Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 79

Von der Armut und der Nächstenliebe.

01] (Der Herr:) »Es gibt in der Welt eine große Menge der Gefahren für die Seele. Auf der einen Seite hast du die Armut; ihre Begriffe von Mein und Dein werden desto schwächer, je mehr ein Mensch von derselben gedrückt wird. a Darum lasset unter den Menschen die Armut nie zu groß werden, wollet ihr sicheren Weges wandeln! (aMatthäus.06,01-04; jl.ev07.158,03-05)
02] a Wer aber schon arm ist, der bitte die wohlhabenderen Brüder um eine nötige Gabe; stößt er an harte Herzen, so wende er sich zu Mir, und es soll ihm geholfen werden! Armut und Not entschuldigen den Diebstahl und den Raub nicht, und noch weniger den Totschlag eines Beraubten! Wer arm ist, der weiß nun, wohin er sich zu wenden hat. (a jl.ev06.227,16; jl.ev08.159,11-13)
03] Es ist zwar die Armut eine gar große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edlen Keim der Demut und wahren Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben; dennoch aber sollen die Reichen sie nicht mächtig werden lassen, ansonst sie sehr gefährdet werden hier und dereinst auch jenseits.
04] a Wenn ihr unter euch Arme habt, so sage Ich es euch allen: Ihr brauchet ihnen nicht zu geben, daß auch sie reich würden; aber Not sollet ihr sie nicht leiden lassen! b Die ihr sehet und kennet, denen helfet nach Recht und Billigkeit! Es wird aber noch gar viele geben auf dieser weiten Erde, die gar entsetzlich arm sind und eine übergroße Not leiden. Allein ihr kennet sie nicht und vernehmet auch nicht ihr Jammergeschrei; darum lege Ich sie euch auch nicht ans Herz, sondern die nur, die ihr kennet und die irgend zu euch kommen. (a Matthäus.06,01-04; jl.ev02.157,09 bWeitere Fundstellen über rechtes Almosengeben: jl.ev02.157,08jl.ev03.192,11-16;  jl.ev04.079,04-08;  jl.ev05.125,07-10;  jl.ev06.227,16jl.ev07.001,13-17;  jl.ev10.139,04jl.ev10.146,11
Negativ-Verhalten beim Almosengeben: jl.ev01.125,20-21;  jl.ev02.157,08jl.ev07.158,03jl.ev10.146,11
Weisheit beim Almosengeben: jl.ev02.157,09jl.ev04.079,04
Richtlinien für Bittende: jl.ev04.079,02-03*;  jl.ev06.227,16jl.ev08.159,11-13
Grenzen der Hilfsbereitschaft: jl.ev01.135,19jl.ev07.132,04)

05] Wer von euch ein Freund der Armen sein wird aus vollem Herzen, dem a werde auch Ich ein Freund und ein wahrer Bruder sein, zeitlich und ewig, und er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von einem andern Weisen zu erlernen, sondern Ich werde sie ihm geben in aller Fülle in sein Herz. Wer seinen nächsten armen Bruder lieben wird wie sich selbst und wird nicht hinausstoßen eine arme Schwester, welchen Stammes und welchen Alters sie auch sei, zu dem aber werde b Ich Selbst kommen allzeit und Mich ihm treulichst offenbaren. Seinem Geiste, der die Liebe ist, werde Ich's sagen, und dieser wird damit erfüllen die ganze Seele und ihren Mund. Was der dann reden oder schreiben wird, das wird von Mir geredet und geschrieben sein für alle Zeiten der Zeiten. (a Matthäus.06,04; Lukas.14,14jl.ev07.158,03*; b jl.ev01.125,22jl.ev03.192,11-16;  jl.ev04.079,05 .07;  jl.ev09.009,05jl.ev09.026,22jl.ev10.139,04jl.ev10.146,11; b Johannes14,21)
06] Des Hartherzigen Seele aber wird ergriffen werden von argen Geistern, und diese werden sie verderben und sie einer Tierseele gleichmachen, wie sie dann auch jenseits also offenbar werden wird.
07] a Gebet gerne und gebet reichlich; denn b wie ihr da austeilet, so wird es euch wieder zurückerteilt werden! Wer ein Hartherz besitzt, das wird von Meinem Gnadenlichte nicht durchbrochen werden, und in ihm wird wohnen die Finsternis und der Tod mit all seinen Schrecken! (a Matthäus.06,01-04; b Matthäus.06,04; Matthäus.16,27)
08] Aber ein sanftes und weiches Herz wird von Meinem Gnadenlichte, das gar zarter und übersanfter Wesenheit ist, gar bald und leicht durchbrochen werden, und Ich Selbst werde dann einziehen in ein solches Herz mit aller Fülle Meiner Liebe und Weisheit.
09] Solches möget ihr wohl glauben! Denn diese Worte, die Ich zu euch nun rede, sind Leben, Licht, Wahrheit und vollbrachte Tat, deren Realität ein jeder erfahren muß, der sich danach kehren wird.«


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