Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 77. Kapitel: Jesu Gleichnisse vom Reiche Gottes.

   01] Sagte nun der Römer Markus: »O Herr und Meister, das ist mir wenigstens nun alles wohl klar; aber das sehe ich nun auch ganz hell ein, daß dieses die Menschen, die das von irgendher vernehmen werden, nicht fassen und begreifen werden; denn dazu gehören wohl die allergewaltigsten Vorkenntnisse! Wir haben es nun an Deiner Seite freilich leicht, weil Du uns alles mit Hilfe Deiner Allmacht, Liebe und Weisheit so darstellen kannst, daß wir selbst die wunderbarsten Dinge verstehen können; wir aber vermögen das nicht, und so werden sich diese wunderbaren Dinge von uns aus den andern Menschen schwer oder auch gar nicht begreiflich machen lassen können.«
   02] Sagte Ich: »Das macht ja aber auch nichts; denn das habe Ich ja nur euch enthüllt und kundgemacht wegen des tieferen Verständnisses des Reiches Gottes. Denen es aber in der Folge not tun wird, des Reiches Gottes wegen Meine Werke tiefer zu verstehen, denen wird es schon Mein Geist in ihnen enthüllen, und er wird sie in alle Wahrheit und Weisheit leiten. Die andern Menschen aber tun genug, so sie an Mich glauben und nach Meinen Geboten leben und handeln. Denn es sind gar sehr viele wohl berufen zum Reiche Gottes, aber der Auserwählten gibt es nur wenige, denen es gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen.
   03] So ihr sie aber verstehet, da besteht zwischen Mir und euch und durch euch auch mit den andern Menschen ein rechtes Band, und Ich bin also in euch, wie auch ihr in Mir, und eines mehreren bedarf es vorderhand nicht.

  • Matthäus.13,31] Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: a Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und es auf seinen Acker säte; (a = Markus.04,30-31; = Lukas.13,18-19;  ⇒ jl.ev01.192,05a*;  jl.ev08.077,04jl.ev10.196,03-04;  jl.gso1.008,16  ff.;  jl.gso1.057,07-08;  gm.pred.052)
  • Matthäus.13,32] a es ist das kleinste unter allen Samen; wenn es aber wächst, so ist es das größte unter dem Kohl und b wird ein Baum, so daß die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen. (a = Markus.04,31-32; = Lukas.13,19jl.ev10.196,03jl.ev05.124,01b Hesekiel.17,23Daniel.04,09;  ⇒ jl.ev01.192,05b*;  jl.ev05.124,01jl.ev08.077,04-05;  jl.ev10.196,03-04*;  jl.gso1.008,16  ff.;  jl.gso1.057,07-08;  jl.gso2.124,01gm.pred.052)
       04] a Das Reich Gottes ist hier gleich einem Senfkörnlein, das wohl eines der kleinsten Samen ist, so es aber ins gute Erdreich gesät wird, b da wächst es bald zu einem förmlichen Baume heran, c daß hernach des Himmels Vöglein kommen und unter seinen Ästen und Zweigen Wohnung nehmen. (a = Markus.04,30-31; = Lukas.13,18-19;  ⇒ jl.ev01.192,05a*;  jl.ev08.077,04jl.ev10.196,03-04;  jl.gso1.008,16  ff.;  jl.gso1.057,07-08;  gm.pred.052; b Hesekiel.17,23Daniel.04,09;  ⇒ jl.ev01.192,05b*;  jl.ev05.124,01jl.ev08.077,04-05;  jl.ev10.196,03-04*;  jl.gso1.008,16  ff.;  jl.gso1.057,07-08;  jl.gso2.124,01gm.pred.052
       05] Mein Wort aber ist das kleine Körnlein. Leget es nur in die guten Herzen der Menschen, und es wird sich in ihnen auch bald zu einem Baume entfalten, unter dessen Ästen und Zweigen die hellen Erkenntnisse, aus den Himmeln kommend, Wohnung nehmen werden!

