Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 1, Kapitel 50

Gute Taten als wahre Sabbatheiligung. Weltliche Erwerbsarbeit am Sabbat unterlassen! Gottes stete Liebestätigkeit als Vorbild.

01] (Der Herr:)»Das aber ist a des Sabbats vorzüglichste Heiligung, daß ihr an selbem mehr in allem Guten tätig sein sollet denn an einem andern Tage! (a 2. Mose.20,08)
02] Nur der Knechte Arbeit, die da ist eine Arbeit um Sold und Lohn der Welt, sollet ihr fortan weder an einem gewöhnlichen Wochentage und ebensowenig an einem Sabbate verrichten! Denn von nun an soll euch ein jeder Tag ein Sabbat und ein jeder Sabbat ein voller Werktag sein! In dem habe du, Mein Freund, nun die vollständige Regel, wie ihr Gott in der Zukunft zu dienen haben sollet! - Und bei dem bleibe es!«
03] Sagt der Oberpriester: »Ich erkenne nun klarst die heilige Wahrheit in dieser Regel, die ich gern für ein Gesetz annehme; aber es wird bei den begründeten Juden viel brauchen, bis ihnen diese Regel, aus dem rein göttlichen Willen hervorgehend, klar und der vollsten Wahrheit nach verständlich wird! Ich bin der Meinung, daß gar viele diese Regel bis ans Ende der Welt nicht annehmen werden. Denn die Menschen sind schon seit den Urzeiten an den Sabbat zu sehr gewöhnt und werden sich solchen nicht nehmen lassen. O das, das erst wird so eine recht große Mühe und Arbeit geben!«
04] Sage Ich: »Es ist aber ja auch gar nicht nötig, daß der Sabbat gänzlich aufgehoben werden soll, sondern nur das Törichte des Sabbats! Gott der Herr bedarf eures Dienstes und eurer Ehre nicht; denn Er hat die Welt und den Menschen ohne alle fremde Hilfe erschaffen und verlangt von den Menschen nichts als das nur, daß sie Ihn erkennen und aus allen ihren Kräften lieben möchten, und das nicht nur am Sabbate allein, sondern an jedem Tage gleich ohne Unterlaß!
05] Was aber ist das dann für ein Gottesdienst, so ihr nur des Sabbats Gottes gedenkt, unter der Woche aber nie?! Ist denn Gott nicht an jedem Tage der gleiche unveränderliche Gott? Läßt Er nicht an jedem Tage, ob er ein Sabbat oder Werktag sei, Seine Sonne aufgehen und ihr Licht spenden über Gerechte und Ungerechte, deren es stets bei weitem mehr gibt als der Gerechten?
06] Arbeitet Gott nicht Selbst an jedem Tage gleich? Wenn aber der Herr Sich keinen Feiertag nimmt, warum sollen dann die Menschen sich Feiertage bloß des Müßigganges wegen stellen? Denn etwas anderes beachten sie auch nicht so pünktlich an einem Sabbate als den Müßiggang! Mit dem aber erweisen sie Gott gewiß den schlechtesten Dienst!
07] Denn Gott will, daß sich die Menschen gleichfort und stets mehr und mehr die Liebetätigkeit angewöhnen sollen, um dereinst im andern Leben aller Arbeit und Mühe fähig zu sein und in solcher Tätigkeit auch allein die wahre und höchste Seligkeit zu suchen und zu finden! Sollten die Menschen aber in sich das zu bewirken wohl je durch den Müßiggang imstande sein?! Ich sage es dir: Nimmermehr!
08] Am Werktage übt sich der Mensch, ob er gleich arbeitet, nur in der Selbstsucht; denn da arbeitet er für sein Fleisch und nennt das sein, was er sich erarbeitet hat. Wer das Erarbeitete von ihm haben will, muß es ihm entweder durch Arbeit oder Geld abkaufen, ansonst er von niemandem etwas von irgend einer Bedeutung bekommen dürfte. So nun die Menschen an den Werktagen nur ihre Selbstsucht pflegen und am Sabbat aber, als dem einzigen Tage, an dem sie sich in der Liebetätigkeit üben sollen, nur dem starrsten Müßiggang obliegen, so fragt es sich großernstlich, wann sich dann die Menschen in dem allein wahren Gottesdienste üben sollen oder üben mögen, welcher Dienst lediglich in der liebevollen Bedienung des Nächsten besteht!
