Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 223

Die Kraft des liebevollendeten Menschen.

01] (Der Herr:) »Ihr habt doch gesehen die Macht des gemeinschaftlichen Wirkens durch den Verband der Außenlebenssphären von etlichen dieser nun unserer Mohren! Wie viele gewöhnliche Menschenkräfte wären dazu wohl erforderlich, um einen solchen Baum, wie jene alte Zeder, samt dem schweren Erdballen herauszuheben?! Wie viele natürliche Menschenkräfte hätten wohl jenen sehr großen und somit überaus schweren Fels von seiner früheren Stelle weitergeschoben oder hinweggewälzt?! Die wenigen Mohren haben ihn vor euren Augen durch die Luft geschoben oder eigentlich getragen! Aus dieser unleugbaren Tatsache mußtet ihr ja doch entnehmen, welch eine Macht und Kraft da liegt in der vereinigten Außenlebenssphäre einer naturvollkommenen Seele!
02] Wenn aber schon diese Mohren, die von der Macht und Kraft Meines Namens nichts wußten, bloß durch die Macht der vereinten Außenlebenssphären ihrer naturvollkommenen Seelen so Außerordentliches zustande gebracht haben, um wieviel Größeres müßtet dann erst ihr zustande bringen, die ihr mit den vereinten Außenlebenssphären eurer durch Mein Wort und durch den allmächtigen Geist Meiner Liebe zu euch vollendeten Seelen wirken könntet!
03] Wahrlich, wahrlich, Ich sage es euch: Nicht nur solche Bäume und Felsen, sondern ganze Berge könntet ihr versetzen, so es irgend nach der klaren Einsicht eures weisen Herzens vonnöten wäre; was aber irgend not täte, das würdet ihr doch in einem jeden Augenblicke durch Meinen Geist in euch erfahren, der durch Mein stets lebendiges Wort in eurer Seelen Herzen gleichfort gegenwärtig wäre!
04] Wäre das nicht ein höchst wünschenswerter Zustand eines vollendeten Menschen in Meinem Namen, und noch wünschenswerter von einer ganzen Gemeinde oder gar einem Volke?
05] Seine mögliche Effektuierung (Verwirklichung) liegt vor euren Augen, und es ist daher höchst notwendig, daß ihr als nun Meine nächsten Jünger diesen allerwichtigsten Zustand in und bei euch vollkommen erkennet und ihn dann aber auch alle anderen Menschen in der rechten Art und Weise erkennen lehret! Denn wer ein Licht hat, der soll es nicht unter einen Scheffel stellen, allda es mit seinen die Finsternis erhellenden Strahlen niemand etwas nützen kann, sondern das Licht tue man auf einen freien Tisch, von dem aus es allen Anwesenden leuchten kann!
06] Ein natürliches Licht ist zwar leicht auf einen Tisch gestellt! Mit der Leuchte für Herz und Seele geht es sicher ums unvergleichliche schwerer; aber ein guter und fester Wille bringt auch das zustande, und mit Meiner sichern Hilfe in solch wichtigster Lebensangelegenheit sogar mit leichterer Mühe, als ihr es glaubet. Natürlich muß jeder das, was er seinem Nächsten geben will, zuvor selbst besitzen, ansonst gleicht er einem Blinden, der einen andern Blinden führen will; kommen sie endlich an einen Graben, so fallen sie beide hinein!
07] Ich habe euch nun diese größte Wichtigkeit solches Zustandes der wahren Lebenskraft einer vollkommenen Menschenseele doch hoffentlich hinreichend auseinandergesetzt und habe euch auch gezeigt die große Wichtigkeit der vollen Selbsterkenntnis, die bei den Kindern durch eine rechte Erziehung und bei den ohne ihre Schuld schon einmal verbildeten Menschen durch die rechte Demut, Geduld und hauptsächlich durch die wahre, tätige Liebe zu Gott und daraus zum Nächsten im möglich reichlichsten Maße erreicht werden kann. Die Taten der seelenlebenskräftigen Mohren, die euch zur richtigen Selbsterkenntnis führen sollen, habe Ich euch erklärt, die ihr aber dennoch nicht zur Genüge lebenstief begriffen habt. An euch liegt es denn nun, der Wichtigkeit des Gegenstandes wegen zu fragen und durch die Frage aus euch selbst kundzutun, wo und was euch noch mangelt!
08] Ihr müßt das Abgängige zuvor lebendig fühlen, ansonst ihr euch mit eurem freiesten Willen nimmer darum bekümmern könntet; denn so jemand etwas verloren hat, und er weiß aber nichts davon, - wird er dann das Verlorene wohl irgendwo zu suchen beginnen? Man muß alsonach zuvor recht lebendig fühlen, daß einem etwas abgeht, und worin das besteht, was einem abgeht, und muß auch erkennen den großen Wert des Abgängigen, ansonst man es nie mit dem erforderlichen lebendigen Eifer zu suchen anfangen wird!«


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