Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1, Seite 13


   (Fortsetzung:) 03] Wer mich aber recht lieben will, der halte Meine Gebote und liebe Mich aus Meiner Liebe, die Ich jedem, ohne Kreuz, Nägel und (Dornen)Krone, ganz rein, wie Ich es bin, gegeben habe. Sage ihr: Wer mich wahrhaft liebt, der liebt Mich auch ohne Kreuz, Nägel und Krone. Wessen Liebe aber zweifelhaft ist, dem werde Ich schon zukommen lassen entweder das Kreuz, die Nägel oder die Krone - damit seine Liebe befestigt werde zu Mir, da er sehen wird, daß leiden schwerer ist als lieben und daß Ich nicht Freude habe an den Leiden Meiner Kinder, sondern nur ein trauriges Herz.
   04] Denn sehet, Mein Joch ist sanft und Meine Bürde ist leicht (mt.11,30). Nur die Kinder der Welt müssen Meinem Reiche »Gewalt« antun, wenn sie es an sich reißen wollen (mt.11,12). Meine Kinder dagegen sollen nicht ins Feld ziehen für Mich und sich verwunden lassen von Meinem Feinde - für sie werde schon Ich kämpfen. Denn die Liebe steht höher als aller Kampf.
   05] Wer aber selber kämpfen will und Freude hat am Kampfe, der muß sich schon auch auf allerlei Wunden gefaßt machen und sehe zu, daß er nicht unterliege im Gefechte. Der Sieger aber steht nicht über der reinen Liebe, sondern ist unter derselben, solange er nicht die Siegerkrone in die Flamme der Liebe wirft.
   06] Daher: Die Mich lieben, für die werde Ich kämpfen und siegen, und ihre Liebe wird Mir die schönste Siegeskrone sein. Die aber mitkämpfen wollen, die werde ich verteilen auf ihre Posten. Und sie werden kämpfen müssen mit ihrer Kraft in großer Angst und Hitze, und es wird ihnen der Sieg oft sehr sauer werden und teuer zu stehen kommen, und dereinst werden sie viel Rechnung zu legen haben.
   07] Eines noch muß (als ein geistiges Gleichnis für den Glaubensstand) hinzugesetzt werden, nämlich: So jemand ein Haus kaufet, der begnüge sich nicht mit der Beschauung der schönen Außenseite, welche blendet; sondern er gehe zum Verkäufer und sage: »Laß mich erforschen die Grundfesten, die Mauern der Wände, die Böden und das Dach.« Und hat er das Haus fest befunden, so kaufe er es um jeden Preis, da es ein gutes Haus ist. Ist es aber nicht so, dann lasse man es, wie es ist, und handle nicht darum mit dem arglistigen Kaufmann, selbst wenn dieser auch sagen würde, das Haus stehe schon so oder so lange - wenn ein Erdbeben kommen wird, so wird es doch zusammenstürzen. So jemand aber wohnt in einem alten Hause, der halte sich beständig reisefertig an der Türschwelle; und wenn er gewahr wird Schwebens und Wankens, dann ist es hohe Zeit, sich schnell zu entfernen.


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