Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 3


Richtlinien Jesu zur Anwendung der Wunder- und Heilgabe.

01] Nach einer kurzen Weile kommt Kisjonah, grüßt uns alle auf das zarteste und liebfreundlichste und sagt darauf: »Mein endlos geliebtester Freund Jesus! - Also nenne ich Dich aber nur äußerlich; denn Du weißt, was und wer Du mir im Herzen bist. - Dir allein habe ich alles das zu danken! Nur eine kleine Summe von fünftausend Pfunden im ganzen habe ich bereitwilligst gestrichen aus dem Schuldbuche der armen Bürger Kanas, und Du hast mir dafür fünfzigtausend Pfunde ohne den unschätzbaren Wort der andern Schätze, die vielleicht noch einmal soviel wert sind, zukommen lassen! Ich gelobe Dir aber auch bei all meiner unermeßlichen Liebe zu Dir, daß ich all dieses zum Besten der Armen und Bedrückten verwenden werde, und es soll also aus dem Teufelsunflate am Ende doch noch Gold für die Himmel Gottes werden!
02] Ich werde zwar das Gold und Silber den Menschen nicht in die Hand geben, denn da ist es wahrlich ein Gift für die schwachen irdischen Herzen der Menschen; aber ich werde den Dach- und Besitzlosen Dach und Besitz verschaffen mit steuerfreien Gründen und werde ihnen geben Vieh und Brot und Kleidung. Jedem aber, den ich beglücken werde, wird Dein Wort gepredigt und ihm Dein Name kundgemacht, auf daß er lebendig wisse, wem er alles zu danken habe, und daß ich nichts als nur ein schlechter und träger Diener bin! - Du, o Herr, aber stärke mich allzeit, so ich dienen werde in Deinem Namen! Sollte es mich aber je gelüsten, nur einen Sinn der Welt zuzuwenden, dann laß schwach werden alle meine Kräfte, auf daß ich gewahr werde, daß ich ein schwacher Mensch bin und aus meiner Kraft nichts zu vollbringen imstande bin!«
03] Ich aber lege darauf Meine Hand auf sein Herz und sage zu ihm: »Freund und Bruder! Da innen behalte Mich, und es wird dir nie an Kraft zur Ausführung edler Werke mangeln! Ja, im lebendigen Glauben und in voller und reiner Liebe zu Mir und im Sinne, Gutes zu erweisen den Menschen in Meinem Namen, wirst du den Elementen gebieten, und sie werden dir gehorchen! Den Winden wird nicht unverständlich sein dein Ruf, und das Meer wird erkennen deinen Sinn. Und zu dem einen oder dem andern Berge wirst du sagen können: >Hebe dich und stürze dich ins Meer!<, und es wird geschehen, wie du es geboten hast.
04] So aber jemand des Glaubens wegen Zeichen verlangt von dir, so laß es nicht geschehen, daß dem Verlanger ein Zeichen werde; denn wer die Wahrheit der Wahrheit wegen nicht erkennen will, und diese ihm nicht ein hinreichendes Zeichen ist, für den ist es besser, daß er bleibt in seiner Blindheit; denn wird er durch ein Zeichen zur Annahme der Wahrheit gezwungen und tut aber dann doch nicht nach der Lehre, so ist das Zeichen ein doppeltes Gericht für ihn. Fürs erste ist er durch das Zeichen gezwungen, die Wahrheit als Wahrheit anzunehmen - ob er sie in seiner Blindheit als solche erkennt oder nicht erkennt -, und fürs zweite muß er offenbar in ein tieferes Strafgericht in sich selbst zufolge der göttlichen Ordnung verfallen, wenn er nach der durch das Zeichen ihm aufgedrungenen Wahrheit nicht handelt, gleichviel ob er die Wahrheit als Wahrheit völlig erkennt oder nicht; denn das Gelingen des Zeichens hat ihm den bindenden Beweis geliefert. Und das ist schon genug; die Einsicht oder Nichteinsicht rechtfertigt da niemanden.
05] Denn so jemand zur Bestätigung der vernommenen Wahrheit ein Zeichen begehrt und sagt: >Ich sehe zwar den Grund der Wahrheit aus deiner Rede nicht ein, wenn mir aber nach der Diktion (Art), durch die mir solche und solche Lehre unterbreitet ist, ein Zeichen als tatsächlicher Beweis geliefert wird, so will ich solche Lehre als volle Wahrheit annehmen!< Nun, es wird dann dem Verlanger das Zeichen gegeben, und er kann nun nicht umhin, die Wahrheit der Lehre anzunehmen, ob er sie als solche bis auf den Grund erkennt oder nicht; denn nun steht das Zeichen als ein unbestreitbarer Bürge da.
06] Weil es aber seiner Blindheit nicht möglich ist, auf den Grund der Wahrheit zu kommen, und er nach seinen Begriffen durch die Befolgung der Wahrheitslehre in zu bedeutende, nie gewohnte Lebensunbequemlichkeiten gelangen könnte, so denkt er dann bei sich: >Es mag wohl was daran sein, denn sonst wäre das Zeichen nicht möglich gewesen; aber ich sehe den Grund dennoch nicht ein, und tue ich danach, so kostet mich das eine entsetzliche Selbstverleugnung. Darum tue ich es lieber nicht und bleibe bei meiner angewohnten Lebensweise, die zwar ohne außerordentliche Zeichen dasteht, aber dessenungeachtet ganz wohl schmeckt!<
