Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 119


Scharfe Rede Jesu gegen falsches Priestertum. Mächtiger Beifall des Volkes. Jesus entzieht Sich der Menge.

01] Sagt ein Schriftgelehrter: »Freund, du wagst viel, daß du uns sagst solche Dinge, auf deren Verrat vom Tempel aus der Tod gesetzt ist! Dein Glück aber ist, daß du unserem Obersten eine so große Tat erwiesen hast, sonst möchte es dir nicht am besten ergehen; denn wir sind an den Tempel durch einen mächtigen Schwur gebunden!«
02] Sage Ich: »Den ihr brechen könnt, wann ihr wollt; denn Gott habt ihr den a Schwur nicht geleistet, sondern dem Tempel, der von Menschenhänden gemacht ist, und in dem Gott nicht mehr wohnt! (a Matthäus.05,34; Matthäus.23,16; jl.him1.024)
03] Wo aber Gott nicht wohnt, da wohnt der alte Fürst der Lüge und alles Bösen, und diesem Fürsten und nunmaligen Herrn des Tempels könnt ihr ohne Scheu den a Schwur brechen! (a Matthäus.05,34; Matthäus.23,16; jl.him1.024)
04] So ihr möchtet dem Tempel euren nichtigsten a Schwur brechen, so würdet ihr Gott dem Herrn wohlgefallen, und Er würde euch geben, was Er vom Anfange der Welt Mir gegeben hat, das ihr nun anstaunet und nicht begreifet, wie Ich Werke verrichte, die eurer eigenen Aussage zufolge nur Gott allein möglich sind! Fürchtet ihr aber den Tempel mehr denn Gott, den ihr nicht kennt, dann bleibet ihr gleichwohl am Tempel hängen und seid darum vor Gott ein Greuel! (a Matthäus.05,34; Matthäus.23,16; jl.him1.024)
05] Glaubet ihr aber das nicht Meinen schlichten Worten, so glaubt Mir doch um der Werke willen, die Ich vor euch verrichte zu eurem Wohle, und von denen ihr selbst saget, daß sie nur Gott allein möglich seien!«
06] Sagt der Schriftgelehrte: »Wie kannst du Gott besser kennen denn wir, da du doch die Schrift nicht gelernt hast?!«
07] Sage Ich: »Den toten Buchstaben kennet ihr wohl; aber darin ist Gott nicht, und so könnet ihr aus der Schrift auch Gott nicht erkennen! Denn die Schrift zeigt euch nur den Weg zu Gott, und das nur dann, so ihr unabweichbar auf diesem Wege wandelt.
08] Was nützt es euch, so ihr auch den Weg nach Rom kennet, denselben aber nie betretet, um nach Rom zu kommen und dort zu schauen des Königs große Stadt?! Welcher des Weges nach Rom Kundige aber kann sagen, daß er Rom kenne darob, weil ihm der Weg dahin bekannt ist, den er aber noch nie eine Spanne lang und weit betreten hat?! Was nützt euch in gleicher Weise die Kenntnis der Schrift, die da ist ein Weg zu Gott, so ihr noch nie einen Schritt darauf gemacht habt?!
09] Ich aber kenne gleich wie ihr dennoch die ganze Schrift und habe allzeit nach den in ihr enthaltenen Gesetzen Gottes gehandelt, bin dadurch in der vollsten Bekanntschaft Gottes und kann euch darum auch aus der ersten Urquelle heraus sagen, daß aus euch und euresgleichen noch nie jemand Gott erkannt hat und auf euren bösen Wegen auch nie erkennen wird; denn ihr seid allzumal Gottesleugner!
10] Ihr selbst wollet nicht Gott erkennen; denen aber, die noch den rechten Weg wandeln möchten, verdammet ihr den Weg mit Tod und Verderben! Darum aber werdet ihr dereinst im andern Leben auch desto mehr Verdammnis überkommen! Denn alle, die ihr verfolgt habt und nun noch in einem fort verfolget, werden eure ewigen Richter sein!«
11] Als Ich solches den Pharisäern und Schriftgelehrten verkündet habe, entsteht im Volke ein mächtiger Beifallsruf, und es will Hand an die Pharisäer und Schriftgelehrten legen. Ich aber verhindere solches und begehe Mich durch das kleine Seetor mit den Jüngern und all den Pharisäern und Schriftgelehrten hinaus ans Meer. Und da hier mehrere Schiffe in Bereitschaft stehen, so werden sie sogleich bestiegen, und wir fahren bei einem mäßigen, brauchbaren Winde schnell vom Ufer, daß uns das große Volksgemenge nicht erreichen konnte.


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