Fasten und Kasteiungen

Jesu Christi Mitteilungen durch Prophet Jakob Lorber (1800-64)


Kurzfassung der Aussagen in Lorbers Werken

Priester verschiedener Religionen verheißen ihren Anhängern, sie könnten Sündenlasten dadurch tilgen bzw. Gott besänftigen, daß sie äussere Bußwerke verrichten, z.B. durch Fasten oder Selbstkasteiungen. Dazu lehrte Jesus:

1) Äußere Buß- und Reinigungsmittel, wie z.B. Tragen von Sack und die Asche, sich kasteien mit Ruten oder stachligen Gürteln, kalten Bädern etc., Fasten und Opferung von Tieren und andere Opfer sind zur Vergebung von Sünden nicht notwendig oder nützlich. Sie sind nur Symbole für äußere und innere Demut bzw. für die Umkehrbereitschaft. (jl.ev08.042,01-03a; jl.ev07.141,15; jl.bmar.059,06; jl.ev01.096,07)

2) Wer fastet und sich durch kratzende Kleider martert, um zu büssen, handelt nicht nach Gottes Willen, sondern wer sich durch Nahrung stärkt, um Nächstenliebe ausüben zu können. (jl.ev06.051,03)

3) Fasten und Kasteien sind vor Gott sogar verwerflich, sofern dadurch Spiritismus und Magie bezweckt werden. (jl.ev01.207,08-10)

4) Kasteien zum Abtöten fleischlicher Begierden und Angst vor göttl. Strafen kann Menschen zwar von fleischlichen Begierden bzw. Sünden abhalten, aber das ist kein wirkliches Verdienst vor Gott und zum Abbüssen von Sünden ungeeignet. (jl.ev05.038,03)

5) Menschen, die sich stark, evtl. bis zum Tod kasteien und martern, können von sinnlichen und egoistischen Geistern besessen sein, die sich im Besessenen auf diese Art läutern wollen, statt selbst zu inkarnieren. Eine Besserung sollte aber freiwillig erfolgen, der Druck der Verhältnisse kann aber dazu beitragen. (jl.ev06.121,02 f.; jl.ev07.100,03)

6) Weder strengstes Einhalten von Geboten, noch Buß-Kasteiungen, Fasten oder stärkster Glaube verhelfen zur Schuldenbefreiung, wenn die Liebe zu Gott und den Menschen fehlt bzw. die göttl. Ordnung übertreten wird. Demut und Liebe zu Jesus helfen mehr. (jl.him1.236,28-31 .34)


Originaltexte: Fasten und Kasteiungen

zu 1) Auf die Frage von Jüngern, ob a »bei der strengen Buße der Sack und die Asche, sich-kasteien, fasten und Opferung der Böcke und andere Tempelopfer notwendig seien?«, antwortete ihnen Jesus: (a jl.ev08.042,01-03: Mt.06,16; Jes.58,05-06; jl.ev11.307,06*; jl.ev06.051,05-06; jl.Laod.002,21-24; jl.Laod.002,29-30)
a »Was sollen denn Sack und Asche dem Menschen für eine Heiligung seiner Seele bieten? Sack und Asche wurden bei den Alten nur als entsprechende Bilder aufgestellt, unter denen die rechte Buße zu verstehen war; denn der Sack bezeichnet die äußere Demut und die Asche die wahre innere Demut der Seele. Aber das faule Tragen eines Sackes und das Bestreuen des Hauptes mit der Asche hat einem Menschen ebensowenig eine Heiligung gebracht wie das Fasten und Kasteien, - wie auch der Krieger, der sich vor dem Feinde in eine sichere Höhle aus Furcht und Angst verkriecht, statt mit ihm mutvoll in einen Kampf zu treten, wohl auch schwerlich mit einer Siegerkrone gekrönt wird.« (a jl.ev08.042,02)
In einem 'Sack gehen' bedeutet, a »sich in allen seinen Lüsten und Begierden gefangennehmen und sich in solcher Eigengefangennehmung von selben losmachen und sodann als ein neues gottwohlgefälliges Geschöpf aus so einem Sack hervorgehen.« (a jl.bmar.082,35)
Wenn Johannes der Täufer Buße in Sack und Asche predigte, meinte er das nicht wörtlich: a »Johannes hat zwar auch nicht gerade Sack und Asche als zur wahren Buße unumgänglich notwendige Dinge anbefohlen, er hat es nur gewisserart gleichnisweise in seinen Reden dargestellt und wollte damit eine vollernstliche Besserung des Menschen, der ein Knecht der Sünden geworden, anzeigen.« (a jl.ev01.096,07)
Daher sind Buße in Sack und Asche aus Jesu Sicht nutzlos: a »Darum fort mit Sack und Asche, fort mit dem Kasteien und Fasten, und fort mit der Opferung der Böcke und fort mit allen andern Tempelopfern wegen der Vergebung der Sünden; denn sie haben vor Mir nicht den allergeringsten Lebenswert!« (a jl.ev08.042,03a)
Jesus weist klar auf wirksames bzw. unwirksames Büßen hin: a »Ist jemand sich bewußt, daß er gesündigt hat, so vergleiche er sich mit dem, gegen den er gesündigt hat, und sündige in der Folge nicht wieder, so werden ihm seine Sünden auch vergeben werden; aber durch ein gewisses Beten, Kasteien und Fasten werden niemandem seine Sünden nachgelassen, solange er selbst von seinen Sünden nicht nachläßt.« (a jl.ev07.141,15)

