Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 199

Jesus und Seine Gegner.

  • Johannes.08,30] Als er solches redete, glaubten viele an ihn.
       01] Als Ich solches voll Ernstes zu den Juden geredet hatte, da machten viele große Augen und sagten: »Wahrlich, der Mensch redet wie einer, der Gewalt hat, und es wagt sich niemand, ihn anzurühren oder ihm zu verbieten, also zu reden im Tempel! Wenn unsereiner das offen im Tempel wider die Pharisäer geredet hätte, so hätten sie ihn ja schon zehnmal gesteinigt, - und diesen lassen sie reden zu ihrem offenbarsten Nachteil und getrauen sich nicht mehr hervor. Das ist wahrlich etwas Übermenschliches, und wir wollen seinen Worten glauben!« (Johannes.08,30*)

    Wahre Freiheit durch Jesus; Abhängigkeit durch Sünde

  • Johannes.08,31] Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: »Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger
       02a] Sagte Ich darauf zu den Juden, die an Mich zu glauben anfingen: »So ihr bleiben werdet an Meiner Rede, so werdet ihr dadurch auch Meine rechten Jünger. (Johannes.08,31*; Johannes.15,07)

  • Johannes.08,32] und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«
       02b] Ihr werdet die darin liegende Wahrheit erkennen, und diese Wahrheit wird euch frei machen, wie Ich solches schon zuvor berührt habe.« (Johannes.08,32*)

  • Johannes.08,33] Da antworteten sie ihm: »Wir sind Abrahams Samen und sind nie jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: 'Ihr sollt frei werden?'«
       03] Darauf antwortete der ungläubigere Teil der Juden, sagend: »Wisse, wir sind Abrahams Samen und sind nie jemandes Knechte oder gar Sklaven gewesen! Wie sollen wir denn als freie Herren und Bürger noch freier werden?« (Johannes.08,33*; Matthäus.03,09)

  • Johannes.08,34] Jesus antwortete ihnen und sprach: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.«
       04a] Darauf sagte Ich zu ihnen: »Wahrlich, wahrlich sage Ich euch: Wer da Sünde tut, der ist auch der Sünde Knecht, wie Ich dessen schon zuvor erwähnt habe! Der Knecht ist aber kein Freier, da er stets den Gelüsten und Leidenschaften seines Fleisches gehorchen muß. (Johannes.08,34*)

  • Johannes.08,35] »Der Knecht aber bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.«
       04b] Der Knecht bleibt nicht ewig im Hause, sondern nur der Sohn. Knecht aber ist jeder Sünder, und das Haus ist das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und der Sohn ist die Wahrheit. (Johannes.08,35*)

  • Johannes.08,36] So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wahrhaft frei. a (a Römer.06,16; Römer.06,18; Römer.06,22
       04c] So euch aber nun Ich als der wahre Sohn des Reiches Gottes frei mache, so seid ihr denn auch wahrhaft und recht frei.« (a Johannes.08,36; Römer.06,16; Römer.06,18; Römer.06,22)
       05] Sagten die Ungläubigen abermals: »Vergiß nicht, daß wir Abrahams Samen sind und sind nie jemands Knechte gewesen! Was sprichst du denn immer, daß du uns frei machen wirst?«

    Abrahamskinder und Teufelskinder

  • Johannes.08,37] »Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Platz.«
       06a] Sagte Ich: »Oh, Ich weiß es wohl, daß ihr Nachkommen Abrahams seid, - Ich bin es dem Leibe nach aber auch! Aber obschon ihr saget, daß ihr als Samen Abrahams niemals jemandes Knechte gewesen seid, so waren es aber doch eure Väter in Ägypten und später in Babylon, und jetzt seid ihr Knechte Roms, - wenn ihr schon von dem äußeren Verhältnisse redet. Ich aber rede von dem inneren Lebensverhältnisse, und dem nach waret ihr allzeit Knechte eurer Leidenschaften und ließet euch von ihnen wie Besessene beherrschen. Daß es aber also ist, das beweist der Umstand, daß ihr Mich zu töten suchet, so wie das gleiche auch die Pharisäer allereifrigst zu tun trachten. Und das tut ihr darum, weil Meine Rede nicht unter euch fährt, ihr sie nicht fasset und Mich darum hasset, weil Ich die volle Wahrheit zu euch rede. (Johannes.08,37*)

