Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


   28] Was habt ihr aber heute gesehen? - Die Erde mit dem Kleide der Unschuld bekleidet! - Sehet, so werdet auch ihr, die ihr euch gedemütigt habt in euch selbst um Meiner Liebe und Meines Namens willen, nach der Nacht dieses Erdenlebens angetan werden mit dem Kleide der Unschuld!
   29] Denn wahrlich sage Ich euch: Der Sünder mag tun, was er will, er mag die Gebote noch strenger halten als der Mond seine Viertel und die Erde ihre Jahreszeiten, er mag beten bei Tag und Nacht und man Buße tun auf glühendem Eisen und mag fasten und sich kasteien, daß alle Welt darob in das größte Erstaunen gesetzt würde, so sie die außerordentlichen Werke seiner Buße sehen möchte - ja Ich sage, er möge seine Haut ausziehen und einen Toten damit bekleiden, und er kann einen Glauben haben, daß er sich sogar die Sterne untertänig machen mag - so er aber die Liebe nicht hat, wahrlich, sage Ich, dann wird er (wohl) seinen Lohn bekommen, um den er gearbeitet und solches getan hat; aber mit dem Kleide der Unschuld wird er nimmer angetan werden, weil nur die Liebe einzig und allein das wahre Kleid der Unschuld ist. Und es werden über seinem Haupte schweben mit dem Kleide der Unschuld Angetane gleich den lichten Nebelstreifen, die ihr gestern hoch über die Berge habt schweben gesehen.
    30] Wer aber statt alles dessen das einzige, unendlich sanfte Gebot der Liebe ergriffen hat und hat dasselbe lebendig gemacht in seinem Herzen, der hat durch dieses innere, heilige Feuer alle Schuld aus sich hinausgeschafft und hat sich vollkommen gereinigt in seiner Demut durch Meine Liebe in ihm. Und es werden die sogestalt hinausgeschafften »Dünste« selbst geläutert werden durch Meine Gnade und lebendig durch den Geist, der aus Meinem ewigen Morgen weht. Und so wird aus der gereinigten Schuld selbst das Kleid der Unschuld für die bereitet werden, die Mich nicht in ihrem Glauben, sondern in der Demut und in der Liebe gefunden haben.
    31] Denn wenn es heißt, daß da vor allem Mein Reich gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe hinzugegeben werde, so bedenket, dieses Mein Reich ist eben nur die Liebe! - Wer Mich also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Mich im Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist »Mein Reich«.


Home  |    Inhaltsverzeichnis 'Himmelsgaben' Band 1  |   Werke Lorbers