Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 165

Die wahren Lehrer des Evangeliums.

01] Sage Ich: »Mir gefällt dein wahrhaft ernstguter Wille; aber auch dein Gedächtnis ist etwas kurz geworden, - denn darüber habe Ich dir, und besonders dem Mathael als deinem Eidam, ja schon die hinreichendsten Anweisungen gegeben. Denke nur ein wenig nach, und du wirst es schon finden! Übrigens versteht sich's ja von selbst, daß derjenige, der den Blinden führen will, selbst sehen muß, wenn er nicht samt demselben in eine Grube fallen will. Du kannst nicht sagen zum Bruder: "Komme, daß ich dir den Splitter aus deinem Auge ziehe!", wenn in deinem Auge etwa gar ein ganzer Balken steckt.
02] Also muß ein wahrer Lehrer frei sein von Mängeln, die ihm hinderlich sein können bei der Verwaltung seines Amtes; denn da ist kein Lehrer besser denn ein unvollkommener! Weil Ich euch zu Lehrern bilde, darum zeige und erkläre Ich euch auch so vieles und Unerhörtes; also muß aber auch ein jeder vollkommene Lehrer zuvor von Gott gelehrt sein, gleichwie nun auch ihr von Gott gelehrt werdet. Der Vater im Himmel muß ihn ziehen, ansonst er nicht zur Wahrheit in aller ihrer Lichttiefe kommt; wer aber nicht in diese kommt und dadurch nicht selbst Licht wird, wie soll es ihm dann möglich sein, die Nacht seines Nächsten zu erleuchten?!
03] Was die Nacht erleuchten und sie umwandeln soll in den Tag, das muß ein Selbstlicht sein gleich der Sonne, die sich nun dem Aufgange naht. Wäre die Sonne aber finster und schwarz wie eine Kohle, würde sie da wohl der Erde Nacht in den schönsten Tag umwandeln? Ich meine, daß sie dann die Nacht noch schwärzer und lichtloser machen würde, als zuvor die Nacht selbst in sich schon war.
04] Darum ist ein Lehrer, der nicht von Gott zu einem Lehrer erzogen ist, schlechter als gar kein Lehrer! Denn solch ein finsterer Lehrer ist nichts als ein Sack voll schlechter Samenkörner, aus dem alles Unkraut des finstersten Aberglaubens gestreut wird in die Furchen des von der Natur aus geistig stets und notwendig armseligen Menschenlebens.
05] Wenn du deine Völker lesen und schreiben und rechnen lernen lassen willst, so kannst du geeignete weltliche Lehrer aufnehmen und solches schon den Kindern in den Schulhäusern beibringen lassen; aber Mein Evangelium können und dürfen nur jene mit Nutzen und Segen den anderen Menschen verkündigen, die eben jene Eigenschaften im Vollmaße besitzen, die Ich früher als zu diesem Amte erforderlich klar ausgesprochen habe.
06] Dazu aber bedarf es keiner besonderen Schulhäuser, sondern ein rechter Himmelsbote gehet von Gemeinde zu Gemeinde und sagt: "Der Friede sei mit euch; das Reich Gottes ist nun nahe zu euch gekommen!" Wird der Bote angenommen, so bleibe und predige er; wird er aber nicht angenommen von einer Gemeinde, die zu sehr der Welt und des Teufels ist, so ziehe er weiter und schüttle sogar zuvor den Staub von seinen Füßen! Denn solch eine Gemeinde ist auch das nicht wert, daß ein rechter Himmelsbote ihren Staub an seinen Füßen weitertrüge.
07] Es soll aber diese Meine Lehre niemandem aufgedrungen werden, sondern ein oder mehrere Glieder sollen zuerst vernehmen die überschwenglich großen Vorteile Meiner Lehre aus den Himmeln. Wollen die Glieder die Lehre hören, so werde sie ihnen gepredigt in kurzer und bündiger Rede; wollen sie aber das nicht oder zeigen sie wenig Lust dazu, dann ziehe der Himmelsbote nur gleich wieder ab, - denn Schweinen sollen die kostbaren Perlen nimmer zum Fraße vorgeworfen werden!
08] Nun weißt du, wie es sich mit der Ausbreitung Meiner Lehre zu verhalten hat; aber von nun an darfst du diese Meine Anweisung nicht mehr vergessen! Übrigens überlasse du besonders dies heilige und allerheiligste Geschäft nur dem Mathael und seinen vier Gefährten; denn diese wissen es nun genau, was sie in bezug auf die Ausbreitung Meiner Lehre zu tun und anzuordnen haben werden und werden in ihrem Herzen auch stets in der Zwiesprache mit Mir bleiben, was auch ein notwendigstes Erfordernis zur wahren Ausbreitung dieser Meiner Lehre ist.