  • Matthäus.13,33] Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: a »Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.« (a = Lukas.13,20-21;  ⇒ jl.ev01.192,08*;  jl.ev08.077,06gm.pred.052)
       06] Also ist Mein Reich auch wieder a zu vergleichen einem Weibe, das, um Brot zu backen, drei Scheffel Mehl nahm und dazu nur wenig Sauerteig gab. Als sie aber dann den Teig anmachte, so ward er von dem wenigen Sauerteige dennoch bald im rechten Maße durchsäuert. Seht, auch Mein Wort ist da wieder der wenige Sauerteig, gemengt unter viel Mehl, und es genügt zur Durchsäuerung von viel Mehl! Darum gebet den Menschen in Meinem Namen nur so viel, als es vorderhand nötig ist; das Weitere wird dann schon Mein Wort aus sich wirken! (a Matthäus.13,33; Lukas.13,20-21;  ⇒ jl.ev01.192,08*;  gm.pred.052)
       07] Wem ein Kind geboren wird, der sorge sich nur um dessen Gesundheit; das Wachsen hängt von Mir allein ab.
       08] So ihr Meine Lehre den Menschen überbringt in der Wahrheit, die ihr von Mir überkommen habt, so machet sie auch darauf aufmerksam, daß man deren Früchte erst dann ernten kann und wird, so man von der Liebe zur Welt und ihren Schätzen sich im Herzen völlig abgewendet hat; denn die Liebe zu den Dingen der Welt ist eine dunkelgraue Wolke, die sich stets zwischen die Sehe der Seele und das Licht aus den Himmeln stellt!
       09] Aus diesem Grunde haben die meisten Menschen aus dem schwachen Schimmer, der eine Folge des reinen, hinter der dunkelgrauen Wolke leuchtenden Himmelslichtes ist, wohl nur so ganz schwache Ahnungen von etwas Höherem und Übersinnlichem; aber weil die besagte Wolke nicht weicht und statt heller nur zumeist immer dunkler wird und häufig ganz finster, so begreifen und fassen sie auch nichts von der reinen Weisheit aus den Himmeln, sind sonach denn auch stets voll Sorgen, voll Furcht und voll Ängsten und glauben an allerlei dumme Dinge und suchen Trost und Beruhigung bei den toten Götzen und ihren Priestern, weil sie des wahren Trostes aus den Himmeln nicht gewärtig werden können, indem die besagte Wolke zwischen der Sehe der Seele und der Sonne der Himmel unverrückt liegenbleibt.
       10] Denn sehet! Der Mensch gleicht da einem Wanderer, der an einem trüben Tage reist, wenn dichte Nebel Täler und Berge belagern. Obwohl solche Nebel die ganze sonst gar herrliche Gegend völlig unsichtbar machen, so besteht aber die Gegend dennoch; nur ihre reinen Abbilder können nicht zum Auge des Wanderers gelangen, und er kann sich darum auch keinen Begriff und keine Vorstellung von dem machen, was der dichte Nebel vor seinen Augen verhüllt. Er betrachtet wohl den Weg und erkennt aus den nur schwach ersichtlichen Wegzeichen, daß er etwa wohl auf dem rechten Wege wandelt. Aber es kommen oft Seitenwege, die erfüllen ihn dann schon wieder mit Furcht und Sorge, weil er nicht recht wissen kann, welcher Weg da wohl der rechte ist. Er wartet, ob nicht ein anderer Wanderer ihm nach- oder entgegenkäme. Es kommen wohl welche; aber es geht ihnen wie dem, der von ihnen das Rechte zu erfahren wünschte. Der eine meint, zu dem angesagten Orte führe etwa wohl der Mittelweg; ein anderer sagt, daß das die Stelle sei, wo der Weg zum angesagten Orte nach rechts abbiegt; ein dritter behauptet das Gegenteil, und ein vierter meint und sagt: "Wir kennen uns hier alle nicht aus; daher kehren wir gerade um und verweilen an dem Orte, von dem wir ausgegangen sind, bis sich der Nebel verziehen wird, und wir können dann mit Sicherheit unsere Wanderschaft antreten!"
       11] Und sehet, aus diesem Bilde könnet ihr nun recht wohl ersehen, wie es nun den meisten Menschen auf der Wanderung zum Reiche Gottes ergeht!
       12] Es deckt dieses ewigen herrlichen Reiches reinste Gegenden und Fluren, Berge, Täler, Gärten und Städte, Bäche, Flüsse, Ströme, Seen und Meere der vorbesprochene Nebel der Weltliebe vor den Augen der Seele. Daher sei eure Aufgabe, da Ich in euch den Nebel hinweggefegt habe, daß ihr dasselbe auch bei denen vor allem tuet, bei denen ihr Mein Wort verkünden werdet; denn so ihr das unterlassen würdet, so würdet ihr Häuser auf dem Sande bauen, die nicht halten würden, so da kommen würden Stürme, Regengüsse und Fluten, sondern sie würden zusammenstürzen und von den argen Wassern fortgerissen werden.
       13] Wenn ihr aber bei der Ausbreitung Meines Wortes die gewissen Nebel zuvor hinwegfegen werdet, da werdet ihr Häuser auf Felsen bauen, und werden da auch kommen Stürme, Regengüsse und Fluten, so werden sie den Häusern, die auf festen Felsen erbaut sind, nichts anhaben können.
       14] Sehet, a niemand kann zwei Herren, die einander anfeinden, dienen; denn er muß es entweder mit dem einen oder mit dem andern halten und muß demnach auch mit ein Freund oder ein Feind des einen oder des andern sein! Also kann auch niemand der Welt und ihrem toten Mammon und zugleich aber auch dem lebendigen Reiche Gottes dienen; denn das ist unmöglich. (a Matthäus.06,241. Könige.18,21; = Lukas.16,13Jakobus.04,042. Korinther.06,15jl.ev01.167,16-18;  ⇒  jl.ev04.199,12-13*;  jl.ev06.206,11jl.ev08.077,14-15;  jl.ev08.125,09-12;  jl.ev10.038,02jl.flie.012jl.him1.212; Vaterbriefe.450))
       15] Darum muß der, welcher dem Reiche Gottes dienen will, das Reich der Welt aus seinem Herzen schaffen! Wie aber das zu geschehen hat, das habe Ich euch allen schon gar oft nicht nur mit hellen und lebendigen Worten, sondern auch durch allerlei Taten gezeigt. Tut denn auch ihr desgleichen, und ihr werdet viele und gute Früchte ernten!
       16] Die Ernte wäre als eine große und überreiche zu erwarten, und viel Weizen stünde schon völlig zum Schnitte reif; aber der Schnitter gibt es noch wenige. Darum bittet auch ihr den Herrn der Ernte, daß Er ehest viele Schnitter dinge für Seine Felder!
       17] Aus allem dem aber könnet ihr nun doch wohl entnehmen, was ihr bei der Ausbreitung Meiner Lehre bei den Menschen vor allem zu bewerkstelligen habt; das Viele und das Außerordentliche aber braucht ihr nicht den Menschen zu verkünden, sondern nur denen, die euch im Amte folgen werden! Was Ich aber nun euch zu einer Richtschnur gesagt habe, das saget ihr auch denen, die euch in eurem von Mir euch anvertrauten Amte folgen werden, und es wird dann alles gut gehen! - Habt ihr alle das nun wohl verstanden?«


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