Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 191. Kapitel: Raphaels Belehrung über die Speisung Israels in der Wüste.

   01] Sagte Raphael: »Ja, du mein Freund, die Sache verhielt sich in der Tat also, und das aus einem höchst weisen Grunde; denn so Gott das in Ägypten ganz in alle schmutzigste Welttümlichkeit versunkene Volk für ein höheres Licht erziehen wollte, da blieb Ihm, nachdem das Volk die Lebensgesetze empfangen hatte, nichts anderes übrig, als es durch volle vierzig Jahre in der kahlen und unfruchtbaren Wüste unter aller möglichen Nüchternheit zu erhalten und so einem höheren Lichte zuzuführen. Dieses Volk hatte sich in Ägypten durch seinen Schachersinn einerseits und anderseits durch allerlei Entbehrungen angewöhnt, sich aufs Sammeln, aufs übermäßige Sparen, dadurch auf die Habsucht und auf den bösen Geiz derart zu verlegen, daß es ein sehr Schweres war, derlei Untugenden und Laster bei ihm völlig zu vertilgen. Betrügen, stehlen, rauben, auch morden, lügen und allerlei Hurerei und Ehebrecherei treiben, namentlich gegen die heidnischen Ägypter, war dem Volke Gottes zur zweiten Natur geworden, trotz aller Mahnungen und Züchtigungen.
   02] Unter dem bekannten Pharao, der dieses sonst sehr arbeitsame Volk zu gewaltig und zu grausam zu bedrücken und nach allen Richtungen zu verfolgen anfing, gab es den Mahnungen Gottes wieder Gehör und ließ von seinen vielen Untugenden und Lastern bedeutend ab, und Gott erweckte Moses zum Retter dieses Volkes also, wie dir das aus den Büchern bekannt ist.
   03] Nun kam das Volk in die starre Wüste, wo es keine Äcker, keine Gärten, keine Weiden, keine Milch, kein Brot und keine Fleischtöpfe gab, worüber das Volk sehr betrübt ward und zu klagen und zu murren begann; denn seine mitgenommenen Vorräte waren bald aufgezehrt, und die Fische aus dem Roten Meere reichten nicht aus, um das Volk zu ernähren.
   04] Da erbarmte sich Gott des Volkes und gab ihm das tägliche Brot aus den Himmeln. Als das Volk solches im reichlichsten Maße aus den Himmeln bekam, da wurde der alte, arge, übertriebene Sammel -und Schachergeist nur zu bald rege; aber Gott gab dem Volke durch Moses sogleich wohlsanktionierte Vorschriften, wie die Nährgabe aus den Himmeln zu sammeln und zu benutzen sei, und wer diese Vorschrift nicht achtete, der ward denn auch alsbald genau nach der Vorschrift gezüchtigt.
   05] Und siehe, das erstickte den argen Weltsinnsgeist bald im ganzen Volke, denn beim Vorratsammeln des Manna sah da niemals ein Gewinn heraus, und so hielt sich das Volk an die Vorschrift.
   06] Daß das am Freitag für den Sabbat gesammelte Manna sich auch am Sabbat frisch und wohl erhielt, das war also der Wille des Herrn, um dem Volke, das in Ägypten des Ruhetages im Geiste Gottes völlig vergessen hatte (und nicht mehr gedachte), sondern an einem jeden Tage gleichfort sammelte, arbeitete und kaufte und verkaufte, doch den einen Tag in der Woche dahin zu erhalten, daß es sich an demselben aller unnötigen Arbeit enthielte und sich mit Gott und dessen Lehre und Willen beschäftigen solle. Denn ein Volk ohne allen Unterricht in den Sphären des Geistes verkümmert, verwildert nur zu bald unter das Tierreich hinab und ist dann kaum mehr imstande, sich durch die Macht des eigenen Verstandes und Willens zu einem höheren Lichte emporzurichten.
   07] Wenn du das alles nun miteinander in eine rechte, bloß nur menschlich vernünftige Erwägung ziehst, so wirst du da schon des Herrn Liebe und Weisheit sicherlich hellstrahlend erkennen.
   08] Es hat aber diese Erscheinung beim israelitischen Volke freilich auch einen tiefst geistigen und himmlischen Sinn.
   09] Das Brot, das der Herr in der natürlichen Wüste, die aber dabei auch der inneren, geistigen Wüstheit des israelitischen Volkes entsprach, eben für dies Volk zur leiblichen Ernährung aus den Himmeln regnen ließ, entspricht nun dem Herrn Selbst, der nun in die wahre geistige Wüste der Menschen als das lebendige Brot aus den Himmeln herabgekommen ist. Sein Wort, Seine Lehre und Seine Liebetaten sind das wahre, lebendige Brot aus den allerhöchsten Himmeln. Wer von diesem Brote tatsächlich essen wird, der wird nimmerdar sterben der Seele nach, sondern er wird in sich haben das ewige Leben.
   10] Gar viele, die das alte Manna gegessen haben, sind gestorben, nicht nur dem Leibe, sondern leider auch der Seele nach, und sind bis zur Stunde noch nicht zum Leben auferstanden; die aber dieses lebendige Manna im Geiste der Tat nach essen werden, die sind in sich auch schon zum ewigen Leben auferstanden. Und siehe, das ist der geistige Sinn des einstigen Mannas!
   11] Das natürliche Manna aber, von dem sich die Israeliten keinen Vorrat sammeln durften, entspricht auch dem, daß a sich die Menschen keine solchen Schätze sammeln sollen, welche vom Rost und von den Motten zerstört werden können, sondern nur die Schätze des Sabbats für Seele und Geist, die ewig bleiben. Verstehest du das nun?« (a  Matthäus.06,19; Jakobus.05,02jl.ev04.140,06jl.ev06.193,06-07;  jl.ev08.038,16jl.ev08.122,04jl.ev09.191,11jl.ev09.210,01jl.rbl1.025,09)
   12] Der Arzt bejahte das dankbarst, und alle staunten über diese Rede; denn das verstanden früher auch Meine Jünger nicht.


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