, dann müssen wir sie von vornherein ablehnen."175 Das ist der alte Standpunkt, der auch im heutigen katholischen Schrifttum vertreten wird. Es ist hier nur die Frage, wie eng hier der Begriff 'Lehre' ausgelegt wird. Es ist sehr bemerkenswert, wenn derselbe Autor eingesteht: "Die Volksfrömmigkeit ist immer eine der stärksten Anregungen für die Entwicklung der Dogmen gewesen."176 Und ebenso aufschlußreich ist es, wenn er zugibt, daß "Privatoffenbarungen immer sehr erwünscht waren und der Anerkennung sicher sein konnten, wenn es sich dabei um Anlässe für Gründungen von Klöstern und Wallfahrtsorten handelte". Sapienti sat! (dt.: "dem Weisen genügt dies", d. Vf.) Wörtlich schreibt er: "Unzählbar sind die Klostergründungen, Wallfahrten und alle Arten von Institutionen, die ihren Ursprung einer besonderen Offenbarung verdanken. Zwar ist die Echtheit der Erzählungen von Erscheinungen und Visionen nicht immer gut verbürgt." (!)177

Welche Folgen bewirkt die kirchliche Ablehnung der Neuoffenbarung?

Die Tragik in der Entwicklung der christlichen Religion besteht darin, daß der Geist in der Kirche immer enger, immer herrischer und unduldsamer und damit immer unevangelischer wurde. Alles erstarrte in Äußerlichkeiten, Konvention und Gewohnheitschristentum. Das Kirchengesetz stand über der Willensfreiheit. Und deshalb wurde auch, wie der Erzbischof Elchinger von Straßburg auf dem Konzil erklärte, am "dogmatischen Imperialismus" auf dem Konzil nicht das mindeste geändert.178 "Und was kommt am Ende dabei heraus?" wird in diesem Zusammenhang in der Neuoffenbarung gefragt. "Siehe, die Menschen entfernen sich immer mehr von Gott. Dies Volk ehrt mich mit den Lippen und toter Weltzeremonie, aber sein Herz ist fern von mir". (jl.ev09.209,04).
Die Ablehnung der durch unwiderlegbare Beweise als echt erwiesenen Kundgaben der Neuoffenbarung durch die Kirchen kann zur Folge haben, daß der bereits steril gewordene Glaube ganz Europa und andere Weltgegenden zu einer noch größeren religiösen Steppenlandschaft werden läßt, als sie es schon jetzt sind.

Ist überhaupt eine Änderung der kirchl. Einstellung zu erwarten?

An Mahnungen seitens einsichtiger Theologen fehlte es nicht. Aber "da alle Amtsmänner", wie Nigg sagt, "von der Erstarrung der Selbstzufriedenheit, Selbstsicherheit und Selbstgenügsamkeit bedroht sind"179, ist keine Änderung zu erwarten, und die von Lorber prophezeite Entwicklung wird ihren Weg gehen.
Das sich in Äußerlichkeiten erschöpfende Gewohnheitschristentum ist ein schweres Hindernis, diese Gläubigen mit einem vertieften Christentum bekanntzumachen. Von den in Straßburg im Jahre 1972 versammelten Anhängern der konservativen Organisation 'Bewegung für Papst und Kirche' sagte in einem Fernsehinterview Erzbischof Elchinger von Straßburg: "Sie sind falsch erzogen worden." Die Wahrheit sehen sie vornehmlich im Zeremonientum, und in ihrer Erstarrung sind sie schwerlich geneigt, sich der göttlichen Botschaft der Neuoffenbarung zu öffnen. Von ihnen wird in der Neuoffenbarung gesagt: "Sie suchen mich überall nur in den Kirchen, aber nicht auf dem Wege des Lebens." "Gerade sie, die das beste und fruchtbarste Feld für meine Lehre sein sollten, gerade sie sind die ärgsten Widersacher". (gm.pred.032,10).
Schon der charismatisch begabte Pfarrer Blumhardt klagte, daß diese Menschen schwerer aus dem Buchstabenglauben herauszuführen seien als aus der Barbarei des Heidentums.