zu 2) Es gibt geeignete und ungeeignete Formen der Buße: a »Glaube ja keiner, daß er Gott einen wohlgefälligen Dienst erweist, so er fastet und für seine begangenen Sünden in härenen Kleidern vor aller Welt Augen Buße tut, - sondern nur der ist Gott angenehm, der da dankbar ißt und trinkt, was ihm Gott zukommen ließ, um dadurch seine irdischen Kräfte zur nützlichen Arbeit zu stärken, wodurch er sich und seinem Nächsten viel nützen kann, und so er irgendeine Sünde beging, sie als solche erkennt, bereut, verabscheut, sie nicht mehr begeht und sich also wahrhaft bessert.« (a jl.ev06.051,03)

zu 3) Jesus weist darauf hin, wie rechtes und falsches Fasten zu unterscheiden ist: a »Wer fastet zur rechten Zeit, tut besser als der, welcher allzeit schwelgt und praßt; aber es ist dennoch ein Unterschied zwischen Fasten und Fasten! Ein völlig rechtes Fasten besteht darin, daß man sich enthalte von aller Sünde und sich in allen Dingen der Welt aus allen Kräften selbst verleugne, sein Kreuz (in der damaligen Zeit figürlich: Elend, Not und Drangsal) auf seine Schultern nehme und also Mir nachfolge, ohne darum gar zu ängstlich im Essen und Trinken zu sein, aber auch nicht über die Notdurft (das Nötige) hinaus ins Schwelgen überzugehen; alles andere Fasten hat entweder wenig oder gar keinen Wert.« (a jl.ev01.207,08)
Kasteiung durch Fasten wird nicht selten zu Spiritismus mißbraucht: a »Es gibt da Menschen, die durch eine gewisse Kasteiung ihres Leibes in die Welt der Geister dringen wollen und dann mit deren Hilfe bezwingen die Kräfte der Natur (Magie, d. Hrsg.); das ist dann nicht nur zu nichts nütze der Seele, sondern über die Maßen schädlich. Da fällt die Seele dann als eine notreife Frucht vom Baume des Lebens, deren Lebenskern allzeit faul, hohl, taub und somit tot ist. Ein derartiges Kasteien und Fasten ist darum nicht nur keine Tugend, sondern eine überaus grobe Sünde!« (a jl.ev01.207,09-10)

zu 4) Den fraglichen Zweck von Kasteiungsübungen als Bußwerken gegen sex. Ausschweifungen in Indien kommentiert Jesus: a »Dort (in Indien) sind die Menschen, weil von zu viel Naturlebenselementen beseelt, immer sehr aufgeregt und würden besonders in der Sphäre des Begattungstriebes in Ausartungen übergehen, die ihresgleichen auf der Erde nicht hätten. Die scharfen Bußwerke halten sie am meisten davon ab. Durch die starken Kasteiungen wird ihr Fleisch gewisserart abgetötet, und dazu bewegt sie die ihnen stark eingeprägte Furcht vor dem Feuer der Hölle, das ihnen von den Priestern auf eine so lebendige Weise als nur immer möglich vorgemalt wird, daß es sie schon durch die Beschreibung ordentlich zu brennen anfängt; denn das Feuer fürchtet der Indier am meisten, weil ihm dieses schon hier den größten Schmerz bereitet, den sein Fleisch zu empfinden fähig ist. Durch die scharfen Bußwerke, die Gott der Herr bis jetzt und noch für länger hin bei den Indiern zuläßt und duldet, wird doch die Seele dieser Menschen erhalten in ihrer Menschenlebensform und ist dann fürs ewige Jenseits fähig, in eine höhere Lebensvollendung überzugehen.« (a jl.ev05.038,03)

