Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 169

Verheißung für Hilfesuchende. Jesu Abschied vom Hause des Markus.

01] Tritt zu Mir Ebahl, der Vater Jarahs, und spricht: »Es gibt nun wohl nichts, worüber man Dich noch fragen könnte; denn wir haben der Wahrheiten und der Wunderdinge hier in den etlich sieben Tagen in solcher Menge erlebt, daß, sie auf siebentausend Jahre verteilt, auf ein jedes Jahr ein tüchtiger Teil käme und die Menschheit denn auch in jedem Jahre genug zu staunen und darüber nachzudenken bekäme. Wir sind nun an den allergrößtwertesten Schätzen des Geistes überreich geworden; es hängt nun nur davon ab, diese Schätze auch tatsächlich ins Leben zu übertragen, - denn sonst sind sie wertlos für unsere Seelen, um deren Heil es sich da in diesem Leben einzig und allein handelt. Hier allein fragt es sich: Werden wir sonst nur schwachen Menschen stets die hierzu hinreichende Willenskraft besitzen? Was werden wir tun, wenn uns mit der Zeit Schwächen aller Art überfallen werden, die selbst den oft Bestwilligen nicht verschonen?«
02] Sage Ich: »Ich werde jedes ernsten Strebens Hilfe, Kraft und Stütze sein! In der Zeit der Not werde Ich niemanden verlassen, der sonst stets treugläubig und Mich liebend auf Meinen Wegen gewandelt ist. Ist er aber durch allerlei Lockungen der Welt von Meinen Wegen abgewichen, da muß er es sich dann schon selbst zuschreiben, so für ihn Meine Hilfe zur Zeit der Not unterm Wege verbleiben wird, und das so lange, als der Gefallene nicht voll Ernstes und reuig und vollgläubig sich an Mich wenden wird!
03] Ich werde zwar ewig ein und derselbe treue Hirte verbleiben und nachgehen den Schafen, die sich irgend verloren haben; aber das Schaf muß irgend zu blöken anfangen und sich finden lassen nach dem ihm eigenen und unantastbaren freien Willen.
04] Wer da irgend belastet ist mit einer für seine Kraft zu großen Lebensbürde, der komme im Herzen zu Mir, und Ich werde ihn stärken und erquicken! Denn Ich gebe eben darum manchem eine größere Bürde zu tragen, auf daß er fühle seine Schwäche und zu Mir käme dann im Herzen und Mich bäte um hinreichende Kraft zur leichteren Ertragung seiner größeren Lebensbürde; und Ich werde ihn stärken in jeglicher Not seines Lebens und ihm ein rechtes Licht geben, zu durchwandeln die finsteren Wege des Lebens dieser Welt. Wer aber diese zu große Bürde wohl fühlt, aber nicht zu Mir kommt im Herzen, der muß sich's selbst zuschreiben, so er erliegt unter der zu großen Last des Erdenlebens.
05] Da hast du den Bescheid auf deine Frage, Mein Freund Ebahl! - Wer noch einen Anstand hat, komme und forsche!«
06] Kommt in tiefster Ehrfurcht zu Mir Schabbi, der Redner der eben auch noch anwesenden zwanzig Perser, und sagt: »Erlaube, o Herr, mir auch noch ein Wort!«
07] Sage Ich: »Rede, Schabbi! Darum habe Ich zu allen gesprochen: Komme und forsche!«
08] Spricht Schabbi: »Daß Du, o Herr, jemandem helfen wirst, der Dich darum anrufen wird, das ist ganz sicher und gewiß; aber was sollen da jene Menschen tun, die ohne ihr Verschulden von Dir, o Herr, unmöglich etwas wissen können, noch lange von Dir nichts erfahren und wissen werden, nun in der größten Lebensfinsternis leben und unsägliche Lebensbürden ertragen müssen? Zu wem sollen diese sich wenden, der ihnen Hilfe brächte und Stärkung in ihrer unbeschreibbar großen Not?«
09] Sage Ich: »Kein Fleck auf der Erde, dahin nicht käme das Licht der Sonne, und so gibt es auch keinen Menschen, der nicht zum wenigsten eine Ahnung hätte von einem allmächtigen Gottwesen. Er bitte, verlange und hoffe nach seinem Glauben, und er wird auch eine Hilfe finden! Aber es gibt nur gar so viele Menschen nun, die gar keinen Glauben haben. Diese helfen sich selbst und machen sich auf Kosten der andern ihre Lebensbürde so leicht als nur immer möglich; die brauchen von uns dann wahrlich keine Hilfe. Wer einmal des Satans sein will, der sei es; denn einem Selbstwollenden geschieht kein Unrecht! Übrigens denke du nur zurück, was Ich über die mannigfachen Lebensverhältnisse aller Menschen auf der ganzen Erde, und das für alle Zeiten, geredet habe, und du wirst darin alles klar erleuchtet finden!

Petrus wehrt sich gegen Jesu Leidens- und Auferstehungsankündigung

10] »Und nun ist Mein Stündlein, unter euch zu sein, abgelaufen. Ihr möget nun in Meinem Namen noch länger hier beisammen verweilen; Ich aber werde mit Meinen Jüngern Mich notgedrungen von dannen begeben. Frage Mich jedoch niemand von euch, wohin! Denn vorderhand weiß Ich als ein purer Menschensohn es Selbst nicht; nur der Vater in Mir weiß es, und Der spricht: 'Nun hebe Dich und gehe! Auf dem Wege werde Ich es Dir offenbaren, wohin!' - Der Friede und Meine Liebe sei mit euch!«
11] Darauf sagte Ich zum Markus: »Mache das große neue Schiff los! Ich und Meine Jünger werden es besteigen. Und ihr, Meine Jünger, erhebet euch und folget Mir! Eines Schiffsmannes bedürfen wir nicht: das Schiff wird jedoch unversehrt zur rechten Zeit von selbst ohne Steuermann in den Hafen zurückkommen.«
12] Alle fingen an zu weinen, als Ich mit den Aposteln in das Schiff ging. Ich aber stärkte ihre betrübten Herzen, fuhr schnell auf die hohe See hinaus und entschwand bald ihren Blicken. Sie blieben aber noch den ganzen Tag und die ganze Nacht beisammen und besprachen sich über Mich, Meine Lehren und Taten. Erst am nächsten Morgen zogen sie in ihre Orte, und Cyrenius machte Anstalten, alle die vielen hier bekehrten Pharisäer ihren neuen Bestimmungen zuzuführen. Mehrere wollten Mir nachfahren; doch Raphael hielt sie davon ab und sagte, daß Ich ohnehin bald wieder nach Kis, Genezareth und auch hierher kommen werde. Da wurden alle ruhig und lobten Gott, daß Er sie solcher Gnaden gewürdigt hatte. In wenigen Tagen kamen schon eine Menge Gäste von Tyrus und Sidon, um hier die Wunder zu schauen und die Heilquellen zu genießen, und Markus nahm auch gleich eine Menge Diener auf.


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