Wie beurteilen einsichtige, mutige Theologen den Kirchenstandpunkt bzgl. der Möglichkeit neuer göttl. Offenbarungen?

Zwar gibt es genug einsichtige Theologen in beiden Kirchen, die wissen, daß Gottes Geist weht, wo er will und wann er will, und daß er sich keinesfalls durch kirchliche Entscheidungen reglementieren läßt. Sie machen nachdrücklichst ihre Bedenken darüber geltend, daß die Amtskirchen das neuzeitliche Prophetentum abdrängen und totschweigen.
In der mit dem Imprimatur-Vermerk versehenen Schrift des kath. Theologen Laurenz Volken 'Die Offenbarungen in der Kirche' ist u. a. folgendes ausgeführt: "Müssen wir schließen, daß der Sohn Gottes uns alles gesagt hat und daß die Offenbarung mit seiner Himmelfahrt endet? Nein, gewiß nicht, da Christus uns das ausdrückliche Versprechen hinterlassen hat, daß der Heilige Geist kommen und uns weitere Offenbarungen bringen werde: 'Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit führen ... er wird reden, was er gehört hat, und wird euch das Künftige verkünden'". (joh.06,12-13).180
Treffend schreibt Volken weiter: "Die Offenbarungen sind eine Tatsache, die heute vielleicht aktueller ist als jemals seit dem Ursprung der Kirche." Man hat immer feststellen können, daß an Wendepunkten der Geschichte, in Zeiten des Umbruchs, Gott sich sichtbarer als Lenker der menschlichen Geschichte zeigt. Wir befinden uns in einer solchen Periode." 181
Der Alttestamentler Pater Dr. Lohfink vom päpstlichen Bibelinstitut zu Rom erklärte in seiner Vortragsreihe 'Propheten gestern und heute': "Wenn wir zu den Menschen gehören, die sich um unsere Welt Sorgen machen, dann Ist doch in dieser Welt nichts bedrückender als Gottes Schweigen. Und hier begegnen wir einem Menschen, den die Stimme Gottes getroffen hat." Bezüglich des neuzeitlichen Prophetentums sagt Pater Lohfink weiter: "Wir müssen damit rechnen, daß solche Propheten vielleicht Botschaften haben, die innerhalb unserer Kirche hätten ergehen müssen, aber wegen unserer eigenen sündigen Selbsteinkapselung (!) dort nicht ergehen konnten. Was können wir dann tun? Wir dürfen uns nicht schämen, auch zu diesen Propheten zu gehen und von ihnen zu lernen." 182
Der frühere Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Kirchenrat und Schriftsteller D. Dr. Kurt Hutten schrieb im gleichen Sinn: "Es stünde dem Universitätstheologen gut an, wenn er seinem allgemeinen Bildungsgut neben den Ergebnissen naturwissenschaftlicher und soziologischer Forschungen auch die Früchte parapsychologischer Untersuchungen und darüber hinaus dle großartigen Weltentwürfe von Männern wie Jakob Lorber und Swedenborg zur Kenntnis nähme."183 In seinem Buch 'Seher, Grübler, Enthusiasten' schreibt Dr. Hutten: "Das Weltbild Lorbers hat Tiefe und Kraft, umgreift alle Ebenen des menschlichen Seins und der Geschichte, enthält großartige Vorstellungen wie die des großen Schöpfungsmenschen und hat in erstaunlicher Weise moderne Forschungsergebnisse, z. B. in der Atomphysik, vorweggenommen."184

Warum werden kirchlicherseits alte und neue Propheten ungleich beurteilt?

