Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 215

Die Außenlebensphäre der menschlichen Seele und die Außenlichtsphäre der Sonne.

01] (Der Herr:) »Das, sage, erste Menschenpaar konnte von Mir unmöglich anders als nach der rechten Lebensordnung vollendet auf diese Erde gesetzt werden. Das Gemütsleben mußte als vollkommen ausgebildet in dieser Welt auftreten, um nicht schnell eine Beute von tausendmal tausend anderen feindlichen Kreaturen und Elementen zu werden.
02] Das eigentliche Ebensein mit Meinem urgöttlichen Sein war in dem ersten Menschenpaare schon als vollendet da und konnte darum die Herrlichkeit über die gesamte Kreatur vollst wirksam ausüben. Wie aber geschieht solche Wirkung? Höret!
03] Die im Gemüte vollkommene Seele ist persönlich zwar auch in der vollkommenen Menschenform im Leibe vorhanden; aber ihr Empfinden, Fühlen und Wollen gehet, gleichwie die Lichtstrahlen aus und von der Sonne, nach allen denkbaren Seiten weit und wirkend hinaus. Je näher an der Seele, desto intensiver und wirksamer ist denn auch der beständige Ausfluß des Denkens, Fühlens und Wollens.
04] Die Außenlichtsphäre der Sonne, in der sich diese Erde, der Mond und noch eine große Menge allerleiartiger anderer Weltkörper befinden, ist gewisserart die Außenlebenssphäre der Sonne, durch die alles, was in ihrem Bereiche sich befindet, zu einem bestimmten Naturleben erweckt wird. Alles muß sich da mehr oder weniger in die Ordnung der Sonne fügen, und diese ist dann ein Gesetzgeber und ein Herr aller andern Weltkörper, die sich nur irgendwo im Bereiche ihrer Lichtausstrahlung befinden.
05] Freilich kann man von der Sonne nicht sagen, daß sie denke und wolle; aber ihr Licht ist dennoch ein gar großer Gedanke, und des Lichtes Wärme ein gar fester Wille, - aber nicht von der Sonne, sondern von Mir ausgehend und wirkend durch das organische Wesen des Sonnenkörpers.
06] Je näher denn ein Weltkörper der Sonne ist, desto mehr muß er auch die lebenswirkende Kraft der Außenlebenssphäre der Sonne in sich wirkend und bestimmend wahrnehmen und muß sich fügen in alles das, was das Licht und die Wärme der Sonne in und auf ihm zeihen will.
07] Wie aber da die Sonne wirket auf den Weltkörpern Wunderbares bloß durch ihre Außenlebenssphäre, also auch eine unverdorbene und in ihrer ursprünglichen Art vollkommene Seele, die da ist voll Lebens, also voll Liebe, voll Glaubens und voll des festen Willens!
08] Eine solche Seele ist ganz Licht und Wärme und strahlet weithin aus, und diese Ausstrahlung bildet dann gleichfort ihre mächtige Außenlebenssphäre. Wie sich aber in der Außenlebenssphäre der Sonne Mein Wille als überall wunderbar wirkend ausspricht und keine Macht demselben widerstreben kann, ebenso spricht sich der Wille einer vollkommenen, unverdorbenen Seele, der - weil Meine Ordnung - auch Mein Wille ist, als wunderbar wirkend aus.
09] Wenn aber die Sonne durch Meine Zulassung ganz zerrüttet werden würde, zerstört in ihrem höchst kunstartig und weise geschaffenen großartigen Organismus und Mechanismus und ihre große Naturseele aller Naturseelen am Ende, ganz geängstigt und verkümmert, nichts zu tun und zu sorgen hätte, als ihren kleinzerrütteten Körperorganismus zurechtzubringen oder im ungünstigsten Falle gar zu verlassen und die großen Trümmer der höchst eigenen Auflösung zu überantworten, wie würde es dann mit der allbelebenden Außenlebenssphäre aussehen? Da würde gleich in ihrem Planetengebiete die größte Unordnung eintreten; alle Vegetation und alles Fleisches Leben hätte da ehest ein Ende!