09] Denn wer da seine Brüder, hoch oder nieder, lehret in Meinem Namen, muß nicht aus seinem, sondern stets nur aus Meinem Brunnen schöpfen! Er soll nicht nötig haben zu denken: "Was werde ich reden, so ich komme, vor diesem oder jenem zu reden das Wort des Herrn?"; denn zur Zeit der Notwendigkeit wird es ihm ins Herz und auf die Zunge gelegt werden, was er zu reden hat.
10] Wem aber diese Gnade zuteil wird, der bedenke sich nicht, dasselbe laut auszusprechen etwa aus Angst, Furcht oder Scheu vor einem Machthaber, als könnte er ihn damit beleidigen oder gar erzürnen! Denn wer die Welt mehr fürchtet denn Mich, der ist Meiner schier nicht wert, und ebensowenig Meiner geringsten Gnade, und tauget nimmer für einen Himmelsboten.
11] Leichter jedoch wirst du in deinem Reiche es haben, allwo du ein Gesetzgeber und oberster Richter bist und deine Völker dich fürchten, weil sie die Unabänderlichkeit deiner Urteile und Aussprüche kennen; aber wo ein Lehrer als Himmelsbote an einen Ort gelangen wird, der von einem harten Fürsten beherrscht wird, so wird er schon offenbar mehr Mutes benötigen denn du als gefürchteter Fürst in deinem weiten Lande.
12] Wer da aber ein rechter Himmelsbote ist oder sein will, der trage keinen Stock, noch irgendeine andere Waffe, auch habe er keinen Sack bei sich, um etwas einzustecken; denn Ich Selbst werde ihm schon Freunde erwecken, und diese werden ihm geben, dessen er als Fleisch- und Blutmensch benötigt. Also soll ein rechter Himmelsbote außer im Winter oder in des Nordens kalten Landen nicht mehr denn einen Rock tragen, auf daß niemand ihm darum einen Vorwurf machen könne, als habe er zuviel und dafür ein anderer zuwenig. So ihm aber jemand noch einen zweiten oder auch dritten schenkt, so soll er ihn nur annehmen; denn er wird Gelegenheiten zur Genüge finden, wo derlei fromme Gaben gar gut zu verwenden sein werden.
13] Mit dem hast du, Ouran, nun alle Regeln, unter denen sich die wahren Lehrer zu bewegen haben; nur eines füge Ich hinzu und sage: Ein jeder rechte Himmelsbote wird von Mir aus die Fähigkeit erhalten, jeden Kranken zu heilen durch die Auflegung seiner Hände. Und es sollen die rechten Boten auch in einer Gemeinde zuvor irgend da seiende Kranke heilen; solches wird in den Gemeinden einen guten Sinn erwecken, und diese werden dann eher für die neue Lehre aus den Himmeln gestimmt werden, als durch eine noch so wohlgeordnete Rede.
14] Ein jeder Mensch aber horcht ohnehin lieber auf die Worte eines Arztes denn auf jene eines noch so leuchtenden Propheten. Was Ich tue, dasselbe tue auch ein rechter Himmelsbote, als von Mir gesandt in alle Lande der Erde. Nur soll ein rechter Himmelsbote auch vor der Händeauflegung stets wohl erkennen, ob eine Krankheit nicht von einer solchen Art ist, durch die ein Mensch schon mehr jenseits als diesseits sich befindet. Wenn der wahre Himmelsbote schon einmal des Kranken Seele außer dem Leibe erschaut, da soll er ihm nimmer die Hände auflegen, sondern nur beten über ihn und in Meinem Namen segnen die von dieser Welt scheidende Seele. Kurz gesagt aber: Ein jeder rechte Himmelsbote wird es zur Stunde wohl erkennen, was er zu tun hat. - Bist du, Ouran, nun in der Ordnung mit allem, was du noch zu wissen wünschest?«
15] Sagt Ouran: »Ja, Herr und Meister und Gott, der allein wahrhaftige! Meinen liebeheißesten Dank dafür! Und meine Völker sollen und werden Dich weit und breit loben und preisen, daß Du ihrem alten Könige soviel unverdiente Gnade erteilt hast, durch die auch sie eben derselben teilhaftig werden. Darum Dir noch einmal meinen liebeheißesten Dank dafür!«


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