Der evang. Theologe Walter Nigg wirft die Frage auf: "Warum beugt man sich den Worten der alten Propheten und verneint das prophetische Wirken der Gegenwart? Darf man so in Bausch und Bogen urteilen? Ist man nicht auch da verpflichtet, alles zu prüfen, und nicht gleich den Gegner hervorzukehren, der die Meinung des andern in einer Weise richtet, wie der Christ nach der Bergpredigt gerade nicht richten darf?"185
Prof. Ernst Benz fordert in der Pfingstausgabe der 'Deutschen Zeitung / Christ und Welt' vom 9. Mai 1972 ebenfalls die Kirchen auf, ihre bisherigen "Bedenken gegenüber den irrationalen Elementen der Geistesgaben zurückzustellen und dem ursprünglichen Lebenselement der christlichen Kirchen wieder freien Raum zu gewähren". Nur auf diese Weise und nicht durch eine Intellektualisierung der Theologie könnten sie aus ihrer derzeitigen Verarmung herauskommen.
Sehr bemerkenswert ist, was der bekannte Jesuit und Konzilsberater des Kardinals Döpfner, Prof. Karl Rahner, zu dem Fragenkomplex in seiner Schrift 'Visionen und Prophezeiungen' zu sagen hat. Für Karl Rahner steht fest, daß es auch in der nachchristlichen Zeit Offenbarungen außerhalb der canonischen Schriften gibt (S. 7). Er weist auch darauf hin, daß die Kirche bezüglich der Beurteilung von sog. Privatoffenbarungen keinesfalls unfehlbar ist (siehe hierzu die Erklärung der röm. Behörde 1877 ASS XI, S. 509ff.). Grundsätzlich stellt Rahner fest: Hat Gott geredet und steht diese Tatsache fest, das heißt, ist sie mir in genügender Weise bezeugt, dann ergibt sich für mich ohne weiteres die Pflicht des Hörens, des Gehorsams und des Glaubens, sofern nur irgendwie der Inhalt mich betrifft."186 Er hebt hervor, daß Offenbarungen nicht unbedingt der amtlichen Kirche anvertraut werden müssen (S. 24). "Grundsätzlich kann der Geist Gottes jedes Glied der Kirche auf sie einwirken lassen, was er von ihr verlangt, welches Gebot der Stunde er ihr auferlegt."187 "Immer muß es neben dem durch Handauflegung weitergegebenen Amt in der Kirche auch die menschlich unübertragene Berufung des Propheten geben. Keine der beiden Gaben kann die andere ersetzen."188
"Es war ein geschichtliches Versäumnis ersten Ranges", schreibt der Physik-Philosoph Prof. Müller-Markus, "daß dle offizielle Kirche das ewige Zweistromland des Geistes: Mystik und ratio, in die Kanäle institutioneller Lehren leiten wollte. Als ob das Feuer in Stahlflaschen abgezapft werden könnte! Was dem christlichen Denken fehlte, war Luft. War der freie Hauch des Pneumas." 188a "Von allen (guten, d. Hrsg.) Geistern verlassen ist die heutige Kirche, daher ihre Ratlosigkeit. Wie sollte sie die Zukunft kennen ohne die Weisheit der Seher?"188b

Hat die kath. Kirche ihre inquisitorische Haltung geändert?

Es ist kaum zu erhoffen, daß die Erkenntnisse der einsichtigen Warner die maßgeblichen Kirchenmänner umzustimmen vermögen. Das ergibt sich auch aus den Aussagen der Neuoffenbarung, wo gesagt ist, daß der Standpunkt der mittelalterlichen Inquisitoren im Grunde genommen auch heute noch Geltung hat, daß nämlich "niemand außer ihnen etwas wissen und irgendeine Erfahrung haben soll". (jl.ev03.225,09).

Welche Einstellung empfiehlt die Neuoffenbarung gegenüber der kath. Kirche und ihren Mißständen?

