Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 192. Kapitel: Pharisäer fragen nach Vollmacht Jesu. Gleichnis der ungleichen Söhne.


Priesterfrage nach Jesu Vollmacht.

  • Matthäus.21,23] Und als er in den Tempel kam, traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm, als er lehrte, und fragten: a »Aus welcher Macht tust du das, und wer hat dir die Macht gegeben?« (a = Markus.11,27-28; = Lukas.20,01-02; Johannes.02,18; jl.ev07.192,01*)
       01] a Die beiden (vom Pharisäerrat zwecks Provokation gesandten, verkleideten Pharisäer, d. Hg.) kamen bald vor Mich hin und fragten Mich gleich ganz keck, als Ich ein wenig ausruhte: »Meister, wir wissen es, daß du außerordentliche Dinge verrichtest, die vor dir kein Mensch je verrichtet hat! b Sage es uns denn doch einmal, aus was für Macht du solches alles zu verrichten imstande bist; denn du als ein Meister wirst doch wohl sicher am besten wissen, durch welche Kräfte und Mittel dir all die Wundertaten zu verrichten möglich sind!« (a Matthäus.21,23*; =Markus.11,27-28; = Lukas.20,01-02; b Johannes.02,18; Matthäus.21,24] a Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: »Ich will euch auch ein Wort fragen; wenn ihr mir das sagt, will ich euch auch sagen, aus welcher Macht ich das tue.« (a = Markus.11,29; = Lukas.20,03; jl.ev07.192,02*)
       02] a Sagte Ich: »O ja, das weiß Ich gar sehr wohl, und sehet, Ich will es euch auch sagen; aber zuvor werde Ich euch um etwas fragen! Beantwortet ihr Mir Meine an euch gestellte Frage recht, so will Ich euch dann auch sagen, aus welcher Macht Ich Meine Taten verrichte! (a Matthäus.21,24*; =Markus.11,29; = Lukas.20,03)

  • Matthäus.21,25a] a »Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen?« (a = Markus.11,31; = Lukas.20,04; jl.ev07.192,04*)
       04] Sagte Ich: »Gut denn; also saget es Mir frei und offen vor allem Volke: a Woher war die Taufe Johannis, des Sohnes ebendesselben Zacharias, der von euch in diesem Tempel zwischen dem Altar und dem Allerheiligsten erwürgt worden ist? War dieses Johannis Taufe vom Himmel oder nur von den Menschen? Denn an euch liegt es, das vor dem Volke als etwas Bestimmtes auszusprechen. Ihr seid wohl in anderen Kleidern und seid gleich anderen Pilgern beim großen Volkstor in den Tempel gekommen; aber dessenungeachtet seid ihr dennoch schnell erkannt worden. Machet eure Sache aber gut, sonst bleibt der euch verheißene Lohn unterm Wege, den ihr dafür erhalten könntet, so ihr Mich finget in der Rede!« (a Matthäus.21,25a*; =Markus.11,31; = Lukas.20,04)

  • Matthäus.21,25b] a Da gedachten sie bei sich selbst und sprachen: »Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?« (a = Markus.11,31; = Lukas.20,05; jl.ev07.192,04*)
       05a] a Da gedachten sie bei sich und sagten still zueinander: »Das ist eine ganz verzweifelt feine Frage! Denn sagen wir des Volkes wegen: Die Taufe Johannis war vom Himmel, so wird er und das Volk zu uns sagen: 'Wenn so, warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt, und warum habt ihr ihn verfolgt und Herodes beredet, daß er ihn zuerst in den Kerker werfen und darauf enthaupten ließ?' (a Matthäus.21,25b*; =Markus.11,31; = Lukas.20,05)

  • Matthäus.21,26] a »Sagen wir aber, sie war von Menschen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten, denn sie b hielten alle Johannes für einen Propheten.« (a = Markus.11,32; = Lukas.20,06; b Matthäus.14,05; jl.ev07.192,05b*)
       05b] a Sagen wir aber, daß die Taufe vom Menschen war, so wird sich alles Volk wider uns erheben; b denn das Volk hält Johannes gleichfort für einen wahren Propheten und würde über uns herfallen, so wir so etwas von Johannes aussagten. Darum ist da schwer, diesem Menschen eine rechte Antwort zu geben!« (a Matthäus.21,26*; =Markus.11,32; = Lukas.20,06; b Matthäus.14,05)

  • Matthäus.21,27a] a Und sie antworteten Jesus und sprachen: »Wir wissen es nicht.« (a = Markus.11,33; = Lukas.20,07; jl.ev07.192,06-07*)
       06] Sagte im geheimen noch ein anderer: »Mir fiel nun ein guter Gedanke ein! Sagen wir das eine oder das andere, so geben wir uns gefangen; wir müssen hier tun, als hätten wir uns um solche Aus- und Mißgeburten des verdorbenen Judentums gar nie gekümmert, weil das zu tief unter unserer Würde sich befand! Und um der langen Rede einen kurzen Sinn zu geben, sagen wir ganz einfach: Das wissen wir nicht; denn über eine so geringfügige Begebenheit dem Tempel gegenüber haben wir uns gar nie gekümmert!«
       07] a Nach solch einer Beschlußnahme wandten sich die beiden wieder an Mich und sagten: »Meister, auf deine Frage können wir dir gar keine Antwort geben; denn wir wissen das nicht, von wem die Taufe des Johannes war! Denn ganz offen gesagt: wir haben uns um diese viel zuwenig gekümmert!« (a Matthäus.21,27b*; =Markus.11,33; = Lukas.20,07)

