Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 194. Kapitel: Vorhersage über die Ablehnung der Offenbarungen bei den Juden.

   01] (Jesus:) »Ja, ja, es wird mit der Zeit wohl noch eine große Finsternis und Trübsal und Not über die Menschen kommen, wie sie zuvor noch niemals also von den Menschen erlebt worden ist; aber in dieser größten Finsternis werden gar viele das wahre Licht suchen und auch finden, und mit diesen werde Ich sein und Gericht halten über alle Menschen der Erde!
   02] Und so, wie unser Henoch-Raphael nun ein Zeuge ist von dem, was nun geschieht, ebenso werdet auch ihr in jener Zeit Zeugen sein, daß es also geschehen wird, wie Ich es euch nun zum voraus gesagt habe.
   03] Saget aber ja nicht in euren Herzen, daß es nicht fein sei, dem alten erwählten Volke Gottes die Macht und das Licht zu nehmen und es den Heiden zu geben!
   04] Ich sage es euch: Niemand nimmt es den Juden und gibt es den Heiden, sondern die Juden selbst stoßen mit dem zu ihnen gekommenen Lichte auch die Macht von sich. Und wenn die Heiden mit allem Eifer annehmen, was die Juden verwerfen und verstoßen, bin da Ich es, der den Juden Licht und Macht wegnimmt und es den Heiden gibt, oder tun das nun nicht die blinden Juden selbst?
   05] Ich sage es euch: Es haben die Juden wohl noch die Schrift und halten aus ihr dem blinden Volke auch blinde Predigten von Selbstsucht und ehebrecherischer Unlauterkeit. In der Schrift stehen wohl noch die alten Wahrheiten verdeckt, sie werden aber weder vom Prediger, der kein inneres Licht hat, und noch weniger vom Volke dem Geiste der Wahrheit nach verstanden, und es führt also ein Blinder den andern, und kommen sie an eine Grube, so fallen beide hinein, und es kann keiner dem andern helfen.
   06] Was nützen demnach nun den Juden Moses und alle die Propheten? Die in ihnen enthaltenen Urwahrheiten sind für sie nicht einmal so viel wert, wie für euch die frühere Erscheinung irgendeinen reellen Wert haben konnte, da sie nur ein flüchtiges und zum größten Teil verkehrtes Luftspiegelabbild von tiefer liegenden Wirklichkeiten war.
   07] Solch ein ziemlich ähnliches Abbild von den tief liegenden Wahrheiten der Schrift erblicken auf Momente wohl auch noch dann und wann die gegenwärtigen Judenpriester; da aber ihr Herz und Gemüt von all den vielen Weltsorgwinden nur zu bald und zu leicht zerrissen wird, so wird auch der Herzens- und Gemütsspiegel zur Aufnahme für geistige Dinge und Wahrheiten aus der Sphäre des inneren Geistlebens zerrissen und zerstört, und sie können dann die in der Schrift verhüllten Wahrheiten nicht mehr erschauen und erkennen und werfen sich gleich allem Welttaumel in die Arme.
   08] Sie denken an die gehabten Lichtmomente gar nicht mehr und treiben sich in aller Schwelgerei wieder also weiter durch ihr ganzes Erdenleben fort; und ermahnt man sie, daß sie sich auf dem Wege des Verderbens befinden, so werden sie voll Ärgers, Zorns und verfolgen Den, Der zu ihnen voll Niedrigkeit, Liebe, Sanftmut, Geduld, Demut und voll Güte und Erbarmung gekommen ist.
   09] Wenn aber also - wie ihr euch selbst schon zu gar öfteren Malen habt überzeugen können -, bin Ich es dann, der solchen Juden die Macht und das Licht nimmt und sie den Heiden gibt, oder tun sie das nicht selbst?
   10] Wer da sucht, der findet; wer da kommt und bittet, dem wird's gegeben und wäre er auch ein dreifacher Heide und so da kommt ein Heide und pocht bei Mir an die Tür, so wird sie ihm aufgetan.
   11] Und so wird es werden, daß die alten Kinder des Lebenslichtes aus Gott durch ihr eigenes Tun und Treiben in die äußerste Weltfinsternis hinausgestoßen werden, wo sie dann den Wölfen und Schweinen gleich heulen und mit den Zähnen klappern werden; aber die Kinder der Welt, die Heiden nämlich, werden in Mein ewiges Lebensreich aufgenommen werden.
