Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 106. Kapitel: Jesus über die Überwindung des Heidentums.

   01] Als wir und also auch die römischen Priester uns mit dem Morgenmahle zur Genüge gestärkt hatten, da dankten Mir die Priester laut für dies wunderbare Mahl und sagten darauf: »O Du allmächtiger Herr und allein wahrer Gott, wir alle glauben nun ungezweifelt an Dich und haben auch den allerfestesten Willen gefaßt, die andern Heiden zu solchem Glauben zu bekehren; aber wir sehen es auch ein, daß das keine leichte Arbeit sein wird, weil besonders das gemeine Volk noch sehr an den heidnischen Göttern hängt und ihre Bildnisse anbetet und verehrt.
   02] Es wird hier in dieser Stadt wohl nicht leichtlich ein Haus sich vorfinden, das da nicht voll gefüllt wäre mit den Hauslaren (Hausschutzgeister), und tausend andern Ganz- und Halbgöttern, zu denen teilweise auch die Hauslaren gehören, so sie als Namenspatrone einer oder der andern Familie angehören und als solche denn auch verehrt werden.
   03] Nun, alle diese Bilder des finsteren Heidentums auf einmal durch unsere Reden und Lehren über Dich hinwegzuschaffen, wird uns wohl sauer werden. Dir, o Herr, Herr, aber wäre das ein leichtestes, denn Du darfst ja nur wollen und in der ganzen Stadt sind alle die nichtigen Götterbilder, aus welchem Stoffe sie auch angefertigt bestehen, mit einem Mal nicht mehr vorhanden, und wir hätten also eine leichtere Arbeit, das Volk auf den rechten Licht- und Lebensweg zu bringen.«
   04] Sagte Ich: »Das könnte Ich wohl allerdings tun, aber dadurch würde eure Arbeit für Mich und Mein Reich auf dieser Erde nicht erleichtert, sondern nur sehr erschwert werden; denn ein ganz verstocktes und über alle Maßen verfinstertes Gemüt und der freie Wille der Menschen läßt sich durch neue Zeichen und Wunderwerke nicht so leicht brechen, wie ihr es meinet. Denn so Meine Zeichen, die Ich zu Jerusalem gewirkt habe, das vermöchten, da wären alle Pharisäer und Schriftgelehrten samt dem Hohenpriester schon bei Mir und wären Meine Jünger; aber sie sind zu verfinstert und verstockt und hassen und verfolgen Mich allwegs als einen Volksaufwiegler und -verführer.
   05] Ich könnte auch den Tempel und ihr Trugzeug in einem Augenblick zunichte machen; doch das würde die Finstern und Verstockten nicht im geringsten bessern, sondern sie noch hartnäckiger in ihrer großen Bosheit machen. Und so denn lasse Ich den Tempel noch eine Zeitlang stehen und dahin kommen den Stolz und die Herrschsucht seiner Einwohner und seiner Verehrer, daß sie sich setzen werden wider Rom, und das wird das Ende Jerusalems, seines Tempels und seiner Einwohner sein.
   06] Also lasset auch ihr bei den sonst gutmütigen Bewohnern dieser Stadt und ihrer Umgegend das Alte so lange bestehen, bis sie selbst durch euer Licht aus Mir dahin erleuchtet werden, das Nichtige ihrer Götzenbilder einzusehen, und die Erleuchteten werden dann schon selbst zu der Vernichtung all der alten Trugwerke euch ihre Hände leihen. Denn es genügt vorderhand, daß das Götzentum in den Gemütern der Menschen zerstört und vernichtet wird; ist das bewerkstelligt, so ergibt sich alles andere schon von selbst.
   07] Doch vorher mit der Vernichtung der alten Glaubensmonumente beginnen und dann erst mit dem neuen Lichte die höchst betroffenen und erschütterten Gemüter und Herzen aufhellen zu wollen, wäre dem gleich, der sein altes Haus völlig abreißen und zerstören ließe, ehe er für sich einen Plan machte, wie das neue Haus aussehen solle.
   08] Wo wird er unterdessen wohnen, bis das neue Haus fertig ist? Hat er aber das neue Haus erbaut, so wird er dann ein leichtes haben, das alte niederzureißen und es aus dem Dasein zu schaffen.
   09] So Ich nun in einem Moment durch die Macht Meines Wortes und Willens alle eure Götzenbilder zerstörte, so würde das noch an diesem Tage einen Volksaufstand unvermeidbar hervorrufen, den ihr schwer dämpfen würdet, wenn ihr auch noch so laut und so scharf vom großen Zorn der beleidigten Götter in allen Gassen und Straßen zu predigen anfinget; denn das Volk würde endlich ganz erbost zu fragen anfangen, wodurch es sich bei seiner immerwährend gleichen Opferwilligkeit und Tugend bei den Göttern also versündigt habe, daß diese sogar ihre Abbilder, die es stets in hohen Ehren hielt, von ihm genommen haben.
   10] Am Ende würde das Volk euch eurer ihm wohlbekannten Habsucht bezichtigen, und die Menschen würden sagen: "Höret, ihr Priester, das haben nicht die Götter, sondern das habt ihr getan! Schaffet uns die Götter her, oder ihr werdet zur Beute unseres gerechten Zorns!"
   11] Und sehet, unter solchen Verhältnissen würdet ihr Meine Lehre und den Glauben an Mich unter den Heiden schwer ausbreiten können!
   12] Darum bauet zuvor ein neues Haus für sie, und sie werden euch dann selbst helfen, das alte völlig zu zerstören; was aber die Götzen in euren Wohnungen betrifft, die zumeist aus edlen Metallen, wie Gold und Silber, angefertigt sind, die schmelzet zusammen, verkaufet das Metall, und verteilet das Geld unter die Armen, die euch dann sicher nicht verachten werden.
   13] Mein Reich, das Ich nun auf dieser Erde gründe, ist ein Reich des Friedens und nicht ein Reich der Zwietracht, der Verfolgung und des Krieges; und so sollet ihr es auch im Frieden unter den Menschen ausbreiten und euch dabei keines Schwertes bedienen!
   14] Wenn aber diese Meine Lehre einmal durchs Schwert unter die Völker ausgebreitet zu werden begonnen wird, dann wird es bald sehr elend auf dieser Erde aussehen. Das Blut wird in Strömen fließen, und alle Meere werden eine traurige Färbung annehmen. Darum seid ihr alle nun friedsame Arbeiter in Meinem Namen, und vermeidet allen Zank und Hader! Wirket allein durch Meine Liebe in euren Herzen; denn in der Liebe liegt die größte Kraft und Macht verborgen!
   15] Denket, daß euer Heidentum zwar wohl ein alter, morscher und lebloser Baum ist, - aber er hat dennoch so viele noch feste Holzteile und nahezu versteinerte Wurzeln, daß er sich mit einem Axthieb nicht sogleich fällen läßt; doch mit der Zeit, rechten Klugheit, Geduld und Ausharrung wird er den vielen Axthieben dennoch weichen müssen. Die scharfe Axt, die Ich euch nun gebe, aber heißt Wahrheit; dieser wird am Ende dennoch jeder auch so finstere und harte Widerstand weichen müssen.
   16] Also ist da Mein Wille; diesem nach handelt, und ihr werdet für Mein Reich goldene Früchte ernten durch Meine Liebe in euch!«


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