  • Matthäus.21,27b] a Da sprach er zu ihnen: »So sage ich euch auch nicht, aus welcher Macht ich das tue.« (a = Markus.11,33; = Lukas.20,08; jl.ev07.192,08*)
       08] a Sagte Ich zu ihnen: »Nun gut, weil ihr Mir das nicht sagen wollet, so sage auch Ich euch nicht, aus welcher Macht Ich Meine Werke verrichte! (a Matthäus.21,27b; =Markus.11,33; = Lukas.20,08)

    Äusserlicher und innerlicher Gehorsam; Gleichnis der ungleichen Söhne

  • Matthäus.21,28] a »Was dünkt euch aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: 'Mein Sohn, geh hin und arbeite heute in meinem Weinberge'«. (a jl.ev07.192,09a*; jl.ev08.125,18)
       09a] a Was dünkt euch aber? Sehet, es hatte ein Mann zwei Söhne! Er ging zu dem ersten und sagte zu ihm: 'Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge!' (a Matthäus.21,28; jl.ev08.125,18)

  • Matthäus.21,29] a Er antwortete aber und sprach: »Ich will es nicht tun.« Danach reute es ihn, und er ging hin. (a jl.ev07.192,09b*)
       09b] a Der Sohn aber sagte: 'Vater, ich will das nicht tun; denn ich scheue mich vor der schweren Arbeit!' Als aber der Vater von ihm gegangen war, da reute es den Sohn; er stand auf und ging hin in den Weinberg und arbeitete den ganzen Tag mit allem Fleiß und Eifer: (a Matthäus.21,29*)

  • Matthäus.21,30] Und er ging zum andern Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: a »Ja, Herr!« und ging nicht hin. (a Matthäus.07,21; jl.ev07.192,10a*)
       10a] a Der Vater aber ging darauf zum zweiten Sohne und sagte auch zu diesem, was er zum ersten gesagt hatte. Und dieser antwortete: 'Herr und Vater! b Ja, ich werde sogleich dahin gehen und arbeiten!' Als aber der Vater von ihm ging, da blieb der Sohn daheim und ging nicht in den Weinberg, daß er dort arbeitete. (a Matthäus.21,30*; b Matthäus.07,21)

  • Matthäus.21,31a] a »Wer von den beiden hat des Vaters Willen getan?« Sie antworteten: »Der erste.« (a jl.ev07.192,10b-11*)
       11] Sagten die Befragten: »Eine wahrhaft kindische Frage! Hier hat ja doch offenbar a der erste Sohn des Vaters Willen erfüllt! Denn mit der abschlägigen Antwort hatte er dem Vater sicher nur eine überraschende Freude machen wollen; denn am Worte liegt doch offenbar weniger als an der Tat. Aber wofür soll dieses Bild gut sein, und was hast du uns damit sagen und zeigen wollen?« (a Matthäus.21,31a*)

        

    Matthäus.21,28-30] Erklärung dieses Gleichnisses

       12] Sagte Ich: »Ich werde euch das schon erläutern, wenn ihr schon so blind seid, daß ihr das nicht von selbst einsehen möget! Der Vater ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Die beiden Söhne aber sind, und zwar der erste: die von Gott berufenen wahren Propheten, die aber eben im Anfange mit der Berufung nicht zufrieden waren, wie das schon Moses gar klar dadurch an den Tag legte, daß er sich weigerte, ob seiner schweren Zunge das hohe Amt zu übernehmen, und darum Gott bat, daß Er ihm den Bruder Aaron zum Dolmetscher gebe. Aber gearbeitet hat dann doch nur Moses. Der zweite Berufene führte wohl das Wort; aber gearbeitet hat nur Moses. Und so ging es dann bis auf diese Zeiten immer schlimmer herab.
       13] Da die zweiten, die das Versprechen und das Gelübde machten, im Weinberge Gottes zu arbeiten, stets nur das Versprechen machten, daß sie arbeiten würden, aber dann doch nichts taten, so mußte sich Gott wieder an die Hartzüngigen wenden. Diese gaben ihm zwar kein Versprechen, aber sie arbeiteten; so sie aber dann arbeiteten, da fielen die zweiten über sie her und verfolgten sie aus Eifersucht und wollten ihnen die gute Arbeit verwehren, damit die wahren Arbeiter nicht angesehen werden sollten vom Vater des Weinbergs.
       14] Und so waren in dieser jüngsten Zeit Zacharias und darauf sein Sohn Johannes wohlbestellte Arbeiter im Weinberge des Herrn, obwohl im Anfang ihres inneren Berufes sich ein jeder von beiden geweigert hat, dieses Amt zu übernehmen, weil sie die große Trägheit und die glühende Eifersucht derer wohl kannten, die Gott das Versprechen und das Gelübde gaben, im Weinberge zu arbeiten, aber dann stolz die Hände in den faulen Schoß legten und nicht nur selbst nichts arbeiteten, sondern noch den guten und eifrigen Arbeitern mit Feuer und Schwert verboten, zu arbeiten.

