Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 180

Wesen und Bestimmung der Engel.

01] Sagt der Engel: »Gar kein Unterschied! Laß deinen Geist erst die Wiedergeburt erreichen, und dein Gedanke wird in allem, was in der Ordnung Gottes begründet ist, auch als ein vollkommen vollendetes, göttliches Wunderwerk dastehen!
02] Glaube ja nicht, daß ich es bin, der dies handelt und tut, sondern es handelt, wirkt und tut dies alles des Herrn Geist, der eigentlich mein innerstes Wesen ausmacht und erfüllt; denn wir Engel sind im Grunde ja nichts anderes als Ausstrahlungspunkte des göttlichen Geistes! Wir sind gewisserart der personifizierte, kräftigst wirkende Wille Gottes; unser Wort ist Seines Mundes Rede und unsere Schönheit ein kleiner Spiegelabglanz von Seiner unendlichen Herrlichkeit und nie ermeßbaren Majestät.
03] Wenn aber auch Gott der Herr in Seiner Weisheits- und Machtmajestät unendlich ist, so ist Er aber dennoch in der Liebe des Vaters hier als ein begrenzter Mensch bei und unter euch. Und eben diese Liebe, die Ihn Selbst zum Menschen vor euch zeihet, macht auch uns Engel zu Menschen vor euch, ansonst wir nur Licht und Feuer sind, hinauszuckend durch alle die endlosen Räume als große, schöpferische Gedanken, erfüllt mit Wort, Macht und Willen von Ewigkeit zu Ewigkeit!
04] Den Geist aber, und noch mehr die eigenste Liebesflamme aus dem Gottesherzen, der zufolge ihr erst so eigentlich zu wahren Gotteskindern werdet, bekommet ihr Menschen dieser Erde eben jetzt erst und seid demzufolge unaussprechbar über uns hinaus bevorzugt, und wir werden euren Weg zu wandeln haben, um euch gleich zu werden.
05] Solange wir Engel alle also bleiben, wie wir nun sind, da sind wir nichts als Arme und Finger des Herrn und rühren und bewegen uns erst dann handelnd, wenn wir vom Herrn also angeregt werden, wie ihr eure Hände und Finger zum Handeln anreget. Von uns gehört alles, was du an mir siehst, dem Herrn; nichts ist als irgend selbständig uns zu eigen, - es ist eigentlich alles an uns der Herr Selbst.
06] a Ihr aber seid berufen und bestimmt, das zu werden in der vollsten Selbständigkeit, was der Herr Selbst ist; denn zu euch wird es noch vom Herrn aus gesagt werden: 'Ihr müsset gleich so vollkommen sein in allem, wie endlos vollkommen euer Vater im Himmel ist!' (a Matthäus.05,483. Mose.11,443. Mose.19,02; = Lukas.06,36;  ⇒ jl.ev01.039,05 .08 .10;  jl.ev01.155,15;  ⇒ jl.ev01.039,05;  ⇒ jl.ev01.039,08jl.ev01.050,13jl.ev01.071,13;  ⇒ jl.ev01.039,05-10;  jl.ev02.159,14jl.ev03.180,06jl.ev04.001,04jl.ev04.039,01jl.ev04.110,11jl.ev04.245,04jl.ev05.090,01jl.ev05.271,05-06jl.ev06.050,13-14;  jl.ev06.226,10jl.ev07.054,12-13;  jl.ev07.139,06jl.ev08.027,11jl.ev08.038,10jl.ev09.022,05*;  jl.ev09.024,05jl.ev09.102,07jl.gso1.001,20-21;  jl.gso2.018,15jl.gso2.126,24jl.hag2.080,24-25;  jl.hag2.089,16jl.hag2.151,15jl.rbl1.033,08jl.rbl2.158,10jl.bmar.041,09jl.bmar.043,11jl.him1.231,12jl.him1.327,06jl.him1.328,25jl.him1.368,12jl.him3.267,04-05;  jl.him3.278,23)
07] Wenn aber vom Herrn solches zu euch Menschen gesagt wird, dann werdet ihr daraus erst vollauf ersehen, zu was endlos Großem ihr berufen und bestimmt seid, und welch ein unendlicher Unterschied dann zwischen euch und uns obwaltet!
08] Nun seid ihr freilich wohl erst Embryonen im Mutterleibe, die mit der ihnen eigenen kleinsten Lebenskraft keine Häuser bauen können; wann ihr aber aus dem wahren Mutterleibe des Geistes wiedergeboren werdet, dann werdet ihr auch also zu wirken vermögen, wie da wirkt der Herr!
09] Ich sage dir noch etwas, was der Herr Selbst zu euch sagen wird, so ihr vollends lebendig im Glauben und in aller Liebe zu Ihm verbleiben werdet. Siehe, dies wird Er zu euch sagen: 'Ich tue Großes vor euch, aber ihr werdet noch Größeres tun vor aller Welt!'
10] Sagt der Herr etwa solches auch zu uns? O sicher nicht, denn wir sind ja eben des Herrn Wille und Tat, der gegenüber der Herr, wie gegen Sich Selbst zeugend, zu euch solche Weissagung machen wird.
11] Aber es wird des Herrn endloseste Liebe, Gnade und übergroße Erbarmung auch mit der Zeit für uns Engelsgeister einen Weg bestimmen, auf welchem wir euch vollends ebenbürtig werden.
