Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 108. Kapitel: Die Bedeutung der Lehre Jesu.

   01] Sagten alle, Mir dankend, daß sie das wohl verstanden hätten, und unser Markus, und mit ihm auch die andern Römer, sagte noch insbesonders: »Herr und Meister! Nun fange ich und auch meine Gefährten an, immer klarer einzusehen, daß zu einer richtigen Erkenntnis Gottes und zu einem ungezweifelten lebendigen Glauben an Ihn eine richtige Erkenntnis der Erde und alles dessen, was in und auf ihr ist und in die Erscheinlichkeit tritt, unumgänglich nötig ist; denn daraus ersieht man erst, daß diese Erde und alles, was auf ihr ist, einen höchst weisen und allmächtigen und somit auch höchst guten Urheber und Schöpfer haben mußte, weil eine blinde, ihrer selbst nicht einmal bewußte Macht, die wir Heiden das Fatum nennen, unmöglich auf der Erde und in jedem einzelnen Geschöpfe alles gar so weise und zweckdienlich eingerichtet hätte.
   02] Es liegt also schon in der richtigen Erkenntnis der Natur und ihrer weisest geordneten Kräfte ein unumstößlicher Beweis vom Dasein eines ewigen und höchst weisen, allmächtigen und überguten Gottes und Schöpfers aller Dinge und aller Wesen. Ist aber dieser Beweis einmal da und unbeugsam festgestellt, so ist dann der vollwahre Glaube an einen Gott ja eine selbstverständlich ausgemachte Sache.
   03] Wenn dann dazu noch Deine Lehre vom Fortleben der Seele nach des Leibes Tode und vom wahren, inneren und lebendigen Reiche Gottes hinzukommt und der Mensch zu der Kenntnis gelangt, was er ist, und warum er da ist, und wie er zu leben und zu handeln hat, um zur Kindschaft Gottes zu gelangen, so wird er das auch sicher tun, und das um so mehr, weil er eben auch aus Deiner Lehre erfahren wird, welches Los er nach dem Tode des Leibes zu gewärtigen hat, so er in seinen Irrtümern und Bosheiten verbleibt.
   04] Herr und Meister, ich rede hier nicht als ein Jude, sondern als ein vielerfahrener Heide, und sage: Deine Lehre vom Reiche Gottes und von der allein wahren und ewigen Bestimmung des Menschen ist offenbar das Höchste, Reinste und Wahrste und zugleich auch das überzeugend Faßlichste, was je die Menschen als eine Lehre von Gott und von ihrer Bestimmung vernommen haben, und für uns ist sie nun um so faßlicher und glaubbarer, weil wir das unaussprechliche Glück haben, sie aus Deinem Gottesmunde zu vernehmen; denn wir sehen Dich, hören Dich und können und dürfen mit Dir, dem allein wahren Gott und Herrn von Ewigkeit, über die verschiedensten Dinge und Verhältnisse uns besprechen.
   05] Wir für uns bedürfen wahrlich keines andern Beweises vom wirklichen Dasein eines Gottes als eben nur Dich Selbst; aber wir sind unser nur zehn, denen das unbeschreibbare Glück und die ewig unverdiente Gnade zuteil geworden ist, in Dir den ewigen Herrn aller Himmel, aller Welten und alles Lebens gefunden zu haben.
   06] Du wirst persönlich nicht mit uns nach Europa und nach Rom ziehen und dort Dich also wie hier offenbaren durch Worte und Taten, auf daß alle Heiden Dich erkennen und an Dich glauben möchten, sondern wir allein werden Dich ihnen verkünden und sind auch schon zum voraus überzeugt, daß unsere Arbeit und Mühe keine fruchtlose sein wird. Aber unsere Stammesgenossen daheim sind gar sehr kritische Menschen und glauben an eine Sache erst dann, wenn sie sich von ihrem wirklichen Dasein von möglichst vielen Seiten die klaren und ganz untrüglichen Beweise verschafft haben, was nun um so notwendiger ist, weil bei unseren Weltweisen und Klugen der Atheismus gang und gäbe geworden ist und kein höher Gebildeter mehr an einen oder den andern Gott denkt und noch weniger glaubt.
