Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 104. Kapitel: Rede des Jüngers Andreas über die Werke und Worte Jesu.

   01] Das machte unsere Heidenpriester vor lauter Verwunderung über Verwunderung ganz stumm; denn sie merkten es jetzt erst ganz klar, wen sie in Mir vor sich hatten.
   02] Auch unser Wirt, der auch bei uns war, wurde, obschon er am Abend das große Heilungszeichen von Mir gewirkt sah und höchst bewunderte, auf dies Morgenzeichen erst ganz dahin überzeugt, daß Ich nicht wie irgendein großer Prophet erfüllt mit dem Geiste aus Gott, sondern ganz selbständig aus eigener Macht und Kraft handle und wirke und sagte darum denn auch zum Hauptmanne, der mit den Seinen selbst voll des höchsten Staunens dastand: »Hoher Gebieter, dieser Mann ist kein Mensch, der mit der Hilfe des einen, allein wahren Gottes der Juden solche nie erhörten Zeichen wirkt, sondern in Ihm wohnt die ganze, ewig endlose Fülle der Gottheit sichtbar vor uns körperlich! Denn Er sagte: "Ich will es!" und nicht: "Gott hat also zu Mir geredet, und dies und jenes, daß es geschehe und werde"!«
   03] Sagte der Hauptmann zum Wirte: »Freund, das weiß ich schon von Pella aus, dahin Er kam und auch also lehrte und große Zeichen wirkte wie hier; doch ein solches Zeichen wie dieses habe ich selbst noch nicht gesehen, obschon diesem ähnliche mehrere, die mir nur zu klar und zu laut sagten: "Siehe, das ist wundersamstermaßen der Herr Selbst!"
   04] Er sagt freilich wohl: "Ich bin vom Vater in diese Welt gesandt!", doch Er ist eben Derjenige, der Sich Selbst durch Seine Liebe zu uns Menschen in diese Welt gesandt hat, um uns fürderhin kein unsichtbarer und unbegreiflicher Gott und Vater, sondern ein wohl sichtbarer und begreiflicher zu sein, und daß wir in der Folge lebendig glauben können, daß eben Er ein allein wahrer Gott ist und es außer Ihm keinen andern Gott und Herrn gibt und geben kann.
   05] In Ihm wohnt das Ursein alles Seins, die Urkraft aller Kräfte, die Urmacht aller Mächte, das klarste Seiner-Selbst-Bewußtsein alles Bewußtseins aller Kreaturen in der ganzen ewigen Unendlichkeit, die erfüllt ist von Seinen Werken, und also wohnt in Ihm denn auch die höchste und nie erforschbare Weisheit. Und siehe, dieses alles glaube ich nicht nur, wie ein Mensch gewöhnlich irgendeine vernommene Wahrheit zu glauben pflegt, aber neben solchem Glauben mit seinem Verstande doch noch nachforscht und grübelt, ob die vernommene große Wahrheit wohl auch in allen ihren teilweisen Beziehungen völlig wahr sei, und wie man sich davon vollkommen überzeugen könne, sondern ich bin von all dem vollkommenst und lebendigst überzeugt und bin bereit, für solch meine vollste und lebendigste Überzeugung mein Leben hinzugeben!«
   06] Sagte der Wirt: »Hoher Gebieter, so tief wie du kann ich in dies hochheiligste Geheimnis noch nicht eingeweiht sein; aber ich glaube nun alles ungezweifelt, was du nun ausgesprochen hast, und hoffe, daß auch mir und meinem ganzen Hause von all dem die lebendigste Überzeugung werden wird! Darum alle Ehre und Liebe nun dem einen, sichtbaren Gott vor uns!«
   07] Ebenso wie der Hauptmann und der Wirt besprachen sich auch die Priester und auch die Jünger untereinander.
   08] Und ein Priester ging zu einem Jünger hin und befragte ihn, ob Ich solche Zeichen schon zu öfteren Malen gewirkt hätte.
   09] Sagte der Jünger: »Ziehe hin in alle Orte von ganz Galiläa, von Judäa, von Samaria und noch andern Ländern im Süden und Norden und von Osten nach Westen, und forsche, und man wird dir sagen und zeigen, was der Herr gewirkt hat!