12] Der Weg, den nun der Herr Selbst geht, wird noch der Weg aller urgeschaffenen Geister aller Himmel werden, - aber freilich nicht von heute bis morgen, sondern nach und nach im gleich fortwährenden Verlauf der nimmer und nimmer irgendwann endenden Ewigkeit, in der wir aus Gott wie in einem unendlich großen Kreise auf- und nieder- und hin- und hersteigen, ohne je des Kreises äußerste Linie zu berühren. Aber wenn auch etwas noch so lange auf sich warten läßt, so geschieht es endlich doch, weil es sich in der großen Ordnung des Herrn treu und wahr befindet; was sich aber einmal darin befindet, das geschieht auch, - auf das Wann kommt es da wahrlich nicht an! Ist es einmal geschehen, so ist es da, als wäre es schon von Ewigkeit dagewesen.
13] Du, lieber Freund Philopold, bist vor hundert Jahren noch nicht geboren gewesen und warst somit nicht da, wie du nun da bist; kommt es dir aber wohl vor in deinem Gefühle, als wärest du nicht allzeit dagewesen? Nur die kalte Rechnung deines Verstandes zeigt es dir, daß du nicht immer da warst; aber dein Gefühl und deine lebendigste Empfindung zeigen dir das allerblankste Gegenteil.
14] Ebenso zeigt dir dein kalter Verstand, daß du einmal sterben und somit als das, was du nun bist, für diese Erde für immer und ewig vergehen wirst; frage aber dein Gefühl und deine Empfindung dagegen, diese beiden werden von irgendeinem Sterbe- und Vergehungsakt von dieser Erde nichts wissen und auch nichts wissen wollen.
15] Nun, wer hat da Recht und Wahrheit in sich, - der kalte Verstand oder das warme Lebensgefühl? Ich sage es dir: Beide, der Verstand und das warme sich selbst bewußte Lebensgefühl! Der Verstand als geordnete Gehirnbibliothek der Seele wird mit dem Wegfall des Leibes wohl offenbar mit demselben von der Seele fallen. Samt den andern Teilen des Leibes und dessen Gliedern muß auch sein materielles Wahrnehmungs- und Berechnungsvermögen als vergänglich auch die Empfindung der Vergänglichkeit in sich haben; anders aber ist es mit dem Lebensgefühl und mit dem Sich-seiner-selbst-bewußt-Sein, das, weil geistig aus Gott, nie einen Anfang genommen hat und darum auch nie ein Ende nehmen kann!
16] Aus diesem Grunde ist es denn der Seele auch sogar in ihrem materiellsten Zustande unmöglich, sich als einst vergänglich und zu sein aufhörend zu denken. Und so geht es der Seele stets heller und heller, und wird sie erst vollends eins mit ihrem ihr innewohnenden Geiste aus Gott, dann wird das Gefühl des Lebens so klar und mächtig, daß darauf das Vergänglichkeitsgefühl aus der kalten Rechnung des Verstandes jede Bedeutung und jede Kraft verliert.
17] Der Grund davon liegt darin, daß der alle Lebenskräfte der Seele durchdringende Geist des Herrn auch die nervengeistigen Teile des Leibes durchdringt und ihnen dadurch alles Vergehungsgefühl benimmt. Dieses wird aber wieder dadurch zustande gebracht, daß durch den Geist am Ende alle eigentlichen, ätherischen leiblichen Lebensstoffe gleich den Lebenssubstanzen der Seele unsterblich werden.
18] Du, mein lieber Philopold, der du auch von oben her bist, wirst nun leicht ersehen, daß ein Geist alles erwarten kann und eine noch so lange Zeitendauer für ihn eigentlich nichts ist; denn einst kommt nach der Ordnung des Herrn doch auch die segenvolle Reihe an ihn, und es fragt sich dann, welcher Teil der Ewigkeit für ihn der längere ist, - ob der durchlebte, und durchhandelte oder der noch zu durchlebende und zu durchhandelnde?!
19] Ich bin zwar jetzt noch das, was ich bin, und dieser Scheinleib ist noch lange kein eingezeugtes und dann ausgeborenes, mit einer substantiellen Seele erfülltes Fleisch und Blut; aber es ist dies dennoch eine schon bedeutendere Annäherung dazu, und es dürfte die Zeit zur vollsten Verwirklichung solcher Gnade eben nicht zu lange auf sich warten lassen, und ich werde das sein, was du nun bist!
20] Rühme mich nun darum nicht, dieweil du mich Wunderbares hast verrichten sehen; denn weil ich eigentlich noch kein Ich bin, sondern mein Ich ein ledigliches Willens-Ich des Herrn ist, so ist also auch ob des Wunderwerkes nur der Herr allein in Sich Selbst zu rühmen und zu preisen, der auch ohne mich in meiner Erscheinlichkeit solches und noch endlos Größeres bewirkt hätte.
21] Aber Er ist eben Der, der die heilig-große Rede an den Kornelius hielt, die ich für ihn dann aufschrieb; du kennst Ihn schon von Kane bei Kis aus, und wirst Ihn nun noch tiefer kennenlernen. - Es wird aber nun gleich etwas geben, wo Er wieder reden wird pure Worte alles Lebens.«


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