zu 5) Besessenheit kann die Ursache von starken Kasteiungsbedürfnissen sein, die aber den eigentlichen Reinigungszweck verfehlen: a »Stark sinnliche und egoistische Seelen werden gewöhnlich nach ihrer zu einer Besserung sich hinneigenden Eigenschaft wieder irgend bei einer rechten und tauglichen Gelegenheit zu einer abermaligen Fleischlebensprobe zugelassen. Aber da gibt es welche, die dann nicht mehr erwarten können, bis sie irgend in einen Mutterleib gelegt werden, und dann sagen: "Ei was, Fleisch ist Fleisch! Wir wollen nun des nächstbesten Menschen Fleisch in Besitz nehmen und es kasteien, soviel es nur möglich ist! Und wenn das Fleisch einmal vor lauter Kasteiung zugrunde geht, so können wir es als völlig geläuterte Seelen verlassen und zur Seligkeit eingehen!" Derlei Seelen täuschen sich zwar sehr gewaltig, weil ihnen solch eine Art Afterbesitzung (Besessenheit, d. Hrsg.) des Fleisches nicht nur nichts nützt, sondern nur schadet, weil sie dann wieder gar lange warten können, bis sie zu irgendeiner wahren abermaligen Einzeugung in einen Mutterleib zugelassen werden können. Aber es werden solche Afterbesitznahmen des Fleisches anderer Menschen dennoch zugelassen, weil eine jede einst völlig lebensfrei werden sollende Seele am Ende nur allein durch ihren höchsteigenen, freiesten Willen gebessert und gefestet werden kann, der freie Wille aber unmöglich anders als durch allerlei bitterste Erfahrungen zu jener bescheidenen Nüchternheit zu bringen ist, durch die er sich endlich in den lichtvollen Willen eines besseren Geistes fügt und so erst dann wahrhaft aus sich heraus gebessert werden kann.« (a jl.ev06.121,02 f.)

zu 6) Demut und Liebe zu Jesus helfen mehr zur Reinigung von Schuld, als strengstes Einhalten von Geboten, Buß-Kasteiungen, Fasten oder stärkster Glaube: a »Wenn ihr euch gedemütigt habt in euch selbst um Meiner Liebe und Meines Namens willen, werdet ihr nach der Nacht dieses Erdenlebens angetan werden mit dem Kleide der Unschuld! (a jl.him1.237,28)
Denn wahrlich sage Ich euch: Der Sünder mag tun, was er will, er mag die Gebote noch strenger halten als der Mond seine Viertel und die Erde ihre Jahreszeiten, er mag beten bei Tag und Nacht und man Buße tun auf glühendem Eisen und mag fasten und sich kasteien, daß alle Welt darob in das größte Erstaunen gesetzt würde, so sie die außerordentlichen Werke seiner Buße sehen möchte - ja Ich sage, er möge seine Haut ausziehen und einen Toten damit bekleiden, und er kann einen Glauben haben, daß er sich sogar die Sterne untertänig machen mag - so er aber die Liebe nicht hat, wahrlich, sage Ich, dann wird er (wohl) seinen Lohn bekommen, um den er gearbeitet und solches getan hat; aber mit dem Kleide der Unschuld wird er nimmer angetan werden, weil nur die Liebe einzig und allein das wahre Kleid der Unschuld ist... (jl.him1.237,29)
Wer aber statt alles dessen das einzige, unendlich sanfte Gebot der Liebe ergriffen hat und hat dasselbe lebendig gemacht in seinem Herzen, der hat durch dieses innere, heilige Feuer alle Schuld aus sich hinausgeschafft und hat sich vollkommen gereinigt in seiner Demut durch Meine Liebe in ihm. Und es werden die sogestalt hinausgeschafften 'Dünste' selbst geläutert werden durch Meine Gnade und lebendig durch den Geist, der aus Meinem ewigen Morgen weht. Und so wird aus der gereinigten Schuld selbst das Kleid der Unschuld für die bereitet werden, die Mich nicht in ihrem Glauben, sondern in der Demut und in der Liebe gefunden haben. (jl.him1.237,30)
Denn wenn es heißt, daß da a vor allem Mein Reich gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe hinzugegeben werde, so bedenket, dieses Mein Reich ist eben nur die Liebe! - Wer Mich also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Mich im Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist 'Mein Reich'... b Daher sage Ich jetzt wie allezeit: Wachst in der Liebe, so werdet ihr wachsen in allem! Denn die Liebe vergibt alles und die Liebe gibt alles!« (a jl.him1.237,31 .04)


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