Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 234

Die Verbindung der Sinnesorgane mit dem Gehirne.

01] (der Herr:) »Da wir aber nun diese gar wichtigste Vorarbeit beschaut und begriffen haben, so müssen wir, um die Sache ganz zu verstehen, auch noch ganz kurz auf das einige Blicke richten, wie endlich die Seele auch die Bilder aus der materiellen Welt denselben Gehirntäfelchen einprägen läßt.
02] Sehet nun her, es sollen nun denn auch Bilder, durch die Augen kommend, den Gehirntäfelchen eingeprägt werden! - Ich will es, und also geschehe es!
03] Besehet nun die besonders vor zwei Flächen angebrachten Schreibstifte oder Obelisken, wie sie nun auf einmal ganz dunkel geworden sind! Es hat das Ansehen, als wären sie mit einem sehr dunklen Safte angefüllt worden, und sehet, schon sind wir alle, zum Reden getroffen, auf die Gehirntäfelchen von Zug zu Zug, nebst den Bäumen und nebst allem, was uns da zu Gesichte kommt, gezeichnet! Aber nicht nur einseitig und tot, sondern allseitig und wie lebendig!
04] Jede Bewegung, die wir machen, wird hier ein wie tausendmal tausend Male wiedergegeben, und dennoch bleibt eine frühere oder auch tausend frühere Stellungen, in der Pyramide inneren Gemächern eingezeichnet, dem Auge der Seele gleichfort ersichtlich, weil vom geistig-seelischen Lichte gleichfort erhellt; und das bewirket das, was man zum Teil 'Gedächtnis' und zum Teil 'Erinnerung' nennt, weil es inwendig der Gehirnpyramiden haftet. Dieses vervielfacht sich aber auf dem Wege der vielfältigsten Reflexion so, daß man einen und denselben Gegenstand dann unzählige Male in sich tragen kann.
05] So trägt ein jeder Mensch, besonders in seiner Seele und noch unaussprechbar mehr in seinem Geiste, die ganze Schöpfung vom Größten bis zum Kleinsten ihrer Teile in sich, weil er daraus genommen ist.
06] Beschaut er nun die Sterne oder den Mond oder die Sonne, so wird alles das von neuem wieder in seine Gehirnorgane gezeichnet auf die euch nun gezeigte Art, und die Seele beschaut es und hat ein rechtes Wohlgefallen daran, und es wird das Geschaute durch die rechte Lust der Seele gleich in der Gehirnpyramidchen Inneres und Innerstes, natürlich in sehr verkleinertem Maßstabe, vielfach auf dem Wege der inneren Reflexion eingegraben und kann von der Seele allzeit wieder gefunden und vollkommener beschaut werden.
07] Alle die Zeichnungen aus der Sphäre der äußeren Welt erscheinen zwar für sich nur als dunkle Bilder; aber die hinter ihnen stehenden Lichtbilder aus einer bessern Lebenssphäre erhellen die Naturbilder, und diese sind daher selbst und in allen ihren Teilen zur Genüge erhellt, so daß sie die Seele in ihrem Innerstgefüge gar wohl durchschauen, erforschen und begreifen kann.
08] Zudem aber steht besonders das Vordergehirn mit den Geruchs- und Geschmacksnerven in einer steten Verbindung, so wie das Hinterhaupt mit den allgemeinen Gefühlsnerven. Diese hinterlassen denn auch auf den eigens dazu bestimmten Gehirntäfelchen gewisse Merkmale, aus denen die Seele gleich und ganz leicht wieder erkennt, wie zum Beispiel eine oder die andere Blume oder Salbe riecht, oder wie diese oder jene Speise, Frucht oder dieses und jenes Getränk schmeckt und auch wieder riecht; denn es ist die Einrichtung also getroffen, daß jedes Geruchs- und Geschmackstäfelchen durch sehr reizbare Nerven in strenger Verbindung mit einem oder dem andern Sachtäfelchen steht.
09] Sobald nun ein bekannter Geruch die Geruchsnerven jemandes in Bewegung setzt, so repräsentiert sich das auch gleich auf einer entsprechenden Geruchs- oder Geschmackstafel, und von der aus wird sogleich die entsprechende Sachtafel angeregt, und die Seele erfährt dadurch schnell und leicht, womit sie unter jenem Geruche oder Geschmacke zu tun hat. Ebenso repräsentiert sich der Seele auch von seiten des allgemeinen Gefühls durch das Hinterhaupt die Sache, durch die irgend das Gefühl erregt worden ist, in ihrer Form und Beschaffenheit. Aber das alles geschieht wohl erkenntlich nur bei einem, wie nun gezeigt, höchst geordneten Gehirne; bei dem andern, ungeordneten Gehirne werden wir hie und da kaum entfernte Ähnlichkeiten mit diesem geordneten Gehirne finden, wie wir uns davon gleich faktisch und praktisch überzeugen werden.
10] Ihr bemerket dieses zweite Gehirn in seinem Tafelgefüge und in der Unregelmäßigkeit der Haupt- und Nebenkammerabteilungen schon als ein Gemenge von allerlei stereometrischen Figuren, darunter auch Scheiben, Kugeln, Sphäroiden und sonstige breiartige Klumpen. Die Obelisken vor den Flächen sind zumeist gar nicht als daseiend ersichtlich; und wo sie noch ersichtlich sind, da sind sie wie ganz verkümmert und selten von irgend gleicher Größe und Stärke!
11] Wie kann solch ein Gehirn einer Seele dienlich sein? Dies Gehirn, wie es sich nun darstellt, kam aus den gezeigten Gründen schon also zerrüttet aus dem Mutterleibe. Wir werden aber nun sogleich ersehen, welchen Verlauf es mit der gewöhnlichen Weltbildung nehmen und zu welch einem Ende und Ziele es gelangen wird. Gebet nun alle wohl acht darauf!«


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