Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 101

Jesus kommt auf dem Wasser zu den Jüngern im Boot. Glaubensprobe des Petrus. Der zweifelnde Petrus versinkt im Wasser. Jesus rettet ihn und legt den Wind bei.

  • Matthäus.14,25] a Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. (a = Markus.06,48; jl.ev02.101,01*)
    01] a Es ist aber bei solcher Gelegenheit um die Zeit der vierten Nachtwache geworden. Da legte sich der Wind ein wenig, und der scharfäugige Andreas sah nach allen Richtungen hin über die noch stark bewegte Meeresfläche und erblickte einen Menschen auf den Meereswogen ganz wie auf dem trockenen Lande einherwandeln. (a Matthäus.14,25*; =Markus.06,48)

  • Matthäus.14,26] a Und als ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: b »Es ist ein Gespenst!« und schrien vor Furcht. (a = Markus.06,49; b Lukas.24,37; jl.ev02.101,02-03*)
    02] a Da berief Andreas die Brüder, machte sie auf die über den Meereswogen wandelnde Gestalt aufmerksam und sagte: »Brüder, das ist kein gutes Zeichen, es ist b ein Seegespenst! Wenn solche Wesen sich sehen lassen, da haben die Schiffer nichts Gutes zu erwarten!« (a Matthäus.14,26*; =Markus.06,49; b Lukas.24,37)
    03] In die Meinung des Andreas stimmten bald alle ein, gerieten darauf in große Furcht und fingen an zu schreien: »O Jesus, warum hast Du uns verlassen, daß wir nun alle unrettbar werden zugrunde gehen müssen!? Oh, wenn Du noch irgendwo bist, so gedenke unser und errette uns vor dem sicheren Untergange!« (a Matthäus.14,26*; =Markus.06,49)

  • Matthäus.14,27] a Aber alsbald redete Jesus mit ihnen und sprach: »Seid getrost, ich bin es; fürchtet euch nicht!« (a = Markus.06,50; jl.ev02.101,04*)
    04] Während die Jünger noch so schrien und um Hilfe riefen, kam Ich auf zehn Schritte dem Schiffe nahe und a redete die vor Furcht Bebenden also an: »Seid getröstet. Ich bin es ja! Fürchtet euch darum nicht!« - Da wurden die Jünger still. (a Matthäus.14,27*; =Markus.06,50)
    05] Andreas sagte: »Beim Himmel, es ist Jesus, unser Herr und Meister!«

  • Matthäus.14,28*] a Petrus aber antwortete ihm und sprach: »Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.« (a jl.ev02.101,06-09*)
    06] Petrus aber zweifelte noch ein wenig und sagte: »Wenn Er es ist, so muß Er mich aufs Meer steigen lassen, auf daß auch ich wie Er auf dem Wasser für meine Füße eine feste Unterlage erprobe!«
    07] Sagt Andreas: »Wirst du wohl auch den Mut haben, so Er dich beriefe, zu Ihm aufs bewegte Meer hinauszutreten?«
    08] Sagt Petrus: »Allerdings! Ich weiß es wohl, daß das Meer hier am tiefsten ist; ist Er es, so wird mir nichts zuleide geschehen, - ist Er es aber nicht, sondern ein uns äffendes Gespenst, so sind wir ohnehin verloren. Ich gehe da nur einige Augenblicke vor euch hinab in den tiefen Grund und werde für euch alle eine Wohnung bestellen!«
    09] a Darauf ging Petrus in die niederste Mitte des Schiffes und schrie hinaus zu Mir: »Herr, so Du es bist, da heiße mich auf dem Wasser zu Dir hinauskommen!« (a Matthäus.14,28*)

  • Matthäus.14,29*] a Und er sprach: »Komm her!« Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser um zu Jesus zu kommen. (a jl.ev02.101,10-12a*)
    10] a Da sagte Ich zu ihm: »Komm heraus und überzeuge dich!« (a mt.14,29*)
    11] a Da trat Petrus unter dem Angstgeschrei der Brüder aus dem Schiff aufs Wasser. Als die Brüder aber sahen, daß Petrus nicht unterging, sondern ganz so wie Ich auf dem Wasser dahinging, da wich aller Zweifel von ihnen, und ein jeder glaubte, daß Ich es war. (a Matthäus.14,29*)
    12a] Petrus aber eilte, daß er zu Mir käme.

