Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 162. Kapitel: Jesus segnet die wüste Gegend der räuberischen Hirten. Jesus in der Stadt am Nebo

   01] Der Wirt bat Mich, ob Ich nicht noch etliche Tage bei ihm verweilen möchte.
   02] Ich aber sagte zu ihm: »Ich werde im Geiste, so du an Mich glaubst, Mich gleichfort liebst und nach Meiner Lehre lebst und handelst, stets bei dir bleiben, aber mit Meinem Fleische werde Ich nicht lange mehr auf dieser Erde verweilen; denn Meine Zeit naht sich ihrem Ende, und Ich habe noch vieles zu tun in andern Städten und Ortschaften, und somit werde Ich Mich mit diesen Meinen Jüngern denn auch sogleich gegen Süden hin auf die Weiterreise begeben.«
   03] Darauf brachte der Wirt noch frischen Wein und Brot; wir nahmen davon etwas zu uns, erhoben uns dann vom Tische und schickten uns zur Weiterreise an.
   04] Als Ich den Wirt und sein ganzes Haus gesegnet hatte, dankten Mir der Wirt und das ganze Haus, und der Wirt selbst begleitete uns noch bei zwei Stunden weit fürbaß, bei welcher Gelegenheit Ich ihm noch so manches Lebensgeheimnis enthüllte, wodurch er höchst getröstet war.
   05] Er kehrte dann wieder nach Hause, und wir zogen noch eine gute halbe Tagereise weiter gegen Süden, und zwar über einen sehr wüsten und öden Boden, auf dem wir nur wenige Hirten mit ihren mageren Herden antrafen, die uns zuliefen, um von uns entweder ein Almosen zu erbitten oder im schlimmeren Fall auch zu ertrotzen.
   06] Meine Jünger aber, die zusammen eine ganz bedeutende Menschenzahl ausmachten, bedrohten sie und hießen sie zurückweichen, ansonst ihnen etwas Übles begegnen werde, vor welcher Drohung aber die zusammengelaufenen Hirten, bei dreißig an der Zahl, eben auch nicht die zufriedenste Miene machten und anfingen, zu schimpfen und über sie loszuziehen, was einige der arabischen Zunge kundige Jünger verstanden, und sie - selbst Mein Johannes und der Apostel Petrus - sagten zu Mir: »Herr, hast Du für dieses elende Gesindel keine Blitze und kein Feuer mehr? Laß doch so wie über die Sodomiten Blitze und Feuer regnen über dieses böse Raubgesindel!«
   07] Und Ich sagte zu den Jüngern: »Altoran, das heißt o ihr Kinder des Donners und des Zornes! Sollte Ich diese Armen noch mehr strafen, als sie ohnehin schon gestraft sind? Tut ihnen lieber Gutes, statt daß ihr sie arg bedrohet und sie werden euch gleich ein besseres Zeugnis und eine bessere Rede geben!«
   08] Darauf ließ Ich die Hirten zu Mir kommen und sagte zu ihnen: »Sehet, ihr armen Benutzer dieser wüsten Gegend, Gold und Silber tragen wir nicht bei uns, und Ich als der Herr am allerwenigsten; und so wir euch auch mit Silber und Gold beschenkten, so würde euch das in dieser weitgedehnten Wüste wenig nützen! Ich kann euch aber etwas anderes tun, das euch nützen wird. Sehet, ihr habt samt euren Herden wenig Nährfutter und nahezu auch kein Wasser! Ich aber habe die Macht, diese eure Gegend zu segnen, und ihr werdet alsbald mitsamt euren Herden keinen Mangel zu leiden haben. So euch das recht ist, so will Ich's auch tun.«
   09] Sagten alle die Hirten: »Herr und Meister, so Dir das möglich ist, daran wir nicht zweifeln, darum Du es gesagt hast, so wird uns das ums unaussprechliche lieber sein, als so Du alle diese Steinklumpen in Gold und Silber verwandeln würdest, wir aber mitten unter solchen Schätzen samt unseren Herden dem Hungertode preisgegeben wären.«
   10] Auf diese Worte der Hirten hob Ich die Hände auf, dankte und segnete die Gegend, und alsbald hatte weithin die ganze Gegend des Grases, und auch der Quellen in einer gerechten Menge, und die Hütten der Hirten wurden mit Brot und Salz versehen.
   11] Als die Hirten das ersahen, fielen sie vor Mir nieder, priesen Mich über die Maßen und sagten, daß Ich kein Mensch, sondern ein Gott sei; denn solches zu bewirken sei weder Moses, dessen Namen sie kannten, noch seinen Nachfolgern möglich gewesen.
   12] Sie brachten uns darauf Milch und Brot, und wir alle nahmen etwas davon, setzten unseren Weg unter vielen Lobpreisungen von seiten dieser Hirten wieder weiter fort und vernahmen noch weithin das laute frohlocken dieser beglückten Hirten.
   13] Und Ich sagte auf dem Wege zu Meinen Jüngern: »Urteilet nun selbst, was da besser ist: Gutes tun denen, die einem Übles tun wollen, oder Böses mit Bösem vergelten? Darum sollt ihr in der Zukunft a eure Feinde lieben und b sie segnen, und denen Gutes tun, die euch Übles tun wollen, so werdet ihr glühende Kohlen über ihren Häuptern sammeln und euch dadurch viele Freunde machen! (a  Matthäus.05,442. Mose.23,04-05; = Lukas.06,27Römer.12,14Römer.12,20b = Lukas.06,28Lukas.23,34Apostelgeschichte.07,60;  ⇒ jl.ev01.074,10-16*;  jl.ev01.075,11-12;  jl.ev02.003,11jl.ev02.159,08 .10 .13;  jl.ev03.209,04jl.ev07.225,16-229,21;  jl.ev06.227,17jl.ev08.064,17jl.ev08.119,04jl.ev09.037,11jl.ev09.039,12jl.ev09.159,15jl.ev10.215,04-18;  jl.hag1.058,21-25;  jl.hag1.174,05jl.hag2.102,20 f. jl.hag2.108,12-15;  jl.hag3.365,06jl.gso1.081,08jl.gso2.104,04jl.gso2.117,12-13;  jl.rbl1.142,10jl.him3.060,37jl.him3.083,11jl.him3.214,02-03)
   14] Tuet in allem, wie Ich es tue, und ihr werdet auf euren Wegen in Meinem Namen mit wenigen Steinen des Anstoßes zu tun haben! Aber wehe, wenn ihr denen, die drohend gegen euch auftreten, auch drohend begegnet und sie gleich mit Strafen belegen wollt! Da werdet ihr viel Ungemach auf der Erde zu erleiden haben! Liebe erzeugt allzeit wieder Liebe, - Zorn und Strafe aber wieder Zorn und Rache!«
   15] Dieses schrieben sich die Jünger ins Herz und gelobten Mir, solches auch bis an ihr Lebensende zu beachten.
   16] Und Ich sagte zu ihnen: »Die meisten von euch werden das wohl tun, aber Ich sehe auch einige unter euch, die trotz dieses Meines Rates bei widrigen Gelegenheiten dennoch der Drohung und Bestrafung sich bedienen werden; sie werden aber dadurch niemals eine gute Frucht zu einer vollkommenen Reife bringen.«


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