Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 96

Einblick in die Schöpfungsgeheimnisse.

01] (Der Herr:) »Glaubet ja nicht, daß eine Welt, wie diese kleine Erde nur, von heute bis morgen erschaffen und auf einmal bevölkert werden kann! Dazu gehören für eure Begriffe undenkbar viele Myriaden von Erdjahren. Welch eine für euch undenkbar lange Zeit gehört allein dazu, bis eine Welt zur Erkeimung eines Menschen reif wird! Wie viele Pflanzen- und Tiergattungen müssen zuvor der Erde Boden durch ihre Gärung und Verwesung gedüngt haben, bis sich auf ihrem Boden und in ihrem Pflanzen- und Tierweltsmoder jener Humus gebildet hat, aus dem eine erste kräftige Seele ihren Leib nehmen und ihn also einrichten konnte nach der göttlichen Ordnung, daß er ihr dienlich werden mußte und fähig zur Fortzeugung der gleichen Nachkommen, auf daß die fertigen und freien, aber noch unbeleibten Seelen nicht mehr jahrhundertelang sich aus den Dünsten einen Leib zusammenzuziehen notwendig haben, sondern denselben auf einem viel kürzeren Wege in einem schon mit allem dazu Nötigen vollkommenst ausgerüsteten Mutterleibe erzeugen.
02] Sehet, zu allem dem gehört viel Zeit und viel Weisheit, viel Geduld und eine unendliche Kraft! Da aber weder ihr und noch weniger Ich je werden zu denken und Ideen zu fassen aufhören, so geht das Erschaffen auch ewig fort; denn leer denken kann Ich und könnet auch ihr nicht! Wie der Gedanke aber einmal als ein Etwas empfunden wird, so muß er als eine Form dastehen; steht er aber einmal als Form da, so ist er auch schon geistig umhäutet, steht als Gegenstand lichtaufnahmefähig vor uns, ansonst wir ihn nicht als ein geformtes Etwas wahrnehmen könnten. Solange sonach Ich aus Mir denken und Ideen fassen werde und ihr aus Mir, so lange wird auch das Erschaffen unmöglich aufhören. An Raum wird die Unendlichkeit ewig nie einen Mangel leiden und uns nie eine Untätigkeitslangweile belästigen.
03] Wo es aber viel zu tun gibt, da gibt es auch viele Bedienstungen, je nach den Graden der Dienstfähigkeit derer, denen ein Amt zugemessen wird. Wer sich viele Eigenschaften in Meiner Ordnung erworben hat, der wird auch über vieles gesetzt werden; wer sich aber nur sehr wenige Eigenschaften erworben hat, der wird auch nur über sehr weniges gesetzt werden. Wer sich hier aber gar keine Fähigkeiten erwerben wird, der wird sicher dort so lange in aller Nacht schmachten und darben müssen, bis er sich durch seine inneren, freien und selbständigen Bestrebungen insoweit befähigt hat, um in irgendeinen auch nur allergeringsten Dienst zu treten. Versieht er den geringsten Dienst gut, so wird er schon in einen bedeutenderen gesetzt werden; versieht er ihn aber nur schlecht, so wird er bald auch das verlieren, was er sich mit seinen wennschon geringsten Fähigkeiten ganz leicht hätte erwerben können.
04] a Wer da hat, dem wird noch mehr gegeben werden, daß er dann eine Fülle haben soll; b wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er schon hatte, und wieder wird Nacht, Finsternis, Hunger, Elend und allerlei Not sein Los sein so lange, bis er sich dazu bequemen wird, zuerst in sich selbst tätig zu werden, um dadurch zu irgendeiner weiteren Dienstfähigkeit zu gelangen. (a Matthäus.13,12; Markus.04,25; = Lukas.08,18Sprüche.09,09b Matthäus.25,28  .29;  ⇒ jl.ev01.191,06b*;  ⇒ jl.ev01.191,17 .19-24*;  jl.ev01.093,09jl.ev04.123,07 .14;  jl.ev06.013,18jl.ev11.311jl.gso1.005,05jl.gso2.018,11-12;  jl.him3.178;  Vaterbriefe.055; Vaterbriefe.012; Vaterbriefe.129))
05] Daher seid alle hier bestrebsam, und lasset euch nicht blenden von den Schätzen dieser Welt, die da vergehen werden wie die jetzige Materieform dieser ganzen dem Fleischauge sichtbaren Schöpfung; sammelt euch aber dafür desto mehr der geistigen Schätze, die für die ganze Ewigkeit dauern werden! Seid kluge Wirte und Haushälter im Hause eures Herzens; je mehr der Geistesschätze ihr durch allerlei gute Werke darin aufspeichern werdet, desto besser wird es euch drüben ergehen! Wer aber hier karget und filzet, der wird sich's dereinst nur selbst zuzuschreiben haben, wenn er seine Herzensvorratskammern nahezu völlig leer antreffen wird.
06] Hier ist's leicht sammeln; denn hier wird alles, was jemand tut im guten Willen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten, als barstes und reinstes Gold angenommen; jenseits aber wird er alles mit dem reinsten Golde der inneren und pursten Selbsttätigkeit aus sich selbst und in sich selbst erwerben und bezahlen müssen. Und das, Meine Freunde, geht in jenem Reiche etwas schwer, wo es keine äußeren Gold- und Silberbergwerke gibt!
07] Hier könnet ihr aus dem gemeinsten Straßenkote Gold machen und euch den Himmel dafür erkaufen, so euer Herz in aller Wahrheit beim Kaufe dabei war; jenseits werdet ihr nur aus dem Edelsten das Edle in euch selbst erzeugen können, und dies wird noch schwerer sein, als hier aus den gemeinsten Kieseln Gold zu machen. Wer aber durch seine edlen und guten Werke hier schon eine Masse und große Menge Goldes erzeugt hat, der wird jenseits keinen Mangel daran haben; denn aus einem Sandkorne dieses geistig edlen Metalles wird jenseits ein weltengroßer Klumpen, und das gibt schon einen großen Vorrat.«


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