Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 219. Kapitel: Jesus über die Kennzeichen eines falschen Propheten.

   01] Sagte Simon Juda: »O Herr und Meister, ich verstehe das nun alles so hell und klar, daß es mir vorkommt, als wäre es unmöglich, die Sache noch klarer zu verstehen! Doch muß ich das auch offen hinzubekennen, daß uns, Deinen ersten Jüngern, ein solches Verständnis wohl leichter ist, weil wir durch deine Gnade und Liebe bei den vielen Gelegenheiten große und ähnliche Erklärungen vernommen haben; aber es wird das so manche Schwierigkeiten haben, derlei Wahrheiten auch vielen andern, noch in der Finsternis wandelnden Menschen ebenso klarzumachen, als wie klar wir sie nun selbst einsehen, und es wird, o Herr und Meister, mit so mancher Deiner ganz einfach ausgesprochenen Lehren nicht viel besser gehen als mit den gar vielen Lehren aus dem Munde der Propheten, besonders der Propheten Daniel und Hesekiel, und den Lehren, die der Weisheit Salomos entstammen. Denn je öfter man sie liest, oder je öfter man sich dieselben vorlesen läßt, desto weniger versteht man sie!
   02] Und so einen ähnlichen Charakter hat auch Deine Lehre, besonders dort, wo Du in Gleichnissen und Bildern sprichst. Wir verstehen jetzt Deine Gleichnisse und Bilder wohl; aber viele Tausende und abermals Tausende, die nach uns kommen, werden Deine Lehre auch annehmen, werden aber die Gleichnisse und Bilder nicht verstehen und ihnen höchstwahrscheinlich nur zu oft einen falschen Sinn beilegen, und so wird denn Deine so reine und wahre Lehre vielfach zerklüftet werden. Was sollen wir aber tun, um diesem Übel zu begegnen?«
   03] Sagte Ich: »Sagte Ich euch nicht, daß es euch, als den von Mir erwählten Jüngern und Mir nachfolgenden Volkslehrern, gegeben ist, die Geheimnisse Meines Reiches zu verstehen? Denn ein jeder Lehrer und Meister muß offenbar mehr kennen und verstehen als sein Jünger, sonst könnte er kein Lehrer und Meister sein!
   04] Es würde, so der Meister nicht klüger wäre denn der Jünger, also gehen und stehen, wie wenn ein Blinder den andern führte, so lange, bis eine Grube da wäre, in die dann beide zugleich hineinfallen würden; darum sind nur wenige auserwählt, wennschon viele berufen.
   05] Sie sollen anfangs nur mit der ganz einfachen Milch Meiner Lehre genährt werden; werden sie dann männlich und kräftig, da kann man ihnen denn schon auch eine männlichere und kraftvollere Kost verabfolgen. Daher habt auch vor allem darauf acht, daß sich nicht irgend nur bloß Berufene erheben und zum Volke sagen: "Auch wir gehören zu den Auserwählten!", um dasselbe dann zu belehren um irdischer Vorteile willen; denn da würde auch ein Blinder den andern führen!
   06] Wer aber unter den Menschen ein Erwählter ist, das werdet ihr daraus erkennen, daß er von Meinem Geiste gleich wie auch ihr erfüllt ist und eine wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten predigen wird.
   07] Predigt er aber, gleichwie da im Tempel predigen die Pharisäer, so ist er auch ein von den Pharisäern Erwählter und ist gleich ihnen von dieser Welt und gleich ihnen ein Teufel; denn wer da nicht durch die wahre Liebe und Weisheit aus Mir sammelt, der zerstreut und ist ein Falschlehrer und stürzt die Menschen in den Aberglauben, aus dem sie dann auch, besonders so die Menschen älter geworden sind und sich in die Finsternis des Aberglaubens so recht fest hineingewachsen haben, alle Engel des Himmels nicht mehr in die Sphäre der reinen Wahrheit bringen können, durch die sie dann frei würden in allen Dingen. Und Ich sage es euch, daß da alle Übel leichter von einem Menschen zu entfernen sind als ein Aberglaube, denn bei jedem andern Übel ist die Seele des Menschen nur teilweise gefangen, aber durch den finsteren Aberglauben ganz!
   08] Darum, wie Ich euch schon einmal gesagt habe, daß sogar noch zu eurer Lebenszeit a eine Menge falscher Lehrer und Propheten und mit ihnen auch eine Menge falscher Christusse aufstehen, das Volk belehren und sagen werden: "Siehe, hier ist Christus!" oder "Dort ist Er!" oder "Er wohnt in den Tempeln!" oder "in den Kammern!", so saget es solchem Volke, daß es mit solcher Lehre betrogen sei! (
  • Matthäus.24,23 f. = Markus.13,21Lukas.17,21jl.ev09.071,07-08;  ⇒ jl.ev06.179,04gm.pred.053)
       09] Und welches Volk sich nach euch kehren wird, dem leget eure Hände auf, und taufet es in Meinem Namen! Ich werde über sie Meinen Geist ausgießen, und sie werden die Wahrheit erkennen und dann die falschen Propheten und die falschen Christusse selbst aus der Gemeinde schaffen.
       10] Werden aber irgend die verführten Menschen euch nicht hören wollen und euch noch verfolgen ihrem falschen Lehrer und Propheten zuliebe, dann wendet euch von ihnen ab und ziehet weiter, wohin euch Mein Geist ziehen wird! Alles andere aber überlasset Mir; denn Ich werde zur rechten Zeit solche falschen Lehrer und Propheten schon mit Meinen Gerichten heimzusuchen verstehen, und jenseits soll es solchen falschen Lehrern und Propheten also ergehen wie dem Gaste bei Meinem Festmahle, der kein hochzeitliches Kleid anhatte, und die von ihnen finster gemachten Seelen werden ihre bittersten Verfolger sein!
       11] Es ist genug, so Meine Lehre nur unter wenigen rein erhalten wird, und dafür wird zu allen Zeiten gesorgt sein. Aber der Janhagel (Pöbel) der Weltmenschen soll sich bis ans Ende fortwälzen und baden in seinem alten Kote und Morast, und da gilt wieder Mein Gebot an euch, demzufolge a ihr Meine Perlen nicht den Schweinen vorwerfen sollt.« (a  Matthäus.07,06; jl.ev01.216,12jl.ev02.153,06-07;  jl.ev02.218,14jl.ev04.023,05jl.ev04.086,10-12;  jl. ev04.231,15jl.ev04.240,06jl.ev04.165,07jl.ev05.066,06-07;  jl.ev06.059,03jl.ev06.059,16c-17;  jl.ev06.060,07jl.ev06.136,05jl.ev07.166,20jl.ev08.014,22jl.ev08.078,10jl.ev09.038,06jl.ev09.147,11jl.ev09.148,12jl.ev10.141,14 .21;  jl.ev10.188,24jl.ev10.212,13jl.ev10.219,11jl.3tag.019,07-09;  jl.him3.196)


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