Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 91. Kapitel: Jesu Vorhersage über die stufenweise Reinigung der Künste und Wissenschaften.

   01] (Jesus:) »Ihr meinet nun freilich wohl bei euch: Was Mir in jener Zeit möglich sein werde, nämlich die Wissenschaft zu reinigen, das könnte Mir wohl jetzt auch möglich sein, und es könnte dadurch die reinste Lehre, vereint mit der reinen Wissenschaft und ihren Kunstschöpfungen, ja sogleich gewisserart Hand in Hand zu den Menschen übergehen, wobei die etwa hie und da auftreten wollenden falschen Propheten sicher keine Geschäfte zur Befriedigung ihrer Selbstsucht machen würden.
   02] Und Ich sage euch dagegen: Es wäre schon ganz gut also, wenn es so ginge; aber es geht die Sache dennoch nicht also, wie ihr es nun recht gut meinet, - Ich müßte denn den Menschen den freien Willen nehmen und sie mit der Allmacht Meines Willens zu puren Maschinen umgestalten! Was würden aber die Menschen zum ewigen Heile und Leben ihrer Seelen dadurch gewinnen?
   03] Wisset ihr denn noch nicht, daß alles, was unter dem Mußgesetze steht, das in der Allmacht Meines Willens besteht, an und für sich gerichtet und tot ist? Ich habe euch das doch schon so oft ganz gründlich gezeigt, und ihr kommet alles dessen ungeachtet in euren alten Weltverstand.
   04] Seht, so Ich nun in dieser Zeit sogleich tausendmal tausend mit der reinsten Wissenschaft in allen Dingen und so auch nach der Wissenschaft völlig durchgebildete Künstler aller Art und Gattung unter den Menschen erweckte, so würden diese von den gegenwärtigen Menschen noch mehr verfolgt werden, als ihr als die baldigen Ausbreiter Meiner Lehre und Meines Namens von den finsteren Weltmenschen werdet verfolgt werden! Denn das Wissen der Menschen, das wie schon gesagt mehr denn zu drei Vierteilen mit dem dicksten Aberglauben gemengt ist, und aus dem sich die Menschen ihre materiellen Vorteile verschaffen, ist um vieles schwerer zu reinigen.
   05] Ich habe bei gar vielen Gelegenheiten die verschiedenen Dinge, Erscheinungen und Vorkommnisse euch und auch anderen Menschen, die einen guten Willen und ein empfängliches Herz hatten, wohl und anschaulich gründlich erklärt, habe vor euren Augen und Ohren den ganzen Sternenhimmel also enthüllt, daß ihr nun wohl wisset, was unsere Sonne, der Mond, die Planeten, und was die zahllos vielen andern Sterne sind, und welch eine Beschaffenheit sie haben, und habe euch mehrere sogar durch die Öffnung der inneren Geistessehe besichtigen lassen: und so besitzet ihr nun in gar vielem schon die reinste Wissenschaft.
   06] Gehet aber hin, und lehret die blinden Menschen also, wie Ich euch belehrt habe, und ihr werdet es nur zu bald erfahren, wie schwer die Menschen von ihrem alten (irrtümlichen) Wissen und von mystischen Vorurteilen abzuwenden sind!
   07] Dazu gibt es auch eine Unzahl Menschen, die von ihren selbstsüchtigen Priestern und Beherrschern derart verdummt sind, daß sie solch eine Aufklärung im Wissen als einen niemals verzeihlichen Frevel gegen die Götter ansehen würden und einen Menschen gar übel zurichteten, der sie zu einem Frevel wider ihre Götter verleitete.
   08] Um bei den Menschen mit der Länge der Zeiten in den Wissenschaften und den aus ihnen hervorgehenden Künsten eine volle Reinigung zu bewirken, muß ihnen zuvor Meine Lehre gepredigt sein, und die vielen Götzen samt ihren Priestern und Tempeln müssen zerstört werden.
   09] Ist das geschehen und Mein Evangelium, wenn auch durch viele falsche Propheten, den Menschen gepredigt worden, dann auch werden sie fähig, sich nach und nach in den Wissenschaften und Künsten zu reinigen; und diese werden dann a ein Blitz sein, der vom Aufgange bis zum Untergange alles hell beleuchtet, was da auf der Erde ist. Unter dem »Aufgang« aber versteht man das Geistige, unter dem »Untergang« aber alles Naturmäßige.(a Matthäus.24,27 = Lukas.17,24;  ⇒ jl.ev09.070,05ajl.ev10.025,11jl.ev10.152,09-13;  jl.ev09.040,03  gm.pred.053)
   10] So ihr dieses nun verstanden habt, da fraget nicht wieder, ob dies oder jenes nicht schon jetzt möglich wäre!«


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