10] Werden sich die Menschen auch noch eine Zeitlang mit den allerleiartigen Vorräten forthelfen, die ewige Nacht eine Weile erhellen mit Fackeln und Lampen und die Gemächer erwärmen mit dem auf der Erde vorrätigen Holze der Wälder, so würde das im günstigsten Falle bei den allervorratsreichsten Menschen dieser Erde höchstens zehn Jahre allerkümmerlichst andauern. Nach dieser Zeit aber wäre es dann schon aus mit allem vegetativen und kreatürlichen Leben auf der Erde. Alle Pflanzen würden nicht mehr wachsen und zeihen den lebendigen Samen; die Tiere fänden kein Futter mehr und müßten Hungers verenden und vor zu großer Kälte erstarren; die Erde selbst würde aus ihrer Bahn treten und dann entweder irgend mit einem andern Planeten zusammenstoßen, oder sie würde nach vielen tausend Jahren in das Lichtgebiet einer andern der zahllos vielen Sonnen hingelangen, in deren Licht und Wärme von neuem aufzutauen und in einer veränderten Ordnung wieder irgend langsam und nach und nach aufzuleben anfangen, aber in ihr jetziges, ganz glückliches, bestgeordnetes Sein sicher nimmer gelangen!
11] Das alles wäre Wirkung und Folge, so die Sonne in eine große oder gar größte Unordnung in ihrem Wesen geriete. Sie wäre nicht mehr Herr und Gesetzgeber für die vielen anderen, kleineren, sie umbahnenden Weltkörper. Diese würden, wie gesagt, bald selbst in eine gräßliche Unordnung geraten und zunächst der Sonne durch ihr mächtiges Fallen auf sie feindlich werden, was die Sonne nimmer verhindern könnte, weil sie nach außen hin gar keine wirkende Außenlebenskraft besäße, um die entfesselte Schwerkraft der Planeten entweder aufzuhalten oder sie wenigstens zu mäßigen.
12] Daß sich aber irgendeine, nur auf der großen Oberfläche, also nur auf der äußersten Haut der Sonne vorkommende, nicht füglich ganz vermeidbare und nur kurz dauernde örtliche Zerrüttetheit auch sogleich auf den Planeten unvorteilhaft äußert, das beweisen die nicht selten vorkommenden schwarzen Flecke, mit denen ihr dann und wann die auf- oder die untergehende Sonne behaftet gesehen habt. Sobald ihr solch einen Fleck nur wie einen Punkt groß erschauet, so dürfet ihr darauf rechnen, daß sich auf der Erde solch eine Unordnung auch bald stürmisch und böswetterig wird zu äußern anfangen.
13] Aber warum denn das? Ist die Sonne doch so weit von der Erde entfernt, daß ein scharf abgeschossener Pfeil nahezu fünfzig volle Jahre benötigen würde, um in die Sonne zu gelangen; was kann dann daß der lebenskräftigen Erde machen, was in solch einer Entfernung auf dem Sonnenkörper geschieht?
14] Ja, das unmittelbar, was auf dem Sonnenkörper geschieht, würde auf der Erde wohl von gar keiner Wirkung sein; aber der schwarze Fleck ist auf der Sonne nicht so klein, wie er sich von dieser Erde her ausnehmen läßt! Dort in der Wirklichkeit ist er von einer um etliche tausend Male größeren Ausdehnung, als wie groß da ist die ganze Erde auf ihrer Oberfläche. Das bewirkt dann für die höchst sensitiven Lebensgeister der Erde schon einen fühlbaren Licht- und Wärmemangel. Sie werden sofort ängstlich und setzen sich in eine übermäßige Tätigkeit, und heulende Stürme, Wolken, Regen, Hagel und Schnee, zuweilen sogar in den heißen Ländern der Erde, sind die Folgen solch einer nur ganz geringsten Unordnung auf gewisserart nur einem Punkte der Sonne, weil die heimische Unordnung auch in der Sonne Außenlebenssphäre, die noch sehr weit über diese unsere Erde in den weiten Schöpfungsraum hinausreicht, übergeht und sich auf den Weltkörpern, die im Außenlebensbereiche der Sonne sich befinden, ebenso nachteilig äußern muß, wie sich sonst die ungestörte Licht- und Wärmeordnung der Sonne auch durch ihre Außenlebenssphäre auf den zur Sonne gehörigen Erdkörpern nur sehr wohltätig äußert.«


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