09] Gott Selbst aber feiert keinen Augenblick, sondern ist gleichfort tätig für die Menschen und nie für Sich; denn Er bedarf für Sich weder einer Erde, noch einer Sonne, des Mondes und all der Sterne und alles dessen, was darinnen ist und daraus hervorgeht. Gott bedarf alles dessen nicht; aber alle die erschaffenen Geister und Menschen bedürfen alles dessen, und der Herr ist also allein ihretwegen fort und fort unausgesetzt tätig.
10] So aber der Herr, Dessen Werk ein Tag wie der andere ist, für die Menschen fort und fort tätig ist und will, daß die Menschen Ihm als Seine Kinder in allem gleichen sollen, wie möglich wohl kann Er je gewollt haben, daß die Menschen nach sechs Selbstsuchtstagen Gott an dem siebenten durch den starren Müßiggang etwa gar wohlgefällig dienen sollen und Ihn, Der ewig tätig ist, ehren durch die Trägheit?!
11] Ich sage dir als dem Oberpriester solches in handgreiflicher Klarheit nun, auf daß du in der Folge - wohlwissend, wer Der ist, Der nun solches zu dir geredet hat - deiner Gemeinde den Sabbat in einem bessern Lichte zeigen sollst, als es seit Moses bis zu dieser Stunde der Fall war! Denn gerade also, wie Ich dir nun den Sabbat enthüllte, ist er auch dem Moses gegeben worden; aber das Volk hat ihn nur zu bald verkehrt in einen heidnischen Müßiggangstag und meinte, Gott einen angenehmen Dienst zu erweisen durchs Nichtstun und durch die Bestrafung derer, die es doch zuzeiten gewagt haben, auch am Sabbat eine kleine Arbeit zu verrichten oder einem Kranken eine heilsame Hilfe zu leisten. Oder großen Blindheit, o der gröbsten Torheit!«
12] Sagt der Oberpriester, ganz zerknirscht von dieser Wahrheit: »O der heiligen reinsten Wahrheit Deines Mundes! Ja, nun ist mir alles klar! Nun erst hast Du, o Herr, mir die dreifache Decke Mosis von meinen Augen vollkommen abgenommen! Nun, o Herr, bedarf es wohl keiner Zeichen mehr; denn hier genügt Dein heilig wahres Wort allein! Und ich behaupte es nun fest mit vollster Überzeugung, daß in der Folge wie jetzt alle jene, die an Dich, o Herr, der Zeichen und nicht des überwahren Wortes wegen glauben werden, keinen wahren, lebendigen Glauben haben und nur träge und maschinenartige Befolger Deiner Lehre und Deines heiligen Willens sein werden; bei uns aber soll es anders sein! Nicht die Zeichen, die Deine Gegenwart uns gab, sondern allein Dein heilig wahrstes Wort soll in unseren Herzen den wahren lebendigen Glauben bedingen und erwecken die vollste Liebe zu Dir, und aus Dir und allein Deinetwegen auch zu allen Menschen im rechten Maße. Und alsofort geschehe allein Dein heiliger Wille, den Du, o Herr, uns nun so überklar und für ewig wahr kundgetan hast!«
13] Sage Ich: »Amen! Ja, lieber Freund und Bruder, also ist es recht und gut! Denn a nur also möget ihr vollkommen werden, wie der Vater im Himmel vollkommen ist. Seid ihr aber also vollkommen, dann seid ihr auch wahrhaftige Kinder Gottes und könnt zu Ihm stets rufen: 'Abba, lieber Vater!' b Und um was ihr Ihn bitten werdet als Seine wahren Kinder, das wird Er euch geben; denn der Vater ist übergut und gibt Seinen Kindern alles, was Er hat! Nun aber esset und trinket; denn die Kost hier ist nicht von dieser Erde, sondern der Vater sendet sie euch aus den Himmeln und ist Selbst unter euch nun!« (a 3. Mose.11,44; 3. Mose.19,02; Lukas.06,36 b  Matthäus.07,07; Lukas.11,05-13; Markus.11,24; Johannes.14,13)


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