Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 233

Der Zusammenhang des Vorderhauptgehirnes mit dem Hinterhauptsgehirn.

01] (Der Herr:) »Aber nun hauche Ich unsere vier Gehirnhaufen noch einmal an, und du wirst dann auch etwas Ähnliches wie die zwei und zwei Oubeliske (Spitzsäulen) vor den Pyramiden erschauen. Die Spitzsäulen waren wohl zu einem andern Zwecke bestimmt als die je zwei und zwei Säulchen vor jeder Fläche der Gehirnpyramidentäfelchen; denn die Spitzsäulen vor den Pyramiden zeigten bloß an, daß in den Pyramiden die Weisheit zu suchen sei, wozu freilich nur ein erwiesen reiner Mensch zugelassen wurde.
02] Die zwei Spitzlein vor den Gehirntäfelchenflächen, deren somit jedes Gehirnpyramidlein acht besitzt, sind die Schreibstifte, mit denen mittels der Bewegung der dazu eigenen Gehirnnerven, die mit den Seh- und Gehörnerven in einer höchst kunstvollen und organisch-mechanischen Verbindung stehen, die Täfelchen entweder nach einer gewissen Ordnung beschrieben oder mit noch anderen entsprechenden geistigen Lichtbildern bezeichnet werden.
03] Gebt aber nun ganz besonders acht auf alles, was da vorkommen wird! Wir wollen nun diese Schreibstifte mit einer Lymphe füllen und zuerst unsere Betrachtungen bei dem ordentlichen Gehirne anfangen! - Ich will, daß die Täfelchen dieses Gehirnes zuerst ordentlicherweise, wie von einem Gemüte ausgehend, sowohl seh- als auch gehörseits, ganz ordentlich überzeichnet werden!«
04] Nun strengten alle nach Möglichkeit die Augen an und starrten mit der gespanntesten Aufmerksamkeit nach unserem Gehirnapparate. Ich mußte hier freilich die Lichtbilder auch von materiellem Grellichte entstehen lassen; denn mit dem Seelenlichte wäre für die Fleischaugen Meiner Jünger so gut wie nichts zu sehen gewesen. - Was bemerkten denn nun die Aufmerksamsten Beobachter?
05] Sie bemerkten, wie sich aus den Spitzen rötliche und bläuliche Sternlein über die Gehirntäfelchen ergossen, und zwar in einer solchen Ordnung, daß ein recht scharfes Auge aus diesen zahllosen Sternlein auf den Gehirntäfelchen allerlei der wundersamsten Bildchen zu entdecken begann.
06] Ich bewirkte für diesen Augenblick freilich auch, daß die Augen der Beobachtenden auf einige Augenblicke die stark vergrößernde Eigenschaft eines Mikroskopes bekamen, was hier sehr notwendig war, weil sonst die Beobachter von den wunderbaren Lichtzeichenbildern und -formen nicht viel ausgenommen haben würden. Da hätte die frühere zehnfache Vergrößerung der Gehirnpyramidchen nicht ausgelangt. Da sie aber nun die Gehirntäfelchen ums Tausendfache größer ersahen, so konnten sie schon immer recht sehr vieles entdecken.
07] Ich fragte denn nun auch den Cyrenius, was er nun alles sähe. Und er sagte: »Herr, Wunder über Wunder! Aus den sehr beweglichen und aus sehr vielen Organen nach der ganzen Länge und nach kreuz und quer bestehenden Vorpyramid-Obelisken strömen fortwährend eine Menge Sternlein von lichtrötlicher und lichtbläulicher Farbe. Die beiden gleichsam Fühlhörner jeder der vier Pyramidenflächen sind ununterbrochen tätig und fahren mit ihren funkensprühenden Spitzen ununterbrochen auf der ihnen gegenüberstehenden Pyramidenfläche mit aller Emsigkeit umher und bestreuen diese mit den Sternlein. Man sollte meinen, daß durch dieses scheinbar sinnlose und wie zufällige Herumfahren auf der Dreikanttafel nichts als ein Gekritzel herauskommen könne; aber es wächst wie von selbst allerlei ordentliches Gebildwerk heraus und ist gar lieblich anzusehen.
08] Nur merke ich nun, daß die beiden Säulchen ganz ruhig werden, wenn eine Fläche einmal voll angezeichnet ist. Es ist aber kaum glaublich, daß diese tausendmal tausend Zeichen und Bildchen in der kurzen Zeit von den zwei lebendigen Zeichenstiften auf eine solche Dreiecktafel haben hingezeichnet werden können! Die Formen sind zwar noch sehr klein, obwohl wir so eine Fläche in der größten Manneshöhe erschauen; aber so rein stehen diese kleinen Bildchen und Zeichlein da, daß man sich schon nichts Reineres und Vollendeteres denken kann.
09] Aber warum sind denn im Hinterhaupte auf den dem Vorderhaupte ganz ähnlichen Täfelchen keine Bildchen zu entdecken? Ich entdecke darauf nichts als pure Linien, Punkte und anderes hakenförmiges Zeichenwerk, aus dem ich nicht klug werden kann. Was soll denn das zu bedeuten haben?«
10] Sage Ich: »Das sind Zeichen der Töne und Zeichen des Wortes; sie stehen aber dennoch nicht allein für sich da, sondern stehen stets mit einer Fläche eines Vorderhauptsgehirntäfelchens in einer polarischen Verbindung, und der Ton oder der Begriff, der auf des Hinterhauptes Täfelchen mittels Linien, Punkten und anderer hakenförmiger Zeichen aufgetragen wird, wird im selben Momente auch gewöhnlich auf die zuunterst liegende Pyramidenfläche des Vorderhauptes als ein entsprechendes Bildlein aufgezeichnet und so der Seele zur leichteren Erkennung dargestellt.
11] Um das zu bewerkstelligen, müssen eine Menge von Nervenfäden von jedem Gehirnpyramidchen des Hinterhauptes zum entsprechenden Pyramidchen des Vorderhauptes gezogen sein, ansonst sich niemand von einem vernommenen Begriffe, von einer mit Worten beschriebenen Gegend oder Handlung eine klare Vorstellung machen könnte.
12] Unartikulierte Töne, auch Musik, werden nicht übertragen, daher sich denn auch kein Mensch unter einem Tone oder unter einer Harmonie oder einer Melodie irgendein Bild oder irgendeine Sache vorstellen kann; denn, wie gesagt, es werden solche Töne nicht auf des Vorderhauptes Gehirntäfelchen wiedergezeichnet, sondern bleiben allein auf einer entsprechenden Pyramidenfläche des Hinterhauptes haften als Linien, Punkte und Häkchen.
13] Von den mit puren Tönen angezeichneten Hinterhauptspyramidflächen gehen aber dafür Nerven durch das Rückgratmark zu den Magengrubennerven (Ganglien) und von da zum Herzen, aus welchem Grunde denn die Musik, wenn sie ganz rein ist, auch hauptsächlich nur auf das Gemüt wirkt, es ergreift und nicht selten zart und weichfühlend macht.
14] Aber vors Gemüte ausgehend und aufsteigend, können die Töne dennoch durch das Licht der Liebe als die Sternlein durch zwei Obelisklein auf die Gehirntäfelchen in Formen gezeichnet werden und sind dann der Seele nicht selten wahre Wegweiser in die großen Lebenshallen des Geistes, und aus diesem Grunde kann eine rechte und ganz reine Musik der Seele sehr behilflich sein zur vollen Einigung mit ihrem Geiste. Daher lernet und lehret auch die reine Musik, wie sie dereinst David betrieb!
15] Daß eine reinste Musik das vermag, könnet ihr auch daraus ersehen, daß ihr auf einem Platze Feinde und Freunde aufstellen und dann in ihrer Mitte erschallen lassen könnet die reine Musik, und ihr werdet statt der Feinde bald lauter gemütliche Freunde erblicken. Aber es bringt diese Wirkung nur eine reinste Musik zustande; eine unreine und zotige Musik bewirkt gerade das Gegenteil.
16] Du hast denn nun gesehen, wie auch die Töne auf einem Umwege dennoch auch als etwas Beschauliches der Seele vorgestellt werden, wenn - schon nicht als Sachbilder, so doch als höhere geistige Formen in Gestalt von allerlei Zeichen, wie man ähnliche auch auf den alten Denkmälern Ägyptens antrifft. Ich meine, daß dir das bisher Gezeigte so ziemlich klar sein wird, und so setze Ich da nichts Weiteres mehr hinzu, als daß das alles nur bei einem wohlgeordneten und unverdorbenen Gehirne vorkommt in der ordentlichen Vorbildung aus dem Gemüte, wo die Gehirntäfelchen zuerst mit dem Lichte mit allerlei seelischen und geistigen Formen beschrieben werden.«


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