Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 222

Die Bedeutung der Außenlebensphäre der Seele.

01] (Der Herr:) »Ihr begreifet nun nur das noch lange nicht lebensklar zur Genüge, was im Grunde des Grundes so ganz eigentlich die Außenlebenssphäre der Seele ist, und wie diese Kraft wirkend, fühlend, hörend und sogar sehend sich äußern kann! Es ist dieses wohl für euer Verständnis ein bißchen schwer zu begreifen, weil sich in der äußern, für eure Fleischaugen beschaulichen Welt gar kein recht taugliches Beispiel aufstellen läßt, weil alles Geistige sich nur höchst schwer in irgendein materielles Bild einkleiden läßt. Aber da ihr diese äußerst wichtige Sache denn doch ein wenig zu schwach einsehet, so will Ich euch dies noch ein wenig mehr erhellen. Aber ihr müßt alle eure Sinne so recht kernfest zusammennehmen, sonst fasset ihr diese allerwichtigste Lebenssache abermals nicht tief genug!
02] Daß dies aber ein Allerwichtigstes ist, möget ihr daraus ersehen und gar wohl erkennen, daß Ich die Erklärung dieses Urlebensgeheimnisses zur jetzt unseres hiesigen Beisammenseins erläutere. Wie Großes Ich euch aber auch schon zum voraus die sieben Tage hier und früher auch anderorts gezeigt habe, so bleibt aber dieses dennoch das Größte, und alles andere ist euch dieses bis jetzt Größten wegen gezeigt worden, weil ihr es ohne solche wunderbare Vorgänge und Vorbereitungen unmöglich nur dem geringsten Teile nach begriffen hättet.
03] Warum bezeichne Ich aber eben dieses nun als ein Wichtigstes? - Das ist sehr leicht zu erraten und einzusehen! Wer sein Leben wahrhaft bessern und zum eigentlichen Leben erheben will, der muß es zuvor in allen seinen Teilen erkennen, wie es besteht, sich äußert, wie es unter gewissen Bedingungen und Vorgängen sich so oder so äußert; wie es, so es verdorben und verkehrt wurde, wieder zu bessern ist und ein vollends gebesserter Lebenszustand zu erhalten und auch auf die Nebenmenschen übergehend zu verpflanzen ist, damit am Ende ein Hirt und eine Herde werde.
04] Daß aber für den wahren Menschen die volle Erkenntnis des Lebens das Allerwichtigste ist, das haben zu allen Zeiten die weisesten Männer aller Völkerschaften eingesehen und behauptet; nur fanden sie den Weg nur sehr mühsam und schwer oder zumeist auch gar nicht dazu. Nun aber bin Ich, als ein Herr und Meister alles Lebens und Seins von Ewigkeit, Selbst zu euch gekommen und habe wunderbar alles hierher auf diesen von der Welt noch zuallermeist abgetrennten Ort beschieden, um euch das wahre Lebenssein so beschaulich und handgreiflich als möglich vor die Augen zu stellen, und so werdet ihr es mit der Weile und rechter Geduld wohl begreifen; aber dann wird es auch eure Pflicht sein, das von euch Begriffene auch euren Nebenmenschen soviel als möglich begreiflich zu machen!
05] Denn so in einem Lande das nur ein oder zwei Menschen für sich einsehen, begreifen und davon den Gebrauch für sich machen, so wird ihnen das ebensowenig von einem besonderen Nutzen sein wie einem Weisen in einem Narrenhause unter lauter Narren oder in einem Esel- und Ochsenstalle! Werden diese den Weisen wohl verstehen, so er ihnen aus seiner innersten Weisheitstiefe die erhabensten Lehren mit den freundlichsten Worten vortragen wird?!
06] Ein Weiser kann ja nur wieder von Weisen erkannt und verstanden werden! Aus dem Leben der Tiere und der rechten Narren läßt sich nichts machen, denn was daraus zu werden hat, dafür ist schon durch Meine ewige Ordnung gesorgt; aber aus dem Leben der Menschen könnet ihr alles zeihen auf dem rechten Wege der Wahrheit, Liebe, Geduld und Weisheit!
07] Und habt ihr aus den Menschen euch wahre Brüder und Freunde gezeihet, die mit der Zeit in der Erkenntnis des Lebens euch gleichen werden, so werdet ihr auch eine wahre Freude und Seligkeit untereinander genießen und stark werden in allem Guten, das ihr leicht ausführen werdet! Denn hundert Arme richten mehr aus als einer, hundert Augen, nach allen Seiten gerichtet, sehen mehr als zwei, und die Außenlebenssphäre von Tausenden vereint, ist ein ganz kurios mächtiger Hebel zur Abwendung von allerlei Gefahren und Übeln, von welcher Seite sie auch immer kommen möchten, und welches Namens sie auch seien.«


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