    • mt.14,30*] a Er aber sah einen starken Wind. Da erschrak er und begann zu sinken, schrie und sprach: »Herr, hilf mir!« (a jl.ev02.101,12b)
    12b] a Als er aber kaum noch sieben kleine Schritte von Mir entfernt war, da sah er starken Wind kommen, der hohe Wellen vor sich hertrieb. Er erschrak darum heftig, fing an, daran zu denken, wie ihn die hohen Wellen etwa doch mit sich reißen möchten, verlor dabei ein wenig nur den starken Glauben und bemerkte, daß er mit den Füßen schon über die Knie zu sinken begann. Da fing er an, gar jämmerlich zu schreien: »Herr, hilf mir!« (a Matthäus.14,30*)

    • mt.14,31*] a Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: »O du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« (a jl.ev02.101,13-15)
    13] a Ich aber trat schnell zu ihm hin, streckte Meine Hand nach ihm aus, zog ihn heraus und setzte ihn wieder auf des Wassers Oberfläche, die ihn nun wieder trug wie zuvor, - sagte aber darauf zu ihm: »Du Kleingläubiger! Warum zweifelst du? Wißt du denn noch nicht, daß der ungezweifelte (zweifelsfreie) Glaube allein ein Meister aller Elemente ist?« (a Matthäus.14,31*)
    14] Petrus aber sprach: »Herr, vergib es mir! Denn Du siehst es ja, daß ich noch immer nur ein schwacher Mensch bin. Der Wind und die gegen uns ziehenden Wogen haben mich also erschreckt!«
    15] Sagte Ich: »Nun ist schon wieder alles gut! Wir stehen nun am Schiffe, und so steigen wir in dasselbe!«

  • Matthäus.14,32] a Und sie traten in das Schiff, und der Wind legte sich. (a = Markus.06,51; jl.ev02.101,16*)
    16] a Darauf stiegen wir denn auch ins Schiff, und der Sturm hatte sich im selben Augenblick gelegt. (a Matthäus.14,32* = Markus.06,51)

  • Matthäus.14,33] Die aber im Schiff waren, kamen und fielen vor ihm nieder und sprachen: a »Du bist wahrlich Gottes Sohn!« (a Matthäus.16,16; Joh.01,49; jl.ev02.101,17*)
    17] a Alle aber, die Jünger und die Schiffsknechte, eilten zu Mir, priesen Mich und sagten einstimmig: b »Nun erst erkennen wir, daß Du wahrhaftig Gottes Sohn bist!« (a Matthäus.14,33*; bMatthäus.16,16; Joh.01,49)
    18] Und Mein Johannes umfaßte und herzte Mich aus allen seinen Kräften und sprach: »O Du mein Jesus Du, daß wir nur Dich wieder haben! Jetzt ist alle unsere Furcht dahin! Aber nur Du verlaß uns nimmer; denn es ist gar zu entsetzlich schrecklich, ohne Dich zu sein! Wahrlich, an diese nächtliche Meeresfahrt werde ich denken mein Leben lang! Denn so viel Angst und Schrecken habe ich noch nie ausgestanden! Jetzt kann der Sturm sich um uns her lustig machen, wie er will; denn nun haben wir seinen Meister in unserer Mitte, der ihm zu schweigen gebieten kann, und das Ungetüm muß gehorchen der Stimme des Allmächtigen!«
    18], daß wir nur Dich wieder haben! Jetzt ist alle unsere Furcht dahin! Aber nur Du verlaß uns nimmer; denn es ist gar zu entsetzlich schrecklich, ohne Dich zu sein! Wahrlich, an diese nächtliche Meeresfahrt werde ich denken mein Leben lang! Denn so viel Angst und Schrecken habe ich noch nie ausgestanden! Jetzt kann der Sturm sich um uns her lustig machen, wie er will; denn nun haben wir seinen Meister in unserer Mitte, der ihm zu schweigen gebieten kann, und das Ungetüm muß gehorchen der Stimme des Allmächtigen!«


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