  • Matthäus.21,31b] Jesus sprach zu ihnen: »Wahrlich, ich sage euch: Die a Zöllner und Huren kommen eher ins Himmelreich als ihr.« (a Lukas.18,09-14; Lukas.03,12-13; jl.ev07.192,15a*)
       15a] a Darum sage Ich euch: Wahrlich, wahrlich, b Zöllner und Huren werden wohl eher in den Himmel kommen denn ihr! (a Matthäus.21,31b*; b Lukas.18,09-14; Lukas.03,12-13)

  • Matthäus.21,32] »Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber a die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl ihr es sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, so daß ihr ihm danach auch geglaubt hättet.« (a Lukas.07,29; jl.ev07.192,15b-193,11*)
       15b] a Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht, wie auch eure Vorfahren den alten Propheten nicht geglaubt haben; aber b die Zöllner und Huren glaubten dem Johannes, taten Buße und besserten sich. Ihr sahet das wohl und sahet auch euer Unrecht ein; aber ihr tatet dennoch nicht, was die Zöllner taten, damit es ja nicht etwa ruchbar werde, daß auch ihr an ihn geglaubt hättet. c Darum werden auch die Zöllner und die Huren eher ins Gottesreich eingehen als ihr, die ihr da endlos große Dinge auf euren Beruf haltet und euch damit also brüstet vor aller Welt, als hättet ihr Gott Himmel und Erde erschaffen helfen. (a Matthäus.21,32*; b Lukas.07,29; c Matthäus.21,31)
       16] Aber Ich sage es euch: Eben darum seid ihr die Allerletzten vor Gott! a Denn alles, was vor der Welt groß und glänzend ist, das ist vor Gott ein Greuel. Ihr wollet nicht in den Himmel und vertretet noch denen, die hinein wollen, den Weg. Darum aber werdet ihr dereinst auch desto mehr Verdammnis überkommen. (a Lukas.16,15)
       17] Ich sage euch das, weil Ich das Recht und die Macht dazu habe und keine Furcht habe vor den Menschen dieser Welt, wie ihr sie habt; denn Ich kenne Gott und die Macht Seines Willens, der nun in Mir ist und will und handelt, Ihr aber kennet Gott nicht, und Sein Wille ist nicht in euch! Darum aber fürchtet ihr dann die Welt und handelt nach dem, was sie euch vorschreibt in euren Herzen; und da ihr das tuet, so bereitet ihr euch auch selbst euer Gericht, eure Verdammnis und mit ihm den wahren, a ewigen Tod. Dieser aber besteht eben darin, daß ihr fortwährend Sklaven eurer stets wachsenden Trägheit und Sinnlichkeit bleiben und ihre schnöden und argen Früchte einernten werdet.« (a Matthäus.03,12; Lukas.03,17; Matthäus.25,41; Matthäus.25,46; 2. Thessalonicher.01,09; Judas.07,03 ff.)
       18] Sagte einer der beiden: »Du redest frei und offen zu uns, die wir so gut Menschen sind, wie du einer bist. Hat es dem allmächtigen Gott gefallen, uns Menschen nur für die Hölle zu erschaffen, so hätte Er Sich da wohl die Mühe ersparen können; denn dafür wird Ihn keine Seele loben. Wir aber meinen, daß Gott die Menschen noch immer zu etwas Besserem erschaffen hat, und hoffen darum, daß Er als das weiseste und vollkommenste Wesen uns Menschen deshalb, weil wir so oder so zu handeln durch unüberwindbare Umstände genötigt werden, nicht schon gleich auf ewig in allen Qualen der Hölle wird peinigen wollen.
       19] Daß wir so manchem Menschen, der sich uns als ein Prophet darstellt, nicht gleich glauben können, davon ist der Grund wohl sehr begreiflich; denn würde der Tempel das tun, so wäre er schon lange kein Versammlungspunkt der noch an Moses glaubenden Juden mehr! Warum läßt sich denn ein von aller Macht Gottes erfüllter Prophet von den Juden ergreifen und sogar töten? Geschieht das, so fallen seine Jünger dann aber auch schon, wie die Erfahrung lehrt, beinahe allzeit von ihm ab und werden wieder Juden, wie sie es vor dem Propheten waren. Warum läßt denn Gott solches zu?
       20] So die Propheten Seine besonders Erweckten und berufenen Arbeiter sind und wir denselben trägen Sohn darstellen, der dem Vater wohl versprochen hat, im Weinberge zu arbeiten, aber dann sein Wort nicht hielt - wie kommt es denn, daß sich die von Gott so hoch bevorzugten Arbeiter von uns trägen Nichtstuern noch allzeit haben besiegen lassen? Wie hat denn dein Gott so etwas zulassen können?«


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