Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 105. Kapitel: Ein wunderbares Morgenmahl.

   01] Es kam aber nun ein Bote aus der Stadt, um uns anzuzeigen, daß das Morgenmahl bereitet sei; er konnte aber vor lauter Staunen über die ganz verwandelte Gegend kaum zum Reden kommen. Ich aber sagte dem Wirte, warum dieser Mensch, ein auch von Mir geheilter Diener des Hauses, zu uns gekommen sei, und wir begaben uns darauf sogleich in die Stadt. Die Priester folgten uns auf dem Fuße nach in die Stadt, da sie die in ihnen zu Mir erwachte Liebe mit aller Gewalt an Mich zog.
   02] Als wir alle in das Haus des Wirtes kamen und uns auch sogleich zu Tische setzten, da sagte der eine Hauptpriester, als er Mich das Morgenmahl zu Mir nehmen sah, zu Mir: »O Herr, Du Allmächtiger und Höchstweiser! Das ist auch ein Wunder, daß Du eine irdische Kost zu Dir nehmen magst, da doch alles, was auf dieser Erde Nährstoff heißt, auch ein Werk Deines Wortes und Willens ist! Du könntest auch hier sagen: "Es werde der Tisch mit Speise und Trank aus den Himmeln in aller Reinheit besetzt!", und es würde geschehen, was Du wolltest! Denn siehe, unsere heidnische Kost ist vor den Augen eines streng mosaischen Juden unrein, und dennoch genießest Du samt Deinen Jüngern sie mit aller Lust!«
   03] Sagte Ich: »Siehe, für den Reinen ist alles rein, und so denn sicher auch für Mich! Wo Ich Menschen treffe, die voll guten Willens und dadurch auch schon zum größten Teil eines reinen Herzens sind, da ist auch ihre Kost rein; denn Ich Selbst reinige sie für alle, und es wird durch sie niemand verunreinigt.
   04] Weil du aber schon glaubst, daß Ich durch Mein Wort und Meinen Willen einen Tisch mit reiner Speise und reinem Trank aus den Himmeln decken und bestellen könnte, so setzet euch an den nächsten Tisch, und es soll geschehen nach deinem Glauben!
   05] So aber der Tisch mit Speise und Trank angefüllt sein wird, da esset und trinket ohne Furcht und Scheu; denn solche Speise und solch ein Trank wird euch stärken und sehr mutig machen im Kampf gegen den Fürsten der Nacht und der Lüge und des Tages vor Heiden und Juden!«
   06] Hierauf setzten sich alle die Priester an den bezeichneten Tisch, der im Augenblick mit dem feinsten Byssus bedeckt und mit dem erforderlichen Eßzeuge wohlversehen war. Aber die Schüsseln standen noch leer vor den erstaunten Gästen, und in den Kristallbechern blinkte noch kein Wein, und Ich sagte zu den Priestern: »Sehet, euer Tisch wäre nun schon bestellt mit der reinsten Speise und mit dem reinsten Wein aus den Himmeln, was ihr zwar mit euren Augen noch nicht sehet und (auch nicht mit der Zunge) schmecket; aber es ist alles dennoch schon da!
   07] Ich will aber nun, daß sich das Geistige umkleide mit der Materie, und ihr sehet nun schon allerlei Speise und den besten Wein, und so möget ihr nun davon essen und den Wein trinken!«
   08] Nun war es bei den Priestern völlig aus, und sie erschöpften sich vor lauter Lobpreisung und Ehrung Meines Namens.
   09] Darauf fingen sie an zu essen und konnten den Wohlgeschmack der Speisen, die alle nach römischer Art bereitet waren, nicht genug loben und fanden auch den Wein so überaus vortrefflich, daß sie alle bezeugten, einen solchen Wein noch niemals gekostet zu haben.
   10] Unser Wirt ward denn auch sehr begierig, von der wunderbaren Kost auf dem Tische der Priester etwas zu verkosten.
   11] Ich aber sagte zu ihm: »Freund, sei danach nicht lüstern; denn was du an unserem Tische genießest, hat einen und denselben Ursprung, den gleichen Geschmack und dieselbe Wirkung, - denn auch diese Speisen sind Mein Wort und Mein Wille.«
   12] Als der Wirt solches von Mir vernommen hatte, da stand er von seiner Neugier ab und war also ganz zufrieden.


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