Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 170

Die Verheißung vom Heiligen Geist der Kraft

  • joh.07,37] Aber am letzten Tag des Festes, der am feierlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!«
       01] Als wir uns im Tempel befanden, da blieben die Jünger mehr im Hintergrunde und verteilten sich unters Volk, um desselben Urteile über Mich zu vernehmen.
       02] Ich aber trat mitten im Tempel auf einen erhabenen Platz, während noch allerlei Festzeremonien im besten Gange waren, und rief laut zum Volke: b »Wen da dürstet, der komme zu Mir und trinke!« (Johannes.07,37*; lev.23,36; b Johannes.04,10; jes.55,01; offb.22,17)
       03] Da meldeten sich einige um Mich stehende Juden und sagten: »Wo hast du denn etwas, das wir trinken möchten?«

  • joh.07,38] »Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.«
       04] Darauf sagte Ich: »Wer an Mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen!« (Johannes.07,38*; jes.58,11)

  • joh.07,39] Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der heilige Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verklärt.
       05] Da sahen sich die Juden an und fragten sich untereinander, was das sein solle; denn sie wußten nicht, daß Ich nur von dem Geiste redete, den die empfangen sollten, die an Mich glauben. Denn - wie Ich schon mehrmals erklärt habe - b der Heilige Geist konnte vor Meiner Verklärung nicht dasein, außer in Mir allein. (Johannes.07,39*; b Johannes.16,07)

    Zwiespalt im Volk wegen Jesus

  • joh.07,40] Viele nun aus dem Volk, die diese Worte hörten, sprachen: »Dieser ist ein rechter Prophet.«
       06] Viele aus dem Volke aber, die diese Worte vernahmen, sagten unter sich: »Wahrlich, dieser Galiläer redet wie ein wahrer Prophet und ist somit auch ein vollkommen rechter Prophet.« (a Johannes.07,40)

  • joh.07,41] Andere sprachen: »Er ist Christus.« Etliche aber sprachen: »Soll Christus aus Galiläa kommen?«
       07] Wieder andere, die Mich aus Meinen Taten näher kannten, sprachen: »Was Prophet, was Prophet! Er ist Christus, der verheißene Messias! Denn auch Gott kann nichts Größeres tun, als was Er tut!«
       08a] Aber etliche fragten und sagten: »Soll denn irgend nach der Schrift Christus wohl aus Galiläa kommen? (a Johannes.07,41)

  • joh.07,42] Spricht nicht die Schrift: aus dem Samen Davids und aus dem Flecken Bethlehem, wo David war, soll Christus kommen?
       08b] a Spricht denn nicht die Schrift: 'Christus wird von dem Samen Davids sein und wird b aus dem Flecken Bethlehem kommen, wo David war!?' (Johannes.07,42; Matthäus.22,42; b mi.05,01; Matthäus.02,05 .06))
       09] Da sprachen einige, die von Meiner Abkunft und von Meiner Geburt wohl unterrichtet waren: »Ja, wenn ihr das verlanget, dann trifft das bei diesem Propheten ja ohnehin alles ein! Er ist erstens ein Sohn Josephs, des allbekannten Zimmermanns in Nazareth, und der Maria, einer Tochter Joachims und der Anna, und diese beiden stammen erwiesenermaßen vom Stamme Davids ab. Und zweitens ist es allbekannt, daß Er zu Bethlehem in einem Stalle bei Gelegenheit der allgemeinen Kaiser-Augustus-Volksbeschreibung geboren und acht Tage darauf von Simeon beschnitten ward und den Namen Jesus erhielt. Wenn aber das, warum zweifeln wir denn noch, daß Er Christus ist?«

  • joh.07,43] So entstand Zwiespalt unter dem Volk über ihn.
       10] Es war demnach auf diese Art ein Zwiespalt unter dem Volke darüber, was Ich eigentlich sei. (a Johannes.07,43)

    Meuternde Knechte wollen Jesus nicht fangen; Nikodemus verteidigt Jesus

  • joh.07,44] Es wollten aber etliche ihn ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn.
       11] Es wurden aber etliche Pharisäerfreunde von den Pharisäern angegangen, a Mich zu ergreifen; denn das konnten die Templer nicht mehr ertragen, daß Mich das bessere Volk selbst für Christus auszurufen anfing. Es kamen dann einige zu Mir her, um Mich zu ergreifen; aber in Meiner Nähe verließ sie der Mut, und keiner getraute sich, Hand an Mich zu legen. Neben den Pharisäerfreunden aber wurden von den Pharisäern auch ihre Knechte beordert, Mich zu ergreifen und ihnen zu überbringen; aber auch diese blieben vor Mir stehen und hörten zu, wie Ich dem Volke die Gebote Gottes und die Gebote der Liebe erklärte auf die Art und Weise, wie Ich sie anderorts schon oft erklärt habe, und darum die oft vorgekommene Erklärung nicht noch hierher zu setzen brauche. Die Knechte aber sahen auch die große Volksmenge, die an Mich glaubte, und getrauten sich auch darum nicht, Mich anzurühren. (a Johannes.07,44)

