Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 200

Das Wesen Jesu.

   01] Hier ward das gläubige Volk wieder ungeduldig und sagte: »Herr, wir bitten Dich, schaffe diese blinden Narren von Dir; denn sie stören Dich und uns! Wenn sie nicht bald Ruhe geben, so werden wir mit Gewalt Ruhe schaffen; denn wir sind Deinetwegen hiergeblieben, wollen Dich hören und nicht diese dummen Finsterlinge. Denn da ist ja ein Kind in der Wiege gar oft schon vernünftiger als diese unsinnigen Narren!
   02] Wir alle, über zweitausend an der Zahl, sind völlig im klaren über Dich und Deine göttliche Sendung. Wir haben recht gut gemerkt, was Du damit anzeigtest, als Du sagtest: 'Ich bin nicht allein da, sondern der Vater ist allewege bei Mir!' Aber diese Dummen merkten es nicht und werden es ewig nicht merken, daß der Vater und Du ein und dasselbe seid, und daß, so Du sagst: 'Der Vater hat Mich gesandt!', Du damit nur andeuten willst für der Menschen schwachen Verstand, daß Du, Ewiger, Dir Selbst einen Leib geschaffen hast, um uns Würmern dieser Erde ein sichtbarer Gott, Lehrer und Tröster zu sein in unserer großen Not. Dein heiliger Leib ist Dein Sohn, und Du, Vater, bist in Dir vor uns argen Sündern und Würmern dieser Erde!
   03] Und diese Narren begreifen das nicht und wollen doch alle die Propheten verschluckt haben, die doch ausdrücklich genug die Zeit mit allen ihren Farben und Zuständen bestimmt haben, in der der Messias kommen wird. Und diese Zeit ist nun vollends da; warum soll denn der Verheißene unterwegs geblieben sein?
   04] Haben aber die großen, von Gottes Geist erfüllten Seher diese jetzige Zeit vor nahezu tausend Jahren so bestimmt, wie sie nun ist, anzeigen können, und ist diese Zeit nun auf ein Haar also gekommen, wie sie damals vorausbeschrieben ward, warum sollte der eben in dieser Zeit zu kommen verheißene Messias ausgeblieben sein?! Er ist aber auch nicht ausgeblieben, sondern Er ist da unter uns; wir haben Ihn bald und leicht erkannt!
   05] Aber diese blinden Nachkommen derer, die schon in der Wüste, am Fuße des Sinai, während Jehova auf dem Berge dem Moses unter Blitz und Donner die heiligen Gesetze gab, das goldene Kalb angebetet und Jehovas nicht geachtet haben - obschon Er ihnen ordentlich vor ihren Nasen laut Seine Gesetze verkündete -, sind nun im Angesichte Gottes noch dieselben Anbeter ihrer goldenen Kälber und sind bei aller ihrer unermeßlichen Dummheit dennoch keck genug, sich an Dir, o Herr, sogar zu vergreifen. O Herr, laß sie gehen, und lehre uns Dich besser und tiefer erkennen - und auch unsere großen Sünden, die wir sooft vor Dir begangen haben!«
   06a] Sagte Ich zum Volke: »Seid ruhig; denn Ich muß ja auch diesen sagen, wer Ich bin, auf daß sie sich dereinst nicht werden entschuldigen können, daß es ihnen nicht wäre gesagt und gezeigt worden!

  • joh.08,50] »Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet.«
       06b] Ich habe zu ihnen schon gesagt, daß Ich nicht Meine Ehre suche, und bei diesen Menschen wahrlich schon gar nicht, und daß da Einer ist, der sie sucht und richtet. Aber diese blinde und verschlagene Art wird das nimmer einsehen und begreifen, bis ihr die Axt an die Wurzel gelegt wird. (Johannes.08,50*)

  • joh.08,51] »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.«
       06c] Darum aber sage Ich zu ihr noch einmal: Wahrlich, wahrlich, so jemand Mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht sehen ewiglich!«(Johannes.08,51*; Johannes.06,40; Johannes.06,47)

