Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 100

Die Lehre Mosis und die Lehre Jesu.

01] (Der Herr:) »Oh, es genügt lange nicht, nur zu wissen und zu glauben, was nach der Ordnung Gottes und aller Himmel gut, recht und wahr ist, sondern handeln muß man danach in aller Liebe und Freudigkeit des Herzens, dann erst kommt das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit wahrhaft unter euch Menschen und macht euch also erst zu den wahren Kindern Gottes!
02] Was würde jemandem aber auch nützen alle Einsicht und Erkenntnis, er täte aber nicht danach, sondern bliebe bei der altgewohnten Weltsitte?! Gliche der nicht einem törichten Menschen, der einen Palast zum reinen Geschenke bekommen hat, daß er denselben bewohne mit den Seinen in großer Ruhe und aller Bequemlichkeit?! Dieser Mensch hätte zwar eine große Freude an des Palastes herrlichsten und bequemsten Einrichtungen; aber er ist des höchst unbequemen Wohnens in seiner alten, schmalen und unreinen Hütte von Jugend an gewohnt und bleibt trotz der Einsicht des Guten und überaus Zweckmäßigen des herrlichen und überaus geräumigen Palastes dennoch in der feuchten, ungesunden und höchst unbequemen Hütte mit den Seinigen und klagt aber in einem fort über die großen Mängel seiner engen Behausung!
03] Ja, wenn so ein Mensch nicht ein Narr ist, so ist doch kein Narr in dieser Welt! Aber ein noch bei weitem größerer Narr ist der, welcher Meine Lehre hat und sie als ewig wahr erkennt, dabei aber in all seinem Handeln dennoch stets ein alter Jochochse verbleibt!

  • Matthäus.11,30] a Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.« (a Lukas.11,461. Johannes.05,03jl.ev01.039,09;  ⇒ jl.ev01.149,11*;  jl.ev03.010,10jl.ev03.120,04jl.ev04.100,04jl.ev05.090,03jl.ev07.140,01jl.ev08.078,07bjl.ev08.105,01-04;  jl.ev09.057,08jl.ev11.305jl.gso1.012,09jl.gso2.027,04jl.gso2.071,20jl.gso2.102,12jl.bmar.183,21jl.him1.013,04jl.him1.264,03-04;  jl.him3.168,02a)
    04] Ich sage es euch allen: a Gar sanft ist Mein euch an den Dienstnacken gelegtes Joch und überaus leicht die euch zum Tragen auferlegte Bürde. Wer sie tragen wird, wird eine leichte Mühe haben. Wer sie aber nicht tragen wird, der wird es sich nur selbst zuzuschreiben haben, so es ihm schlecht und bitter und jämmerlich ergehen wird. Erweiset euch gegenseitig einerechte Liebe, so werdet ihr auf sanften und überweichen Kissen ruhen! Wollet ihr aber lieber Steine unter euren Häuptern haben, so möget ihr sie auch haben; aber dann klage am Morgen des Lebens ja niemand, daß sein Haupt auf dem Steine wund und schmerzhaft geworden sei! (a Matthäus.11,30]; Lukas.11,461. Johannes.05,03jl.ev01.039,09;  ⇒ jl.ev01.149,11*;  jl.ev03.010,10jl.ev03.120,04jl.ev04.100,04jl.ev05.090,03jl.ev07.140,01jl.ev08.078,07bjl.ev08.105,01-04;  jl.ev09.057,08jl.ev11.305jl.gso1.012,09jl.gso2.027,04jl.gso2.071,20jl.gso2.102,12jl.bmar.183,21jl.him1.013,04jl.him1.264,03-04;  jl.him3.168,02a)

    05] So du einen treuen Diener hast und einen ungetreuen, bist du nicht ein riesenhafter Esel, so du den treuen Diener darum von dir entfernest, weil er um vieles kürzer in deinem Hause ist als jener echte, alte Spitzbube, der dich noch bei jeder Gelegenheit nach aller deiner Länge und Breite betrogen hat?! Darum muß von euch alle Altdienerei ganz verschwinden; denn sie taugt nicht zur reinen Lehre aus dem Himmel, und diese Lehre ist nicht nur so ein neuer Lappen zum Ausstopfen eines alten, ganz zerrissenen Rockes, sondern sie ist für sich ein ganz neues, fertiges Kleid, dem der alte, schlechte Rock ganz Platz machen muß!
    06] Ich aber verstehe unter dem alten Rocke ja nicht etwa Moses und die Propheten - denn diese sind ein reinstes Gold aus den Himmeln -, sondern eure Menschensatzungen verstehe Ich unter dem Bilde des alten, zerrissenen Rockes. Aus diesen und aus den Satzungen des Tempels ist nichts mehr zu machen; denn setzte man da auch irgendeinen ganz neuen Fleck auf einen weitklaffenden Riß, so könnte man ihn doch nicht annähen, weil des alten Rockes zu morsch gewordener Stoff keinen Stich mehr halten würde.
    07] Moses hat zwar für die damalige Zeit eine Verfassung für den ganzen Haushalt und für alle Bedürfnisse und Nöte der Menschheit dem israelitischen Volke gegeben; diese wurde aber schon ganz entstellt, und taugte auch als unentstellt zu dieser Meiner Lehre nicht mehr. Denn so man pflügt, kann man nicht Ernte halten; so aber das gesäte Weizenkorn reif geworden ist, da dinget man Schnitter, und dann taugt der Pflug nicht unter den Schnittern. Moses hat gepflügt, die Propheten haben gesät, und nun ist die Schnitt- und Erntezeit herbeigekommen, in der man Moses mit dem Pfluge in der Hand nicht mehr brauchen kann. Wir werden nun wohl Ernte halten und bringen in unsere Scheuern, was da nur immer reif ist; aber nach der Ernte wird euch wieder der Pflug Mosis in die Hände gegeben werden zum neuen Auflockern des Erdreichs und zur neuen Ansaat eines reinsten Weizens aus den Himmeln, und es werden da Hüter bestellt werden, die da wohl achthaben werden, daß kein Feind komme und Unkraut säe unter den reinsten Weizen!«


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