Es wäre eine völlige Verkennung des Sachverhaltes, wollte man die in der Neuoffenbarung an der katholischen Kirche geübte strenge Kritik als Ausfluß einer negativen Einstellung Jakob Lorbers zur Kirche ansehen. Dieser harmlose und fromme Mann war praktizierender Katholik. Er war nur das Medium, der 'Schreibknecht Gottes', dem oft genug die Tränen kamen, wenn er tief erschüttert über das Vernommene war. Die Kritik an der Kirche richtet sich gegen ihre Fehlhaltung und ihre Fehlleistungen und nicht gegen die Institution als solche. Das beweisen die folgenden Stellen in der Neuoffenbarung: "Es ist wohl wahr, daß es in der katholischen Kirche gewaltige Mißbräuche gibt, aber es gibt darum doch auch manches Gute, denn es wird von der Liebe und von der Demut gepredigt. Und so jemand sonst nichts als das befolgt, so wird er nicht verloren sein". (jl.erde.223). "Fluchet nicht dem ganzen Baum, weil seine Rinde tot ist." "Die katholische Kirche hat schon sehr viele gute Kinder erzogen" (jl.him1.098. "Folget der Lehre der Kirche dort, wo sie Mein Wort und die Demut und die Liebe verkündet." "Von der äußeren Kirche wird ewig nie das Gottesreich kommen, welches da ist das eigentliche innere ewige Geistesleben. Aber diese äußere Kirche ist nach Meiner Fürsehung und Sorge ein Schutz für die innere Kirche, die jedermann leicht finden kann, wenn er sie nur suchen und finden will." (jl.him2.375). "So ihr abtrünnig werden wollt (von der Kirche), so wird wenig Segen an euere Brüder gelangen". (jl.him1.099). "Wer recht leben will, der kann es in jeder Kirche, denn die Hauptregel ist: Prüfet alles und das Gute behaltet. Sei einer, was er wolle, so sei er aber ein werktätiger Christ." "Der bloße Glaubensmensch ist jener, der sein Talent vergrub". (jl.erde.224). (Entsprechend den vorstehenden Kundgaben veranlaßt die Lorber-Gesellschaft niemals jemanden, aus seiner Kirche auszutreten.)

Was ist von der kath. Hierarchie bzgl. der Neuoffenbarung zu erwarten?

Das alles wird nicht verhindern können, daß die Hierarchie den Propheten Jakob Lorber auch weiterhin totschweigen oder ablehnen wird. "Sie lieben mein Licht nicht", wurde Lorber gesagt, und "sie werden jene nicht lieben, die mein Licht zu ihnen bringen". (jl.ev03.225,09).

Was sind die eigentlichen, charakterlichen Gründe der kirchlichen Ablehnung von Neuoffenbarungen?

Falscher Triumphalismus und die zähe Verteidigung der Machtpositionen lassen es nicht zu, das Heilsangebot in Form der gewaltigen und überzeugenden Fülle der geoffenbartign Lebenslehre anzunehmen. Die Priester sind seit alters zu tief in der Denkart der Macht befangen. Schon der hl. Bernhard von Clairvaux schrieb an Papst Eugen III. (1145 bis 53): "Es gibt kein Eisen und kein Gift, das ich so sehr für dich fürchte, als die Leidenschaft zu herrschen."189 Aber diese "innere unheilbare Wunde der Kirche", wie Bernhard die Herrschsucht der Hierarchie bezeichnete, hat sich bis heute nicht geschlossen.
"Je mehr Mein Einfluß wächst, desto mehr wird sich der Widerstand steigern", wird in der Neuoffenbarung prophezeit. "Denn je mehr der Instinkt die gläubigen Herzen zu Mir führt, desto mehr wehren sich die anderen." "Es werden sich die Gemüter erhitzen statt erwärmen." (gm.pred.021,04). "Sie werden alle Mittel anwenden, die zu ihrem früheren Glanz und zu ihrer früheren Macht führen sollen." (gm.pred.033,14).

Welche Folgen wird der kath. Kirche die Ablehnung der Neuoffenbarung bringen?