07] Sieh, eben darin aber liegt dann auch schon das Strafgericht, das der Zeichenverlanger sich selbst bereitet hat durch das auf sein Verlangen geleistete Zeichen, das ihm den unumstößlichen Beweis geliefert hat, gegen den er keinen Gegenbeweis aufstellen kann; er aber in seiner verkehrten Lebensweise dann doch als ein Bekämpfer der ewigen Wahrheit auftritt und sie tatsächlich weidlichst verwirft, obschon er das unvertilgbare Zeichen, das ihm zur Steuer der Wahrheit geleistet ward, ewig nie als den Erfolg auf die ihm geoffenbarte Wahrheit als nie bestanden seiend aus dem Wege schaffen kann. Darum ist es sonach ums unvergleichbare besser, nie ein Zeichen zur Steuer der Wahrheit zu leisten!
08] Aber zum Nutzen und sonstigen Frommen der Menschen ohne irgendeine Aufforderung magst du im stillen Zeichen wirken, soviel du willst, und es wird das niemandem zur Sünde und noch weniger zu einem Gerichte gereichen. Hast du aber Zeichen zum Frommen der Menschen zum voraus geleistet, so magst du hintendrein den betreffenden Menschen wohl auch eine Lehre geben, so sie ein Verlangen danach tragen; tragen sie aber kein Verlangen, so gib ihnen bloß eine ernste Vermahnung vor der Sünde. Aber in eine weitere Belehrung laß dich nicht ein; denn da sehen dich die, denen geholfen ward, als einen magischen Arzt an, und das Zeichen hat für sie kein weiteres Zwangsgericht.
09] Alle aber, denen die Macht gegeben ward, im Notfalle Zeichen zu wirken, sollen diesen Meinen Rat treu befolgen, so sie wahrhaft Gutes wirken wollen.
10] Vor allem aber hüte sich ein jeder, in einer Art Aufwallung und Ärger ein Zeichen zu wirken! Denn ein jedes Zeichen kann und soll nur auf Grund der reinsten und wahrsten Liebe und Sanftmut gewirkt werden; wird es aber im Zorn und Ärger gewirkt, was wohl auch möglich ist, dann hat schon die Hölle ihren Anteil dabei, und ein solches Zeichen bringt dann nicht nur keinen Segen, sondern einen Fluch.
11] So Ich euch allen aber schon zu mehreren Malen die Lehre gegeben habe, daß ihr sogar die noch segnen sollet, die euch fluchen würden, um wieviel weniger soll von euch den Blinden im Geiste ein Fluch bereitet werden, die euch mit keinem Fluche entgegenkommen, sondern mit eitler Blindheit ihres Herzens nur!
12] Bedenket also solches wohl und handelt auch also, so werdet ihr allenthalben Segen verbreiten, wennschon nicht durchgängig geistig, so doch leiblich, wie auch Ich Selbst es getan habe und noch allzeit tue; denn oft wirket eine pur leibliche Wohltat bei einem Elenden mehr auf sein Herz und seinen Geist als hundert der besten Tugendlehren, und es ist daher auch ordnungsgemäß, bei der Ausbreitung des Evangeliums durch leibliche Wohltaten den Weg ins Herz der Elenden zu bahnen und dann erst den gesunden Gemütern das Evangelium zu predigen, als die Predigt vorangehen zu lassen und hinterher die elenden Anhörer durch ein Zeichen in ein offenbarstes Gericht, also - in ein noch größeres Elend zu stürzen, als da war ihr erstes, pur den Leib betreffend.
13] Wenn du zu einem Kranken gerufen wirst, so lege ihm vor der Predigt die Hände auf, daß es mit ihm besser werde; so er dich dann fragt und sagt: »Freund, wie war dir solches möglich?«, so erst sage: »Durch den lebendigen Glauben an den Namen Dessen, der von Gott gesandt ward vom Himmel zur wahrhaften Beseligung aller Menschen!« - Wird er dich dann weiter um den Namen fragen, so gib ihm dann auf Grund der Fähigkeit seiner Fassungskraft so viel einleitender Belehrung, daß er die Möglichkeit solch einer Erscheinung einzusehen beginnt.
14] Ist er soweit gekommen, dann gib ihm im gerechten Maße stets mehr und mehr kund. Findest du nach solchen Gesprächen, daß das Herz des Hörers stets reger und reger wird, so sage ihm endlich alles, und er wird es sicher annehmen und wird glauben jedem deiner Worte. Wenn du ihm aber auf einmal zu viel gibst, so wird es ihn erdrücken und verwirren seine Sinne, und du wirst dann mit ihm ein schweres Stück Arbeit haben.
15] Wie man aber den neugeborenen Kindern nicht sogleich gibt eines reifen Mannes Kost, die sie töten würde, also darf man um so weniger gleich anfänglich dem Geistkinde eine geistig männliche, sondern nur eine solchen Kindlein höchst angemessene geistige Kost geben, sonst werden sie getötet, und es ist dann überaus schwer, sie wieder zu beleben im Geiste. - Habt ihr alle solches nun wohl begriffen und verstanden?«
16] Sagen alle mit gerührtem Herzen: »Ja, Herr, solches ist uns nun so klar wie die Sonne am hellsten Mittage, und wir werden es getreuest beachten!«
17] Sage Ich: »Gut, so gehen wir nun zu der Höhle hin, in der die Pharisäer ihre Schätze verborgen hatten; denn es ist in der Höhle noch eine Höhle, und wir wollen sie durchsuchen. Nehmt aber Fackeln mit in rechter Menge und desgleichen Wein und Brot; wir werden dort Wesen antreffen, die sehr hungrig sein werden.«


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