Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 189. Kapitel: Ein geheilter Fischer beweist den Schiffern die Göttlichkeit Jesu.

   01] Sagte darauf der geheilte Fischer, der aus Cypern gebürtig war: »Obschon ich von der Geburt an ein Heide bin, so kenne ich aber Moses und die Propheten dennoch so gut wie du.
   02] Steht es nicht im Propheten Jesajas: a "Es ist eine Stimme des Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserem Gott!"? Und weiter heißt es: "Der Herr wird Seine Herde weiden wie ein Hirte; Er wird die Lämmer in Seine Arme sammeln und in Seinem Busen tragen und führen die Schafmütter." (a Matthäus.03,03; Johannes.01,23*; = Markus.01,03; = Lukas.03,04;  ⇒ jl.ev01.005,02-05*;  jl.ev07.079,04jl.ev09.189,02-05)
   03] Wir sind zwar in Joppe, aber wir haben dennoch aus dem Munde der zwei Jünger wohl erfahren, was sich alles um Jerusalem zugetragen hat.
   04] Die Stimme des Predigers in der Wüste war Johannes der Täufer, der Gott auf dem Gefilde eurer Blindheit eine ebene Bahn bereitete, aber dafür durch die Eifersucht der Templer, die den Herodes auf ihre Seite zu bringen verstanden, ins Gefängnis kam und bald darauf enthauptet wurde.
   05] Dieser Prediger in der Wüste erkannte in dem Heilande aus Nazareth den Herrn, und sein Zeugnis öffnete vielen die Augen. Warum blieben denn die Pharisäer blind und verstockten Herzens? Haben sie nicht auch Moses und die Propheten?
   06] Wenn der Prophet spricht: "Der Herr wird Seine Herde (uns Menschen nämlich) weiden wie ein Hirte" - und es geschieht das nun unzweifelhaft vor unsern Augen -, ist dieser Hirte, dessen persönliche Ankunft auf diese Erde doch alle Propheten, von Moses angefangen, treu und klar gerade für diese Zeit vorangekündigt haben, dann nicht einer und ganz derselbe Herr und Gott, der Moses auf Sinai die Gebote gab?
   07] So wir uns denn nun gläubigst gleich den Lämmern um Ihn scharen und Er uns mit aller Liebe Seines Gottherzens, gleich wie ein guter Hirte die Schafmütter, führt -was wir aus Seiner Lehre und aus Seinen Taten nur zu wohl und klar erkennen -, glauben wir da, so wir auch mehr Heiden als Juden sind, etwa an einen andern und fremden Gott als an Den nur, an den allein zu glauben Moses geboten hat? Und tun wir ein Unrecht, so wir Ihn für die uns erwiesene Gnade danken und Ihm allein die Ehre geben?
   08] Wahrlich, es gereicht euch zu keiner Ehre, so wir als gewesene Heiden das Licht, das zu euch gekommen ist, eher der vollen Wahrheit nach erkennen denn ihr als ein für solch ein Licht nach eurer Schrift erwähltes Volk!«
   09] Auf diese Rede des Fischers sagten die Schiffer nichts Weiteres mehr; denn sie erkannten, daß der Redner in der Schrift kundiger war denn sie, und wollten sich mit ihm in keinen Wortkampf einlassen. Zugleich aber fingen sie unter sich an zu denken und auch zu reden, daß der Fischer am Ende etwa doch recht haben könnte, und es wurden dabei einige gläubiger, als sie früher waren. Sie lösten darauf bald ihre Schiffe und fuhren nach Tiberias mit dem Versprechen zurück, die vierzig geheilten Joppeer in ein paar Tagen allhier abzuholen, so diese es wünschten.
   10] Diese (die Geheilten) aber sagten: »Wir danken euch nun für euren guten Willen; wir werden einen andern Weg in unsere Heimat nehmen!«
   11] Auf das fuhren die Schiffer vollends ab.


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