Aber es wird wenig nützen; der Abfall, insbesondere der jungen Generation, hat bereits begonnen und wird sich nach den Angaben der Neuoffenbarung fortsetzen. "Es regt sich der Drang nach Freiheit des Denkens und nach geistiger Freiheit". (gm.pred.003,18). In jl.him2.095 und jl.him2.096, hat Jakob Lorber ganz konkret vorausgesagt, daß nach einem Konzil die Auflösungserscheinungen in der katholischen Kirche erstmals deutlich sichtbar werden und daß die Kirche dann Angriffe insbesondere von ihren "eigenen geweihten Dienern" zu erwarten hat. Wie sehr inzwischen auch diese prophetischen Worte Lorbers wahr geworden sind, ist für jedermann augenscheinlich!
"Nicht der weltlichen Organisation", sagt M. Kahir in der Schrift 'Nahe an 2000 Jahre', "sondern der ewigen Idee 'Kirche', dem inneren Bunde des Menschen mit Gott, gilt das Evangeliumswort von der Unüberwindlichkeit durch die Hölle."190

Wie stehen die versch. evangelischen Denominationen zur Neuoffenbarung?

Widerstand ist aber nicht nur von der katholischen Kirche zu erwarten, sondern es ist auch bereits durch lieblose, aggressive und unsachliche Kritiken die Abneigung gewisser evangelischer Kirchenkreise gegen die Neuoffenbarung sichtbar geworden. Wenn allerdings Entmythologisierer, die die Grundlehren des Christentums eliminieren wollen, bis - wie der Marxist Ernst Bloch einmal sagte - schließlich nur noch Violett von der christlichen Lehre übrigbleibt", die Neuoffenbarung in die Hand bekommen, so kann nichts anderes erwartet werden, als daß - wie geschehen die Kundgaben als 'Aufkläricht' verhöhnt werden. Diesen falschen Propheten wird die Neuoffenbarung keine Siegelöffnung, sondern ein Ärgernis sein.

Welche relig. Bedürfnisse hat das Volk?

Die Schwierigkeiten, die der Verbreitung der Neuoffenbarung von den verschiedensten Seiten und aus den unterschiedlichsten Gründen entgegenstehen, sind nach dem Vorgesagten nicht gering. Aber der Umstand, daß viele Schichten des Volkes auf diese Botschaft nicht ansprechbar sind, ändert nichts an der Tatsache, daß auch heute noch in den Seelen von Millionen Menschen ein echter religiöser Sinn vorhanden ist und sich mehr und mehr ein Verlangen nach der Wahrheit geltend macht. Auf diesen Sachverhalt beziehen sich die folgenden Kundgaben der Neuoffenbarung: "Zwar werden sich eine Masse Hinderniswolken gegen die Verbreitung auftürmen, aber das wird den endlich großen Aufgang der Wahrheitssonne doch nicht verhindern können." Zu seinen Jüngern sagte Jesus laut Neuoffenbarung: "Mein Geist wird unter den vielfach bedrängten Menschen wach werden, bevor tausend und nicht (volle) tausend Jahre (d. h. nahezu 2000 Jahre, d. Vf.) von nun an vergehen."
Wir leben in einer entscheidungsvollen Weltepoche, in der Endzeit eines irdischen Zeitalters, das nach der Aussage der Neuoffenbarung gewaltige Umwälzungen aller Art mit sich bringen wird. Zur Zeit sind erst die Anfänge der prophezeiten Entwicklung erkennbar. Das metaphysische Drama zwischen Gott und seinem Widersacher Luzifer, das in der Neuoffenbarung so eindrucksvoll beschrieben ist, tritt erneut in ein entscheidendes Stadium. Die Zeit, in der die Menschheit aus der Sackgasse des Materialismus herausgeführt werden wird, ist bereits angebrochen. Bisher mußte sich der Mensch unter dem Einfluß dieser größten und gefährlichsten Irrlehre aller Zeiten selbst ein ewiges Rätsel bleiben, weil er seine Blicke einzig auf die Materie richtete und die unvergänglichen Werte seiner hohen Bestimmung nicht erkannte oder nicht erkennen wollte. "Die törichte Menschheit erkennt nicht ihre Mission, den Zweck des jetzigen und künftigen Lebens" (gm.pred.035,08). Deshalb erfolgt immer wieder die Mahnung: "Erkennet den Strom des Lichts, der Sich über euere Welt auszugießen anfängt, höret die Mahnworte!" (gm.lgeh.020,32).

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