Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 267

Entsprechungen zwischen Materie und Geist.

01] (Der Herr:) »Als du und deine freundlichen Nachbarn in diese Gegend gekommen seid, da habt ihr nichts als Steine und Holz gefunden. Ihr legtet sogleich eure Hände ans Werk, sammeltet das Beste und Tauglichste zusammen, darauf ginget ihr in euch und habt recht tüchtig darüber nachzudenken angefangen, nach welchen Regeln der Baukunst ihr euer zusammengebrachtes Material zu einer Hütte oder gar zu einem Wohnhause verbinden solltet.
02] Als ihr aber noch tiefer in euch forschtet, da zeigten sich euch Bilder. Aus diesen Bildern entwarfet ihr dann bald einen Plan und finget dann nach diesem Plane an, ein und das andere Haus aufzubauen, und bald standen ganz niedliche Häuser in eurem Gebirgstale. Hättet ihr da kein taugliches Baumaterial gefunden, so hättet ihr aus eurem inneren Verstande auch nie einen geistig dem Material entsprechenden Plan entwerfen können; da ihr aber ein solches gefunden habt, so fandet ihr auch bald ein demselben entsprechendes Wohnhausbild und fügtet darauf das Material also zusammen, daß es dann etwas ganz anderes darstellte, als was ihr ursprünglich vor euch fandet.
03] Obwohl das nur ein materielles Bild ist, so ist es aber dennoch ein Anfang, um einem Menschen die ersten Begriffe von den Entsprechungen zwischen der ganz rohen Materie und dem, was ein Geist aus ihr machen kann, beizubringen. Hat ein Mensch das gewürdigt und verstanden, so geht es dann schon ganz leicht weiter und tiefer, und so ist dann das da, daß a wer da sucht, der findet, b wer da bittet, dem wird gegeben, und c wer da anklopft, dem wird aufgetan. (a Matthäus.07,07*; = Lukas.11,09Jeremia.29,13-145. Mose.04,29; Vaterbriefe.023;  b Matthäus.07,07*; = Lukas.11,09Matthäus.18,19Matthäus.21,22Markus.11,24Johannes.14,13-14;  Johannes.15,07Johannes.16,241. Johannes.05,14-15Jakobus.01,05Jakobus.04,02Jeremia.29,13jl.ev01.092,15+;  jl.ev09.043,05jl.schr.035,10jl.rbl1.083,13jl.him2.146,02-03;  c = Lukas.11,09-10; a+b+c: jl.bmar.179,14jl.ev01.145,04-05;  jl.ev02.137,16*;  jl.ev03.100,17jl.ev05.088,06jl.ev05.267,03jl.ev08.069,02**;  jl.ev08.103,11jl.ev08.104,08jl.ev08.108,11-14*;  jl.ev09.154,12jl.ev09.194,10jl.hag1.001, Vorrede;  jl.him2.154;  Vaterbriefe.395)
04] Sieh, je geistiger gebildet irgendwo die Menschen sind, desto geordneter, kunstvoller werden auch ihre Werke und Produkte sein. Warum denn also? Weil bei ihnen ihre Seele schon in einem näheren Verbande mit ihrem Geiste steht. Je näher und inniger sich aber die Seele mit ihrem Geiste, der aus Gottes Herzen kommt, verbindet, desto höher wird sie auch in der Ordnung alles Erkennens und Bewußtseins emporsteigen und stets mehr und mehr Entsprechung finden zwischen Materie und Geist. Und es ist da denn auch leicht einzusehen, daß ein Mensch, der es in der Kunde der Entsprechungen zwischen Materie und Geist am weitesten gebracht hat, sich dadurch auch die Materie am meisten dienst- und zinsbar machen muß. Am meisten aber wird das erst jenseits bei vollendeten, in ihrem Geiste wiedergeborenen Seelen der allerseligste Fall sein, alldort ihnen nichts mehr unmöglich sein wird. - Nun sage du Mir, ob du Mich jetzt schon um etwas besser verstanden hast!«
05] Sagt der Wirt: »Ja, Du mein Herr und Gott in Dir Selbst, jetzt fange ich schon an, auch einen Lichtdunst zu erschauen! Die alten Völker, wie zum Beispiel die Ägypter, müssen in der Entsprechungswissenschaft sehr bewandert gewesen sein, da ihre Werke jetzt noch eine Ordnung zeigen, von der sich nun in unseren Zeiten beinahe kein Mensch mehr einen rechten Begriff machen kann.«
06] Sage Ich: »Allerdings, - denn nur die geistige Gewecktheit zeigt der Seele stets mehr und mehr Ordnung und lehrt sie erkennen zu erforschen die Verhältnisse zwischen der Materie und wieder Materie und zwischen Materie und Substanz, zwischen Substanz und Seele und zwischen Seele und Geist; und der Geist durchdringt am Ende alles, und alles muß ihm dienen in der möglichst höchsten und tiefsten Ordnung. - Verstehest du das?«
07] Sagt der Wirt: »Ja, jetzt verstehe ich das schon immer heller und werde es mit der Zeit hoffentlich noch besser verstehen! Aber jetzt nur noch eine Frage! Sieh, ich kenne doch die Schrift; darin las ich oftmals von Engeln Gottes, die da purste Geister sein sollen! Sind etwa das jene Geister, die sich mit unseren Seelen vereinen sollen, um sie dadurch erst vollends gottähnlich zu machen?«
08] Sagte Ich: »Zu einem sehr geringen Teile dann und wann ja, wenn Meine Ordnung sie aus ganz besonderen Gründen dazu bestimmt; aber es geschieht so etwas stets äußerst selten. Was aber zu öfteren Malen geschieht und hinfür noch öfter geschehen wird, das besteht darin, daß auch gar viele Engel den Weg des Fleisches also durchmachen werden, wie Ich Selbst als der höchste Geist Gottes ihn nun durchmache, auf daß sie dann Gottes wahre Kinder werden können.
09] Aber da werden sie sich selbst eine rechte, noch nie in einem Fleische gewesene Seele erwählen und sie in das Fleisch einer reinen Mutter geben, und sie werden dann sorgen für das Weitergedeihen und für die rechte Lebensbildung nach ihrem Lichte und nach ihrer Kraft, auf daß eine solche Seele erstarke für die ewige Einigung mit ihnen.
10] Nun, das wirst du jetzt freilich noch nicht fassen; aber es wird schon noch eine Zeit kommen, wo du auch solche geheime Himmelsdinge fassen wirst. Aber nun können wir uns hinab ins Haus begeben; denn siehe, es ist einem deiner Nachbarn ein kleines Ungemach zugestoßen, und wir müssen dahin gehen und die Sache wieder gutmachen!«
11] Das war dem Wirte sehr recht, und wir gingen und waren bald an Ort und Stelle.


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