Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 119. Kapitel: Jesus über wahre Wohltaten.

   01] Sagte Ich: »Ja, ja, Ich weiß es nun schon, was du vor allem möchtest! Lasse jetzt nur deine Mutter, dein Weib, deine Kinder und auch deinen Knecht zu Mir kommen, doch von dem Besonderen, was du von Mir weißt, künde ihnen noch nichts! Wenn Ich aber gen Abend von hier wieder werde abgereist sein, dann kannst du ihnen je nach ihrer Fassungsfähigkeit auch die Hauptsache verkünden und ihnen sagen, daß alle, die an Mich glauben, Meine Gebote halten aus innigster Liebe zu Mir und also die Nächsten als Arme und Hilfsbedürftige lieben mit Rat und Tat, das ewige Leben haben werden in Meinem Reiche, das keinen Anfang und kein Ende hat. Und nun gehe und bringe sie hierher!«
   02] Hierauf ging der Wirt und brachte alsbald all die Seinen in den Speisesaal und stellte sie Mir vor, dabei zu den Seinigen sagend: »Vor diesem wahrsten Heiland aller Heilande der Welt verbeugt euch tief, und danket Ihm allein für die uns erwiesene übergroße und mit allen Schätzen der ganzen Welt nie bezahlbare Wohltat und Gnade!«
   03] Die Kinder und das Weib kannten Mich wohl ohnehin schon und nahten sich Mir alsogleich auf eine ehrfurchtsvoll freundlichste Weise und priesen Gott, daß Er einem Menschen solch wahrhaft göttliche Macht verliehen habe. Die geheilte Mutter und der geheilte Knecht aber überboten sich ordentlich an Dankes- und Lobesbezeigungen, die sie mit Worten und Gebärden ausdrückten.
   04] Ich aber sagte zu ihnen: »Danken für eine empfangene Wohltat ist schön, recht und billig; denn man ist dem, der einem Liebe bezeigt hat, auch wieder alle Liebe und Freundschaft schuldig. Aber es ist das eben keine zu große Kunst im Leben; die größere und verdienstlichere Kunst des Lebens ist: die Gebote Gottes halten; die größte und am meisten verdienstliche Kunst im Leben aber ist: allen seinen Feinden von Herzen vergeben, denen, die uns Arges wünschen, wollen und auch tun, dagegen wo möglich Gutes erweisen und für die beten und sie segnen, die uns hassen und fluchen.
   05] Wer das tut, der sammelt bessernde Glühkohlen über den Häuptern seiner Feinde, macht sie am ehesten zu seinen reumütigen Freunden, und er selbst hat dadurch für alle seine Sünden von und vor Mir die vollkommenste Nachlassung und ist schon auf Erden den Engeln Gottes gleich.
   06] Tut auch ihr desgleichen, so wird Gottes Gnade und Segen nie von eurem Hause und von euch weichen!
   07] So ihr aber schon Gelder darleihet, da leihet sie auch den Armen, die es euch nicht wieder mit Wucher zurück zahlen können, so werdet ihr dafür die Zinsen als einen großen Schatz im Himmel finden!
   08] Wenn ihr diesem oder jenem eine Wohltat erweiset, da machet es nicht also, daß dann ein anderer, der's tun kann, es euch ersetze entweder durch ihm auferlegte größere Zinsen oder durch Verminderung des Liedlohnes (Tagelohnes) bei denen, die genötigt sind, euch zu dienen, sondern was ihr Gutes tut den Armen, das tut aus Liebe zu Gott und zum Nächsten frei, so werdet ihr den Ersatz im Himmel finden!«
   09] So da manchmal kommen unfruchtbare Jahre, da werdet nicht karger, verkaufet euer Korn nicht teurer, backt das Brot nicht kleiner und schlechter, und vermindert den Liedlohn des Arbeiters nicht, so werdet ihr darum allen Segen von oben haben!
   10] Aber so ihr in den Notzeiten karget gegen eure Nächsten, da wird auch Gott kargen mit Seinem Segen über eure Felder, Weinberge und Herden, und ihr werdet euch dadurch wenig Schätze im Himmel sammeln. Das merket euch wohl und handelt danach ohne Bedenken, und ihr werdet für zeitlich und ewig des Segens in Hülle und Fülle haben!«
   11] Als Ich dieser Familie solches gesagt und angeraten hatte, da sagte nach einer Weile der Wirt selbst: »Ja, ja, vor den Augen des allsehenden Geistes aus Gott bleibet nichts, auch nicht das Allergeringste verborgen!
   12] Es ist bei uns und in meinem Hause das seit jeher der Brauch gewesen, also zu sagen und auch also zu handeln: "Tue jedermann Gutes, so es ihm not tut; aber vergiß dabei deinen eigenen Vorteil nicht!" Ich aber sehe es nun in Deinem Lichte, o Herr und Meister, daß diese Denkungs- und Handlungsweise durchaus nicht der göttlichen Ordnung gemäß ist, und so werde ich auch da in der nächsten Folge eine ganz andere Ordnung einführen. Ich werde zwar noch dann und wann mein Geld jemandem, so er dessen bedarf, gegen gesetzlich mäßige Zinsen darleihen; aber so da jemand kommen wird, der Mir auch keine Zinsen zahlen kann, und mir wird bekannt sein, daß er wirklich in einer Not steckt, so werde ich ihm auch zu jeder Zeit das Nötigste ohne Zinsen darleihen und im äußersten Notfalle auch schenken. Feinde zähle ich wohl gar sehr wenige und habe ihnen daher denn auch wenig zu vergeben. Sollte ich aber, was nicht für uns vorauszusehen ist, in der Folge welche bekommen, so werde ich mit ihnen also verfahren, wie Du es nun uns allen angeraten hast!«


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