   07] Und da, siehe o Herr und Meister, bin ich der Meinung, müssen vor der Verkündigung Deines heiligsten Namens und Deiner Lehre die Beweise fürs unbestreitbare Dasein eines allein wahren Gottes vorerst aus der Natur, und Ordnung dieser Erde und ihrer Wesen klar aufgestellt werden! Haben diese einmal Wurzel gefaßt, dann wird es sicher auch ein leichtes sein, Deinen Namen und Deine Lehre also zu verkünden, daß man allgemein an Dich glauben und Dich für den allein wahren Gott halten, anbeten und lieben wird in Worten und Taten.
   08] Den Kindern kann man freilich bald und leicht etwas glaubbar machen, - doch Männern, wie wir sie in Rom und vielen andern Städten in einer übergroßen Anzahl haben, muß man ganz anders kommen, so man sie für etwas gewinnen will! Und aus eben diesem Grunde habe ich mich denn auch bemüht, mir über verschiedene Dinge und Erscheinungen in der Sphäre dieser materiellen Welt so manche Aufhellungen zu verschaffen, und danke Dir denn schon im voraus im Namen aller derer, die etwa durch mich zu Dir bekehrt werden, daß Du uns Römern solche Aufhellungen nicht vorenthalten hast!«
   09] Sagte Ich: »Das wußte Ich gar wohl, wofür ihr euch von Mir über dieses und jenes Erklärungen erbeten habt, und Ich lobe euren Eifer und guten Willen, und eure Arbeit und Mühe um Meines Namens willen soll stets mit Meinem Segen gekräftigt sein!
   10] Aber Ich sage dennoch, daß ihr die Menschen nicht zu sehr auf die Natur der materiellen Dinge der Welt anweiset, daß sie Gott in ihnen suchen sollen. Ihr werdet damit die Menschen zu einem Ahnen und Wittern des Daseins eines Gottes, aber nie zu Dessen voller Erkenntnis und zum wahren und lebendigen Glauben an Ihn bringen.
   11] So ihr aber Meine Lehre, wie ihr sie von Mir klarst und reinst überkommen habt, euren Brüdern gebet, so werden sie euch hören und werden die Lehre auch annehmen, und da Meine Worte Kraft, Macht und Leben in sich bergen, so werden sie auch eine ganz andere Wirkung in den Herzen und Gemütern eurer Brüder hervorbringen als alle erdenklichen Beweise aus dem Bereiche der materiellen Welt und ihrer Ordnung.
   12] Wenn aber dann die Menschen an Mich glauben werden und auch leben und handeln nach Meiner Lehre und also nach Meinem Willen, da werden sie dann schon den wahren Lehrer und Weiterführer in sich finden, der sie in alle andern Wahrheiten führen wird.
   13] Wer Gott und Sein ewiges Lebensreich finden will, der muß das in sich, also in seines Herzens stillem Kämmerlein in der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu suchen anfangen. Und a wer da ernstlich zu suchen angefangen hat und im Suchen nicht nachläßt, der wird auch das finden, was er gesucht hat; aber wer im Suchen lau wird, der wird das, was er wohl finden möchte, so es ihm keine zu große Mühe kostete, auf dieser Welt und auch jenseits schwerlich oder auch gar nicht finden. (a Matthäus.07,07-08; Lukas.11,09Jeremia.29,13-145. Mose.04,29; Vaterbriefe.023)
   14] Schicket daher nur Mein lebendiges Wort voraus und machet dann erst hinterher die, welche Mein Evangelium angenommen haben, auf den Grund und auf die Erscheinungen der Dinge und ihrer Ordnung in dieser Welt aufmerksam, und ihr werdet also die besten Erfolge von eurer Arbeit und Mühe ernten!
   15] Nun aber wollen wir diesen Hügel wieder verlassen und uns zum bereits fertigen Morgenmahle begeben und dann sehen, was wir an diesem Tage noch alles unternehmen werden!«
   16] Die Römer und auch alle die andern dankten Mir für den ihnen gegebenen Rat, und wir begaben uns sogleich in den Ort und ins Haus, wo in dem großen Speisesaale die wohlzubereiteten Fische, Brot und frischer Wein in voller Menge auf den Tischen sich befanden. Wir setzten uns denn auch sogleich dazu; Ich segnete wie allzeit zuvor Speise und Trank, und dann aßen und tranken wir. Für die Jungen sorgte unser Raphael.


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