  • Johannes.08,38] »Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt.«
       06b] Ich rede zu euch nur das, was Ich allzeit von Meinem Vater sehe und höre, und ihr achtet des nicht, sondern nur gleichfort dessen, was ihr auch von euren Vätern gesehen und gehört habt, das aber zu nichts nütze ist.« (Johannes.08,38*)

  • Johannes.08,39] Sie antworteten und sprachen zu ihm: »Abraham ist unser Vater.« Spricht Jesus zu ihnen: »Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke.«
       07] Als Ich ihnen solches unter die Nase gerieben hatte, da sagten sie abermals: »Vergiß nicht, daß Abraham unser Vater ist! Das hebt alle deine Beschuldigungen gegen uns auf. - Verstehst du das?« (Johannes.08,39*)
       08a] Sagte Ich: »Oh, gar wohl verstehe Ich euch! Oh, wäret ihr Abrahams Kinder, so würdet ihr auch Abrahams Werke tun! (Johannes.08,39*)

  • Johannes.08,40] »Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan.«
       08b] Nun aber sucht ihr Mich zu töten wie einen ärgsten Verbrecher, und das bloß darum, weil Ich euch die Wahrheit sage, die Ich von Gott allzeit gehört habe. Wahrlich, das hat Abraham den drei Jünglingen niemals tun wollen, weil sie ihm die Wahrheit gesagt haben. (Johannes.08,40*)

  • Johannes.08,41] »Ihr tut eures Vaters Werke.« Da sprachen sie zu ihm: »Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater: Gott.«
       08c] Ihr tut zwar wohl eures Vaters Werke, - aber nicht die des Vaters Abraham! Verstehet es!« (Johannes.08,41*)
       09] Da sagten die schon ganz ergrimmten ungläubigen Juden: »Freund, wir sind nicht unehelich geboren! Wir haben alle einen Vater, und der ist Gott Selbst!« (Johannes.08,41*)

  • Johannes.08,42] Jesus sprach zu ihnen: »Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt.«
       10a] Sagte Ich zu ihnen: »Oh, wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr Mich also, wie die Mich lieben, die Mich erkannt haben; denn Ich bin dem Geiste nach von Gott ausgegangen und komme von Gott. Denn wahrlich, Ich bin nicht etwa gleich einem Menschen von Mir Selbst gekommen, sondern Gott hat Mich gesandt, das heißt diesen Leib, durch den Er Sich Selbst euch nun offenbart, und welchen Leib ihr zu töten trachtet. (Johannes.08,42*)

  • Johannes.08,43] Warum kennt ihr denn meine Stimme nicht? a Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! (a 1. Korinther.02,14
       10b] Aus welchem Grunde aber könnet denn ihr Meine Stimme nicht hören, so ihr Gottes Kinder seid?« (Johannes.08,43*)
       11] Sagten die Juden: »Hören wir dich etwa nicht?«
       12] Sagte Ich: »O ja, ihr höret Mich wohl sicher mit euren Fleischesohren, - aber Ich frage euch nur, warum euch der Sinn Meiner Worte nicht behagt. Warum behagt er denn gar vielen anderen, sogar den Römern dort, die sich um den Gotteskasten aufgestellt haben?« (Johannes.08,43*; 1. Korinther.02,14)
       13] Da schwiegen sie und wußten nicht, was sie Mir darauf hätten antworten sollen; denn sie fürchteten das Volk und getrauten sich mit ihrer Antwort nicht laut zu werden, die natürlich eine sehr grobe und beleidigende gewesen wäre.
       14] Das Volk aber rief zu Mir: »Herr und Meister, siehe doch, daß Du diese reichen Finsterlinge loswirst; denn wir möchten nur von Dir heilsame Lichtworte vernehmen, nicht aber dieser Blinden stete und allerdümmste Gegenreden. Sage es ihnen einmal klar und rund heraus, was und wer sie sind, auf daß sie dann gehen!«
       15] Sagte Ich: »Nur Geduld! Ich habe es ihnen schon gesagt, daß sie keine Gotteskinder sind, und das sollte ihnen ja doch genügen!«
       16] Sagten die Juden ganz erbittert: »Wie kannst du sagen, daß wir keine Gotteskinder sind?!«