  • joh.08,52] Da sprachen die Juden zu ihm: »Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: 'So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich.'«
       07a] Sagten die nun schon ganz blind ergrimmten Juden: »Nun erkennen wir erst recht, daß du den Teufel in dir hast! Wenn dein Wort so gut wie Gottes Wort ist, so war ja das auch Gottes Wort, das Abraham, Isaak und Jakob und alle die Propheten gehalten haben, und dabei sind dennoch alle gestorben! Ist denn dein Wort mehr göttlich als jenes der Väter und Propheten, daß du sagst: 'Wer Mein Wort halten wird, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich!'? (Johannes.08,52*)

  • joh.08,53] »Bist du mehr als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?«
       07b] Bist du denn mehr denn unser Vater Abraham, der gestorben ist, und die Propheten, die alle gestorben sind? Was machst du aus dir selbst? (Johannes.08,53*)

  • joh.08,54] Jesus antwortete: »So ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von dem ihr sprecht, er sei euer Gott;«
       08a] Sagte Ich: »So Ich Mich Selbst ehrete, da wäre Meine Ehre nichts; es ist aber Mein Vater, der Mich ehrt, von dem ihr sprecht, daß b Er euer Gott sei. (Johannes.08,54*; b jes.63,16)

  • joh.08,55] und ihr kennt ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort.«
       08b] Ihr kennet Ihn aber nicht; Ich aber kenne Ihn. Und wenn Ich sagen würde: 'Ich kenne ihn nicht!', da würde Ich wahrlich, gleichwie ihr, ein Lügner sein, die ihr saget, daß Er euer Vater ist! Ich kenne Ihn aber wahrlich und halte darum Sein Wort! (Johannes.08,55*; Johannes.07,28 f.)

  • joh.08,56] »Abraham, euer Vater, wurde froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sieht ihn und freut sich.«
       09] Ich sage euch aber noch etwas, woraus ihr ersehen möget, daß Mir euer Vater Abraham nicht unbekannt ist. Sehet, Abraham freute sich, daß er Meine Zeit auf dieser Erde sähe! Ihr saget aber, daß Abraham gestorben sei; Ich aber sage euch, daß er dennoch diese Meine Zeit von Meinem ersten Tage an stets gesehen hat und darob eine übergroße Freude empfand; er sieht Meine Zeit noch und freut sich!« (Johannes.08,56*)

  • joh.08,57] Da sprachen die Juden zu ihm: »Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?«
       10] Das war für die blinden Juden etwas zu unglaublich, und sie sagten mit weit aufgesperrtem Munde: »Was?! Du bist noch nicht fünfzig Jahre und hast Abraham gesehen?« (Johannes.08,57*)

  • joh.08,58] Jesus sprach zu ihnen: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Eher als Abraham wurde, war ich.«
       11] Sagte Ich: »Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Endlos eher als Abraham war Ich!« (Johannes.08,58*; Johannes.01,01 f.)

  • joh.08,59] Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend.
       12] Das machte der Juden Grimm platzen. Sie hatten keine Worte mehr, um ihre vollste Entrüstung auszudrücken. Sie bogen sich denn zu Boden und hoben die lockeren Steine auf, an denen es im Tempel keinen Mangel hatte, da man auf den Boden selten etwas verwendete, und wollten sie nach Mir werfen; aber Ich verbarg Mich schnell, ward völlig unsichtbar und ging aus dem Tempel, mitten durch sie hinstreichend. Die Jünger und Lazarus mit den Römern kamen Mir schnell nach, und wir begaben uns darauf schnell wieder auf unseren Ölberg. (Johannes.08,59*; Johannes.10,31)
       13] Aber im Tempel gab es nun einen seltenen Auftritt, der sich in den Festzeiten wohl kaum je einmal ereignet hatte. Das Volk fiel über die Juden her und fing an, sie derart zu würgen, daß Soldaten herbeigeholt werden mußten, um die Ruhe nur einigermaßen wieder herzustellen. Das Volk aber ließ sich kaum besänftigen und verlangte von den römischen Soldaten, alle die bösen und die Ruhe so gewaltig störenden Juden zu binden und sie den Gerichten zu überliefern, was denn - wenigstens pro forma - auch geschah. Dann erst gab sich das Volk wieder zufrieden.
       14] Es trat aber darauf ein Schriftgelehrter in die Mitte und wollte das Volk gegen Mich belehren; aber er hatte kaum zehn Worte geredet, so mußte er schon das Weite suchen.


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