Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 165


Jesus über den Fall der Urgeister (Urfall) und ihre Rückführung auf dem Weg durch die Materiestufen

01] Alles begibt sich nun in die Hütten und verzehrt das Mahl, und es ist nun wohl keiner, daß er da nicht guter Dinge, also heiter und fröhlich, wäre.
02] Nach dem Mahle sagt Kisjonah, daß er nun, so Ich damit einverstanden wäre, vor dem Abende noch einige besondere Punkte seiner Alpe besuchen, seinen Hirten den Lohn geben und bei solcher Gelegenheit auch sehen möchte, wie es mit seinen Schafherden stehe, und wieviel Wolle die Hirten schon gesammelt hätten.
03] Sage Ich: »Weißt du, morgen ist der Vorsabbat, den Ich noch auf diesen Bergen zubringen möchte; heute aber, da wir uns beim Mahle lange aufgehalten haben und der Tag nur noch ein paar Stunden dauern wird, wollen wir bloß so recht fröhlich hier beisammen verbleiben und uns über so manche recht wichtigen Dinge besprechen, und ihr sollt an diesem Abend noch so manches erleben; darum möchte Ich, daß wir heute hier beisammen verblieben!«
04] Sagt Kisjonah: »Herr, jeder Wunsch Deines Herzens ist mir ein heiligstes Gebot! Aber jetzt komme ich gleich zuerst mit einer Frage, und diese betrifft eben jene drei Männer, die vor ein paar Tagen von Morgen her in großem Glanze zu uns gekommen sind, mehr in der Luft schwebend als mit ihren Füßen die Triften der Berge berührend. Diese drei Männer sind nun gleichfort in unserer Gesellschaft, reden mit uns, essen und trinken mit uns, sind äußerst gefällig und dienstfertig und sehen nun, bis auf eine viel edlere Gestalt als die unsrige, gerade also aus wie wir.
05] Mir kommt es nun schon so vor, daß sie gleichfort bei uns verbleiben werden, was mir endlos lieb wäre. Ich habe sie ehedem umarmt und geküßt, und siehe, sie hatten Knochen und einen durchgehends festen, kräftigen Leib, so, daß ich mich darob hoch verwundern mußte!
06] Meine Frage geht also dahin, daß ich von Dir erfahren möchte, wie solches möglich ist. Früher waren sie pure Geister, und nun sind sie so gut körperliche Menschen, wie wir es sind; woher haben sie den Leib genommen? Und so diese sogleich den Leib bekommen haben und, wie sich's zeigt, einen viel vollkommeneren als wir, könnten denn nicht alle Menschen ebenso in diese Welt gesetzt werden, anstatt durch höchst mühsame Geburt?«
07] Sage Ich: »Fürs erste könntest du diese drei Engel nicht sehen und nicht als körperlich fühlen, so Ich dich nicht dazu für diese Zeit also eingerichtet hätte, daß nun deine Seele ganz offen mit ihrem Geiste vereint durch den Leib hindurch alles Geistige schauen kann und dasselbe so gut sieht und wahrnimmt, als wäre es Naturmäßiges und somit fest Körperliches; aber es ist und bleibt dennoch ganz Geistiges und hat nichts Körperliches in sich.
08] Jeder Mensch und jeder Geist aber sind dadurch groß verschieden, daß ein Geist, wie nun die drei Engel hier sind, von Uranbeginn seine Freiheit aus freiem Willen weise in Meiner Ordnung gebraucht und sich fortan ewig nie wider dieselbe versündigt hat. Ein großer Teil von für deine Begriffe zahllos vielen Geistern aber haben die Freiheit ihres Willens mißbraucht und sind dadurch ins angedrohte Gericht versunken; und aus solchen Geistern, aus denen eigentlich diese ganze Erde und alle zahllos vielen andern Welten, als Sonne, Mond und Sterne, bestehen, kommen nach einem in alle Natur unwandelbar gelegten Gesetze die Naturmenschen dieser Erde wie auch die Menschen aller andern Welten hervor, und zwar auf dem dir bekannten Wege der vorhergehenden Zeugung und nachherigen Geburt, und müssen also erst durch Erziehung und Unterricht zu Menschen und nach der Ablegung ihres Leibes zu reinen und vollends freien Geistern herangebildet werden.
09] Da also das Fleisch des Menschen hauptsächlich nur darum einem aus dem Gerichte gehobenen Geiste gegeben wird, daß er in selbem eine neue Freiheitsprobe wie in einer ganz eigenen Welt durchmache, so siehst du ja nun ganz leicht ein, daß den schon vollendeten Geistern der Leib aus Fleisch ganz unnötig wäre, indem das Fleisch nur ein Mittel, aber ewig kein Zweck ist und sein kann, da am Ende doch alles wieder rein geistig und nie mehr materiell zu werden hat.
10] Ich sage es dir: Diese Erde und dieser ganze eigentlich körperliche Himmel, als Sonnen, Monde und alle Welten, werden einst vergehen, so alle die in ihnen gerichtet gehaltenen Geister durch den Weg des Fleisches zu reinen Geistern geworden sind; aber die reinen Geister bleiben ewig und werden und können ewig nicht vergehen, so wie Ich und Mein Wort nicht. Sage Mir, ob du solches wohl begriffen und verstanden hast!«(Matthäus.24,35*; = Markus.13,31; = Lukas.21,33Matthäus.05,18Jesaja.51,06Psalter.102,26-27;  ⇒ jl.ev01.165,10*;  ⇒ jl.ev09.132,14*;  jl.ev10.104,10jl.ev10.110,05; 35-37: jl.ev09.094,17jl.him1.080,04; Vaterbriefe.267; Vaterbriefe.378)


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