Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 140

Vom törichten Fragen.

01] Sagt Cyrenius: »Herr, wir alle können Dir nicht zur Genüge danken für diese unendlich großen Belehrungen, die Du uns allen nun erteilt hast, und ich verstehe nun schon ungeheuer vieles mehr! Auch bei der letzten Erscheinung, die uns nun der Vizekönig Mathael abermals aus seinem reichlichen Vorrate zum besten gab, blieb mir nichts Unklares zurück; nur die zwei oder drei großen und mächtigen Engelsgeister, die den Lazarus abgeholt haben, sind mir ihrem Stande nach noch völlig unbekannt! Vielleicht könnten wir wenigstens ihre sehr geheiligten Namen erfahren, und was es da mit der seine Kinder belehrenden Rückkunft für eine vielleicht noch nähere Bewandtnis habe?! Die Historie war sonst höchst merkwürdig, obschon ich, offen gesagt, noch recht gerne hätte erfahren mögen, wie und wohin der Leib des alten Lazarus beerdigt worden und was etwa doch später aus dem kleinen Rabbi geworden ist. Auch eine nähere Beleuchtung des berühmten Farrenkrautöles wäre eben nicht unwünschenswert. Möchtest Du, o Herr, uns etwas Näheres darüber kundtun?«
02] Sage Ich: »Aber Freund, das sind ja nur ganz höchst unbedeutende Nebendinge, deren Dasein wir für die Hauptsache eigentlich gar nicht als völlig notwendig annehmen können, da sie mit ihr nichts zu tun haben und nahe in gar keinem Verbande stehen! Was liegt denn an den leeren Namen der Engelsgeister, die dem Lazarus entgegenkamen?! Einen Reiseschein nach den Gesetzen brauchen sie nicht und ein weltliches Schutzgericht auch nicht. Wozu dieneten dir dann ihre Namen?! Weil es dir aber schon darum zu tun ist, so waren es die Erzengel Zuriel, Uriel und im tiefen Hintergrunde auch Michael in der Gestalt Johannes des Täufers, von dem uns Zinka vieles mitgeteilt hat.
03] Es waren aber noch eine Menge Geister daselbst anwesend, die Mathael nicht sehen konnte, weil diese, als noch ganz reine und purste Geister, nicht mehr mit dem Auge der Seele, sondern nur mit den Augen des in sich selbst reinsten Geistes gesehen werden können - ein Vermögen, das Mathael noch niemals besessen hat. Dann, was liegt am Begräbnisse des Leibes des Lazarus, was am kleinen Rabbi und am Farrenkrautöle, das da wohl den Starrkrampf hebt und die Würmer im Magen tötet, wenn es echt ist; ist es aber nicht echt, so macht es auch gar keine Wirkung! Lassen wir darum das, was uns wenig oder auch gar nichts nützen kann, und sehen wir zu, unser Erkennen und Wissen nur in geistigen Dingen zu vermehren!
04] Fraget darum lieber nach etwas Geistigem, noch aus der Sphäre vom Mathael geistig Geschauten, als nach Dingen, die für den Geist ebenso gleichgültig sein können wie der Schnee, der tausend Jahre vor Adam die wüsten Gefilde der Erde bedeckt hat! Was die Materie ist, und wie sie entstand, besteht und noch entsteht, ist euch bereits handgreiflich klargemacht worden, und somit haben wir uns nunmehr vor allem nur um die geistigen Dinge zu bekümmern. Was nützen auch dem Menschen alle Kenntnisse und Wissenschaften der ganzen Welt, wenn er sich nicht bis zur tiefsten Lebenswurzel selbst erkennt, und das namentlich in seiner seelischen und geistigen Lebens- und Bestandessphäre?!
05] Wird er wohl je wahrhaft glücklich sein können, auch im Besitze aller irdischen Güter, so er sich dann und wann wird fragen und sagen müssen: "Was wird nach dem Tode mit dir werden? Wirst du irgend deiner selbst bewußt fortleben, oder wird es ganz gar sein mit dir auf ewig?" Wenn dem ängstlichen Fragesteller aber keine genügende Antwort wird, weder von jemand, der mehr erfahren ist, oder noch weniger aus der eigenen finstern Weltlebenskammer, in die noch nie ein geistig Licht der Wahrheit nach gedrungen ist, - was dann? Werden dem ernstlich also fragenden, sonst überreichen Manne wohl munden seine großen Schätze und Reichtümer? Bei nur einigem Bewußtsein der Liebe zum Leben wohl kaum! Denn was kann es dem Menschen nützen, so er auch gewönne alle Schätze der Erde, an seiner Seele aber Schaden litte?
06] a Weg somit mit allem, was der Rost und die Motten zerstören können! Nur was des Geistes ist, bleibet für ewig unwandelbar; alles Angehörige der Materie aber ist noch oft zahllosen Verwandlungen unterworfen, bis es den Standpunkt des Geistigen erreicht haben wird. Darum fraget um Geistiges und Seelisches, aber nimmer um Irdisches!« (a  Matthäus.06,19]; Jakobus.05,02jl.ev04.140,06jl.ev06.193,06-07;  jl.ev08.038,16jl.ev08.122,04jl.ev09.191,11jl.ev09.210,01jl.rbl1.025,09)


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