Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 92. Kapitel: Die Weisheit von Moses und Josuas.

   01] Als die Jünger diese Meine Rede vernommen hatten, und natürlich auch der Wirt, der geheilte Knecht, der Pharisäer und der Schriftgelehrte, da sagte der Schriftgelehrte: »Ich habe aus dieser Deiner Rede, Herr und Meister, entnommen, daß Du Deinen Jüngern nicht nur das große Geheimnis vom Reiche Gottes auf Erden unter den Menschen enthüllt hast, sondern auch das Naturreich dieser Erde, des Mondes, der Sonne und der Sterne, und gabst mir da einen neuen Beweis, daß eben Du in Deinem Geiste der Schöpfer von all dem sein mußt, ansonst Du diese endlos vielen und wundervollen Dinge Deinen Jüngern nicht hättest erklären und ihnen sogar beschaulich machen können.
   02] Da Du aber Deinen Jüngern das tun mochtest, die doch auch nur Juden und Menschen sind, möchtest Du denn nicht auch uns in aller Kürze diese wunderbaren Dinge in der Art nur ein wenig beleuchten, daß auch wir einen helleren Begriff bekommen, was wir von dem Monde, von der Sonne und von all den Sternen, Finsternissen, von den furchtbaren Kometen und auch von den vielen Flugsternen halten und glauben sollen? Denn in diesen Stücken sind wir nicht um ein Haar besser daran als die Heiden.«
   03] Sagte Ich: »Warum habt ihr denn das sechste und siebente Buch Mosis verworfen und für unecht erklärt und den sogar mit starken Strafen bedroht, der es zu lesen sich unterfinge? Sieh, in diesen zwei Büchern hat Moses die gesamte Naturschöpfung mit klaren Worten beschrieben!«
   04] Sagte der Schriftgelehrte: »Herr und Meister! Ich habe wohl davon einmal reden hören, aber nie nur einen Buchstaben davon zu Gesichte bekommen. Es sollen sich diese Bücher im Tempel zu Jerusalem auch nimmer vorfinden. Darum bitte ich nun Dich, daß Du uns diese Dinge, um die Ich gefragt habe, in möglicher Kürze also beschreiben und erklären möchtest, daß wir dann auch wüßten, was und wie sie beschaffen sind.«
   05] Auf diese Bitte des Schriftgelehrten beschrieb Ich den vieren in möglichster Kürze die Dinge also, daß sie das wohl verstehen konnten, was Ich erklärt habe.
   06] Nach dieser Erklärung, die gut bei einer Stunde lang gedauert hatte, fragte Mich der Schriftgelehrte, ob von dem auch die Altväter schon irgendeine Kunde gehabt hätten.
   07] Sagte Ich: »Allerdings, und das namentlich die Urbewohner Ägyptens! Sowie aber mit der Zeit sich die Menschen stets mehr und durch allerlei Sünden von dem einen, ewig allein wahren Gott entfernten und in das blinde Heidentum übergingen und sich verfinsterten, so ging auch solche Kunde zugrunde, und an ihre Stelle trat eine leere und mit allen Irrtümern erfüllte dichterische Faselei und Phantasterei.
   08] Und so verlor sich die Erd- und Sternenkunde. Nur bei einigen gar wenigen Weisen in irgendeinem verborgenen Winkel der Erde hielt sie sich noch; aber diese wagten es nicht, damit vor den ganz verfinsterten Menschen an das Tageslicht zu treten. Und so ist diese Kunde so gut wie gänzlich zunichte geworden. Aber in den künftigen Zeiten werden die Menschen schon wieder, und das heller noch denn in der Urzeit, darauf kommen und alles berechnen; und das wird zu dem Blitz gehören, der vom Aufgange bis zum Untergange leuchtet.«
   09] Sagte der Schriftgelehrte: »Von wem hatten denn Moses und Aaron solche Kunde?«
   10] Sagte Ich: »Vom Geiste Gottes! Obschon er (Moses) als ein angenommener Sohn des Pharao in die ägyptischen Mysterien eingeweiht war und auch von der alten Sternenwissenschaft und Erdkunde so manches kennengelernt hatte, so war aber das dennoch kaum ein trüber Wassertropfen gegen das ganze Meer seiner nachmaligen Erkenntnis, die ihm als dem erwählten Führer des israelitischen Volkes vom Geiste Gottes gegeben worden ist, wodurch er erst ein wahrer Gelehrter aus Gott ward.«
   11] Sagte abermals der Schriftgelehrte: »Herr und Meister! Josua, als auch ein von Gott erwählter Führer des israelitischen Volkes ins Gelobte Land, muß von all dem doch auch die genaueste Kunde gehabt haben, was Moses beschrieben hat! Wie konnte er denn a zur Sonne vor Jericho sagen: "Sonne, stehe still, bis ich alle die Feinde schlage!", - und die Sonne soll seinem Befehl gehorcht haben? Hätte er das zur Erde gesagt, so hätte das nach dem, was Du uns ehedem erklärt hast, einen wahren Sinn; nun wir von Dir den wahren Sachverhalt vernommen haben, da erscheint der Befehl Josuas an die Sonne als ein Etwas, das offenbar keinen Sinn hat, und es scheint, daß Josua den wahren Sachverhalt doch nicht gekannt hat, so sein Befehl eine naturgemäße Wahrheit hätte werden sollen.«(a Josua.10,12-13)
   12] Sagte Ich: »Josua hat wohl also gesprochen, aber nicht zur naturmäßigen Sonne, sondern zur Sonne des Geistes, die da bestand in der Lehre Mosis aus Gott. Diese fing im Glauben und Vertrauen des Volkes beim Anblick der großen Übermacht des Feindes stark zu sinken an. Josua hat denn mit seinem kräftigen Ausruf nichts anderes zum verzagten und schon über Hals und Kopf murrenden Volke sagen wollen als: »Glaubet und vertrauet doch so lange, bis ihr in Kürze den mächtig scheinenden Feind vor euch werdet völlig geschlagen erblicken! Dann möget ihr mit mir das Land, wo Milch und Honig fließt, einnehmen oder wieder in die Wüste zurückkehren!«
   13] Dadurch faßte das Volk wieder Mut im vollen Glauben und Vertrauen auf Gott, der da ist, war und sein wird die wahre Sonne der Seele und ihres Geistes im Himmel und auf Erden. Und siehe, diese von Josua angeredete Sonne blieb im Glauben und Vertrauen des Volkes stehen, erleuchtete es und gab ihm Mut, Klugheit und Kraft, und der Feind wurde gänzlich vernichtet bis auf die Hure Rahab, welche den Abgesandten Josuas Barmherzigkeit erwies. Hast du das nun verstanden?«


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