   12] Wie eine Mutterhenne ihre Küchlein lockt und sie unter ihren Flügeln zu verbergen und zu schützen strebt vor den Feinden, also habe Ich die Kinder Abrahams allzeit mit Meiner Vaterstimme gelockt und wollte sie versammeln unter Meinen Flügeln des Lichtes, der Wahrheit und des ewigen Lebens, und siehe, als Ich redete durch den Mund der Propheten, da sagten sie: "Wir erkennen wohl aus der Sprache, daß das Jehovas Wort und Stimme ist; aber warum kommt Er nicht Selbst zu uns, wie Er einst zu Abraham, Isaak und Jakob gekommen ist, und redet mit uns, Seinen Kindern?"
   13] Darauf geschahen Verheißungen über Verheißungen, daß Ich in dieser Zeit Selbst kommen werde mit aller Meiner Macht und Kraft und Mein ganzes ewiges Lebensreich mit Mir.
   14] Die geweissagte Zeit ist gekommen und Ich mit ihr, genau nach der Weissagung; warum nehmen sie Mich denn nicht an, warum erkennen sie Mich denn nicht, warum glauben sie nicht an Mich, da Ich doch vor ihren Augen zur Steuer der ewigen Wahrheit aller Weissagung von Meiner persönlichen Ankunft in diese Welt Zeichen wirke, die außer Mir und Meinem Willen niemandem möglich sind?
   15] Für alle Meine Liebe, Güte, Sanftmut, Demut, Geduld und Erbarmung hassen sie Mich und verfolgen Mich mit aller Hast und Wut!
   16] Sind das demnach die gepriesenen Kinder des Lichtes? Oh, mitnichten! Das sind nun Kinder der Hölle, und nicht Gott, sondern der Teufel ist ihr Vater.
   17] Ist es bei solchen Umständen denn von Mir unrecht, so Ich nun die Heiden zu Meinen Kindern mache und die Kinder des Teufels dahin verweise, wo das Reich ihres nunmaligen Vaters und Herrn ist?
   18] Sage Mir, du Schriftgelehrter, nun, ob Ich da unrecht handle, so Ich die zu argen Juden fahren lasse nach ihrem freien Willen und Ich den Heiden zukommen lasse Macht und Licht!«
   19] Hierauf sagte der Schriftgelehrte: »Herr und Meister, wer kann mit Dir rechten? Was Du sprichst, das ist ewig wahr, und was Du tust, ist ewig gut!
   20] Auch die Heiden stammen von Noah ab wie die Juden. So sie zu Dir nun wieder zurückkehren, so ist das ihr Wohl und Glück, und Du stößest sie nicht von Dir, - und wer sollte da sagen können, daß es nicht recht wäre, so Du sie annimmst anstatt der Kinder des Lichtes, die Dich als Den nicht anerkennen und annehmen wollen, der Du vor uns aller Wahrheit nach bist?!
   21] O Herr und Meister, vergib mir die Dummheit meiner ehedem ausgesprochenen Worte! Mit Deiner Gnade werden wohl auch wir noch in allen Dingen Deines Reiches einmal vollends ins klare kommen.«
   22] Sagte Ich: »Das sollet ihr auch; aber
verwundern müßt ihr euch selbst darüber, daß nun die Heiden als Kinder der Welt in gar vielen Dingen und Stücken klüger sind denn ihr! - Aber nun nichts Weiteres mehr von dem!
   23] Die Erscheinung ist nun gänzlich vergangen, und es ist schon ziemlich dunkel geworden; wir wollen uns denn nun auch wieder hinab ins Haus begeben und ein schon bereitetes Abendmahl zu uns nehmen. Die Joppeer harren schon mit vieler Sehnsucht auf uns, und sie sollen auch Kunde von Meiner Gegenwart erhalten. Und so sie diese erhalten werden, da werden sie darob sicher eine größere Freude haben als die Juden zu Jerusalem, so Ich wieder zu ihnen kommen werde. Und so machen wir uns denn nun auf und begeben uns ins Haus hinab!«


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