  • Johannes.08,44] Ihr a seid von dem Vater der Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist b ein Mörder von Anfang an und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater der Lügen. (a 1. Johannes.03,08-10; b 1. Mose.03,04; jl.Ev10.163,19-20)
       17] Sagte Ich denn auch vollernstlichen Angesichtes: »Ich habe euch den Grund klar und wahr gezeigt. Was fragt ihr Mich da noch weiter?! Ja, Ich will euch denn auch weiter sagen, was ihr seid, dieweil ihr Mich weiter gefragt habt! Wisset, wessen Kinder ihr seid: Ihr seid Kinder von dem Vater der Teufel! Der war ein b Mörder von Anfang an und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit war niemals in ihm (in der Materie). Wenn dieser Geist, der euer Vater ist, die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er war allzeit ein Lügner und ein Vater der Lügen.« (Johannes.08,44*; 1. Johannes.03,08-10; 1. Mose.03,04; jl.Ev10.163,19-20)
       18] Sagten die ganz ergrimmten Juden: »Wer berechtigt dich dazu, solches vor allem Volke von uns zu reden? Warum sind wir Kinder des Satans?«

  • Johannes.08,45] »Weil ich aber die Wahrheit rede, glaubt ihr mir nicht.«
       19] Sagte Ich: a »Weil Ich die Wahrheit zu euch rede und ihr Mir nicht glaubet!« (Johannes.08,45*)
       20] Sagten die Juden: »Warum sollen denn wir dir glauben?«
       21] Sagte Ich: »Auf daß ihr nicht sterbet in euren Sünden und selig werden möchtet!«
       22] Sagten die Juden: »Du bist auch ein Mensch wie wir; warum soll uns gerade dein Wort selig machen?«

    Pharisäervorwurf, Jesus sei besessen; Steinigungsversuch

  • Johannes.08,46] Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? (a 2. Korinther.05,21; 1. Petrus.02,22; 1. Johannes.03,05; Hebräer.04,15)
       23a] Sagte Ich: »Jawohl, Ich bin nun auch nur ein Mensch, - aber ein Mensch, der da sagen kann: 'Welcher unter euch kann Mich einer Sünde zeihen?!' So Ich aber als ein vor Gott und allen Menschen sündenfreier Mensch die Wahrheit sage, warum glaubet ihr Mir denn nicht? (Johannes.08,46*; 2. Korinther.05,21; 1. Petrus.02,22; 1. Johannes.03,05; Hebräer.04,15)

  • Johannes.08,47] »Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.«
       23b] Wer aus Gott ist, der hört auch gerne Gottes Wort. Und ihr wollet nun aber eben Mein Wort, das Gottes Wort ist, nicht hören, weil ihr nicht aus Gott seid!« (Johannes.08,47*; Johannes.18,37)

  • Johannes.08,48] Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: »Sagen wir nicht mit Recht, daß du ein Samariter bist und den Teufel in dir hast?«
       24] Sagten die Juden, schon ganz dumm vor lauter Grimm: »Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und den b Teufel in dir hast anstatt des Geistes Gottes?« (Johannes.08,48*; b Johannes.07,20)

  • Johannes.08,49] Jesus antwortete: »Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, aber ihr verunehrt mich.«
       25] Sagte Ich: »Ich bin kein Samariter und habe noch weniger einen Teufel, wie solches Tausende von Mir bezeugen können, sondern Ich ehre allzeit wahrhaft Gott, Meinen Vater. Warum verunehret ihr Mich? Warum verunehren Mich denn so viele andere nicht, die Mich und den Vater wohl erkannt haben?« (Johannes.08,49*)


    Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers