Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 121

Eigentümlichkeiten der auf der Erde inkarnierten Mondseelen.

   01] (Der Herr:) »Übrigens schadet dem Menschen solch eine Eigenschaft durchaus nicht, und am allerwenigsten seiner Seele; denn solche Menschen sind gewöhnlich ganz guter und sanfter Gemütsart, und es ist mit ihnen sehr leicht auszukommen. Aber es kann sich manchmal bei diesen Menschen ereignen, daß ihr Leib noch von einer andern, im Erdluftraume noch frei herumvagierenden Seele in der Gegend der gröberen Eingeweide in Besitz genommen wird, ja oft auch von mehreren, und das zumeist von solchen Seelen, die schon eine Fleischlebensprobe auf dieser Erde durchgemacht haben, aber ihrer großen Sinnlichkeit und Selbstsucht wegen für ihr jenseitiges Lebensheil nicht nur nichts gewonnen, sondern nur noch dazu vieles verloren haben.
   02] Diese Seelen werden gewöhnlich nach ihrer zu einer Besserung sich hinneigenden Eigenschaft wieder irgend bei einer rechten und tauglichen Gelegenheit zu einer abermaligen Fleischlebensprobe zugelassen. Aber da gibt es welche, die dann nicht mehr erwarten können, bis sie irgend in einen Mutterleib gelegt werden, und dann sagen: "Ei was, Fleisch ist Fleisch! Wir wollen nun des nächstbesten Menschen Fleisch in Besitz nehmen und es kasteien, soviel es nur möglich ist! Und wenn das Fleisch einmal vor lauter Kasteiung zugrunde geht, so können wir es als völlig geläuterte Seelen verlassen und zur Seligkeit eingehen!"
   03] Derlei Seelen täuschen sich zwar sehr gewaltig, weil ihnen solch eine Art Afterbesitzung des Fleisches nicht nur nichts nützt, sondern nur schadet, weil sie dann wieder gar lange warten können, bis sie zu irgendeiner wahren abermaligen Einzeugung in einen Mutterleib zugelassen werden können. Aber es werden solche Afterbesitznahmen des Fleisches anderer Menschen dennoch zugelassen, weil eine jede einst völlig lebensfrei werden sollende Seele am Ende nur allein durch ihren höchsteigenen, freiesten Willen gebessert und gefestet werden kann, der freie Wille aber unmöglich anders als durch allerlei bitterste Erfahrungen zu jener bescheidenen Nüchternheit zu bringen ist, durch die er sich endlich in den lichtvollen Willen eines besseren Geistes fügt und so erst dann wahrhaft aus sich heraus gebessert werden kann.
   04] Und sehet, da sind dann eben unsere Mondseelenmenschen zeitweilig etwas übel daran, weil sie von solchen frei herumvagierenden, noch immer argen Seelen - die man gut noch Teufel (Ouvraci = Wendlinge zum Bessern) nennen kann - zuerst und am leichtesten in zeitweiligen Besitz genommen werden, wovon jedoch des Leibes eigene Seele nie irgendeinen Schaden leidet, sondern ein solcher Zustand schafft ihr noch obendrauf den Nutzen, daß sie dadurch sehr gedemütigt wird und am Leben ihres Fleisches wenig oder schon gar keine Lust mehr empfindet, was für die Mondseelenmenschen ganz gut ist. Denn erstens sind sie trotz ihrer Hellseherei zumeist sehr eigensinnig und stark in die geschlechtliche Liebe vergraben, und zweitens sind sie sehr rechthaberisch und zanksüchtig, verschlossen und heimtückisch, obschon gerade nie völlig bösartig.
   05] Aber auch dieses Besessensein ist zu heilen durch Gebet, durch die Anrufung Meines Namens, durch Fasten und durch die Auflegung der Hände in Meinem Namen. - Und damit habt ihr nun auch in dieser Hinsicht alles, was euch vorderhand zu wissen not tut; alles Höhere und Weitere wird euch euer Geist lehren, den Ich erfüllen werde mit Meinem Geiste zu seiner rechten Zeit.«


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