Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 77. Kapitel: Im Freien nach dem Sturm.

   01] Als wir am Morgen vollkommen gestärkt erwachten und die Jünger sahen, daß wir einmal an einem ganz trüben Morgen erwacht waren, da fragten sie Mich, ob Ich auch diesen Morgen im Freien zubringen werde.
   02] Ich aber sagte: »Wir haben doch schon zu öfteren Malen ebenso trübe Morgen und trübe Tage durchgemacht, und Ich bin dennoch ins Freie gegangen mit euch; also können wir auch diesen Morgen auf eine Stunde im Freien zubringen. Ich will für die allen Glaubens baren Heiden eben durch diesen Trübmorgen ein Zeichen wirken, auf daß sie dadurch leichter zum Glauben an einen, allein wahren Gott bekehrt werden mögen, und so werden wir uns nun denn wohl auch an diesem Morgen ins Freie begeben. Wer von euch aber im Hause verbleiben will, der bleibe!«
   03] Da sagten alle: »Herr, wir lassen nicht ab von Dir; wir gehen, dahin Da gehst, und wollen stets um Dich sein!«
   04] Sagte Ich: »So erhebet euch denn, und wir gehen ins Freie!«
   05] Auf diesen Meinen Ruf erhoben sich alle, auch der Wirt, und wir machten uns bereit, ins Freie zu gehen, und als der Wirt das Morgenmahl angeordnet hatte, traten wir ins Freie auf die breite Straße, die an der Herberge vorüberführte.
   06] Als wir uns im Freien auf der Straße befanden, da sahen wir eine Menge Volkes auf der breiten Straße gelagert; denn es hatten sich die Menschen nicht getraut, die Nacht in den Häusern zuzubringen.
   07] Es hatte der das ziemlich starke Erdbeben begleitende Sturm wohl zu wüten völlig aufgehört; aber alle befürchteten eine Wiederholung desselben und getrauten sich nicht in ihre Wohnhäuser zurückzukehren und brachten darum die Nacht im Freien zu.
   08] Als wir denn auf der Straße uns befanden, da trafen wir auch die beiden Nachbarn des Wirtes, die uns in ihrer großen Angst in der Nacht, als der Sturm am ärgsten wütete, besuchten, aber infolge der ziemlichen Dunkelheit im Speisesaale nicht erkennen konnten.
   09] Als sie den Wirt und an seiner Seite aber auch den ihnen wohlbekannten (Hauptmann) ersahen, gingen sie auf den Wirt und den Hauptmann zu, grüßten vor allem den Hauptmann und seine Unterdiener und beglückwünschten ihn, daß er diese Nacht, ohne einen Schaden erlitten zu haben, durchgemacht hätte.
   10] Der Hauptmann erwiderte den Morgengruß und fragte die beiden, ob auch sie, gleich den andern Bewohnern dieses Ortes, die Nacht im Freien zugebracht hätten.
   11] Die beiden aber antworteten und sagten: »Hoher Gebieter! Dazu hatten wir (anfangs) den Mut nicht! Bis zum Ausbruch des Sturmes waren wir freilich wohl in unsern Häusern; aber als der Erdboden zu beben begann, da verließen wir, so wie beinahe alle andern Bürger dieser Stadt, unsere Häuser und suchten im Freien Schutz für unser und unserer Angehörigen Leben.
   12] Wären unsere alten Häuser aus Holz erbaut, so wie die meisten Häuser Galiläas, Judäas und noch anderer Holzreichtumsländer, da hätte uns der Sturm mitsamt dem Erdbeben nicht ins Freie getrieben; aber da unsere Häuser von den hiesigen, leicht zerbrechbaren Steinen erbaut sind, und bei einem starken Erdbeben leicht zusammenstürzen können, so ist es selbstverständlich sehr rätlich, bei solchen Erzkalamitäten so schnell als möglich die Häuser zu verlassen und sich ins Freie zu begeben.«
   13] Sagte der Hauptmann: »Was ist denn hernach mit dem Schutze der Götter, auf die doch die meisten aus der Zahl der Griechen und Römer so Großes halten?
   14] Seht, ich habe mich unter dem Schutze eines Gottes, im vollsten Glauben und Vertrauen auf Ihn, in dieser Judenherberge ganz wohl ohne alle Furcht und Angst befunden! Hättet ihr einen solchen Glauben und ein solches Vertrauen, so wäret auch ihr sicher ohne alle Furcht und Angst, als könnte euch ein Ungemach begegnen, in euren Häusern geblieben, von denen ihr obendrauf noch wisset, daß sie schon gar vielen und vielleicht noch größeren Stürmen getrotzt haben. Gegen solch eine Angst und Furcht schützen nur ein fester Glaube und ein lebendiges Vertrauen auf den einen wahren, allmächtigen, überweisen, überguten, allwissenden und allsehenden Gott. Wer einen solchen Glauben und ein solches Vertrauen nicht hat, der ist bei allen stürmischen Erscheinungen, die auf dem Erdboden stets vorkommen, aller Qual und Pein ausgesetzt und der größten dann, wenn seine letzte Stunde unvermeidbar vor der Tür ist! - Begreifet ihr das?«


Home  |    Index Band 10  |   Werke Lorbers