  • joh.07,45] Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und sie sprachen zu ihnen: »Warum habt ihr ihn nicht gebracht?«
       12] Als Ich im Lehren eine Pause machte, a da kehrten die Knechte unverrichteterdinge wieder zu den Pharisäern zurück. Als sie aber wieder ohne Mich zurückkamen, da herrschten die Pharisäer sie ganz zornig an und sprachen: »Warum habt ihr ihn denn nicht ergriffen und zu uns gebracht? Sehet ihr denn das nicht selbst ein, daß er uns gerade inmitten des herrlichsten Festes stört und dazu noch alles Volk von uns abwendig macht? Warum also habt ihr ihn nicht ergriffen und ihn uns zur gerechten Bestrafung überbracht?« (a Johannes.07,45)

  • joh.07,46] Die Knechte antworteten: »Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.«
       13] a Da antworteten die Knechte: »Höret, es hat noch nie ein Mensch so weise geredet wie dieser Galiläer! Der muß wahrlich von Gottes Geist erfüllt sein!« (a Johannes.07,46)

  • joh.07,47] Da antworteten ihnen die Pharisäer: »Seid auch ihr verführt?«
       14a] Da erwiderten ihnen die Pharisäer: »Was hören wir von euch? Seid denn auch ihr schon von ihm verführt? (a Johannes.07,47)

  • joh.07,48] »Glaubt auch irgend ein Oberster oder Pharisäer an ihn?«
       14b] a Glaubt denn auch irgend ein Pharisäer oder ein Oberster an ihn?! (a Johannes.07,48)

  • joh.07,49] »Sondern nur das Volk, das nichts vom Gesetz weiß; es ist daher verflucht.«
       14c] Nein, - a sondern nur das dumme Volk, das nichts vom Gesetze weiß und darum verflucht ist!« (a Johannes.07,49)
       15] Da sagten die Knechte: »Wir haben es euch schon letzthin gesagt, wie es sich mit dem von euch verfluchten Volke verhält, und dabei bleibt es! Ist es euch aber nicht recht, so gehet selbst hin unter das Volk und saget es ihm, daß es darob verflucht sei, weil es an den Galiläer glaubt, - dann wird euch das Volk schon zu erkennen geben, wie es mit eurem Fluche zufrieden ist! Ihr habt euch überhaupt vorgenommen, jeden Andersgläubigen zu verdammen, ohne zu untersuchen, ob des Nächsten Glaube nicht vielleicht in so manchen Stücken besser ist als der unsrige! Aber wir als ganz gemeine Knechte finden das ungerecht; denn solange Gott einen Menschen nicht richtet und verdammt, so lange sollen auch wir sterblichen Menschen Ihm nicht vorgreifen und dem Allweisesten etwa dadurch zu verstehen geben, daß wir Erdenwürmer noch weiser sind als Er. Verfluchet nur einmal auch den Glauben der Römer - aber so hübsch offen! -, die werden es euch dann schon sagen, was sie auf euer Gericht halten!«
       16] Sagten die Pharisäer: »Hebet euch von dannen; denn wir sehen, daß auch ihr schon verführt seid!«
       17] Sagten die Knechte: »Schlecht genug von euch, daß ihr uns und das Volk nicht besser zu unterrichten verstehet! Denn ihr werdet doch von uns nicht verlangen, daß wir vor euren falschen und schlechten Wundern Achtung haben sollen, da wir zu euren Wundern stets selbst die Werkzeuge und die geheimen Wundertäter waren?! Die Wunder aber waren allzeit noch das, was dem Volke vor euch Respekt einflößte, während alle eure Predigten und Lehren als ganz antimosaisch schon für die allerdümmsten Menschen zu dumm und zu schlecht waren! Ihr dürfet uns wahrlich nicht viel machen, sonst verraten wir dem Volke alle eure alten und nichtssagenden Wunder, und ihr könnet dann schauen, wie ihr mit dem Volke fertig werdet!«
       18] Hier wurden die Pharisäer mit den Knechten freundlicher, und diese gingen von dannen.


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