   10] Zeichen, wie dieses hier, sind viele gewirkt worden, und es sind alle Länder, die wir mit Ihm durchwandert haben, voll von Seinen Taten und voll von Seiner Ehre; denn Er ist es, der Seinesgleichen nicht hat weder im Himmel noch auf Erden. Aber Er will es nicht, daß wir viel reden von den großen Zeichen, die Er zur Bekräftigung der Wahrheit Seiner euch nun schon in den Hauptteilen bekannten Lehre gewirkt hat. Denn die Zeichen werden veralten und mit der Zeit also vergehen, wie auf dieser Welt alles vergänglich und wandelbar ist, und so man nach vielen Jahren davon reden wird, so werden die Menschen es nicht glauben und nicht fassen; aber a Seine Worte werden nicht vergehen, sondern ewig als die Wahrheit aller Wahrheit bleiben in allen Himmeln und auf der ganzen Erde und in der großen Welt der Geister! (Matthäus.24,35*; Markus.13,31; = Lukas.21,33Matthäus.05,18Jesaja.51,06Psalter.102,26-27;  ⇒ jl.ev01.165,10*;  ⇒ jl.ev09.132,14*;  jl.ev10.110,05; 35-37: jl.ev09.094,17jl.him1.080,04; Vaterbriefe.267; Vaterbriefe.378)
   11] Er will demnach nur, daß dieses von Ihm aus den Himmeln in diese Welt gebrachte Lebenswort allen Menschen gepredigt werde und sie an Ihn den lebendigen Glauben überkommen durch das Handeln nach dem Worte.
   12] Werden die Menschen das, so werden sie durch Ihn schon also geweckt und gestärkt werden, daß sie in Seinem Namen selbst Zeichen wirken werden, wie auch wir schon in Seinem Namen gar manche Zeichen gewirkt haben, indem wir allerlei Kranken die Hände auflegten und sie darauf vollkommen gesund geworden sind. Euch selbst wird dieses Zeichen erst dann zum Nutzen werden, so ihr nach Seiner Lehre leben und handeln werdet.
   13] Es ist aber ein solches Zeichen wohl als ein übergroßes Wunder anzusehen, so die Menschen, die davon persönlich Zeugen waren, über die Wesenheit des Zeichenwirkers noch nicht hinlänglich im klaren waren; haben aber die Menschen den Zeichenwirker einmal in Seiner Wesenheit erkannt, dann ist das gewirkte Zeichen an und für sich kein Wunder mehr, denn sie sehen es ja ein, daß Gott, dem ewig Allmächtigen, kein Ding unmöglich ist.
   14] Was ist diese Erde denn anders als des Herrn Wort und Wille aus Seiner Liebe und Weisheit? Was sind der Mond, die Sonne und alle die zahllosen Sterne mit all dem, was sie tragen und fassen, indem sie - wie wir es genauest wissen - auch Weltkörper sind, und die meisten, die wir mit unseren Augen erschauen können, ums unvergleichbare größer denn diese Erde, die uns trägt und nährt?
   15] So es Gott dem Herrn von Ewigkeit aber sicher möglich ist, solche großen Werke auch nur durch Seinen Willen entweder augenblicklich oder nach Seiner Liebe und Weisheit in gewissen Zeitperioden ins Dasein zu rufen, so ist es Ihm ja auch ebenso leicht möglich, durch Sein Wort und Seinen Willen einen kleinen Fleck der kahlen Erde mit fettem Erdreich zu überdecken und dasselbe nach seiner Art also zu befruchten, wie es die Beschaffenheit des Landes erfordert nach der von Ihm festgestellten Ordnung.
   16] Wenn ihr sonst sehr verständigen und mit vielen Erfahrungen wohlversehenen Römer das ganz leicht einsehen und begreifen könnt, so werdet ihr es auch einsehen und begreifen, daß die nun vom Herrn gewirkten Zeichen nicht die Hauptsache für uns Menschen sind, sondern Sein Wort und Seine Lehre, die uns den Weg zum ewigen Leben zeigt. Das Wort aus dem Munde Gottes ist demnach für uns alles in allem, und wir werden sein und leben durch dasselbe ewig und dort sein, wo Er ist, und wirken durch Sein Wort und durch Seinen Willen in uns.«
   17] Als der Priester solches von dem Jünger vernommen hatte, da sagte er: »Freund, du bist in der rechten Weisheit aus Gott schon weit vorgedrungen, und mich nimmt es nun nicht wunder, daß ihr alten Jünger des Herrn euch nach dem gewirkten, unerhört großen Wunderzeichen um vieles gleichgültiger benommen habt als wir Heiden! Aber was du mir nun gesagt hast, werde ich eben also behalten, als hätte es mir der Herr Selbst gesagt, und ich danke dir für deine Freundschaft und Geduld.«
   18] Darauf ging der Priester wieder zu seinen Kollegen und besprach sich mit ihnen über das, was er von dem Jünger, der Andreas hieß, vernommen hatte.


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