Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 109. Kapitel: Jesus verläßt Bethania.

   01] Als wir das Morgenmahl schon über die Hälfte aufgezehrt hatten, da erst kamen auch die etlichen Templer, die ihre Weiber und Kinder besucht hatten, und Lazarus wies sie an einen freien Tisch und ließ ihnen bringen, was wir hatten, und sie aßen und tranken.
   02] Als wir das Morgenmahl aber völlig aufgezehrt hatten, da traten die Templer, die mit ihrem Morgenmahle auch zu Ende gekommen waren, zu Mir und entschuldigten sich des Besuches ihrer Weiber und Kinder wegen und baten Mich, daß Ich sie doch auch besuchen und segnen möchte.
   03] Ich aber sagte zu ihnen: »Höret, wer an Mich glaubt, Mein Wort annimmt und danach lebt und handelt, der hat auch Meinen Segen in der Fülle; daher trachtet, daß auch eure Weiber und Kinder, die nun noch stark an den leeren Zeremonien des Tempels hängen und Mich und Meine Jünger heimlich bei sich für Ketzer wider den Tempel halten, an Mich glauben und nach Meiner Lehre handeln werden, dann wird auch Mein Segen ihnen zuteil werden! Aber so, wie sie bei uns hier jetzt noch beschaffen sind und nur daran denken, daß ihre Söhne auch schon bald zu den Angesehensten des Tempels gehören möchten, da bin Ich wahrlich nicht gewillt, zu ihnen zu kommen und sie besonders zu segnen. Gehet hin und belehret sie erst, und es wird sich morgen dann schon zeigen, ob sie schon reif für Meinen Segen sind! Ihr könnet heute hier verweilen und die Sache mit euren Weibern und Kindern behandeln. So Ich am Abend wieder hierher kommen werde, dann möget auch ihr euch wieder zu Mir begeben!«
   04] Als Ich das diesen etlichen Templern gesagt hatte, da fragten sie Mich, wohin Ich Mich den Tag über begeben würde, auf daß Mir einer oder der andere etwa in einem Notfalle nachkäme.
   05] Sagte Ich: »Fürs erste wird bei euch kein wie immer gearteter Notfall eintreten, und fürs zweite bleibt Raphael hier der Jungen wegen, und ihr könnet euch bei ihm Rat holen; und so brauchet ihr nun nicht zu wissen, wohin Ich Mich diesen Tag über begeben werde. So Ich aber wiederkommen werde, dann werdet ihr es schon erfahren, wo und was Ich gewirkt habe.«
   06] Mit diesem Bescheid waren die etlichen Templer zufrieden, dankten Mir darum und begaben sich wieder zu ihren Weibern und Kindern.
   07] Darauf sagte Ich zu den andern Anwesenden: »Wem es eine Freude macht, Mir zu folgen, dahin Ich nun gehe, der folge Mir!«
   08] Auf diese Meine Einladung erhoben sich alle und machten sich reisefertig. Auch die Maria von Magdalon fragte Mich, ob auch sie Mich begleiten dürfe.
   09] Sagte Ich: »Das steht dir frei; so du aber hier verbleibst bei den Schwestern des Lazarus und hilfst ihnen in der Bedienung der Gäste, die zum Teil schon hier sind, zum andern Teil aber heute noch nachkommen werden, so ist es Mir lieber. So aber Gäste aus Jerusalem und auch aus andern Orten hier ankommen und nach Mir fragen werden, da machet Mich nicht ruchbar, und die Angekommenen sollen wieder also weiterziehen, wie sie hierher gekommen sind!«
   10] Die Magdalena dankte Mir für diese Worte und blieb bei den beiden Schwestern; desgleichen blieb auch die Helias mit den Ihrigen und die arme Familie aus Emmaus.
   11] Wir aber machten uns auf und gingen zuerst zu dem Wirte im Tale, der bei uns war samt dem Wirte an der großen Heerstraße, unweit Bethlehem, der auch noch bei uns war und Meine Belehrungen anhörte.
   12] Als wir bei dem Wirte ankamen, da ging uns das gesamte Hausvölklein entgegen, grüßte uns und hatte eine große Freude an uns. Das Weib bat Mich, daß Ich mit allen, die mit Mir seien, über den Mittag zu Gaste bleiben möchte.
   13] Ich aber sagte: »Weib, dein guter Wille gilt Mir als ein vollbrachtes Werk; was du aber immer den Armen tun wirst in Meinem Namen, das wird von Mir also angesehen werden, als hättest du solches Mir getan. Es werden heute über den Mittag aber auch eine Menge Gäste hierher kommen, und es werden sich etliche nach Mir erkundigen; da aber machet Mich nicht ruchbar, und so euch jemand fragen wird, wohin Ich gezogen wäre, da redet die Wahrheit und saget: "Wir wissen es nicht!" Und es liegt darin auch der Grund, warum Ich heute auch Meinen Jüngern nicht zum voraus sage, wohin Ich gehe, und was Ich tun werde. Gen Abend aber werde Ich wieder auch hierher kommen und eine Stunde lang verweilen. Beachtet nun, was Ich euch angeraten habe!«
   14] Alle gelobten Mir das, und wir zogen im Tale südwärts weiter, und es begegneten uns viele Menschen, zumeist Griechen und auch Ägypter, die über Jerusalem nach Damaskus mit allerlei Waren zogen: von denen kümmerte sich niemand um uns, und wir konnten sonach unseren Weg unaufgehalten fortsetzen.
   15] Als wir so eine gute Stunde lang fortgewandert waren, da fragte Mich ganz geheim denn doch Lazarus, der stets an Meiner Seite einherging, sagend: »Herr und Meister! Nun könntest Du es mir ja doch sagen, wohin Du Dich begeben wirst. Denn ich und alle, die wir hier sind, werden Dich sicher nicht verraten!«
   16] Sagte Ich: »Wir ziehen in einen Ort nahe bei Bethlehem. Was dort geschehen wird, das werdet ihr alle schon am Orte und an der rechten Stelle erschauen und ganz wohl erfahren.«
   17] Sagte Lazarus: »Es ist nun schon gut, daß ich nur wenigstens das weiß! Aber da dürfen wir schon recht gut auftreten; denn der Weg dahin ist eben nicht ein kurzer.«
   18] Sagte Ich: »Darum werden wir daselbst dennoch zur rechten Zeit und früh genug eintreffen; denn Mir ist es auch möglich, einen langen Weg in einer ganz kurzen Zeit zu durchwandern.«
   19] Sagte Lazarus: »O Herr und Meister, ich weiß wohl, daß Dir nichts unmöglich ist; aber ich fragte Dich dennoch, damit wird diesen etwas öden Weg nicht ganz lautlos fortwandern, und weil ein jedes noch so unbedeutend scheinende Wort aus Deinem Munde mich stets mit einer neuen Kraft belebt.«
   20] Sagte Ich: »Ja, ja, da hast du ganz recht und wahr geredet; denn Meine Worte sind in sich auch pur Geist, Kraft und Leben. Aber nun wandern wir wieder schweigsam weiter, denn es wird uns bald ein Zug römischer Soldaten begegnen, die da nach Galiläa ziehen, und wir werden mit ihnen eine kleine Mühe zu überstehen bekommen!«


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